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Der Israelit · 1926-12-30 · Heft 53 (30.12.1926) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 53 (30.12.1926)
Date
1926-12-30
Page
– (sequence 14)
Language
German
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«Ute 2 Sk.« Der Israelit EMezeMerlLM J)em SSorl^erKJijjert Gottes in ©rnkl<rnH bringen lünm. PrMienz und Prouidenz, so lautete die Raffung d-es Problems, defs-en Lösung unsere vornehmsten Geister beschäftigte. In -er Neuzeit bekam das Problem eine wesentlich andere Faspmg. Das Gesetz der Kausalität widerspricht, so wurde behauptet, der Lehre von der Freiheit ches menschlichen WiÜens. Auch hier geht Breuer von der Kantischen Lösung aus und gelangt zu folgender Formulierung. Der menschliche Verband ats Teil der Natur ifamt den Willen ebenso wie die müderen Gegenstände nur als verknüpfte Erscheinung wahrnehmen. Für den Verstand :zm -M T?s?tz yss KMMM Mch fUr den Willen. Dem DerflaM also ist der Wille determiniert, aber die Seele bes Menschen ist göttlich. Die Natur im Menschen ist blinde Kraft. Die Seele des Menschen ist sehende Kraft. Zwischen diesen beiden Kräften steht das menschliche Selbstbewußtsein, das sich selbst als wollend begreift, in der Mitte. Und dieses Selbstbewußtfein ist überhaupt erst möglih, weil der Mensch i» seinem Innern.eine Stimme vernimmt, die zu ihm spricht: Dn ssollst! Wäre der Mensch nur Natur, woher dieses: „Du sollst?" In der Natur herrscht Notwendigkeit, die Natur kennt nur ein Müssen. Dieses Sollen stammt nur aus der Seele, die Gottes „es soll sein" im Menschen ist. Dis Sesls des Menschen ist gewissermaßen eine -?8otschaft des an dis N ä t ü i? dene Schöpfung. Durch die Seele soll der 'Mensch die Natur erlösen. Die Seele ist Schöpfung und darum für den Verstand, der nur Zusammenhänge kennt, unerkennbar. Die Seele erkennt sich nur durch das Er l e b n i s e s Solle n s, das in der Natur keine jj Stätte hat. Dem Verstand ist der Wille \ lbewußtsein entsteht durch die Zwiespältigkeit des Menschen, die chn als sein und sollend sich .begreifen lehrt. In der Zwiespältigkeit des „Ich liegt die Freiheit des Menschen. Da die Seele 8 Men Üebergangswirtfchaft stellt sich das unab;Lss MrnWn ÄKöMns Ml «Sri llW kann dsr Msnsch nicht G rs-stzgsb sein., Da er die Schöpfungsziele nicht kennt, aber er kann die Schöpfungsziele verwirklichen, die chm offenbart sind. Die ThoraAt das offenbarte Verfassungsgesetz der Schöpfung. Die Schöpfung ist Natur geworden, damit der Mensch diese Zieles verwirklicht. Der Mensch, der nur Geschöpf ist, weiß nicht, w a s er soll, .sondern nur, daß er soll. Was er soll, erfährt er durch die Thora. Die anderen Denker schürften auch den Inhalt des Golleüs nur aus der nichts als seienden Natur, weil sie die Offenbarung nicht kannten, die die Ziele der seienden Natur erst kundgibt und konnten daher zu keinem befriedigenden Ergebnis gegangen SW Partie ökS MchkZ ift m slNMllW und fchäkfsmttigste. Und Äon Per äus-uttternimmt der Verfasser seine von ihm schon in verschiedenen Schriften niedergelegten Anschauung vom Wesen des Mischen Staates, von der Aufgabe der jüdischen Nation zu begründen. Wie. die Einzelmenschen als se in-s o lle nd e Geschöpfe 'den Willen Gottes,' des Schöpfers,, zu verwirklichen haben, um das Werk der