Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 53 (30.12.1926)
- Date
- 1926-12-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Gelte-4= Sd^ SS •;r,eT^ 7 >7' '- - . ..V '" -V' '-"'.■"^'-"v ii,'/-•-''--Sir-.r- SCI (III «Ml Alexander, dem großen Mazedonier vom griechijcfjen Geist gegenüber. Bejde beherrschen die Welt, allein welcher Unterschied! Alexander bahnt sich den Weg r.it dem Schwerte, marschiert über Leichenhügel niedergetretener Völker, schwelgt in der Pracht, die sich aus Kriegsbeute zusammensetzt. Salomo ist der Walter des Friedens, dem die Fürsten willig ihre Geschenke zu Füßen legen, als Dankeszoll für die aus seinem Munde empfangenen' Weisheitsworte. Aus weitester Ferne wird seinem Namen gehuldigt. Er ist vor allem für uns der König der Weisheit, der Mo r a l l e h r e des Go t terkennens, der die Menschen zu geistigen und sittlichen Höhen führt. Was die beiden Könige von einander trsnnt, ist der Pundsi an bem Israel uni) die Völker sich scheiden. Nur ein Volk, das, nach dem angeführten Talmudsatz, die Waffe als Verunzierung empfindet, kann Männer hervorbringen vom Ausmaß der Propheten, nur eine Nation, in deren Massen der Spruch lebendig ist: snzn XL' ü'jron»' kann von Königen wie David und Salomo geführt sein. Die wenigen Auserlesenen/ VegnabßißH sillÄ Ä ä M 33 61 J f auch dann, wenn TU den Massen das Gefühl für die eigenen Lebensbedingungen scheinbar an Glanz verlören und in den Hintergrund geraten ist. Um der großen Führer wegen, die die mjrn ’jpst. „Augen der Gemeinde" sind, darf der ganze Volksorganismus dem Heile entgegen sehen. Ein rätselhaftes Midraschwort findet in. diesen Gedankengängen seine klare Deutung: nxi am rnn toaw 'Tr xn’*n ♦nxi na oiri. Was sah das Meer, daß es entfloh? Es hatte die Baraita des Rabbi Jsmael gesehen. Soll.heißen: Das aus Aegypten ziehende Volk war moralisch tief genug gesunken, daß die Ankläger sich seiner Errettung mit den. Worten widersetzten: „Es sind ja die einen wie die anderen Götzendiener". War aber das Volk nichtsdsstowßNlgßk lllS MldtZ flltdis Erlösung llesunben, so lag es daran, daß für das zu tiefst dringende Gottesauge die Verderbtheit nur eine äußerliche war, ohne die Seele des Volkes zu «erfassen. Es war nur Schale an der Oberfläche (ns'chj?)' Im Innersten zeichnete sich noch die Eigenheit der Nation deutlich ab, schlug noch der jüdische Puls stark und lebendig. Die vornehmen und exponierten Träger dieses noch wirkenden, nur von den äußeren Notumständen zurückgedrängten Geistes waren die Führer, M o s e s und A h r o n. Das Meer sah und sah nicht recht; es sah Sittenverderbnis lmb nai}tn fte als des Volkes <£ljarattevtöb. & hatte dann wahrlich keinen Grund gehabt, den Einen einen Weg zu bahnen; um die Anderen zu verschlingen. Da wurde es belehrt durch die Baraita des Rabbi Jsmael. Dort heißt es nämlich: ' •r : "• . X2J? lössrty -ra^ xb nvbb xs'i bhzi >3 .-ibD bb3n Xbx. „Die sich von der Gesamtheit abheben, sie sind es, die den Ausschlag für die Gemeinschaft geben." Was in Moses und Ahron so lebendig und kraftholl zur Auswirkung kommt, ist im Grunde auch im Volke hinter diesen vorhanden, es ist nur verteilt und von äußeren Umständen zurückgedrängt. Das wahre Wesen eines Volkes läßt sich nicht in Fesseln schlagen.. Das sah das. Meer am Grnbey unb es toidj ,t , , Wenn der Talmud daher von den Völkern als von einem march nann as spricht, so darf es nicht in . dem Sinne mißverstanden werden, als hätte Man sich in nationalem Dünkel über die anderen hinweggesetzt. Es liegt in diesem Werturteil keine Herabwürdigung, sondern nur eine Gr-enzabsteckung. ">»n ist hier das iah' das Irdische, das da? Ue«!e wnb &iesfeitige/ Oer Stoff im Gegensätze zum G ei st e. Die Grundeinstellung der Völker geht dahin--das Stoffliche auszubauen und zur höchsten Gestaltung zu bringen. Und wer wollte es verkennen, daß sie in dieser Beziehung Großes und Erstaunliches geleistet haben. Israel wurde die spezielle Aufgabe, sich als Baumeister in der Welt des