Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1927)
- Date
- 1927-01-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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öctte 2 Nr. 2 18. gäMLL wieder zwwählen. Der Antrag führte zu einer grandiosen und begeisterten Vertrauenskundgebung für den Präses, so daß der Vorsitzende die einstimmige Wiederwahl des Herrn Oberrabbiner Weber mit herzlichen Worten konstatieren konnte. Zur Wahl des Vizepräsidenten teilte der Vorsitzende mit, daß der langjährige Inhaber dieses Postens, Oberrabbiner Hirschl e r aus Modern die Wiederwahl ablehnt. An seiner Stelle wurde, nachdem Oberrabbiner Hrrschler einstirnrnrg sin rvarrnes Dankvoturn ausgesprochen war, mit großer Uchrhcct Aerr D. H. E h r e n f e l d aus Suranj gewählt. Die Wahl der gesamten Landesrepräsentanz (25 Rabbiner und 40 Nichtrabbiner) erfolgte auf Grund eines in doppelter Zahl vorgelegten Wahlvorschlages der Kandidierungskommission. Die Tagung wurde durch eine Ansprache des Landespräses, Oberrabbiner Weber, der seinen Mitarbeitern, vor allem Oberrabbiner Hirschler, dem Sekretär der. Landeskanzlei, sowie der Mötzvurger Agublls Jisroel e IiMNkMUM wärmsten Dank votierte, feierlich geschloffen. Wochenrundschau. Bolz und Munluez, Der in thoratreuen Kreisen seit Jahren wohlbekannte scharfe Gegensatz zwischen den Chassidim- Rabbis von Belz und Munkacz hat, kaum daß der alte Belzer Rabbi die Augen zum Schlummer geschlossen, zu einem katastrophalen Ausbruch chassidischer Volksleidenschaft geführt, der sich als unerhörter Chillul haschem vor den Augen der ganzen Kulturwelt darstellt und der die verantwortlichen Persönlichkeiten schwer be lastet. Die holländische, belgische und deutsche Tagespresse läßt sich von honorarlüsternen slovakischen Journalisten dis traurigen Vorgangs irn vorsetzeu, lmEi bas europäische AuhÄunr kann sich wieder einmal — 8 Jahre nach dem organisierten Mord und Totschlag des Weltkriegs — in feiner stolzen Ueberlegenheit über den wild east des gläubigen Judentums fühlen. Die äußeren Vorgänge lassen sich kurz zusammenfassen. Der alte Velzer Rabbi, ein Mann von anerkannter Größe und beträchtlichem Thora- MM ylM m MWM MWsllMW lffl! gleicherweise Munkacz als Zufluchtsstätte gewählt, worin der Rabbi dieser Stadt mit Recht oder Unrecht eine „Grenzverrückung" erblickte. Man sagt, daß er es war, der schließlich die Ausweisung des Belzer bei den Behörden erwirkte. Die Belzer Chassidim haben nun zum Protest gegen feindselige Aeußerungen des Munkaczer Rebben, die angeblich das Andenken ihres geistigen Führers beleidigten, den Munkaczer in den Cherem gelegt, worauf dessen Bes-Din mit der Ausrufung eines ebenso feierlichen Cherems g?g?n all? ^9?l?!^lg?r Ulabbr von Munkäcz geantwortet hat. Ganz Podskarpatka-Nussia, wo es auch normalerweise wie in einem Hexenkessel brodelt und zischt, scheint nun in Flammen zu stehen, denn der Munkaczer Rabbi hat den Cherem der Gegner offenbar recht ernst genommen und sich fastend von der Außenwelt zurückgezogen, wobei man bisher nicht weiß, ob nimm mmn oder Gram über die Ehrenkränkung das leitende Motiv der Selbstkasteiung sind. Miß UM auch fßl Dio auWim DorglMgß haben einen sehr ernsten Hintergrund. Der Chassidismus im Osten ist eine der bedeutsamsten Erscheinungen nicht nur der jüdischen Vergangenheit, sondern nicht minder der lebendigen Gegenwart. Wie könnte es sonst möglich sein, daß beispielsweise in Ungarn die chassidische Strömung fast täglich an Boden gewinnt, hervorragende misnagdische Talmide- Chachomim für sich erobert, daß dort die Jugend in den Jeschirvoth instinktmäßig sich chassidischer Lebensführung und Weltauffassung zuroendet, Cs eit unb hie Eiest her Neüanschauung, die für den Chassidismus werben. Aber der Chassidismus hat mit einer schweren inneren Gefahr zu kämpfen, die