Schöpfung ihrem Ziele zuzuführen, so soll auch Jisroels Staat nur sollend, nur dienend sein. Die anDaren Doller Men zum obersten Gesetz ihrer staatlichen Organisationen nicht die offenbarten. Gesetze der sollenden Seele gemacht, sondern die Seinsgesetze der Natur. In der Natur nimmt der Mensch das Streben nach Selbstbehauptung als obersten Zweck wahr und so wurde ihnen ihr Staat Selbstzweck. Der Staat des Sollens kann niemals Selbstzweck sein. Gott errichtet den jüdischen Staat, die Organisation der sollenden Seele. Wie'der Gott der Schöpfung den Einzelmenschen in der Thora das Gesetz ihres Sollens offenbart hat, so errichtet er auch den Staat der sollenden Schöpfung und Jisroels Gesamtheit wird als Einheit das dienende Ich der Schöpfung. Staatsland, Staats- Volk, Staatswille, diese Begriffe sind alle der soüocrstummtes 2e!n, 8!srar!s> Msnjchsn ftiend-sollende Geschöpfe. Jisroels Staatswille ist Gottes an die Schöpfung gerichteter SWpfüngswille, ist das SvyeH'Ms im Lände verstummt ist, das Sollen, das' in den Geschöpfen am Sein erwacht, ist Gottes Thora, die das LgnÜ und das Volk, als zur Welt der Schöpfung gDEend, zur Einheit zusammenschließt und Land whß Wenschen dem göttlichen Schöpfungsziel entgegenführt." Und weit die jüdische Nation nichts anderes ist als die sollende Menschengemeinschaft des Reiches der Schöpfung, ist.sie unsterblich. In xtjv verkörpert jtcf^ boc£^ das Sollen der Mtz überhllupi. Die Nawruaiilmm find pen gänglich wie alles Sein in der Natur. Wären wir allen anderen Nationen gleich, hätten wir niemals den Verlust von Staat und Land überdauern können, denn aus ihnen saugen alle Naturnationen ihre Lebenskraft, sie sind wesentliche Bestandteile aller Nationen. Wir aber als Einheit sind. Träger göttlichen Sollens, sind Schöpfung und als solche unsterblich. Wir haben in großen Umrissen den Inhalt des Breuerschen Buches wiederzugeben versucht und vielleicht ist es uns auch gelungen, zu zeigen, welch urwüchsige, kernige, jüdische Gedanken es enthält. Es ist jüdische Philosophie und nicht nur die Philosovhie eines Juden. Der' jüdische MllÄsösih muß im Judstttum dsZ Zätttsum ssi-, nes Denkens, Fuhlens und Wollens sehen, indem er von diesem jüdischen Mittelpunkte aus wissen- Maftliche Strahlen nach der Peripherie des Universums zu dessen Aufhellung entsendet. Der jüdische Philosoph erklärt die Welt, vom Standpunkte des Judentums aus gesehen. Und gerade in unsere Zeit, da wir nach dem furchtbaren determiniert, für .das Selbstbewutztsein ist ^Erleben des Weltkrieges die Geburtswehen einer der Wille frei. Und für diHes Selbst-).neuen Zeit in ihren krampfhaften Zuckungen bessisnden Natur entnarumstr, MM/Wiegt/ "ttlDs Hernbaste^ -atte so aus juhU ' - . " - Mn QuöllenMMN können und i» söiriLs ErrlM leole ünüberWinblith b!e Mahnoorsiellung von ber [iti*- lichen Ueberlegenheit der VörtzpreorLt' über das alter Judentum der Thoka, in seiner. ckottlMil Mäütät. Und dennoch —- als Opferseines Jub-entstm s ist Rathenau gestorben/ eines ©Hits tftr nätÜrMtesten^ objektivsten Sinne, ohne daß Geist und. Seele 'bewußt dabei waren, kein' Märtyrer, der sich in höchHr individueller Bewußtheit seiner Idee opfert, aber auch keim blößes Schlächtopfer der weltgeschichtNchen Tragödie des- Golüsjüdenlums, denn immerhin schätzte er . die ^eigene geistige Arrung als jüdisches. Erhe und lehntHstaüdhast: jede 'Annäherung an den herrschenden Glauben ab. Einige wenige Belege für dasoben Gesagte seiend hier angefügt. Zunächst ein Bruchstück aus den zahlreichen Briefen an Wilhelm S ch m a n e r den Freund». gm dem volMiAn MgE M ßöihi &i unisrm A. Sju HUAi* 1016:! Berlin, 23. 