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Der Israelit · 1926-12-30 · Heft 53 (30.12.1926) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 53 (30.12.1926)
Date
1926-12-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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30. Dezember 1926. . erde in jedem Falle die Entscheidung nach pflichtgemäßem Ermessen und ohne Rücksicht darauf ireffen, wie sie etwa gesinnüngsmäßig einer zu entscheidenden Frage gegenüber eingestellt sind. In diesem Rahmen sind sie bei allen, in!U AkklttkMkttr \^U:ent>en 3ur ÜJl.'imrpkung niOjt nur Derccpgt, sondern «wtfr v rFf f *■ * sofern nicht im Einzelfalle die Person des Beamten selbst non der Entscheidung betroffen wird. In allen ändern Fällen kommt die Erklärung eines Beamten, er sehe sich auf Grund einer gesinnungsmäßigen Einstellung zu der Zu entscheidenden Frage als besangen an, gar nicht in Betrach:. Eine andere Beurteilung würde mit Notwendigiett zu einer völligen Lahmlegung jeder Verwaltungs- Migkeit fuhren. ' Im übrigen hat letzten Endes für die Bearbeitung der Chef der Behörde, im vorliegenden Falle also ich, selbst die Verantwortung, die ausdrücklich auch durch meine oder meines Vertreters Unterschrift unter den hinausgebenden Bescheid bekräftigt wird. Die Anzweifelung der Objektivität meines Sachbearbeiters in dem Schreiben des .Herrn Justizrats Sonnenfeld richtet sich unmittelbar also .gegen mich selbst. Ich bitte, die Einsender von meiner Stellungnahme in Kenntnis zu setzen und darauf hinwirken zu wollen, daß in Zukunft solche grundlosen Verdächtigungen unterblei- 0«3- ®r3*[i«sfi. Die Resolution der Liberalen, die zu bisset' höch st ungewöhnlichen ministeriellen Abkanzelung geführt hat, lautete: „Die Fraktion billigt einmütig das Vorgehen des Herrn Justizrat Hugo Sonnenfeld in der Angelegenheit des Wahlprotestes und bedauert, daß Herr Ministerialdirektor Badt sich nicht selbst in dieser Angelegenheit als befangen erklärt hat. Herr Ministerialdirektor Badt gehört zu den prominenten Führern der zionistischen Partei. Gegen diese wenden sich im wesentlichen die Wahlproteste. Wir sehen uns nunmehr genötigt, unsere bisherige Zurückhaltung aufzugeben und die Gründe des Wahlprotestes im Auszug zu veröffentlichen." Wer hat nun recht? Der Form nach sicherlich der Minister, denn die Resolution stutzt ihre Beschwerden gegen die mitentschdidende Tätigkeit des Herrn Dr. Badt wiederum ausschließlich auf die Tatsache, daß er prominenter Führer der zionistischen Partei sei. Es gibt politische „Führer," die mit ihrer L e i d e n s ch a f t so wenig am politischen Kampf beteiligt sind, daß ihr objektives Rechtsempfinden zweifellos auch dem Gegner gegenüber intakt bleibt. Äst aber die Behauptung richtig, daß Herr Dr. Badt selber in der vordersten Reihe des Wahlkampfes stand und daher womöglich selbst an Wahlvorgängen beteiligt sein kann, gegen die sich dis PvQtssts richten, dann kann man das Schreiben des Äni^ers nnr als einen ®0Fl aussetzungen aufgebauten Fehlgriff bezeichnen. Wie dem aber auch sei: so scharf wir den taktlosen Schritt des Herrn Justizrats Sonnenfeld verurteilen — der ministerielle „Dachziegel" erweckt nicht gerade den Eindruck besonderer Objektivität