Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1927)
- Date
- 1927-01-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4 Nr. 2 ■.■■ ii!i l.\ \l b f: ü!• 1 i I f r & ii f m ui fi; I d ff: t v 6: n i-i so T' 8 m sii frei keil 9«;? n> ri; Esic 1im fa; l da D e r Israelit . 13. Januar 1927 Nun aber steht auch in der Schöpfungsgeschichte des ersten Tages ^*n*v Es fand auch an ihm eine Scheidung statt und dennoch heißt es, „daß es gut ist." Es kommt aber darauf an, was geschieden wird. Arn zweiten Tage wurde @(?M}ffr({ge?? vene!n«nbef getrennt, äSo Ole!^ artiges, Zusammengehöriges ausemandergerisien wird, kann es nicht heißen, daß es gut ist. Am ersten Tage dagegen wurde Licht von Finsternis gesondert, wurden Gegensätze voneinander geschieden, das ist gut, sogar sehr gut. Nach diesem Worte wirkte er. Als er nach Neutra Mm, vor sich chm dort em überaus schwieriges Arbeitsfeld. In der Gemeinde hatten, trotz ihres orthodoxen Charakters, die neolog Gesinnten, die damals noch der Gemeinde angehörten, die Macht zum großen Teil in der Hand. Auf ihrer Seite waren die größten Steuerzahler und die akademische Schicht. Auch zahlenmäßig waren sie sehr stark. Die Institutionen waren unzuverlässig. cpkv kauften in Neutra kein Fleisch mehr. Sein Amtsantritt wirkte wie eine Erlösung. Man vertraute seiner Energie und seiner Klugheit, und das Vertrauen tzSwShVtS sich. Mätt MUß &«[** an Zwischenfällen reichen Kamps, dieses zähe Ringen mit geldmächtigen, trotzigen Widersachern miterlebt haben, um zu begreifen, was von ihm an kluger Voraussicht, an Organisation und vor allem an Rücksichtslosigkeit gegen die eigenen Privatinteressen, geleistet worden ist, um sein Kämpfen richtig würdigen zu können. Nach und nach brachte er alle Einrichtungen der Gemeinde auf mustergültige Höhe. Die nun bekam eigene schöne Närrwlichkeiten und wurde gu tjotjev Hsüs^ vraHt. (Eine Mazzos-DMerei, Die mit ihren unter seiner Mitwirkung errichteten, jeden fio’mswn ausschließenden Maschinen den ersten Gemeinden im In- und.Auslande zum Vorbild diente, wurde geschaffen. Mit großer Befriedigung sagte er froh und doch tiefernst jüngst zu mir: „Ich habe mit Fleisch und Mazzos avvy gelegt." Uneigennützigkeit, war auch eine seiner selbstverständlich geübten großen Eigenschaften. Anläßlich der Abstellung eines Fi-widrigen Vorganges wagte der damalige Vorsitzende auf TklMMssssm mufmim m mußte M eine scharfe Zurechtweisung gefallen lässen. „Sehen Sie/ sagte er ihm und wies auf die von seinem Fenster aus sichtbare Burg hin, „den Bischofssitz dort? Ich bin noch unabhängiger als der Bischof. Wenn ich dulden soll, was unverantwortbar ist, dann verlasse ich diese Gemeinde". Als sich die Zusammenarbeit mit dem neologen Teil als ein immer größeres Hindernis für die wahrhaft jüdische. Entwicklung erwies, zog er die Konsequenzen und arbeitete auf Teilung der Gemeinde hin. Es war ein. Triumph seiner Klugheit, daß die Gemeinde mit allen EmrtcfyiutiQen in ber .fpanb bes matertett in jeber Hinsicht schwächeren Teiles, in üex Hand der Orthodoxen, blieb. Cs ist aber wiederum ein Beweis für die Reinheit seines Strebeys, daß diese aus der Gemeinde