Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1927)
- Date
- 1927-01-06
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein )ahr Lehrarbeik. Aus dem Jahresberichte des Illekor Chajim (1. Oktober 1925 bis 30. September 1926), erstattet auf der Generalversammlung am 9. Januar 1927. Können wir nun auch leider nicht, wie es sonst wohl meist in Jahresberichten geschah, mit stolzem Hochgefühl auf eine beträchtliche Vermehrung unserer Mitgliederzahl Hinweisen, so dürfen wir doch ohne Ueberhebung mit innigem Lank zu »'.i bekennen, daß trotz der Ungunst der -3ei£en urtfer SJerein -an innerem Gehalte nichts eingebüßt Hai, iajä flc^ na&j rnle vor als mic^i'ges j« rcnentbe^rlches Glied unseres Gemeindekörpers fühlen darf, und daß es nicht die schlechtesten unserer Vaale battim und G. L. auch recht weite Kreise unserer Jugend sind, die es regelmäßig in unsere Hallen zieht, um das Gebot jwyV niin'-mit zu erfüllen. Gar manchem unserer Mitglieder, namentlich unter den jüngeren, mag es unter den heutigen drückenden Verhältnissen nicht leicht fallen, den doch keineswegs hohen Vereinsbeitrag regelmäßig pünktlich aufzubringen, doch soll dieser Umstand, was bedauerlicherweise hier und da wohl vorgekommen zu sein scheint, ja niemanden dazu veranlassen, nun unseren Bestrebungen gegenüber gleichgültig zu werden oder sich gar gänzlich zurückzuziehen. Jeder, der lernen will, ist in unserem .Kreise jederzeit herzlich millkornrnen, es merben ihm auch jcf^on mieLer f»!e SBttilei! guiell! merken^ den herein audj materiell gw fördern. Daß wir den hohen Zielen unseres Mekor Chajim weiterhin in der alterprobten Art und Weise gerecht werden konnten, verdanken wir vor allem den hingebungsvollen Wirken unserer bewährten ständigen Herren Dozenten, denen wir auch an dieser Stelle öffentlich unseren herzlichsten Dank darbringen wollen. Es sind dieses die Heren: Dajan Posen, Rabb. Dr. Jos. Breuer, Redakteur Schachnowi tz, Dr. Elieser Posen, Herz Holpern, Dr. W. Hofmann, B. Rachelsohn und A. Merzbach. mm m auch m MgMMö Jahr m M mm UNsMk Taurohleht'öt' und UNstNSr tNättch herben Verlust zu verzeichnen. Die Zahl der ständigen Dozentenverminderte sich durch den Heimgang des Herrn Prof. Adolf Weyl «'»'sr eines Mannes von umfassendem Wissen auf dem Gebiete der Tauroh und der profanen Gelehrsamkeit, dem das. Lehren, namentlich das Künden des Taurohwortes, ein wirkliches inneres Bedürfnis war. Wie oft erfreute er, besonders in seinen jüngeren Jahren, seine Zuhörer durch seine tiefgründigen Vorträge in unserem Vereine und auch im Verein Nachlas Zwi, der dem Mekor Chajim sehr nahe stand. Und noch in den letzten Jahren lehrte er bei uns aus und über JTiaR ’p-is- In Rabb. Dr. Salomon Breuer W hat unser Verein seinen Ehrenpräsidenten verloren. Der MslMM große utoDBintr war aocr Ml nur MMprasident des Mekor Chajim dem Namen nach, sondern er hat wiederholt sein rvarntes Interesse an den Bestrebungen unseres Vereins bekundet. Wer gedenkt nicht noch der begeisternden, hinreißenden Vorträge, die der Verewigte in früheren Jahren, als es ihm seine Gesundheit noch gestattete, namentlich in den Wintermonaten, regelmäßig bei uns gehalten hat. Jeder dieser Vorträge war ein Ereignis im Vereinsleben, denn