gegenüber den jüdischen Parteien und er ist, was D e r 6 s k ü i t t' t wir besonders bedauern, grade wegen der geradezu g e s u ch t e n Schärfe des Tones nicht geeignet, das Vertrauen der nichtzionistischen preußischen Juden zur Sachlichkeit des Ministerl- «m* ZsZ §mm m jüMsrhM WrlöUllgkll zu stärken. Briefe von solchem Temperament und solcher Subjektivität sollte eine Staatsbehörde im Interesse ihrer überparteilichen Stellung überhaupt nicht, hmausgehen.lassen. Das scheint uns eine Forderung des Staatsinteresses. Unbegründete Befürchtungen. Wir .berichteten vor kurzem an dieser Stelle über Moskauer Tagungen. Ergänzend wäre noch über die Rede Kalinins, des Präsidenten der Sowjet-Regierung, auf der Versammlung der Gesellschaft zur Förderung jüdischer Landwirtschaft „Ozet" zu berichten, die über die zur Diskussion stehende Materie hinaus eine Art e S(u s« t n a n-h e r f e fe.U tt 9 mit der Juöensrage überhaupt ^ar° stellte. Kalinin erkennt zunächst die jüdische N a t i 0 n innerhalbdes russischen Staatsganzen an und versichert sie ihrer vollen Unterstützung, mindestens soweit sie den anderen in Rußland lebenden Nationalitäten zukommt. Damit stellt sich der Nachfolger Lenins in bewußten Gegensatz zu dem marxistischen Dogma von der Amalgamierung in proletarischem Sinne, wie sie mit besonderem Fanatismus von den jüdischen Bolschewisten vertreten wird. Aus diesen Erwägungen kommen auch seine Sympathien dem j ü - i? i | c^-e tt Stebfunjsmirf «■, das für tt)tt nicht allein ein Ventil gegen die Not sein rann. Die Not allein mache noch nicht aus Händlern Bauern. Er schenkt sein Interesse und seine Unterstützung dem jüdischen Ansiedlungswerke insofern, als er darin die gesunde Reaktion der im jüdischen Organismus schlummernden Kräfte auf die von der Revolution herbeigeführte Assimilation sieht. Soweit Kalinin. Die „Jüdische Rundschau" sieht in den Aeüßerungen Kaliums eine hochofsizielle Deklarierung des jüdischen Kolonisationswerkes in Rußland als nationale Aktion. Ist aber dem so, dann blebie es unverständlich, wieso die gleichen Männer in Deutschland, die der russischen Kolonisationsaktion die ganze Liebe ihres Herzens schenken, entschiömm (Boom tor 11 d n i mf ®fn 8mi P a l ästina sind, nur aus dem Grunde, weil diese aus nationalen Aspirationen geboren ist und nationalen Zwecken dient. Verdient denn ,so ungefähr wird gefragt, ein nationales Werk in jedem anderen Lande mehr Unterstützung als in Palästina und fallen all die Bedenken, die man geunser Gott lebt ewig". Da fragte Pharao: „Ist er jung oder alt, wie viele Städte oder Länder hat er erobert, seit wann regiert er?" Als Moses ihn belehrte daß Gott der Schöpfer von Himmel und @töß (iBßitöQi ottos BMits m da Illlvlc ti tönen ins Gesicht und sprach; Nun diu ich uverzeugl. van ihr Lügner seid, denn ich bin ja Herr der Welt und ich habe mich selbst erschaffen. Endlich berief er alle Weisen Aegyptens und fragte sie, ob sie schon jemals von dem Gott Jisroels gehört hätten, da sprachen sie: Wir haben wohl gehört, «in cxd» p® tnp pi, daß er ein Sohn der Weisen, ein Sohn von Königen der Vorzeit ist. Da spricht Gott zu ihnen: „Mich nennt Ihr einen „Sohn der Weisen" und euch selbst nennt Ihr „Weisen", denn so heißt im n-ns -f'rr nnwa nxy nsns pw *i® d^ir •]« :'w> 01p -»ste p ■»» D’ttsn p. Völlig Unweise sind Zoans Fürsten, die weisesten der Räte Pharaos ein unweiser Rat. Wie möget ihr zu Pharao sagen: ..Ein Sohn der Weisen bin ich, Sohn von Königen der Vorzeit!" Diese Erzählung unserer Midraschweisen charakterisiert in unübertrefflicher Weise die Einstellung des orientalischen Despoten zu der neuen Offenbarung. die ihm werden soll. Er kann sich keinen Gott vorstellen, der nicht als Held und Krieger sich bewährt hat, von dessen Heldentaten keine Chronik Gründet und von dessen Spuren keine Ruinen, keine eUxgeäfc^erteTt <3tcibte unb keine aexfioxtcxt öixtxfeer iittgTOr wnö «iS ihm mm Der Spender des Lebens und Eigner des Aus fei, so ist er überzeugt, daß die Botschaft unmöglich wahr -sein könne, denn es giebt keinen größeren Herrn als er selbst ist und es darf auch keinen geben. Unendlich schwierig ist nur die Antwort der Weisen Pharaos, daß der Gott Jisroels ein „Sohn der Weisen, Sohn von Königen der Vorzeit ist". Irren wir nicht, so wollen die Räte Pharaos damit sagen, daß der unsichtbare Gott, der angeblich Himmel und Erde erschaffen und somit Eigner des Ms, stss aU* ists. elTte SiaTT|eTTbC CMnvmig kluger Köpfe ist, die dteff der Menge suggerieren wollen, um durch sie die Menge zu beherrschen und ihrem eigenen Willen gefügig zu machen. Auch Könige der Vorzeit, meinten sie, die ihr Volk beherrschen wollten, haben ihrem Volke im Namen dieses unsichtbaren Gottes Gesetze und Befehle diktirt und haben ihre Befehle und ihre Wünsche im Namen eines höchsten Wesens proklamiert, um ihre Macht zu befestigen. Es gibt, so meinten sie, kein besseres Mittel für die Weisen und für die Despoten der Vorzeit, um der Maffe den eigenen Willen auszuzwingen, als wenn man ihr diese Vorstellung von einem unsichtbar waltenden, herrschenden und befehlenden Gott, der allein über Leben und Tod, über Glück und Unglück entscheidet, beibringt und sie glauben macht, daß die Herrschaft dieser Könige der Vorzeit von diesem unsichtbaren Gott herrührt. Die Weisen Aegyptens sollten bald erfahren, daß der unsichtbar waltende Gott keine bloße Erfindung der Klugen ist. Der unsichtbare Gott ließ sie seine Macht fühlen, bis sie bekannten, op*« msr daß es doch eine höhere Waltung und ein höheres Welsrr ge&e, Sett 3^1 ferr uni *u erforschen ihre gcjrtrxg rsi £te Tt® als die b^ik, Ms die Covertf deren Weisheit verschwand, als es dem. unsichtbaren Gott gefiel, seine Macht zu zeigen. Nr. 53 Seite 3 gen das natoniale Heim in Palästina hat, einfach weg, wenn es sich um Rußland ^anbelt? Es wird noch im weiteren nachgewiesen, wie unter sowjetrussischer Herrschaft die Religion bedroht sei und mit einem griEfij^n?l<*b4r — ist als httttwpistisiM FsuiMonifl «möNMMMr Zeitungen bekannt — belegt, daß die Kolonisation in Krim auf ungeahnte Schwierigkeiten stoße. Wir wollen der zionistischen Presse das Bestreben, der russischen Konkurrenz ein wenig das Geschäft zu verderben, nicht verargen. Aber zutreffend ist die Konstruktion keineswegs, sie hat manchen Rechenfehler, der zu unrichtiger Bilanz führt. Was Kalinin in dem russischen Kolonisationswerk sieht, ist gleichgültig, entscheidend ist das, was die j ü d i s ch e n B a u e r n darin