Geistes zu betätigen. Und wir sind von altersher solchermaßen mit unserem ganzen Leben und Wirken in diesen geistigen Aufgabenkreis eingesponnen, daß, als nach Zerstörung des ersten Tempels die Meinung auftauchte, diese Arbeit sei vollbracht und liquidiert, mit. dem Zusammenbruch von Tempel und Staat das Verhältnis zwischen Gott und Israel aufgelöst, daß damals vom Propheten Jecheskel die Unmöglichkeit und Unhaltbarkeit dieser Auffassung mit den Donnerworten gegMmt rouröci ^ax npttr Ti x^> ".n aarm Vs; nViyn „Was Euch in den Sinn kommt, es wird nicht sein usw.; wenn ihr das saget, wir wollen sein wie die Völker, anzubeten Holz und Stein usw. Bei meinem Leben, spricht Gott, ich werde mit starker Hand über Euch regieren!" Das wahre Wesen des jüdischen Volkes kam so recht zum Vorschein nach dem Zusammenbruch des äußeren Rahmens unter Titus. Kein Volk in der Geschichte konnte sich halten, so ihm mit b?m OtnnlsWkssll Der Dullen unter ven MM entzogen wurde, Israel verlor .den Heimatboben und baute sichdie geistige Heimat so'aus,' daß es nie und nirgends yeitnatlos war. Es gehört dies zum größten Wunder der, Westgeschichte, daß just' zur Stunde, da Titus mit der Beute aus Jerusalem, die Siegerkrone auf dem Haupte, durch den Triumphbogen von« Rom einzog, da man in der Stadt der Cäsaren Siegesmünzen prägte mit einer Frau in Ketten und den Worten darunter: „Juda« in Gefangenschaft", zur gleichen Stunde Rabbis Jochanan, Sohn Sakkais, im Dorfe Jabne bei Jerusalem vot Tausenden von Jüngern die heilige Lehre vortrug und alle Vorkehrungen traf, unr das Band mit Gott Neu zu schlingen. Könnte damals jemand ahnen, daß in Zeiten, die vom alten Rom keine Spur mehr zeigen, der aus den rauchmvm Trümmern IsrusalßM aufstßjgßnllz löÄst noch ein auf dem Erdenrund zerstreutes Volk iw Lebendige Kraft erhalten werde?! \ Versteht man nicht danach so recht, daß deo Tag der Zerstörung Jerusalems im geistig-moralischen Sinne für Israel der ruhmreichste Tag. feiner Geschichte Mär; da mm der wahre Geniusdes Volkes ungehemmt und unbeschwert bdm affen: llllßßlßll Ümststtdett m «nV Sßlrlving treteix konnte, sich die Geisteswelle aus Jerusalem in den Strom der Menschheit ergießen konnte! Ist dies vielleicht der tiefere Sinn' des Talmudwortes in Jeruschalmi Tr. „Berachoth", wonach, am neunten Ab Moschiach, der göttgesälbte Erlöser, geboren wurde! Denn von da ab beginnt der messianifcho Gedanke vom „Umschmieden der Schwerter zu Ackergeräten", vom „Zusammenwohnen des Wolfes mit dem LaMme" sich Bahn zu brechen auch im Leben und Hoffen der Volker. In den Büchern des Jofefus Flavius wird' erzählt, wie die Römer staunten und erschraken^ als sie, unter ungezählten Todesopfern die« Mauen Jerusalems zu Fall gebracht, eine zweite Innenmauer entdeckten, die sich die Juden unter den Schrecken des Krieges neu errichtet hatten. Die innere Schutzmauen die wir beim Falls» J>«r äußßkll ML schufätst ist bis «nf üen Mutigen Tag uneinnehmbar. Sie ist aus Feuer, aus den Flammen im jüdischen Herzen errichtet. „In Flammen ging der Tempel auf, mit Feuer werde ich ihn wieder erbauen." -rny ma. 'ixi rrnxn jpxä nx; (Fortsetzung folgt.) der Verfasser der Versuchung widerstanden/diese Willkürlichkelten graphisch zu verewigen und sich auf die Wiedergabe der alten Menkeschen Völkertafel-Karte beschränkt, so hätte das der Verbreitung des Werkes in positiv religiösen Kreisen sehr zum Vorteil gereicht. Die Ausführung der Karten und die ganze Ausstattung des wertvollen, man darf wohl sagen, dem Bibelforscher unentbehrlichen Werkes macht der Verlagsanstalt (Wagner und D e b e s in Leipzig) hohe Ehre. Der Preis des guten Leinwandbandes, Mk.. 23,— ■ ist nicht übertrieben. (Die Kreatur.) Unter diesem charakteristischen Namen gibt Martin Buber in Gemeinschaft mit dem bekannten katholischen Theologen Joseph Wittig und Viktor von Weizsäcker von evangelischer Seite, eineVierteljahrsfchrift heraus, die den Schöpfungsgedanken ernst nehmen und der Weckung originalen religiösen Innenlebens