gedrängten Neologen ihm bis zuletzt Hochachtung bewahrten und auch bezeugten. Seine Güte war au^erorbsntli«^. Für Fben hatte er ein anMunternües Wort, einen ringen Rat. Er half als ftornn . Aus feinen nicht gerade reichen eigenen Mitteln gab er großzügig. Einer der Redner betonte in seinem ison daß der Heimgegangene b"r pnx dafür sorgte, daß Rabbiner und Beamte der kleinen Gemeinden vor Not geschützt werden. Seinena'i'vhn war er ein väterlicher Freund. Güte war ihm Herzensbedürfnis, Kampf führte er aus nxT und mpix. So kam es von selbst, daß er, der 1122 nie suchte, der gern anerkannte Führer und Berater der v'221 dev Slowakei war, wie er schon früher im AVößäll eitie Zeillang Me der Orthodoxie an erster Stelle mit leitete. Er genoß unbegrenztes Vertrauen. Er war der, ODn D’shn. nach dessen Meinungsäußerung die anderen zustimmend schwiegen. In den schweren 'eiten der Umstellung und des neuen Aufbaues wirkte er bestimmend auf die Verhältnisse ein. Daher die tiefe Trauer um den im gesegneten Höhen Alter Heimgegangenen. V"t Die Neutraer Gemeinde will seinen Namen burch (Errichtung eines jüdische ffrffltffTlinffif«; ■ Das unter ihren blühenden Instituten noch fehlt, ehren. Möchte dieses Vorhaben gelingen und auch in diesem Sinne 12t wahr machen. 'v'vniI i»sr mns -inr 'ni Kerrtsponduizcn , vacdricbten. Verrtsche» Internationale Abwehraktion. Frankfurt a. M., 4. Jan. Aus Newyort wird unter deni 1. Januar berichtet: Der Präsident des Amerikanisch-Jüdischen Kongresses, Dr. Stephen S. Wise hat eine Sondertägung des Kongresses anberaumt, in der über die antijüdischen Ausschreitungen kn Rumänien und über antijüdische Änschläge'in änderen Ländern Osteuropas beraten werden soll. Der . Tagung werden die jüdischen Mitglieder des Kongresses der 53erV einigten (Staate« 93acf)aracf^ Sabbats ■ ©att>er^ ftem, Cellet, Bloom, Wrlmmi, Dickswin, Frou Flomnos Kahn, Sirowitch und Cohen beiwohnen. Das ^„Israelitische Wochenblatt für die Schweiz" fordert demSchw eiz erischen-Jsraelitischen Gemeindebund auf, eine außerordentliche Sitzung einzuberufen und Proteste an den Völkerbund, an den rumänifchsn Gösand-tsn in S&etsrt' unb an die Negierung Nrnndms die BkhÄNMllirg bei Luden m vielem Lande zu senden und den Wortlaut an die Negierungen der Schweiz, Frankreichs, Italiens, Englands und Amerika weiter zu leiten. In Jerusalem hat die Palästinensische Liga für V ö l k e r b u n d an das Büro der Internationalen Union für Völkerbundligen einen Protest gegen die Verfolgung der Juden in Rumänien gerichtet. Daraufhin erhielt die Liga vom Büro der Internationalen Union die Mitteilung, daß die Union daran geht, Maßnahmen zu ergreifen, die wohl eine Besserung der Lage der rumänischen Juden herbeiführen werden. Auch in Nu hin NS gcht mi WMMüdllg m fiüj. Außer in M 0 S k a ll wurden in K i e w, O d e s s a, P 0 l t a w a und anderen Städten der Ukraine Protestkundgebungen gegen die Judenverfolgungen in Rumänien abgehalten, denen Tausende Juden beiwohnten. In Paris versammelten sich die jüdischen Studenten der Universität Toulouse zu einem Protest gegen die antisemitischen Greuel der rumänischen Studenten. Ein