Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 53 (30.12.1926)
- Date
- 1926-12-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 6 Nr. 53 Dtt i*tat( 11 30; Dezember iM ~ gliedrige Block unter Beteiligung von -einigen Juden nur Unheil und Verwirrung anrichten könne und sie sahen sich gezwungen, eine eigene Fraktion zu bilden. Es wird Herrn Nurock zum Vorwurf gemacht, daß er iüt Masinek Skujenek verhandelte, dem engsten Parteifreund Holzmanns, der als Justizminister nicht mehr und nicht weniger als 250 000 Juden aus Lettland austreiben wollte. Daß diese Politit ber 2r«sirei6«nfl in des gsgsg NkgittUNg MWW werden sollte, zeigte Skujenek m der Regterungsdeklaration mit der Betonung-der Unterlanschaftsfrage und ihrer Lösung. Die Lösung der Untertanschaftssrage in Lettland ist aber, wie man weiß, in eng nationalistischem Sinne gedacht, unter Ausschluß aller, die nicht in Lettland geboren sind oder durch lange unfreiwillige Abwesenheit, Flucht während des Krieges oder russischen Verbannung, vorübergehend die Beziehungen zum Lande verloren hatten. Die Garantien, die sich Rabbiner Nurock in der Beziehung geben ließ, nützten wenig, denn Minister Skujenek behandelte doch in ber (SvU&vixrtg, im Verrnrßtsein des hsgjss stkhM den Mehrheit, diesen Punkt in seinem und seiner Partei Sinne. Man ist in Riga über diesen Vorgang sehr erregt, und Deputierter M. D u b i n gab der Unzufriedenheit in einer großangelegten. Rede im Sejm Ausdruck, in der er dem Minister und der Regierung Brutalität gegen die Minderheiten und insbesondere gegen die Juden vorwarf. Das jüdische Volk, sagte er, wird Nurock wenig Dank wissen dafür, daß er Skujenek zur Macht verholfen hat. Er geht dann insbesondere auf die sogenannte Untertanschaftsfrage ein. Die Rede machte in politischen Kreisen ncrchk^crlti^en Eindruck. Be! Äbstimmung ützer das Verlmuensootum verließ die jüdische Fraktion Dubin wie die Vertreter der deutschen Minderheit den Saal. Holland. Die Keren Halorah-Konferenz in Amsterdam. Amsterdam, 27. Dez. Am Sonntag, den 26. Dezember, trat hier eine große Keren Hatorah-Konferenz zusammen. Sie wurde mit einer grandiosen Massenversammlung ui öer MlMlMlikMsL MgMM, iuf 5er Uns Reihe von Rednern aus Holland, Deutschland und Oesterreich Referate und Ansprachen hielten. Die Konferenz selbst begann um 11.30 Uhr vormittags im Sitzungssaals der Amsterdamer jüdischen Gemeinde unter dem Präsidium des Herrn Oberrabbiner Vredenburg, Arnheim. Eine endlose Reihe von Begrüßungsschreiben wurde vorgelesen. Cs folgte ein Referat des Herrn Dr. Deutschländer über.„Die geistige Lage in der Jubenfyeit ber @egenmart"f sodann M Msjsgg 888 ÜjLllll Dr. Meier Hilv-esheimör, LeM», übsr „Dös russische Problem". In der Nachmittagssitzung wurde ein Begrüßungstelegramm der Königin bekanntgegeben, worauf der Bericht über „Die Keren Hatorah-Arbeit in Holland" erstattet wurde. Es wurden mehrere Resolutionen angenommen. Ausführlicher Bericht folgt in nächster Nummer. PalSfti««,. Kundgebung palästinensischer Juden vor dem rumänischen Konsulat. Jerusalem, 19. Dezember. Gestern fand in Jerusalem eine große Kundgebung gegen die Judenverfolgungen in Rumänien statt. Nach Schluß der Kundgebung begaben sich die Teilnehmer in llkslWMM ÄW 1UM xurnsnisHsrr KrusllM. Ans dem Wege stellte stch ihnen Polizei entgegen, die versuchte, den Zug