in seinem Wesen begründet liegt, und die in dem Fall Munkacz-Belz die Katastrophe heraufbeschworen hat. Der enthusiastische Glaube an die überragende sittliche und religiöse Größe der Persönlichkeit des Rabbi gibt den sachlichweltanschaulichen Inhalten des chassidischen Denkens erst Glut und Leben. Dieser Glaube beherrscht den Chossid bis ins Innerste der Seele und er hatte bis in die jüngste Zeit zu den schwersten Zerklüftungen itvnevfyaib be r <f>afftbtfe£)eit 003 <t 00 < I O <1 I (i XX < 1 * < Well Polens und Galiziens geführt', war doch der Andere, der Bruder, schon deshalb ein tnip'BK weil er eben an den a n d e r e n Rebbe, nicht an den eigenen, den der eigenen Seele wahlverwandten, den allein echten und gottnahen glaubte! In Kongreßpolen war es erst die außergewöhnliche Selbstverleugnung und Demut des einflußreichsten der Rabbis, des Rabbi MMchlli MM MN fiter, MD m WMM ist btt religiöse Jnnigt die. milde Objektivität des Seniors der Rosiner Dynastie, des . Rabbi' von Czortkow, was eine Art Aussöhnung und Unifikation der meisten chassidischen Gruppen und ihren Zusammenschluß in der „Agudas Jisroel" ch erb eiführte. Dieses versöhnende und, wie man. sagen muß, versittlichende Moment, fehlt leider bis heute in den Gefilden der Ostslowakei und Westgaliziens. Die Dynastien von Belz und Munkacz gehören zu den jüngeren; Munkacz insbesondere hat schon irn alten Ungarn^ rvie heute in der Slow«stc, bie gange ürihoboxic terrorisiert und dem überpersönlichen G emeinschastsg edank e n, wie ihn die orthodoxe Organisation und insbesondere auch „Agudas Jisroel" vertritt, die schwersten Hindernisse bereitet. Hier weiß man nichts von einer Einfügung ins Ganze, nichts von einer Milderung des egozentrischen Rabbi-Kultus durch Gemeinschaftsinteressen. Hier genügt der persönliche Gegensatz zwischen dem Munkaczer und Belzer, um Die MiDßNschafl Dßl VßiDßrsßUWN Antzllnr gergruppen bis zur grenzenlosen, keinerlei religiöse Bindungen mehr achtenden am nmm zu entflammen und in fürchterlicher Verirrung Fluch und Verfolgung als ms» erscheinen zu lassen. Die tnm pm jvobn sind an sich vollkommen legale, ob auch scharfe und gefährliche Waffen des jüdischen Gemeinschastsrechtes. Aber wehe der Thora und ihrem Volke, wenn sie in den Dienst des übertriebenen Personenkultus, der Selbstrache und der von keiner objektivem unbettilizm Instrmz umsmiumh gestellt werden! Die Folge muß Entehrung des jüdischen Volkes, Entweihung des göttlichen Namens sein, wie wir sie in dieser chassidischen Tragödie schaudernd miterleben. Dem Chassidismus als solchem und dem im Talmud wurzelnden Thorajudentum des Ostens, das über diese Exzesse hocherhaben ist, dürfen sie nicht zur Last gelegt werden. Aufbau und Zerstörung. Eine kleine nichtssagende Notiz im Arbeiterorgan von Palästina, „Hadabar", und sie spricht Bände: „91m Nasch Haschana tmtrbe inber S£n- CI M 00 i < 0< < < » Qi lli l <> siedlung Belh Alpha der Grundstein gelegt für den Gemeinde st all, für vierzig Stück berechnet." - Die Kebuza B e t h Alpha ist auf N a t i onalfondboden angesiedelt und wird von den Geldern des K e r e n h a j e s s o b unterhalten. Das hindert sie nicht, an einem der heiligsten Tage eine Grundsteinlegung mit allen damit mmmm mmim md NMMWMv Macht und Liebe. Zu 'S. Von Rabbiner Dr. Kermann Klein in Merlin. 