Protesttelegramm wurde an den Völkerbund gesandt, Abschriften hiervon gingen an alle jüdischem Studentenverbindungen in Frankreich mit der Stu^orbe^ rnng, sich ötF ProkssttlMon lliMschkreßm. Der Konflikt zwischen der deutschen Studentenschast und dem Preußischen Staat. B e r l i n, 5. Jan. Das Nachrichtenamt der Deutschen Studentenschaft teilt mit, daß der Vorstand der Deutschen Studentenschaft an - die Studentenschaft der Universität Heidelberg einen Brief? gerichtet habe, in welchem offiziell mitgeteilt wird, daß sämtliche Beziehungen zwischen der deutschen Studentenschaft und der Heidelberger Studentenschaft gelöst sind. Die Heidelberger <Stubentenjdp-aj:t ' J^cxt bekanntlich den völltslym SlMWunttMS NorswMöS IM'Deutsche» Studentenschaft abgelehnt. Mün nimmt an, daß. der Ausschluß oder die freiwillige Loslösung anderer Einzelstudentenfchaften aus der Deutschen Studentenschaft folgen wird, wodurch die letztere zu einer Rumpforgättisattom werden oder gar überhaupt zersplittert wird. r ' ' und seine Tätigkeit unermüdlich. Seine Arbeitszeit betrug sicherlich mehr als 18 Stunden täglich und man hat mir gesagt, daß er sich wahrscheinlich niemals mehr als 5 Stunden Nachtruhe gegönnt hat. Daß er morgens einer der ersten in der Shnagog^ ffgs f? MMsstiMVlW, d«tz «ns etwas fehlte, wenn seine Stimme nM mit Dehillim vor Beginn des Gottesdienstes ertönte, und ebenso selbstverständlich war, daß er zu jeder Zeit und für jeden zu sprechen war. Obwohl er berufen gewesen wäre, die ersten Rabbinatssitze zu bekleiden, blieb er doch München treu, und in seiner kindlichen Bescheidenheit fügte er sich mit philosophischem Lächeln in die lächerlichen und kleinlichen Bedingungen veralteter Gesetze, die ihm, dem großen Talmudisten, den offiziellen Titel eines „Rabbiners" versagten, und nannte sich bis vor einigen Jahren „Privatgelehrter". Die Kleinlichkeit und Engherzigkeit einer früheren mmltung ömitSMe W nmo oor Lima 25 Mm mit Dem lächiSklichsn Titel eines „AussichtsbssmtM fük dss Nltualwesen" oder so ähnlich, und erst im Verfolg der Kämpfe vor etwa 20 Jahren ließ sich die Kultusgemeinde herab, ihm, den großen Meister, die Bezeichnung eines Rabbinats-Substituten zuzubilligen, womit sie nicht ihn, sondern sich selbst degradierte. Noch bei seinem 25jährigen Amtsjubiläum wagte der frühere Vorsitzende seiner eigenen Gemeinde in gehorsamer Beiolgung eines vermoderten Gesetzes, von dem der Bruch mehr geehrt hätte, als die Befolgung, nicht, ihn mit dem ihm gebührenden Titel eines Rabbiners anzusprechen, der Rabbiner der Hauptgemeinde umging mit Geschick diese Kli^>^,e, indern er - o Ironie des ©eje^ittes - feinen „-Substitute^" nift „MkisM" «niSÖfiSi UnD wahrlich „Meister" war er aus allen Gebieten, im Lernen, für Dinim. für Grammatik, für Geschichte, für profane Wissenschaft, kurzum, ein wahrhaft universeller Geist. Wer das Glück hatte, feine Schiurim zu hören. konnte nicht genug staunen über das stupende Wissen, über die Leichtigkeit der Uebertragung ins Deutsche, über das fabelhafte Gedächtnis, vermittelst dessen er nicht nur jede einschlägige Gemoroh- oder Mischnah-Stelle zitterte, fmPsm fmäj tritt