aufzulösen. Dabei wurden sechs Personen verhaftet. Einer Gruppe von 300 Demonstranten gelang es aber, zum Konsulat vorzudringen. Es wurde aus der Mitte der Demonstranten eine Abordnung gewählt, die sich zum Konsul begab und diesen aussorderle, der rumänischen Regierung über den Protest der palästinensischen Judenheit gegen die Judenverfolgungen in Rumänien Mitteilung zu machen. SSexr Konsul fprorf, ber atborbnung gegenüber j|in Bedauern über bi« AllssHrMungm gegen Die Juden seines Landes aus und sagte, die Juden hätten Schulter an Schulter mit allen Bürgern Rumäniens für Rumänien gekämpft und geblutet, sie hätten darum Anspruch, die gleichen Rechte zu genißen, wie alle anderen Bürger Rumäniens. Er fei sicher, daß die Regierung der Unruhen Herren werden würde. (I. T. A.) Personalien. 70. Geburtslag von Lucien Wolf. London *2. Dezember. Am Montag, den 1. Februar 1927 vollendet Herr Lucien W o lf, der bekannte Vorkämpfer für Mische Rechte in allen Ländern, sein 70. Lebensjahr. Aus dieielü StntaB mirb bi* Sübijdje M-sjM MMMsl bäh ümglaub, bepsss Präsident Herr Lucien Wolf ist, ein Festdiner veranstalten/ bei welchem Sir Herbert Samuel den Vorsitz führen wird. Berlin, 20. Dezember. Heute würde der im 105. Lebensjahre verstorbene älteste Bürger Berlins, der Rentier Bernhardt Berendt, unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. Berendt wurde am 1. Juni 1822 in Putzig b. Danzig geboren. Bis zu den letzten Tagen seines Lebens war er körperlich und geistig rüstig. Mit besonderem Stolz sprach er stets von seinen Erlebnissen im „tollen Jahr" 1848. Am Tage der - Beisetzung der Märzgefallenen hattz er als Mitglied der Bürgerwehr die Wache vor dem" Berliner Schloß. Am Krieg »on isee könnt* er MM MP MWhNlöN. &Ä ittäll ihn aU „gn «st" grEwr es. Lächelnd zeigte er 6ö Jahre später dieses Dokument. Auch den Berliner Bürgerbrief hatte er sich aufbewahrt, den er als Jude nur nachgroßen Schwierigkeiten und nach Zahlung einer erheblichen Steuer erhielt. Das Ableben seiner 80jährigen Tochter in der vergangenen Woche ging ihm sehr nahe und hat auch die. Erkrankung verschlimmert, die jetzt zu seinem Tode führte. Trappstadt (llufetft.), 27. Dez. Am nawn "i 'p na» hauchte hier im 85. Lebensjahre Frau Jetta Rau Ww. ihre reine Seele aus. Sie verschied ohne vorherige Krankheit np'vaa. ruhig wie sie lebte ging sie aus dieser Z&ettr Mefbetrauert ppss fjjwff AllgcylMUN. Mil ihnen die sie lunmen, Denn eine Frau von seltener Frömmigkeit und Opserbereiischaft hat aufgehört zu sein. Ihr mustergültiges Leben möge ein Vorbild bleiben den trauernden Hinterbliebenen. Nachdem Trappesstadt nur noch drei Familien zählt, hat die naheliegende Gemeinde Königshofen, wo nunmehr der teure ep zur Ruhe gebracht ist, es sich nicht nehmen lassen, alle Obliegenheiten, sowohl bei der ,r£> wie während der nyw ganz nai ma auszuführen. rraxan* Sulda, 29. Dez. Frau Jettchen Bacharach r.Rhina begeht am 28. Dezember ihren 9 2. Geburtstag in körperlicher und geistiger Frises. Wiesbaden, 26. Dez. ist stets Festtag für unsere Gemeinde, wenn der Schabbos wiederk-ehrt, an dem unser allverehrter Herr Rabb. Dr. Kahn, nunmehr vor 57 Jahren, sein Amt antrat. Wir ließen es uns daher nicht nehmen, unserer Freude über dieses seltene mar durch eine schlichte, aber eindrucksvolle Feier Ausdruck zu verleihen. Herr