Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 53 (30.12.1926)
- Date
- 1926-12-30
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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d)e VX^arf liierans Breuers Well als Schöpfung und Natur/' Besprochen von Rabbiner Dr. Hermann klein in Berlin. Es ist wohl keiner unter den denkenden Menschen, der nicht hie und da mit mehr oder minder regem Interesse über den eigenartigen Konflikt nachgedacht hätte, der sich seit den Anfängen der modernen Wissenschaft mit ihren exakten Forschungsrnsthodsn zrvischen dieser und der über- ^Migirn ken wachsenden Erfolgen der Wissenschaft immer mehr verschärft hat. Zwar hat es, besonders in neuerer Zeit, nicht an Versuchen gefehlt, den Frieden wieder herzustellen. Doch ist trotz all dieser Friedensschlüsse der Kampf nicht entschieden und es scheint fast, daß diesen Friedensschlüssen dasselbe Schicksal beschieden ist, wie den Friedensschlüssen,, mit denen die Mächtigen der CM dm unseligsten Md DerDßrBn®ftßn aller Kriege beenden wollen. Das Charakteristische dieser Friedensschlüsse ist nämlich, daß sie die Konflikte, die die Menschen vor dem Kriege entzweit haben und die sie mit der Schärfe des Schwertes lösen wollten, verewigen. Ein geistreicher Diplomat hat die Bemerkung gemacht, daß, während man zur Zeit des Krieges gesagt habe, daß man nur Krieg führe, damit es keinen Krieg mehr gebe, so scheint man Frieden geschlossen zu haben, daß niemehrFrieden auf Erden werde. Die Parteien stehen sich noch immer gegenüber, als ab das Heil einer jeden nur in der Vernichtung des Gegners bestehen könne. Der objektive Denker wird leicht erkennen oder wenigstens fühlen, daß selbst eine getö^tts^lllle llnlsr^rnölllnb einer &er £>et&ere Söefi* anschaungen für die andere nur eine vorübergehende Triumphperiode bedeuten könnte und daß der nämliche Kamps wohl bald wieder entbrennen werde, vielleicht zum Verderben des zeitweiligen Siegers. Nicht Streit und Haß können diesen Konflikt aus der Welt schaffen, sondern eine Verständigung der Gegner. Selbstverständlich meinen wir nicht, daß durch schwächliche Kompromisse von beiden Seiten irgend etwas für die Beseitigung des Konfliktes getan wäre. Schwächliche Kompromisse in der Welt Der 3üm fmü 88K zum HLiU verurteilt. 2fuch die Lösung, die namentlich im Mittelalter durch die sehr bequeme Statuierung einer „zwiefachen Wahrheit" versucht wurde, trägt den Keim des Todes in sich. Eine zwiefache Wahrheit ist eine einfache Lüge. Ein derartiger Konflikt kann nur durch die Einsicht behoben worden, daß dieser Konflikt auf Irrtum und Mißverständnis beruht, daß ein derartiger Widerspruch zwischen Wissenschaft und Religion sich 4) Hsaac Breuer, Die Welt als Schöpfung und Natur, Frankfurt a. M. I. Kaufsmann 1926. rn der menschlichen Vernunft gar nicht wirklich vorfindet. Bei allen logischen Widersprüchen kommt es darauf an, nachzuweisen, daß die Schwierigkeiten überhaupt daher rühren, weil man zu bequem, ist, die Widersprüche bis auf ihren Ursprung zu verfolgen und dort bei dem Ursprung den Hebel zur Lösung anzusetzen. Den Weg zur Versöhnung der beiden Weltanschaungen gewiesen zu haben ,ist das Verdienst Kants. Wenn aber der Friede noch nicht hergestellt ist, so liegt es an einzelnen Fehlern und Widersprüchen Kants. Ganz an Kant orientiert tll au® Der iMllMlM Dem® 2 r e u e r s. Den Gireti: zu schlichten. Unb es sei schon hier ausgesprochen, daß wir den Lösungsversuch für genial halten. Ganz andere Aufgaben stellt der gegenwärtige Stand der Wissenschaften und namentlich der Naturwissenschaften an den Religionsphilosophen unserer Tage wie das Mittelalter. War es dem Mittelalter darum zu tun, Judentum und Philosophie auszugleichen, was ja d e itt SXyt i ttetaiicr Miöglicf, roar, btt es eine Philosophie) nämlich Die aristotelische hatte, deren ungewöhnlich lange Herrschaft den Glauben zu erwecken schien, daß der Aristotelismus das letzte Resultat menschlichen Denkens sei und die jüdischen Philosophen des Mittelalters konnten glauben, daß, wenn es ihnen gelingt, das Judentum mit ihm zu versöhnen, das Judentum mit der Wissenschaft schlechthin ausgesöhnt sei. Diese ganze Methode