man hatte nicht nur geistigen Genuß, sondern von den inhaltsschweren Gedanken, die dennoch in einer jedem verständlichen Art dargeboten wurden, konnte Jeglicher für sich etwas als bleibenden Gewinn nach Hanfs tragen,' Auch sonst hat unser Beranlasinn^ genom. äien, seine Uedergeugung von der äVichtigke-it unseres Vereins für das Gemeindeleben öffentlich kundzutun. Es sei daran erinnert, welch herzliche Worte der Anerkennung und Würdigung er unseren Bestrebungen von der Kanzel herab vor unserem 50jährigen Vereinsjubiläum gezollt hat. Schließlich nahm er bei dem großen Sijum der Jeschiwoh, wohl der letzten größeren freudigen Veranstaltung in seinem Leben Veranlassung, neben einer Reihe prominenter Persönlichkeiten der Gemeinde auch unseren 8>eveinsvorsitzenden hurcf) hie AsrlsrhunK hss LHorvsrLitsls llllszuzliiMs». - Älich des HlnscH^rdens jjtrjeter früherer Verrva/tungsw-üglleder haben wir zu gedenken, nämlich von A. I. p o f m a n n und Josef W o h l f ä r t h Sie haben ihre großen Fähigkeitenlarige Jahre hindurch an Hervorragender Stelle der Verwaltung des Mekor Chajim 3ur Verfügung gestellt und reiche Erfolge aufzuweisen gehabt. Auch ließen sie sich gern und oft herbei, durch ge- Mwolle Vorträge von dem tiefen Thovswissen, dss Beide sich erworben hatten, auch anderen etwas mitzuteilen. Als Ausdruck des Dankes und der Verehrung^ließen wir in den beiden Trauerhäusern während der nysp offizielle v'iis'e' abhalten. . Auch manches liebe Vereinsmitglied hat uns der unerbittliche Tod wiederum genommen. Immer mehr müssen wir gerade die treuen. greifen Besucher, die wir in bestimmten Schiurim regelmäßig zu sehen gewohnt waren, vermissen lernen. Bon größeren Veranstaltungen, die im Berichtsjahre stcttlgesUllsen haben, Ist nur j»le 9!r<iu<r}unig«l)ung yeroorzuheben, die der Verein am 8. August 1926 für unseren verstorbenen Rabbiner V'xr abgehalten hat. In Anwesenheit der Familie des Heimgegangenen füllte ein dicht gedrängtes weihevoll gestimmtes Publikum bis auf den letzten Platz das Vereinslokal, das durch ein wohlgelungenes Oelbild des verewigten Führers einen würdigen Schmuck erhalten hatte. Nach einleitenden Worten des Vereinspräsidenten, die die tiefe Trauer des Mekor Chajim zu vollem Ausdruck brachten, entwarf Herr Redakteur Schachnowitz als Hauptredner in einem groß angelegten non -ein getreues Bild von der. überragenden Größe des Entschlafenen, besonders auch von seiner Lehrweise, und brachte allen so recht zum Bewußtsein, was wieder für ideale Zwecke Gelb zu verausgaben, unb was gibt es Höheres als die Förderung .des rrnnn nnS Möge '"n uns allen seinen Segen spenden, M Aus Gemeinde- und Vereinslebe«. (Elternabend.) Am 12. Januar veranstaltete der Elternbeirat der Realschule und des Lyzeums der Israelitischen Religionsgesellschaft einen Elternabend, an dem der bekannte Pädagoge, Oberschullehrer Karl Ochsenmartrt, oor -exrteiri •er^c^ieireri-err ^jßu£>ti£urrx ilter fri>te Ergiehungskrrfe i,er ^geawast, WM jÜdisch?N Standpunkt aus gesehen", sprach. Es ist nicht möglich, an dieser Stelle den gedankenreichen Vortrag über das heute weite Kreise ernsthaft beschäftigende Thema vollkommen wiederzugeben.