Rabb. Dr. Ansbacher, anknüpfend an den Satz i^n paa ppinni min n van uv' xb, dankte seinem verehrten Vorgänger, der es trefflich verstand, in 56jähriger hingebungsvoller Tätigkeit — er ist feit CO. 1 Zahr in hen iaxtb getreten - bas 6 e ÖBori bss tzrr gisfßemuflten Energie des V2v-Gesetzesgriffel und Herrscherstab — zum segensreichen Ausbau der Gemeinde harmonisch zu vereinen, und die fast vollzählig versammelte Gemeinde war sichtlich ergriffen durch die von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Worte. Sodann dankte im Namen des Vorstandes Herr Julius Katz dem Jubilar für die unsterblichen Verdienste, die er sich durch Ausbau sämtlicher Institutionen erworben, und überreichte als ein kleines Zeichen der Anerkennung eine von Herrn Rabbiner Dr. Ansbacher entworfene und in Frankfurt künstlerisch ausgeführte Ehrenadresse. Gesänge des Herrn Kantor He s und des Synagogenchors umrahmten die Feier und alles wünschte im Stillen und mit herzlichen Worten dem in körperlicher und geistiger Frische v"as stehenden Nestor der deutschen Rabbonim noch eine lange Reihe von glücklichen, gesunden Jahren. Im Anschluß hieran versammelte sich niav nav mxi» die n^np zu einem r^in ovo im Hotel Kronprinz. Herr Rabbiner Dr. Kahn dem die späte Abendstunde 88! 881 MM MlMUM DHl WM Dorlßilt Dflfi NW genauen», BeenMe w gMHev Zeit ~m fymt Wahnung bie sriaovs» während Herr Rabb. Dr. Ansbacher '"J vor einer nahezu 100köpfigen Festversammlung die letzte wVv mit rrnar oortrug. Sodann begab man sich zur mwo, in deren Einleitung der Gemeindevorstand, Herr I. Katz, die Anwesenden, unter denen sich Auswärtige befanden, begrüßte und Herrn Dr. Kahn dankte, der im Verlauf von über einem halben Jahrhundert den Boden für min stets mit unermüdlichem Eifer bebaute, desgleichen Herrn Dr. Ansbacher, der in der kurzen Zeit seines Hierseins schon die Begeisterung für eingehendes Lernen geweckt und gefördert. Hierauf folgte Tt ttc M mim Dl. mumi mit MM Msl! mcßen llebergang zu Der neu begonnenen f-ov Eine stattliche Anzahl von Rednern wie die Herren: Lehrer Hes-Wiesbaden, Sulzbacher-Biebrich, Rosenberg- Bierstadt, die Herren Felix und Berthold Goldschmidt, Max Guggenheim, sowie aus der Reihe der Jüngsten Paul Goldmann erfreuten uns durch schöne, zu Geist und Gemüt sprechende nun 'nan, während die Herren Blurnenthal, Berth. Kahn und Teig durch launige Vorträge zur Hebung der Festesstimmung beitrugen. Ein von Herrn Dr. An'sbacher verfaßter poetischer Dialog, der— sinnig an' spn oivv anknüpfend — die Bekehrung, eines „Wandervogels" zum -Lernenzum Gegenstands hattewurde von den Schülern Carlo und Adolf Zipfel, wohlgelungen vorgetragen. Spät nach Mitternacht ging man auseinander, in dem erhebenden Bewußtsein, durch ein wahres Taurohfest die Liebe und Begeisterung für das Lernen gehoben zu haben. Vermischtes. Frankfurk a. W., 21. Dez. Das Lokal-Komitee Frankfurt a. M. des Vereins zur Förderung ritueller Speisehäuser e. V. Hamburg schreibt uns: Um irrigen Gerüchten entgegenzutreten, teilen wir hierdurch mit, daß das Reftabrant „Libanon" (Inh. Henny Schmuckler) Freiburg (Baden) Röderstraße 2 nach me vor unserm Verein angehört und unter Aufsicht unseres Vertrauensräbbiners steht. Einzig und allein wird in nächster Zeit eine lokale Veränderung in Freiburg ftattfinden, welche aber auf die allseitig bekannte gute Leitung des