Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1927)
- Date
- 1927-01-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 1 DerJsraelit anuar 1927 Korrespondenzen « ßachricftten. SftutidfC* Berufung von Ausländern als Rabbiner. Berlin, 28. Dez. Im SOlini^terialbl-att ^iir 5>te 5preujji|c^e innere 93er' wllttung Nr. 59 vom 15. Dezember 1926 ist zu lesen: „Annahme ausländischer Juden als Rabbiner oder Synagogenbeamte. In dem Runderlaß vom 30. Sept. 1884 (MBliV. S. 236) war vor Erteilung der Genehmigung zur Annahme ausländischer Juden als Rabbiner oder Synagogenbeamte (§ 71 des Ges. v. 23. Juli 1847) Einholung bet Anstirnrnnng bes SJitntfiertums bes Sn» nein ersvrderlich. Dieser Zustimmung devars es tünsr tighin nicht mehr. Die Regierungspräsidenten ersuchen wir, fortan auf die bei ihnen eingehenden Genehmigungsanträge namens des Ministeriums des Innern in der Form Bescheid zu erteilen, daß Einwendungen gegen die Anstellung nicht erhoben werden. Sollten im Einzelfall Bedenken unter fremdenpolizeilichen Gesichtspunkten bestehen, so ist z. H. des Ministeriums des Innern unter Beifügung einer Abschrift zu berichten." Rationaldeutsche Juden und Pro Palästina- Splitt, 91?. Dsz. Mit der Gründung des Deutschen Komitees Pro Palästina ist der Verband nationaldeutscher Juden höchst unzufrieden. Er veröffentlicht eine Erklärung, in der es u. a. heißt: „ . . . Die Förderung eines derartigen Unternehmens ist wegen der Rückwirkungen auf Deutschland im höchsten Maße gefährlich. Jeder propagandistisch ausmertbare Erfolg des Palästina-Untsrnshrnsns trägt ba$u Uif Ue jüdisch-völkisch? VUltSV Ö6¥ ÖSUtschSN Jugend jüdischer Abstammung zu stärken, diese Jugend dem deutschen Vaterland zu entfremden und so die Einheit des deutschen Volkes zu sprengen." Der Bundestag des Bundes Jüdischer Akademiker. Leipzig, 27. Dez. Der Bundestag in Leipzig, über dessen Verlauf wir bereits kurz berichteten, konnte als Jubilaumsbunbestag angesprochen rverden. Sind es doch 20 &4re!rrr ^{3 |*4 k'e Ttuösntsn in Berlin zu einer Bereinigung jüdischer Akademiker zusammentaten. Diesem Anlaß wurde der Bundestag am Sonntag den 26. Dezember mit einer Festrede des Herrn Rabb. Dr. M e r z b a ch, Darmstadt, gerecht,- die einen Rückblick auf die zwanzigjährige. Geschichte des Bundes brachte und Wege zu einer jüdischen Welt- und Lebensanschauüng, welche ermöglicht, daß bei der Vertiefung in die Wissenschaft und ihre verwirrenden Problematik die jüdischen Geistesschätze als Regulator orientierend und führend bleiben. Auch in der vorangegangenen Begrüßungsrede des Bundespräsidssnten, Dr. Jakob Levy, Berlin, wie in der warmen Ansprache des Herrn Rabb. Dr. C a r l e b a ch, Leipzig, fand dieses SJioment jeine ftcrrerx unb jc^örren Ansdrnckssvrrnen. Und ss klang me sin Gelöbnis, als sich anschließend an die „Tendenzrede" des Dr. Merzbach die wundervollen Töne des 21 di*>p aus dem Munds des Herrn Oberkantor W i l k 0 m i r s k y im Saale ertönten. Das darauffolgende. Minchogebet in der großen Synagoge wuchs sich zu einem F e st g 0 t t e s d i e n st e aus. Sim 9iad?rrtti:i«tg hielt Herr