dienen soll. Das uns vorliegende dritte Heft bringt an der Spitze einen frisch "geschriebenen Artikel von Leo Schestow: „Wissenschaft und freie Forschung", einen schneidigen Angriff auf den mathematisch-physikalischen Rationalismus Spinozas und Kants, die Grundlagen der herrschenden zünftigen Wissenschaft. Der Angriff als solcher ist nicht übel gelungen, aber es fehlt das Positive — welches andere Erkenntnisorgan besitzt der Mensch außer seiner Vernunft? Vielleicht läßt der Verfasser eine Fortsetzung folgen. Die Veröffentlichungen aus dem Nachlasse des edlen Florens Christian Rang werden fortgesetzt. Fritz K l a t t äußert tief Durchdachtes über „Wissen, Denken, Sprechen". Zu dem Porblem des geistigen Alterns, des Abblasssns und Erkaltens roteder-holt gedachter <8e- - cti-t roahrhasies Problem trtsiejorxljcre *»te Träger geschichtlicher Tradition — weiß er Bedeutsames zu sagen. Erziehungsprobleme, jeder in seiner Art, erörtern Marie Luise Euckendorff und Viktor von Weizsäcker (Medizinische Anthropologie), Eduard Straus schreibt über Werk und Gestalt des Franziskus, des „Narren Gottes". (Die Taufbewegung flaut in Angarn ab.) Die wirtschaftsstatistische Sektion des jüdischen wissenschaftlichen Instituts in Berlin teilt interessante Ergebnisse der Taufbewegung unter den Juden Ungarns im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts mit. In den Jahren 1901 bis 1905 haben.sich auf je 10000 Juden in Ungarn 4,6 taufen lassen; in den Äcrhr>en 1919 bis 1921 nls <xxi\ U,4 per io OOQ. Hm BeNÄUf DSI IS Jahre von 1896 bis 1908 hat das ungarische Judentum durch Taufe 5790 Personen verloren. In den 6 Jahren von 1919 bis 1924 aber schon 11288 Personen. In früheren Jahren war das Hauptmotiv für den Austritt aus dem Judentum die Ehe mit christlichen Personen; in den Jahren nach der Revolution wurden zahlreiche Juden durch politische, und nationale Verfolgungen zur Taufe veranlaßt. In den letzten Jahren, in denen sich die politischen Verhältnisse gebessert haben, geht auch die Taufbewegung zurück. Im Jahre 1919 z. V. nahmen 7146 Juden die Taufe, 1920 aber nur 1925 Personen. Diese Zahl senkte sich ,im Jahre 1921 auf.827, i. I. 1922 auf 499, i. I. 1923 auf 458, und 1924 auf 433. In dem gleichen Maße mit edr Abnahme der Taufziffer erhöht sich die Zahl derjenigen, die. zum Judentum zurückkehren. 1919 traten zur jüdischen Religion 137 früher getaufte Juden zurück: 1920 waren es schon 168; 1921 — 243; 1922— 340; 1923 — 326 und 1924 — 315. <*** sslinders AU8MMMN gilt SMU Pres, srr fjrmöeo Sttrlt, Der veruMM «nglMe Aegyplologe, ist in Gaza,, der alten PMsterstadt m der Nähe der Sinai-Halbinsel eingetroffen und hat seine Ausgrabungsarbeiten wieder ausgenommen. ..Er arbeitet im Aufträge des Britischen Archäologischen' Jnstitüts«. Während seiner Anwesenheit in Jerusalem äußerte sich Sir Flinders Petrie dahin, die Arbeit' im Süden Palästinas sei jetzt interessanter als in Aegypten; man kann hier auf Spuren frühester uns bekannter Zivilisation stoßen. Hier war das Feldlager Hykfos beim Zug der 18. Dynastie.. Die zahlreichen alten Erdwälle des Distriktes bieten ein ertragreiches Arbeitsfeld. — Sir Flinders Petrie ist be-- kannAich der Entdecker der Sinai-Grabsteine mit der ältesten Handschrift der' Welt.. deren ^JnschrMen Profi. Hllvm TOmM MMM MM milL QßföMHi bekanntlich die Inschriften als die Geschichte bei Kindheit Mose. Sir Flinders Petrie hat seinerzeit in einer Zuschrift an die ITA sich gegen Grimmes Deutungen ausgesprochen. Prof. Garstang teilt mit, er habe die alte' Hauptstadt . H a z o r des Königs Jabin, der Kanaan zurzeit von Jofua und Debora beherrscht hat, in Nordpalästina ausgegraben. Wochenkalender. vom 1. — 8. Jan. 1927. vom 27.. Tewelh bis 8. Schewat 8887 ... I Rausch Cbaudesch Benschen Samsrag Sonntag Jan. 1 2 27 28 J13B Mauled Montaq nachm. S Uhr 38 Minuten. Nlomag 3 29 a*»3nw 'n .... r ■ . \ jvj? ->1S2 DT» Dienstag 4 1 vav wnn - Mttwgch l Q Donnerstag 6 3 Q7aaw m . Freitag 7 4 NS1->N .' Samstag 8 5 «3 ■