Restaurants.ohne jeglichen Einfluß sein wird. 2IfdJflff0flÖtlffl, 15. Qfm 13. fand hier die diesjährige Generalversammlung des Fü rfo r g es Vereins für israelitische Nerven- und Geisteskranke statt. Aus dem Bericht der Vorstandjchaft (Vorsitzende: Rabbiner Dr. Breuer in Aschasfenburg und Dr. Stein in Schweinfurt) verdient hervorgehoben zu werden, daß der überwiegend größere Teil der in der Heil- und Pflegeanstalt Lohr a. M. untergebrächten jüdischen Kranken, soweit sie auf rituelle Kost Anspruch erheben, durchweg auf Kosten des Vereins verpflegt werden. Um auch bei solchen Kranken^ die zum Teil oder ganz aus Kosten ihrer Angehörigen verpflegt werden, die gegenwärtigen wirtschaftlichen Verbältnisse zu berücksichtigen, fyxt bis ©ener«toerfammiarig ÖöfCOlDffßn, Dfi«: 1 ffl41»i}fU<iix«9Sfa4 rDejertiUcfj gw gen. Die Lsrstung^n des Vereins, dem es unter den^ schwierigsten Verhältnissen gelang, auf dem Gelände der Anstalt einen imposanten -Küchenbau mit Derwalterwohnung und großem schönen Garten dank dem Entgegenkommen der Anstaltsdirektion und der Staatsbehörden zu errichten, gereichen den jüdischen Pfleglingen, der Anstalt andauernd zu großem Segen und verdienen es, in immer weiteren Kreisen anerkannt und unterstützt zu werden. Karlsruhe, 24. Dezember. Der Verein Chinuch-» R e ö r i m dahier beging am 26. Dezember ds. Js. sein, fünfzigjähriges Jubiläum. Aamiliennachrichten. Barmtzwo: Jacob, Sohn des Herrn Joseph< Auerbach und Frau Rosa. geb. Cahn, Hamburgs. Klosterallee 9. 1. Januar 1927. rrirri Briefkasten. Maas er. Wir wiederholen, daß n^a nwan einer - atz her bebenlitrtflisoonften ms» ist, unb er|i rec^tj U sich llichl nm ttlfi nüherc OÖtl eniferntere Verwandte Handelt. Es ist uns nicht' verständlich, wie jemand Bedenken dagegen hegen^ kann, für diese höchste Form der npx Maäser-- Gelder zu verwenden, erst recht nicht, wenn an diesen Bedenken etwa die sonst mögliche Vollendung der ni>a noaan nixa scheitern sollte. frankfurter Berichte. Zur Iahrzeit von Samson Raphael Hirsch V'XTam 27. Tewelh. Wie groß die Verehrung, die schon'zu Anfang seiner Frankfurter Wirksamkeit Rabbiner Hirsch von allen Sei-/ ten entgegengebracht wurde, zeigt folgender uns zur Verfügung gestellte Brief: ^amfcurg, 1, 2Cj?rit 1855. <¥f, rwi tfrernt 3taODiuer Qamf. tnaptj. Husch. Geehrter Herr! Mit einer so großen Freude, mit einer solchen Begeisterung begrüßte ich die ersten Hefte Ihrer neuen Zeitschrift, deren erstes Semester jetzt schon ein klares. Bild ihrer Tendenz und der Mittel, durch welche sie dieselbe zu realisieren sucht, bietet, daß ich es nicht länger unterlassen kann, Ihnen einige Worte des innigsten Dankes dafür auszusprechen. Zu allen Zeiten, lehrt unsdie Geschichte unserer Nation, wenn das Judentum in Gefahr schwebte, wenn die Schätze, deren Träger Israel ist, von inneren und äu feeren Feinds» bedroht MM, W W JM 3&HM& Mium eM'Jl Uni Degeistert und ihnen die rechten Mittel unb Wege gezeigt, um die Gefahren abzuwenden, um das Jahrtau-; lende hindurch gewahrte Palladium zu schirmen, um. den Geist seiner Lehre rein und unverfälscht zu erhaltem Und in jedem Jahrhunderte fast waren .die Angriffe verschieden, bald war es rohe Gewalt, die imt Feuer und Schwert drohte, bald wurde mit dem Feuer' des Geistes und dem Schwerte des Wortes gekämpft^, bald wurden die Massen von außenher geholt, balto