*) Rur der Hauptgedanke sei kurz hervorgehoben. Der von Rousseau und in neuerer Zeit besonders stark von Ellen Key betonte Glaube an die Kraft der Selbstentfaltung des Kindes und die Lehre von dem Rechte des Kindes, sich ganz seiner Art entsprechend zu entwickeln und auszuleben, hat zu einer Ueberspannung des Jndividualitätsprinzips geführt. Das Wort „Autorität" wollen manche am liebsten aus der Pädagogik, ganz gestrichen wissen. Es ist klar, daß die jüdische Erziehung, hrs Gsrnsrnd-s unb txamertiftcf) ctucf? urtfer 93-ereirt uerforen > b-erert ^urcburrrente ©Ucm^re urrb jtnby mit hcri. ötn non ^errn Sanier «Steln&erge^ mlriungsmott liefen ^njrfjauungen sin^ssstan^sn stin kann, Mit zu Gehör gebrachtes 'o und ein gemeinsames - ... ~ ' ~ Gebet beschloß die Feier, die bei allen Teilnehmern einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Ein großes Auditorium sah man häufig in unserem Lokale versammelt, wenn Vorträge über freie Themata gehalten-, wurden. Hierzu zählen die beliebten G e - schichtsoorträge des Herrn Redakteurs Schachnowitz, aber auch andere Redner von Rang, teils sogar von auswärts, erfreuten eine zahlreiche interessiert lauschende Zuhörerschaft durch Referate wertvollen Inhalts. Biel Anklang fanden auch wieder die Midrasch-Bor- Iräg^ äll d^ti 6öinnrer-6alil>alh-9llien)»en, bie ins ln ben Spätsommer hinein ausgedehnt werden konnten. Sie sind jetzt schon zu einer festen Einrichtung unseres Sommerprogramms geworden. Zu den verschiedenen Jomim tauwim ließen wir es uns angelegen sein, Sondervorträge zu veranstatlen, die dem besonderen Charakter der Festeszeit gerecht wurden. Allen den verehrten Herren Rednern, die sich uns beritwillig zur Verfügung ste,ten, sei auch hier nochmals der herzliche Dank der Verwaltung ausgesprochen. Das wow- und N3i r»mr>' -Lernen fand in gewohnter Weise unter reger 'Beteiligung statt. Herrn Sanitätsrat Dr. Hirsch sagen wir wiederum herzlichen Dank dafür, daß er uns seine schöne Sukkoh zur Verfügung stellte. as wnfev? regelmäßigen Schiurim betrifft, fo gehören sie so sehr zum eisernen Bestände unseres Programms, daß Aenderungen schlechterdings daran kaum möglich sind, wenngleich die Verwaltung jedesmal bei Aufstellung des Sommer- oder Winterlehrplans sich die Frage vorlegt, ob nicht doch irgendwelche Verbesserungen vorgenommen werden könnten. Hinzugekommen ist ein hochwertiger Schiur des Herrn R a ch e l s o h n über „Rambam", der im Winter am Sabbathabend um K9 Uhr stattfindet. Herr Arnold M e r z b a ch hielt im Sommer einen Schiur über Koheleth und hat für den Winter einen Rewiimschiur übernommen. Zurzeit be- Turtffit er UZ LW Amvdl Wir sind schon lange bestrebt, Schiurim speziell sär unsere jugendlichen Mitglieder einzurichten, in denen junge Leute, die noch nicht gut zu lernen verstehen, gefördert werden können. Wir können zu unserer Freude Mitteilen, daß wir gerade in der letzten Zeit hierin Erfolge hatten, die zu weiterem Ausbau ermutigen. Wenn wir auch keineswegs dem Mekor Chajim überwiegend den Stempel eines Jugendvereines aufdrücken wollen, sondern es gern sehen, daß gerade die im Leben stehenden Männer zun» Tanrohlernen unsere Institutionen benutzen, - so mochten mir boch tzas jugendliche Element durchaus nicht entbehren. Zum Schlüsse richten wir auch