1. 1916. Lieber Wilm! Den Schmerz, den Dein erster Brief mir gab, hat der zweite gemildert. Von Bitterkeit war und bleibt: kein Hauch; doch muß ich, der Wahrheit und meineninnersten Empfinden zulieb, versuchen, in herzlicher" Freundschaft . und menschlicher Freiheit auszusprechen, was zwischen uns geklärt werden muß, damit alles beim, alten bleibe. Kein Wort, darf und soll Dich verletzen,, jedes Wort bleibt von Freundschaft. getragen. \y Lieber, unser Werk ist und bleibt das einige und' gleiche, soweit wir unserem Lande und unserem Volke:: dienen, unseres Landes und unseres Volkes Seel» suchen und sie lieben . . . .... . '■ Hierin ist mein Werk beschlossen; Deines geht.weiter. Du dienst einer Aufgabe, die schon deshalbmir., würdig. und tfi, metf 35 u .{£r-;&tettf4, her - ich m«.. Ipal>ferob mein Äajötn jörkern vxWich^eU.iwill, denn auf mein Dasein , kommt wenig an. Diese Aufgabe scheint mir. auf. folgenden Voraussetzungen zu beruhen — wenn ich irre, so weise mich, zurecht; aber, ich glaube, in Deinen Blättern und Schriften die.Bestätigung zu finden: 1. Stamm und Blut trennen. \ 2. Es gibt edleren und' unedleren Stamim - edleres. und'unedleres Blut. , v;; 3. Das 'unedlere Blut hat auf deutschem Boden kein unbedingtes, unerschütterliches Hekmatrecht. Ich nehme zu diesen Sätzen keine Stellung. Ich; achte sie als ehrliche Meinung ehrlicher und guter. Men°: fchen, die überdies Deine .Freunde .sind, und denen, ich,. weit über das Gebiet menschlichen Meinens und Deutens hinaus, die unberührte Empfindung deutscher Brüdsrllchksit srrtg^gsnbririge. BlLer!Jj erlerne «lS hst M?1Ns an. Nicht, weil sie mein Dasein allshebt — bas ist kein : Grund —, sondern weil mein Fühlen und Lenken .ihr: widersprichk. ' .) . . Ich habe und kenne kein anderes Blut als deutsches,-, keinen anderen Stamm, kein anderes Volk als.deutsches. Vertreibt man mich von Meinem deutschen-Boden, so ' bleibe ich deutsch, und es ändert fick nicht«;. Du sprichst 'von Meinem > einmal von meinem Volk, und ihnen verbindet mich das, was - verbindet, die Bibel, die Erin'' - . des Alten und des Neuen T ' Meine Vorfahren und ich se. b> . schem ^Boden. und deutschem - GÄst.VgenäMÄrf. UMce.i^.. dem deutschen Volk erstattet,- ums'")ri-'-ünMn'.'IMten: stand. Mein Vater und. ich haben'»kÄnD Mdänken.: gehabt, der nicht für Deutschland - und-deütsch whr; soweit ich meinen Stammbaum verfolgen kann, 'Mär es bas glsichs. Wilm, tH 'metfye keinem ^vrururs^ daraus, der anders denkt, am wenigsten Dir. Ich suche 'niemand zu bekehren und zu überzeugen. Ich bin in der- Kultusgemeinschaft der Juden geblieben/ weit ich keinem Vorwurf und keiner Beschwernis , mich entziehen wöllLe/ und ' habe von beidem bis auf den heutigen Tag. genüg' erlebt. Nie hat eine Kränkung dieser Art Mich, unwillig -gemacht. Me habe ich meinem, dem deutschen Volke/. nntjMnem Wort oder einem Gedanken derlei vergölten. Mein Volk und jeder meiner Freunde hat das Recht und die Pflicht, mich zurechtzuweisen, wo er