Dr. Schlesinger, Köln, 'ein MM MMai über PrvölöiN'ö der lab m u d i s ch e n Methodik, das alle Talmudbeflissenen mit größtem 'Interesse entgegennahmen. Unterhaltend und lehrreich im höchsten Grade war dann die unter Leitung des Herrn Rabb. Dr. Eduard B i b e r f e l d, Berlin, folgende Aussprache über medizinisch-halachische Fragen. Am Montag referierte, nach einem Referate des Herrn Dr. Adler über das Thema: „Pathologische und physiologische Betrachtungen über die Gefahren des Fastens bei Kranken", Herr Professor Dr. Samson Breuer, Karlsruhe, über „Das mathematlsiH-physikalische Weltbild der Ge- Oenn,<,Tr: iglmöchst p? fr tinsn ttsösföliÄ über die das Problem „Natur und Weltregierung" behandelnden naturwissenschaftlichen und naturphilosophischen Theorien, um dann über Kants Kaufalitätsgesetz zu einer Kritik der modernen Theorien zu kommen, die sich die Frage vorlegen: gibt es einen verstandesmäßig zu bahnenden Weg von der Natur zu Gott? Er zeigte, wie der reine Rationalismus längst verlassen, eine gewisse Unsicherheit aus der Fachliteratur herauszuWii fei. Dm mMMmdm Schritt zur Korn strukllon einer Synthese aus diesem für die Bildung der Weltanschauung entscheidenden Gebiet könnte man sehr gut vom Boden des gesetzestreuen Judentums aus tun. Man möchte zugeben, daß der menschlichen Denkkraft, nicht aber der menschlichen Seele Schranken gezogen seien. Diese sei vielmehr ein Teil Gottes, der gleichsam die „Weltseele" darstelle, und Aufgabe der Seele sei es, den Menschen und die Gesetze seiner Existenz und Geschichte mit denen des allein von jeder Kausalitätsgebundenheit freien Schöpfers und Regenten harmonisch zu ».erfeinben.-Sin b-as fafi gmeiftiirtbige 9t e je rat schloß sich eine vi-elMuvM. den ganzen PröbleinkoniMx de» handelnde Diskussion, an der sich viele geistige Führer der deutschen Orthodoxie beteiligten. Gegen Abend referierte Herr Dozent Dr, Grün.berg über „Nordfrarrzösische Klass>iker d e r Bibeiexegese". Am Montag Abend sprach Herr Rabbiner Dr. Esra. Munk in öffentlicher Versammlung über „Beiträge zur wisse.nschastli che'n Apologetik des- Iud e n t u m s ". Eü führte etwa aus: Unsere Haup'taufgabe ist nicht politische Abwehr,, sondern. Beherzigung des talmudischen Grundsatzes: - „Wisse,- was Du dem Abtrünnigen zu antworten hast"- — , Du, das heißt jeder gemäß seinen Zeit- und- Milieuverhältnissen. Unser Bund muß laut seine Stimme im allgemeinen Indischen Adwe^eknms'j?? gökadö sei US Cxistsnzgl'un-laZs, dis Thora, die Muttök aller ethischen Lehren der Welt, und die halachische Ueberlieferung geschmäht werden. Hauptkampfmittel der Gegner sind: scheinbare Argumente aus den Quellen, bewußt oder unbewußt falsche Deutung an sich - richtiger Lesungen, Jrrtümer hinsichtlich der Uebertragung und solche^ bis sich «US iser Unkenntnis der Diechodik und Systematik ües Talmuds UND 'vss THulchan Much srgöbön. Der Redner belegte diese Beurteilung der gegnerischen Kampfmittel mit konkreten Beispielen und zeigte z. B. die Verdrehungen, die Wort und Begriff „Akum" in den letzten Jahrhunderten erfahren haben. Unsere Hauptaufgabe sei allerdings Studium und absolute