3U mm WM WW M im DMMM MW Weifen in nan vnia: -pen npuV jms “jry i’twt 'Orri i"nn npiaV jaiKi '•> man vy nax n» o»n b? Vsit?’ yy y>m •npia mw “ins narrw pn ai’ bv npia imrr inan „Und ich sinqe von Deiner Macht-, damit ist das Lied am Schilsmeere gemeint, denn da sprachen sie: ..Meine Macht und mein Sang ist Gott", „und ich juble am Morgen ob Deiner Liebe", damit ist der Morgen des endlichen Gerichtstages gemeint, von dem es heißt: „Der Wächter spricht: der Morgen ist gekommen". Es ist ein seitens der jüdischen Religionsphilofovhie viel fach ventiliertes Problern, rvie es komme. riß Gstt sich itt Im Urrsörrzstt rsv Mrtt^hritZzzfchichte anders offenbart als später. In den Anfängen der Menschheitsgeschichte sehen wir Gott handelnd in die Schicksale der einzelnen Menschen und Völker eingreisen, wir hören gleicksam, wie er mit dröhnenden Schritten über die Weltenbühne schreibet, wir schauen die Hand, die in die Speichen des Weltenrades greift, die gewaltige Hand, die Völker ausrichtet und zerschmettert, die erhebt und niederschlägt, die belohnt und bestraft. Im späteren Verlaus sehen wir diese Hand nicht mehr, wir vermuten sie höchstens, wir ahnen blos ihr Walten. Die Antwort dürste folgende sein. Auf Kinder kann man mit abstrakten Gedanken nicht einwirken, denn je abstrakter die Gedanken sind, desto mehr befremden sie das kindliche Gemüt. Auf Kinder wirken nur sinnlich wahrnehmbare Erscheinungen. Im Kindheitsalter der Menschheit mußte Gott sich augenfälliger Dinge und Mittel bedienen, um die Menschheit von seiner Allmacht zu überzeugen, die Hand Gottes mußte sichtbar sein, wenn die unentwickelte und unreife Menschheit alle Geschehnisse der Gottesrnacht aufdjreiben sollte. Als bie Menschheit W MP MS MB! SNMMM. P W MWM reifer wurde und ihr Gemütsleben sich immer mehr vertiefte, konnte Gott auf die sichtbaren Aeußerunaen seines Wesens verzichten. Es ist der Held, dessen gewaltige Hand das aus Aegypten ziehende Volk sieht, dem der Huldigungssang am Meere gilt, der den Feind unbarmherzig in die Fluten schleudert, um seine Treuen zu erretten und den Weg in die Freiheit zu öffnen. a»n bv p 1'vrr »m Das Lied am Meere kündet Gottes Machtz preist den gewaltigen Helden, den Herrn des Krieges. Und es ist vielleicht nicht ganz ohne Bedeutung. toetttt es heitzt- „meine“ SGbnfji, bögegen ober ttttt; nian „irn! ßäitg^ litt! 6<5üg, benn bas ersiere bezieht sich auf bas Nachfolgeube •>bp nr, Dieser ist mein Gott, denn Macht und Widerstandskraft verleiht einem nur der Gott» den man innerlich erlebt, der Gott, der dem Menschen zum persönlichen Erlebnis geworden, dagegen bas mmi auf '28 ybx, den man von seinen Vätern ererbt, von dem Lieder der Vergangenheit künden. Der Gott am Meere ward von dem Geschlechte als der Held erlebt, dessen Rechte durch Kraft verherrlicht ist, der den Feind zerschmettert. Mit der Entwicklung Jisroels wird das Volk den Gott der unendlichen Güte, dessen Liebe sich all seinen Geschöpfen mitteilt, erleben und dieses Erlebnis wird dazu führen, daß auch die Gesamtmenschheit den Gott erkennen wird, dessen Güte und Liebe in unendlicher Weisheit ihr Geschick lenkt und leitet. Der Wächter kündet, es kommt ein Morgen, wo man nickt nur die Macht Gottes besingen, sondern seine Güte bejubeln wird •pan ipaV pirri. wo Gott es nicht mehr nötig haben wird, mit Strenge und Macht seine Menschen zu lenken, denn alle Menschen werden dem Beispiele ihres Gottes folgend in Liebe und Güte sich unr Mü WSM, IW« an W eint «hi I«!«IL Zu n*7B7> Kurze Betrachtungen zum Wochenabschnitte.*) Von Rabbiner Dr. §ellx Kanker in Zwitkau (Mähren). ^Und der Herr zog vor ihnen etc." — dazu bemerkt der Midrasch: v,"n »an rvoi ’JR naywk rrnpn na» iVin ’a naruv mV n» saV T>nj?V Va» "im na»aw an’iaV iVnn ."121 aa’aaV „Der Heilige, gepriesen sei er, spricht: In frühern Zeiten zog ich mit meinem Strafgerichte ihnen Dorott, es rvird aber die Zeit kommen, so ich iQiiu thttLtt «süs mis m Wsstzst verbünbei; Denn ber Herr geht euch voran und der euch sammelt — es ist der Heilige Israels". In diesem kürzen Ausspruch ist ein tiefer Sinn enthalten. Israel, so kann man in seiner vieltausendjährigm Geschichte beobachten, verdankt seine Errettung vor - *) Rach dem mm vix>V' (II. Teil), herausgegeben von Rabbiner Sch. I. Lewitan in Oslo und Rübbi L. Weisblum in New-Bork.