PstilllWMll am L'lillly. am Den embeMWeil Pimim, sewstiM-iw «lis vm MMaMm, und den Kommentaren angab. Die grammatische Form, die Geschichte, jeden Namen konnte er ohne Zögern bezeichnen, und mathematische, physikalische, medizinische Kenntnisse standen ihm zur Erklärung und Erläuterung jederzeit zu Gebote. Bei einer Erörterung von Erfindungen erinnert er sich der naturwissenschaftlichen Romane von Jules Verne, die er einmal als Kind gelesen, bei irgend einer poetischen Stelle tauchte die Erinnerung an ein Gedicht vonE. M. Arndt auf. Als er aus der Mschna die Abschnitte vortrug, die vom Dienste der Kohanim zur Zeit des Heiligtums öanöQöi unD öf nn M, Stöllö frrni in Da? m&Ui Wiki>. däß ttächlltchen Pri^sterrvachen im Tempel kontrolliert wurden, und wenn Lärm ertönte, wußte man, daß man einen der Priester schlafend angetröfsen hatte, da trug er diese Stelle mit einem leisen behaglichen Lächeln vor, das die. Bedeutung hatte: „Wenn Gott mir die Gnade verliehen hätte, den Wächterdienst im Tempel zu verrichten, mich hätte man gewiß niemals schlafend gefunden" und so hat ihn auch in seinem vierzigjährigen Dienste niemals der Schlaf überwältigt; bis zum letzten Tage hat er gewacht und seine Heiligtümer behütet, und noch in seiner letz^ en Jom Kippur-Predigt hat er darüber geklagt, daß die ^Bestrebungen zur Abwendung des immer noch drorsenden E rm fFffSnfffJffiT MM gkysbt. Im persönlichen Verkehr war er von steter Freundlichkeit, unendlicher Geduld und beglückender Teilnahme. Als ich genötigt war, in einem Krankheitsfalle um seine Anweisungen für Pessach zu bitten, war er voller Teilnahme und er erkundigte sich auch später noch wiederholtt nach dem Befinden des Kranken, und als ich genöttgt war, auch für Jomkippur ähnliche Fragen zu stellen, .war er wiederum voller Teilnahme und voller Mitgefühl, Als itr üMi UMWiMS naffirfifö Mir MM« »ui»' aus freundlichstöm Herzm eins Frsgs an mich stellte, die ich nicht sogleich beantworten konnte, nahm 'er ruhig unb" freundlich meine Antwort entgegen, daß ich ihm die, gewünschte Erklärung erst -einige Tage später geben könne, und als ich zu ihm kam, und ihm mein Leid klagte, da: hat er mich getröstet wie ein Vater sein Kind tröstet und mir seine Hilf-e angeboien, soweit es in seinen Kräftenstehe. Im nachfolgenden eine kleine Anekdote, die wahr ist' und vor einigen Monaten in der hiesigen jüdischen Volksschule vorgekommen ist: Der Lehrer bespriiHt mit den Kindern das Wart- Jaißa" ml faait MMA „Ms stellt ihn 4 ""terbexrt Wort „heilig" oor?" — — „Dr. Ehrentreu", ist die Antwort . Nun ist alle diese Herrlichkeit dahin; niemals werden' wir mehr seine ehrwürdige Gestalt erblicken, aber niemals wird sein Andenken erlöschen, niemals wird die Er-. innerung an das kostbare Gut schwinden, das er in Füllegespendet, und das Wort dieses wahrhaft Großen im Israel in Vergessenheit geraten. ' R. E. ~ Sanikäksrat Dr. Al. Wallach. Zu seittern Jnbiläuirt. <0? v w t« r? m. LMmkei 1926, „Die Engel des Dienstes singen einmal in einem-, Jobel en Loblied", sagt der Talmud, und der „Sohar"' variiert: „von den Engeln des Dienstes wird einmall in 50 Jahren ein Loblied gesungen".