der Aussöhnung des Judentums mit der Wissenschaft, indem man nachzuweisen sucht, daß das Judentum bestimmten Resultaten der Wissenschaft nicht widerspreche, ist für unsere heutige Empfindung etwas veraltet. Der Respekt vor den Ergebnissen der Wissenschaft ist etwas gesunken. Was wir als Aufaaüe unserer NeligionWMosoMn ansehen. m Cvsässött Judentums äu^.sich heraus, Erkenntnis dessen, was das Judentum über Gott, Welt und Mensch lehrt und an dieser Erkenntnis alles geprüft, was menschliches Wissen, menschliches Denken zutage fördert. Wir suchen keine Ausgleichung, kein Kompromiß, sondern Erforschung der Philosophie des Judentums. Und wenn ein Kritiker des Breuerschen Buches diesen Standpunkt „Dogmatismus" nennt, so wird es uns nicht beirren, diesen Weg als den einzigen zu bezeichnen Der MM mit film: Eine der schwierigsten Kragen Der modernen Religionsphilosophie ist'die Frage nach der Möglichkeit, die Berichte der Bibel über die Schöpfung mit den Ergebnissen der modernen Naturforschung in Einklang zu bringen. Die Beobachtung der Naturgesetze lehrt uns, daß die Welt sicherlich viel älter sei als nach dem Bericht der Bibel. Breuer führt nur e i n Beispiel an, aber selbstverständlich lassen sich die Beispiele ins ilnenim®* * nernmren. Mess Bemerkung grU dein schon genannten Kritiker des Breüerschen Buches in der Breslauer Monatsschrift. Er führt als Beispiel andaß die Kohle nur in Millionen Jahren entstanden sein kann, weil eben dieses Beispiel so ziemlich Laien und Gelehrten gleich geläufig ist. Die Antwort gilt aber für alle Erscheinungen. Die Antwort ist folgende: Die Natur ist die Welt der Erscheinungen, um mit Kant zu reden, oder, um mit Breuer zu reden, sie ist die Ruhe des Schöpfers. In sechs Tagen schuf der Schöpfer frei aus dem Nichts eine Welt. .Am siebenten Tage, da der S ch ö p - f e r ruhte, ward die Natur geboren. Für die Natur gelten die Naturgesetze, sie sind Gesetze nmimn Wäjgfüm mi nW m m$- Mdm Schöpfers. Zwischen Natur und Schöpfung sind keine Widersprüche möglich, denn sie folgen zeitlich einander. Die Natur ist die Selbstbeschränkung des Schöpfers und die Gesetze der Natur sind nicht die Gesetze der Schöpfung. Der menschliche Verstand, selber ein Stück Natur, kann aus der Natur nicht heraus. Was der menschliche Verstand wahrnimmt, ist wahr, ist gültige aber nur für hte Natur, Oes führt kein Weg für Wtt menschlichen füv Dis wist senschastliche Erkenntnis von der Natur zur Schöpfung. In der Natur ist ein lückenloser Zusammenhang, sie ist eine endlose Kette. In der Natur ist kein Anfang und kein Ziel. Anfang und Ziel sind in der Schöpfung. In der ruhenden Schöpfung ist jede Spur der Schöpfung getilgt. Und somit ist auch der Widerspruch zwischen den Ergebnissen der Wissenschaft und dem Berichte der Thora gelöst. Nach den geltenden Naturgesetzen, die aber erst nach Vollendung der sechs Schöpfungstage in Kraft treten, scheint die Erde Millionen Jahre alt, aber das Naturgesetz, das nichts anderes ist. als die freie SelbstbeschränkMg Gatten gilt nicht für Die Wett des schöpfenden Gottes. Von dieser Welt können wir nichts wissen, da unser Verstand als ein Stück Natur nicht aus sich heraus kann; Gott ist hinter den Naturerscheinungen, nicht in ihnen. Den Gott der Schöpfung kann man wohl hören, aber nicht wahrnehmen. Es ist überflüssig, zu betonen, daß die gleiche Antwort auch für die Resultate der Biologie usw. gilt. Sie alle schließen ja von den herrschenden Naturgesetzen auf die Gesetze der Schöpfung und darin liegt ein Denkfehler. Dies mit aller Scham nachgewiefen m Dafian. ist ein Verdienst Breuers, das auch durch den Umstand nicht gemindert wird, daß der Gedanke nicht ganz neu ist. Die Formulierung und präzise Fassung ist durchaus originell und ist geeignet unzähligen der Irrenden unserer Tage Halt und Sicherheit zu geben, was ja der einzige Zweck der Breuerschen Schrift ist. Das Problem der Willensfreiheit hat in den verschiedensten Formen alle Denker beschäftigt. Auch alle Mischen Denker HeaMitMaltom mutzz ten sich mit diesem Problem auseinandersetzen, doch hatte bei ihnen das Problem die Fassung, wie man die Willensfreiheit des Menschen mit I *• 4 •4 i i;'/i Wi I