Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1927)
- Date
- 1927-01-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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ft, Fänuar 1927. von denen wir Vermutetest, daß sie den Pärteipanzer sprengen würden. Wir haben uns leider geirrt Und möchten zum allgemeinen Nutzen und Frommen diese Dinge registrieren, da wir im eigenen Lager so viel harmlose Gemüter zählen, die immer vermeinen, daß die böse Agudäh den Gipfel der Intoleranz darstetle, und den Gegner, M von TMMWkiülgkMvl trieft, m unrecht der Subjektivität beschuldige. 1. In dem gerade wieder, in der letzten Zeit durch seine antisemitischen Exzesse berüchtigt gewordenen Rumänien ist ein hoch angesehener jüdischer Senator, welcher im Senat die Regierung auffordert, den Antisemitismus nicht länger regierungsseitig zu dulden. Der Senatspräsident selbst, ein wütender Antisemit, beantragt, die Rede des jüdischen Senators nicht, wie üblich, im Amtsblatt abdrucken zu lassen; der Antrag wird angenommen intä m WWk Wsmm im Mn AM Mädät», mvzichtKi auf ssins MStsn imö s¥!Iä¥t, einem Senat nicht angehören zu können, der solchen Antisemitismus billige. — Die Juden des Landes blicken dankbar zu dem Schützer ihrer Interessen auf, eine jüdische Zeitung bringt es aber fertig, zu schreiben: „Es ist nicht das Interesse des Judentums, welches den Senator zu seinem Schritt veranlaßt hat, sondern sein persönlicher Ehrgeiz. Im geheimen hofft er jedoch, daß man seine Demission nicht annehmen würde." Das Blatt ergeht sich weiter in lächerlichen durchsichtigen Angriffen, bis {eben Rnballes entehren. Der Senator ist — der Agudist Oberrabbiner Zirelsohn-Kischinew, der seinerzeit bei der Kenessio Gedaulo präsidierte, die Zeitung ist das jungzionistische Organ „Erd und Arbeit" in Kischinew. 2. In Lettland kam es durch die Opposition der Minoritäten-Vertreter zu einem Regierungs- MiM- Ein WlMr NlMorönkM, Kklchkk SN dsr Spitze der Opposition ftsnd, wurde damit beauftragt, mit den Abgeordneten wegen einer neuen Regierungsbildung zu verhandeln. Eine neue Regierung war nur zu bilden, wenn Verhandlungen mit Antisemiten gepflogen wurden. Der jüdische Abgeordnete lehnte aber die Aufforderung zur Regierungsbildung nicht ab, sondern verhandelte mit einem als Antisemiten bekannten ehemaligen Ministerpräsidenten, welcher die treibende Kraft dafür ist, daß 15 000 Juden, die in Lettland nicht naturalisiert sind, von dort ausgewiesen werden sollen. Der neue Ministerpräsident gab zwar in den Vorverhandlungen beruhigende Erklärungen ab, bte er aber dann, als er'im Parlament'eine Mehrheit fand, nicht mehr zu wiederholen für nötig erachtete . . . Ein andere jüdischer Abgeordneter wandte sich deshalb gegen die neue Regierung, versagte ihr das bemerkt der große Bibelerklärer Ralcki zur Erläuterung: 12 mnm ^.v?rwarne ihn!" Was veranlaßt ihn zu dieser kürzen Bemerkung? Was war ihm am Schriftwort auffällig? Wir meinen es war ein ZMlsaiM? 