dieses Mal wieder die Mahnung an unsere Mitglieder, bei freudigen und auch bei anderen Anlässen unseres Vereins zu gedenken. Die, Spenden fliehen in den letzten Jahren äußerst spärlich, die Ausgaben dagegen sind hoch. Möge bald wieder eine Zeit kommen^ in der jeder daran denken kann, auch der Entthronung der in jenen Begrissen liegenden Forderungen fällt der ganze jüdische Erziehungsbau. Gewiß muß mit der äußeren Autorclät, d. h. mit dem Ansehen, das Eltern und Erziehern kraft ihrer Stellung in Haus und Schule zukommt, auch die innere Autorität verbunden sein, die Anerkennung, die der zur Erziehung Berufene sich durch hervorragende Eigenschaften und fruchtbares Wirken verschafft. Wo aber diese vereint sind, bilden sie das wertvollste Erziehungsmoment und sind geeignet, der Uebertreibung der kindlichen und jugendlichen Freiheit, die von manchen als Kultur der PersMliTkcil gtimcftn mirö, kMUgklMMMn. Mi sonders bedeulungsvoll ist bei Mt Geltendmachung der Autorität und bei. der Eindämmung zu weitgehender jugendlicher Freiheit die Zusammenarbeit von Schule und Haus. Beide müssen das Kind zu der von Goethe in Uebereinstimmung mit unserer jüdischen Anschauung so gepriesenen Ehrfurcht wie in der Vergangenheit so in der Zukunft weitererziehen, zur Ehrfurcht vor wertvollem Althergebrachten unter Zurückweisung des Anspruchs der Souveränität des Kindes und des Jugendlichen. Der Redner erhärtete durch zahlreiche Zitate aus dem jüdischen Schrifttum den von ihm vertretenen Standpunkt, wie er sich andererseits als ausgezeichneter Kenner der modernen pädagogischen Bestrebungen zeigte. Die rege Diskussion, die sich an den mit reichem Vei- \m MsMMMklM gottrag lliMM ging MW auf Kernpunkte, wie Zusammenarbeit von Haus und Schule, Schwinden der Ehrfurcht, Schuldisziplin u. a. ein als auch aus andere mit Schule und Erziehung zusammenhängende Fragen. In seinem Schlußworte betonte Herr Ochfenmann, daß er selbstverständlich trotz seines Eintretens für alte Schulideale berechtigte Anschauungen und Forderungen der Modernen keineswegs ablehne, und wies dabei nach, wie mancher als neueste pädagogische Weisheit gepriesene Gedanke der modernen Jndividualpsychologie sich schon bei unserem alten Frankfurter Pädagogen des Ghetto, dem Verfasser des fwR *pi', findet. (3lus einer gemeinbe-fonferoaftoen Der|amm(an^.| Sttenn ein im Hamburger enthaltenes Bericht über eine hier stattgehabts Versammlung des „Konservativ-jüdischen Gemeindevereins" korrekt ist, scheint man sich in den Kreisen dieses Vereins in recht erregter Stimmung zu befinden. Rechtsanwalt A.Hor o v i tz soll behauptet haben, die „Israelitische Religionsgesellschaft" habe „sogar in den Tageszeitungen (!) vor einem Beitritt oder einer Unterstützung des Landesverbandes" gewarnt. Das ist eine grobe Unwahrheit. Die Israelitische Relrgionsgesellschaft hat sich vor zwei Sauren ttt 0«BoUn<er QI h tt>e f? r b«r irr-e» e n len e rtt n j u n g 1 r e r « u s glichen Mitglieder gu den Landesverba'ndswahlen mit einem ausklärenden Inserat an die Oeffentlichkeit gewandt und im trockensten Amtsftll darauf hingewiesen, daß die Gemeinde -dem Berliner Lan- *) Die „Blätter für Erziehung" werden einen eingehenden Bericht über den Vortrag bringen.