Erfüllung der Thora und jedes einzelnen ihrer Gebote. Dann brauchten wir nicht mehr Apologetik, sondern wir hätten ein jüdisches Leben in Erfüllung der jüdischen Lehre, die darin einen Selbstzweck sehe. Der am Dienstag stattgefundene geschäftliche Bundestag brachte die Wiederwahl des Bundesoorsitzendem Hsrrn Dr. Qaco& Q e x> t) , Berlin, «ls Weitere LUitglieder ös? Präsitz iumZ murDtn Dtt Herren ütaDD: Dn ®srtt. Munk, Rechtsanwalt Dr. Alfred Wiener, cand. phil. Josef Stern und cand. med. Kurt Saberski, sämtlich in Berlin, gewählt. In den Bundesausschuß wurden die Herren Dr. Max Ephraim, Frankfurt a. M., cand. med- Kurt Epstein, Wien, stud. phil. nat. Max Feuchtwanger, Frankfurt a. M., Dr. Ist Grünfeld, Hamburg, stud. phil. S. König, Gießen, Rabb. Dr. Jacob Neubauer, Würzburg, Dr. Heinrich Speier, Breslau. Dr. Siegmund Stein,. Köln, Dk. Leo TM, Fükth, UHi M. Ztlutz. Hamburg delegiert. Es wurde beschlossen, die irr Folge der Inflation und deren Nachwirkungen eingegangene Zeitschrift des Bundes „Unser Weg" wiederum erscheinen zu lassen- Diese soll die wissenschaftliche Betätigung der Bbr. fördern und ihnen Gelegenheit zur freien wissenschaftlichen Meinungsäußerung in allen, den Bund interessierenden. Fragen, geben. Die Redaktion setzt sich aus den Herren Rechtsanwalt - Dr. Wiener, Dozent Dr. Moses Auerbach und Alfred Kahn, sämtlich in Berlin zusammen. Des ferneren xoäi^tte i>er Bundestag. eine Kommiss silln zwölls Hsruusguvö öinör lsoMökschvislöMSihL v«ttjüdisch-wissenschaftlichen Arbeiten. Diese Kommission setzt sich aus folgenden Herren zusammen: Rabb. Dr. Moses unter Hinweis auf Rdak zu II. Sam. 19, 27, eine andere hingegen und stößt damit Toffaforts Beweis von »"ff »"2 vollständig um! Seine Auslegung, ergänzt durch die von mir gegebene, klärt die in l'&m'p win angeführten Dualismen völlig zufriedenstellend auf. rvriE~ai Das Testament des „Neziw". Zum Artikel „Die litauisch-russische Orthodoxie lind ihre Stellung zur Bildnngssrn^e* fn 0Tr. 52 Asraeltt möchte ich öegsigftsh tzs? ÄNsiSll VtzS zur obigen Frage ergänzend anführen, daß laut autoritativer Quelle die Version des Herrn Dr. Moses Auerbach die richtige ist. In Jerusalem hat mir ein angesehener Talmid-Chochom ein von Ribbi Chaim Berlin s. A. selbstgeschriebenes Dokument gez i.st, — die eigsnhändige Schrift des Rabbi Lhaim Berlin ist vsn zwei amtierenden Dajanin bestätigt — die in Urbcrsetzung wie folgt lautet: „Ich bezeuge, daß mein Vater mir kurz vor seinen! Tode in Warschau folgendes gesagt hat: Mei e jetz-ge Kran', heit, an weicher ich auch sterbe. xüHx*??"?h f fömüuno Der acfcotraa Der. st öTiiicßimg Der 3rT[0iiD3 ijt DuicD offien W Dsttiaad die Einführung von profaner Bildung in der Ieschiwa veranlaßt worden. Ich habe mehr. alnachgedacht, ob meine -Wandlung, welche zur Schließung der I schiwa sühtte, richtig war. I-.