1. Der UDortiaut Des MWls. aueaeörMt durch bäd Mtwort 2. dis Bssrüttdung tag mfehls, ausgedrückt durch die Worte: 'fl-raan »2» »a. 1. Der Wortlaut des Befehls. Wie an anderen Stellen der Schl ist hätten wir gerade hier statt das «2 wohl ein 1!; erwartet, denn nach unserem Lprachgesühle liegt in der Anwendung das «2 eine mildere Form des B.'fehls,' mehr eine Empfehlung und ein begütigendes Wort an Mosche vor, als hät'e der Aff-Hsrr seinen tr uen Dieier etwa sagen wollen: »Geze doch noch einmal zu Vharao!“ l War Raschi auffällig das Unlogische zwischen Befehl und Begründung, zwischen nsna bs «2 und *M2sn ’3K »s „weil ich sein Herz verstockt gemacht habe." Viel logischer wärr es genesen zu sagen: »Gehe nicbi zu. Ph,r>c». rrieil sein Herz r»erstock.t kllll kslir hllsi lrelrr Äisrt - Kimg hört doch nicht!" Diese beiden Sprach' und Satzergsutümitchkeiten löst unser Kommentator in seMer unübertrefflichen Wüse drdmch. indem er erläuternd 12 mnm zwffch;n Befehl und B.-gründung schiebt, und so das Unlogische zwischen nsns ‘»k «2 und dem 'N222N 'irr '2 völlig beseitigt. Für uns aber bleibt bei allem die Frage, bestehen: Warum m ßle Gott in diesem Falle Mosche mehr als sonst im begütigenden Tone zu reden, Pharw zu verwarnen? Wir wissen doch, diß n ohne vorhergehende Verwarnung keine der Plag n smt mn laffm Ivolllli Herrn vlkwr auffiUenD. lnß Die 0cm ft ins Won ’ifmn durch das v.ranvchmde urr noch unterstreicht, als wollte sie sagen: „Ich, und nur ich bin es ja gewesen, der Der I s ra«Iit Vertrauensvotum, weil sie antisemitisch sei und ihr jener oben erwähnte Justizminister angehöre, verließ mit einem änderen jüdischen Kollegen und den deutschen Minvrstütsvertretern vor der entscheidenden Abstimmung das Parlament.-— Die zionistische Presse bringt aber nur rühmend denjenigen Abgevrdsteten, welchem die „Regierungs- KMUW" iMMSMn mri fäjmist »ksss ftrimr tige Aktion der beiden anderen Abgeordneten tot. Des Rätsels Lösung: Der „Regierungsbildner" war der misrachistische Abgeordnete Rabbiner Rurok, die beiden Abgeordneten, welche gegen die antisemitische Regierung opponierten, waren die Agudisten Dübin und Wittenberg. 3, In Holland veranstaltete der jüdische Frauen-Verein einen Jnformationsvortrag, in welchem die Vertreter der verschiedenen Parteien innerhalb der Judenheit ihre Grundsätze zu entwickeln gebeten werden. Der Vertreter einer Paeiel ffrlfy daß W welches ursprünglich nur ein Erntefest gewesen, im G 0 l u t h einen religiösen Stempel erhalten habe; sagt weiter, daß von den 4 Büchern des Schulchan Aruch für das jüdische Volk in seiner Gesamtheit (wohlverstanden nicht etwa bloß für Holland) heute der Choschen Mischpat seine Geltung nur noch theoretisch habe. Nicht der Redner der Liberalen, nicht derjenige der Zionisten, sondern der des Misrachi, Herr Oberrabbiner Davids, welcher als streitbarer Kämpfer gegen Agu- Das ölsroel Mn öfters lmmmem Ml als Welle anschauung des Misrachi die obigen Sätze geprägt, ohne daß bisher der Misrachi es für nötig fand, dazu Stellung zu nehmen. Wir sind überzeugt, daß auch hier nicht etwa der Misrachi sich identifiziert mit den Ausführungen seines Mitgliedes, wohl aber in falsch verstandener Partei- Disziplin zum eigenen Schaden schweigt. 