mich unzulänglich findet. Eine andere Frage aber ist es, ob ich ein Werk/das' «Hf lmm mmsirnmm Mb zu m mm machen» fam Sch wurde es Lll, Mböschlwöl dör WittMSM.. dieses gegen mich übt, wenn ich die Voraussetzungen' Ich teile sie nicht. Ich bin der Ueberzeugung, daß > Glaube, Sprache, Geschichte und-Kultur'hoch' über denchystologischen Dingen der Blutmischung schwebt und' re ausgleicht. Ich glaube, daß die göttliche Seele in! jedem menschlichen Geiste schwebt und ihn emporträgt l zu emer Schicht, in der. das Materielle zum Staube wird. - Jch glaube an eine Gottheit, der wir alle mit gleichem- Kräften zustreben. - Soweit wir in diesem Glauben einig sind, ist unser-' Werk das gleiche. Soweit soziale und Tagesfragen bin-- zutreten, smd unsere Wege' gesondert." * . lrrüschen, ist es Pflicht, zu der veränderten Welt auch innerlich Stellung zu nehmen und die entsprechende Distanz zu wahren. Bei jeder seeli- ÄrrÄWF MH WMsHll und festen StützmouÄM sfn. Wv alles wankt, dl« fucht man Anlehnung an Ewigkeitswerte. Un) La ist es selbftverstänMch, daß wir Juden mit dem Herzen und mit dem Kopfe philosophierest damit der religiöse ,GeW wrÄreverweckt und zu gleich gezeigt werde, M nur unsere Thora uns die Möglichkeit gibt, uns logisch zurechtzufinden und ttf einer philosophisch begründeten jüdischen Leb ensanschauung Ewigkeitswerte zu finden und zu Massen. Und ich gestche es offen, daß ich keinen besseren Führer kenne, als Jstrac Breuer. Er ist der Wegweiser, den wir alle nötig haben. Sein Buch „Welt als Schöpfung ynd Natur" fft nur der Anfang und wir erwarten, mit Schnfuch! die Fortsetzung und die Ausfiihrung der w'un i>erbttren ©ebartferr, bie 5ri j. ... S3&erfc gum Ifiil mit anßB&ßntßt sind. Möge ihm Gott dis Kraft Verleihen, seinem Volke weiter zu dienen und ein Führer zu werden auf dem Wege zur VerwirMchung des Sollens der göttlichen Schöpfung. Waller Rathenaus Briefe. (2. Vde. 1926. Carl Reißner Verlag in Dresden.) Wer die beiden Bände „Briefe", die sich über einen Zeillllum von m LMM Hjiraftn, mtminami mmllßst mirö von vsm GsMlo Mss? Tmgik ekgrifM werden: denn es ist eine dreifache Tragödie, die sich in diesen menschlichen Dokumenten offenbart — die des Berufsmenschen, des Politikers und des Juden. An der Spitze einer der gewaltigsten industriellen Unternehmungen stehend, hat Rathenau die Berufung zum sozialen und sittlichen Reformator in sich' -empfunden und dennoch sein Leben lang vergebens um die Liebe der Enterbten und Besitzlosen geworben, die in ihm doch nur den reichen Jndustriekönig -erblickten. An deutscher Kultur bis in di-e tiefste Tiefe des seelischen Wesens geättigt, Deutschland liebend mit der ganzen Inbrunst eines von höchstem Temperament beflügelten Idealisten — müßte er von Anfang bis zu Ende die Echtheit seiner patriotischen Gesinnung nicht nur gegen den Plebs, sondern gegenüber dem Geistesadel der arischen Staatsgenossen mit einer unerträglichen Apologetik v'ert-.'d'aen. Und endlich als Jude! Ein bißchen' HumanitätS'. -n hatte man ihm unter der Marke „Judentum" " ' :• if; T el> H .i* Bon j üd i sch e r Seite ist man wiederholt »an Ra» °nnn herangetveten, um ihm eine tiefere Aufun^ : on der religiösen Ueberlieferung nahezulegen. -: cg ebnis zeigen folgende Briefstellen:

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