ß n abcr zur Ueberzeugung glimmen, daß tiVkii mo K-'n ’st», es lohnt 0 'ch K>e Schließung der Wo lost .er Iefchiwa, damit die Welt w sie, daß in einer I.fchlw e ßcin Platz ist für weit! Äs Bisdung, denn durch Emreihung von profmem Wissen in die heilige Lehre wird vic.t das orstere geheiligt, sondern letztere entweiht, entheiligt'. Dieses hat Rabbi Chaim Berlin kurz vor I seinem Tode niedergeschrieben/ das Datum habe ich leider vergessen. W m die unendliche Liebe des 3"’X3 zu der Iefchiwa bekannt ist. weiß, daß er diese Worte mit seinem Hcrzblute gesprochen hat Bei dieser Gelegenheit möchte ich auf eine Antwort des Rziw in feinem Responfenwerke "-m 2'v»- (Ausgabe Warschau 56 A, An wort Rr. 9, Seite 15) an einen Rabbiner in TsÄaraustan Hinweisen, wo er vor jeder Zusammenarbeit mit rav und »">212 (es sei denn im gkschästliÄen Leben) mit sehr scharfen AZ arten nrnrnt. Er dfivef noc^ t)en Äers onrnra ---7nns pij ’jjj stzlNkl homiletischer Deutung an. Mögen die eindringlichen Worte dieses Gaon und Z :d!K den Irrenden und Suchenden zum Leitstern werden! Samuel Iosseliows ky. Achad Haam gestorben. Am Sonntag, den 2. Januar fünf Uhr morgens, ist Achad H.aam in seinem Hause zu Tel-Awiw verschieden. Achad Haam (Ascher Ginsburg), war als jüdischer Denker, als Begründer des Kulturzionrsmus unö MöMr im hüököisAn WissLllsMslliLzM äll- ÖÖlOillli. SH ÄiH ächlzrger Jahren trat er guerst in ber Chowewe Zion-Vewegung an die Oeffentlichkeit. 1889 veröffentlichte er in der hebräischen Tageszeitung „Haweliz" eine Artikelserie „Lo sehu haderech" („Nicht dies ist der Weg"), die in den Ehowewe Zionkreisen und über diese hinaus revolutionierend wirkte. Er forderte, daß nebe n dem praktischen Palästina-Werk eine Arbeit für die g e i st i g e Erneuerung des Judentums Hand in Hand gehen solle. In diesen Aufsätzen war schon sein später schärfer herausgearbeiteter Kultur- Zionismus in den Grundgedanken enthalten, Anfang 1890 begründete er in Verfolg dieser Ideen den Verein „Bne Mosche". Bald darauf veröffentlichte er nach einer Palästina-Reise die Artikelserie „Emes m'erez Israel" (Die Wahrheit über Palästina), dann eine größere Anzahl Essays zur jüdischen Wesenheit und Geschichte, in denen seine Weltanschauung niedergelegt ist und die später in dem mehrbändigen Werk „Al paraschath Derachim" (Am Scheidewege) gesammelt erschienen sind und auch ins Deutsche übersetzt wurden. 1896 begann er in Odessa mit der Herausgabe der Monatsschrift „Haschiloah", in der er einen Kampf gegen den politischen Zionismus Herzls und Nordaus führte, für einen ^uttur^ionismusj in dem Sinne, ip-ftfj PfflWüä^ Arbsit nicht sins politifch-prattschc Lösung Der SuD«n& frage, sondern die Schassüng eines .g e i st i g - kulturellen Zentrums in Palästina für das Gesamtjudentum zu erstreben habe. Vor einigen Jahren übersiedelte Achad Haam nach Tel-Awiw, wo er, in den letzten Jahren ständig leidend, sich von jeder Arbeit zurückhielt. Daß Achad Haam bei seinem kritischen Auge für alle Schwächen und Mängel im nationalen Leben nicht den Weg zu uns fand, haben wir jüngsthin bei einer Würdigung aus Anlaß seines siebzigsten Geburtstages ausgesprochen und bedauert. Wochevkalender. vom 8 — 15.\0an. J927. / vom 5. — 12. Schcwat 6067 Samstag Jan. 8 5 V217 K3 Sonntag 9 6 Montag 10 7 D’aaiw 'n Dienstag 11 8 Mittwoch 12 9 Donnerstag 13 10 D'33W 'T) Freitag 14 11 Samstag 15 12 hYtff.naw