2i ff ist xrflkMH, i?ir Mich rin? MNM am Dem gsguerischsn Lager registrieren können, welche die Wahrheit über Agudas Jisroel nicht verhehlt: Der frühere Abgeordnete und heutige Schriftsteller Nomberg, Mitglied der jüdischen Volkspartei, war vor kurzem im Auftrag der Zeitung „Moment" in Sowjetrußland, wurde dort nach den jüdischen Parteien in Polen gefragt und gab die Erklärung ab, daß er zu seinem Bedauern gestehen müsse, daß die stärkste Partei in Polen Agudas Jisroel fei. Auf die verwunderte Frage des Interviewers, ob man unter solchen Umständen am Sabbat mit einer Zigar&tte auf der, (Sirafje gehen könne, errviderte Nomberg, m Warschau wäre das noch angängig, in der Provinz aber Möchte er es mit Rücksicht auf die Agudas Jisroel niemandem raten. Pharaos Herz verstockt gemacht hat". Wodurch?. Was war denn dieses Mal so außerordentlich vor» gefallen? Vergeaenwärttgsn wir uns das Folgende! Als Msfchz zu Mr?S8 8sorbert wurde, unb dieser lh * bat, dem Wetter Einhalt zu g-bieten, da hörten wir aus dem Munde dieses Gottesmannes die Worte: '2 wr t>thn nnsi D’nbs 'n 'ISN •ps-vn lliv Und was d'ch und deine Diener beirifft, so w iß ich, daß ihr euch noch nicht vor dem Herrn fürchtet". Diese Worte hat Mofche schon als eine vorherige Verwarnung für das Eintreffen einer neuen Plage betrachtet: aber Go't empfiehlt ihm nun hier d ^rch nsis sa, doch noch einmal zu Pharao zu gehen und ibn zu verwarnen, — Gmnd — weil 'n es dieses Mal selber gewesen, der Pharaos Herz verstockt gemacht hat. Wir fragen: Was war denn in der kurzen Zwischenzeit geschehen, dafi Gott es Mr wüaschensw'rt erachtcke, den Pharao wiederju oerroaraeti? Dir Thora sagt es uns selber aHIos varüöergkhen, und mll denen auL wohl DideiLlklärsr nichts anzufangen wissen, und d'e aber doch so ungeheuer wichtig sind. Diese Verse lauten: NNV2N1 nvnii :i>S22 NNV2N1 2'2rr niSVil '3 riroi mywm nnwam nm mVas ’d 122 sV .Flachs und Gerste waren zerschlagen, aber Weizen und Spelt waren nicht getroffen worden, das war so „wunderbar". Und die Schrift berichtet: Als nun Mosche von Pharao fortging. zu Gott betete, und Donnu, Hagel und Regen aushörten, nb nsna nwi, aber nicht er allein, sondern m2yi «in« M skttsMvM? König nnö mns Mik fatzrn iDOöl mtt otDrecRm. baß der Shagel alles, auch nrivü ■ nisvi Flachs und G»rste zerschi igen hatte, als sie aber merkten, daß Wetzen und Dinkel unangefochten _____Nr. 1 Seite I Es ist zu hoffen, daß diese objektive Beurteilung der Stärke der Agudas Jisroel in Polen nach dem Beispiel des „Moment" auch von der übrigen nichtagudistifchen Presse nicht totgeschwiegen werden wird. 5. Im „Jüdischen Wochenblatt" Frankfurt a. M., einem Organ, welches jüdische Interessen M finn? S’ffi MMM M AMM will, entwickelt sich eine Aussprache zwischen Schriftleitung und einem Mitarbeiter über die „Kapitalisierung der Orthodoxie". Hierbei unterläuft der Leitung dieser Zeitung das unfreiwillige Geständnis, daß sie der Ansicht sei, daß die soziale Gesetzgebung der schriftlichen Lehre derartig sozial-revolutionär gewesen sei, daß sie nachträglich durch die mündliche Lehre dem Leben angepaßt werden mußte. Wer nun einigermaßen mit