sehen, und wir konnten in einem früheren Artikel die auf der Tagung des „Ozet" sich gegenüberstehenden Meinungen über die äußere Form der Siedlungen mitteilen, Der Wunsch nach nationaler jüdischer Autonomie oder gar einer jüdischen Repu- M MM «m laut; DDröcrnarni 8A aber die Ansicht, daß es bei einer territorial geeinten wirtschaftlichen Gemeinschaft bleiben soll mit einer alle jüdischen Lebensmöglichkelten gewährleistenden religiösen Autonomie, wie sie die jüdischen Gemeinden im Osten von jeher mehr oder weniger besaßen. Damit erledigt sich auch die geäußerte Befürchtung einer Gefährdung des religiösen Lebens im religionsfeindlichen Sowjetrußland vollkommen. Es sind unseres Wissens — die Berichte der deutschen Delegierten aus Moskau über diesen Punkt klangen sehr vertrauensvoll — feste Versprechungen gemacht Bo», Dag am NIMM mm m WWI! Qanbmivte, wo sie in kompakter Masse leben und das Land bebauen, nicht im mindesten gerüttelt werden soll, ja, daß das religiöse Leben in den jüdischen Ansiedlungen der Machtsphäre des Kreml und, was noch mehr heißen will, der Jüdischen Sektion vollkommen entzogen sein soll. Nach all dem erscheint es uns weder der zionistischen Sache als dem russischen Kolonisattonsplane dienlich, mit Argumenten, deren Tendenz gar zu durchsichtig ist, gegen ein Werk yvrzugeheen, das zwar keine rationelle Erlösung des jüdischen Volkes'bringt, immerhin aber Zehntausenden, denen der Zionismus nach Lage der Dinge heute nicht helfen kann, Heim und Obdach zu bieten berufen ist.___ Kraft und Geist. II. Wir sagten schon, die Auserwählten sind das Spiegelbild der Nation in ihrer Gesamtheit. König Salomo vom jüdischen Geiste steht Kleines Feuilleton. Sin neuer MbelAllüs. Die vorliegende zweite Auflage des Guth eschen Bibelatlas darf man als neues Werk begrüßen, denn die erste Auflage ist schon 1911 erschienen und es ist inzwischen, abgesehen von den fast durchweg verwerteten neuen Forschungen und Ausgrabungen, erst die Grundlage für wirkliche Authentizität der Karten Palästinas durch wirkliche Aufnahme unter genauen Vermessungen geschaffen worden. Der Atlas enthält 21 Haupt- und 30 Nebenkarten. Das heilige Land erscheint in 13 Aufnahmen, beginnend um 1400 v. d. g. Z. und schließend mit dem heutigen Palästina. Das assyrisch-babylonische Weltreich, Persien, das Reich der Seleuciden und Ptolemäer und die Mittelmeerländer im 1. Jahrh. werden in sorgfältig ausgeführten, durch spezialisierte Namenregister leicht benutzbar gemachten Karten vor Augen geführt. Das Verständnis der Ausgrabungen erleichtern Höhenkurvenkarten des Bodens von Jerusalem, Sichem und Samaria. Der jüdische Benutzer wird mit Bedauern eine Karte des Zuges durch die Wüste der Sinai-Halbinsel vermissen sowie eine vorderasiatische Karte aus der Zeit Abrahams. Das hängt of tti-ti h*r bifeelf Gcinfiellunä dss Bsr- EU lp ZX 2 te JS32SS3S Experiment verführt hat, der oort ihm m jttret Sirüde ausernandergerifsenen Völkertafel in Gen. 10 zwei Karten zu widmen, von denen die eine den angeblich älteren, auf 800 v. angesetzten, die andere den jüngeren, dem „Priesterkodex" in die Schuhe geschobenen Teil „aus dem 6.—5. Jahrh. v." darstellen soll. Hätte

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