den Grundsätzen des gesetzestreuen Judentums bekannt ist, weiß, daß die Ideologie, welche minierung Des gesetzestreuen Judentums bedeutet. Lichtvoll hat Samson Raphael Hirsch daraus hingewiesen (Anfang Mischpotim), daß die mündliche Lehre das Primäre bildet (vergl. auch Funk, Talmud, Sammlung Göschen) und unabhängig davon steht es wohl für jeden gesetzesireuen Juden fest, daß mündliche und schriftliche Lehre eine Einheit darstellen. Die mündliche Lehre als eine dem Leben angepaßte Verbeffe^ rung oder Verschlechterung der schriftlichen hin- Mellellj m kln GeS«llfkN88N8i üer MSdkKM m die Nüstkätnrmt' dör Skst^tt Nöfsrmö!' hinsrnmündet. Einmütig hätten alle diejenigen Kreise, welche durch die Schriftleitung dieses Blattes sich vertreten lassen wollen, gegen eine solche Entgleisung protestieren müssen, wenn nicht die Scharfäugigkeit, welche sie gegenüber agudistischen Presseorganen bekunden, ihnen abhanden käme, sobald es jtdj uxns eigene Lager handelt. Ein llltös TÜlmuvwort besagt, vatz bis Miscym Propheten nicht gesprochen wegen der Rechts- oder Linksstehenden, sondern für die, die in der Mitte stehen. In diesem Sinne möchten wir auch diese Dinge alle registrieren. Die große Masse der Agudisten, welche durch die täglich oder wöchentlich sich wiederholende Behauptung, als ob die agudiMche Orthodoxie sich ein Monopol auf Selbstgerechtigkeit anmaße, schließlich selbst daran glaubt, möge an Hand dieser Beispiele, die sich noch vermehren ließen, erkennen, daß mindestens von einem Monopol hier nicht die Rede sein kann, daß außerhalb der Agnda man rtoef) viel 3leintgungsart>eti vollziehen mutz, bevor man sich vas Recht anmatzt, mißbilligende Seitenblicke auf die Aguda zu werfen. E. geblieben waren, da schwoll ihnen der Komm be dem Gedanken, vor,-,' jwp, daß ihre Gottheit dies rr^s nvxv. wie Rabbi Pinchas im Midrasch den Ausdruck o^'vrr erklärt, vollbracht, und daß die Macht Des Dolles Dtsroeis Btcrjna MMrillb erlitten Y4vö. „Smpi nun roni TÖTBie llisachö". so Mirm Gott gleichsam zu Mosche. ..zu Ph naos Verstocktheit, darum muß unter affen Umständen die Warnung vor dem Eintreten der neuen Plage erfolgen". Kleines Feuilleton. «Interessante Raschistelle". Von Rabbiner Ar. Winkter in Kopenhagen. Auf die Angriffe des Herrn A. Zimmermann in der vorigen Nummer habe ich folgendes zu erwidern: 1. Warum die Erdlöruna des Herrn Dr. Kanter fei 9, 3Ä al^uSjs fflip&Ii* «im rztz blrs noch elner näheren Äegrnn^unq hebüc'«-- feiner Erklärung soll Raschi' mit der Bemerkung mtm -13 haben verhüten wollen, nn2v auf v'3»vi ni^'ns zu beziehen. — Denke man sich von der Lampe Docht und Oel weg. was bliebe da noch zum Verlöschen mehr zurück? 2. Daß meine Auslegung den beiden Toffafotstellen n"2 N3'3n '2 pvin'i? widerspreche. Dieser Angriff ist von zwei Gesichtspunkten aus unberechttut: Erstens, sagt Tossapvot an der ersten Stelle selbst \vivn "wV nd’st ND'n, für btc scheinbare Abweichung rft® ffnir fiüiHfHns ffi dem TTifFiffr Dtt riiä Toigcnö, durchaus erwünscht, sswellens, fetzt ja auch der Toffasol Jomtow ru n-v n-o «vm «22 der Auffassung von Tossafot hinsichtlich nx"i2?,i