Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 53 (30.12.1926)
- Date
- 1926-12-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 2 Nr. 53_ Landesverbandes angenommenen Gesetzentwurfes den Austritt aus religiösen Bedenken gestattet und hinzusügt: „Die Erklärung des Austritts aus einer Synagogengemeinde muß die Versicherung enthalten, daß der Austritt lediglich auf religiösen Bedenken berufye“, jo t»trb bctgegerr Txidjte wenben fein> sofern Der AustrelenDe reiner anderen Gemeinde beizutreten beabsichtigt. Unannehmbar dagegen ist der in dem Entwurf hinzugefügte Absatz 2, welcher lautet: „Der Austritt aus der Synagogengemeinde wird erst wirksam, sobald die in gleicher Form abzugebende Erklärung des Beitrittes z u einer jüdischen Personalgemein d e' h i n z u k o mmt, in deren Bezirk d e r Wohnsitz des A u s t r e t e n - den lieg t." Die Klausel würde den individuellen Austritt und zwar gerade in Fällen, in denen es sich um Beseitigung eines persönlichen Gewissenszwanges handelt, vielfach vollkommen illusorisch machen. Ein Jude, der als Einzelner oder mit wenigen LmMll gkWMM ist, ln rim« RrftmzrMklnLzu leben, würde sich bei Inkrafttreten einer solchen Bestimmung außerstande sehen, dem auf ihm lastenden Gewissenszwang sich zu entziehen, da nicht die geringste Aussicht besteht, daß: er gleichzeitig mit seinem Austritt auch die Gründung einer eigenen Personalgemeinde soll vollziehen können. Denkbar wäre höchstens die Verpflichtung des Beitritts zu irgend einer innerhalb Preußens bestehenden Synagogen- oder Bekenntnisgemeinde. Zweckmäßiger erscheint uns die von Herrn mm\m Dorpipp«? UMMZ, fe Sen Austretenden verpflichten will, an einen der als öffentlich-rechtlich anerkannten Verbände Preußischer Synagogengemeinden denjenigen Betrag als Beitrag zu entrichten, den er für die Synagogengemeinde, aus der er ausgetreten ist, jeweils als Steuer zu entrichten hatte. Die Verpflichtung entfällt, wenn der Austretende einer anderen Gemeinde beitritt. Von grundsätzlichem Interesse war in den Verhandlungen des Verbandes noch eine andere Frage, die in dem Gesetzentwurf selbst keinen Ausdruck findet, dafür aber bei den vorangegangenen Auseinandersetzungen sich als eine Art Schicksalsfrage für den Preußischen Landesverband darstellte. Cs handelt sich uw dis Frage. n£>, n<x&> Dfm 33flrDiID DBF üonfefftanen, gleichzeitig mit dem Erlaß eines staatlichen Rahmengesetzes, das sich auf die Regelung der äußerlichen Rechtsbeziehungen, insbesondere der Beziehungen zum Staate beschränkt, auch eine innere V e r- D er |<titi i t 30. Dezember ldÄ, u n g für die durch den Landesverabnd repkäsentierte Religionsgemeinschaft 'geschaffen werden solle. Der Berichterstatter, Justizrat Makower, ist klug genug, sich mit aller Entschiedenheit gegen den Versuch der Ausarbeitung rmn svlHkn inneren DMassnngMsMZ zu Wenden. Er hat tatsächlich mit dürren Worten dargelegt, daß es ganz unmöglich sei, ein „inneres Verwaltungsgesetz für eine jüdische Religionsoemeinschaft" in Preußen vorzuschlagen, weil die Organisation einer solchen Religionsgemeinschaft nicht vorhanden ist. Warum ist sie nicht vorhanden? Diese Frage hat Justizrat Makower nicht beantwortet. Die Antwort lautet eben dahiir daß der religiöse Gegensatz, der nun einmal zwischen Orthodoxie und Neologie besteht, und der innerhalb des Preußischen Landesverbandes nur mit künstlichen Gewaltmitteln überbrückt werden kann, nicht nur ein einheitliches inneres Äerfaffungsgefetz für alle jüdischen Gemeinden Preußens unmöglich macht, sondern auch beim Versuche, ein solches Verfassungsgesetz für den niitn LllnvWMvllns Min zu MM, kaum lösbare Schwierigkeiten sich ergeben würden. Das Verfassungsgesetz für den Preußischen Landesverband würde zur Evidenz zeigen, daß dieses Gebilde eine Verwaltungsgemeinschaft, aber keine Religionsgemeinschaft darstellt. Herr Makower hat also vollkommen Recht, wenn er alle Versuche, ein inneres Verfassungsgesetz zu schaffen, ablehnt, und den Freunden dieses Versuches jahrelange Verhandlungen ohne Aussicht^ auf Verabschiedung des Gesetzentwurfs prophezeit. Ob der gefetzestreue Gemeindever- M: BEr flltj IN NM NWUNg I» in M? Mz anderen und weit günstigeren Lage befindet, gut daran täte, seinerseits gleichzeitig mit dem Inkrafttreten des staatlichen Rahmengesetzes sich auch eine innere Verfassung zu geben, die die Stellung Res Verbandes als bekenntnismäßigen Trägers ^des überlieferten Judentums mit genügender Deutlichkeit widerspiegelt, ist eine Frage, die einer gesonderten Erörterung bedarf. y. wschenmnrschau. Vom zionistisch-liberale» KampfPlatz. Unsre liberalen Brüder in Berlin W. dürften heuer, soweit sie jüdisch-politisch interessiert sind, ein recht mißvergnügtes Weihnachtsfest gefeiert haben. Es ist auch gar zu dumm! Z w e i. leibhaftige preußische Minister, noch dazu die beiden in judaicis in vorderster Reihe zuständigen, haben sich in unzweideutigster Weise mit den bösen iZioüistM Wttsi^Aieri nnö m wnb Schrift Ae ützes rangen getan, die jeder überzeugte Berliner Liberale in der Tat—um Herrn Prof. Türk, den liberalen Sprecher zur Sonnenfeld-Affäre zu zitieren — wie „Dachziegel auf d en Kopf" empfinden muß. Bei der Gründung des „P r o - P a l ä st i n a- K omit e es " in Berlin.ist es den Zionisten gelungen, eine große Reihe hervorragender nichtjüdischer Politiker für den wirtschaftlichen Aufbau Palästinas zu interessieren, was an sich Nicht verwunderlich ist. Hat ja die deutsche Industrie allen Grund, den palästinensischen und von da aus den vorderasiatischen Markt sich wiederzuerobern, wozu die aktive Mitarbeit am Aufbau überhaupt das beste Mittel darstellt. Bemerkenswert jedoch ist dis Nsbs. die der- 5g | §f £ f Btl bem Gründungsbankett des Komitees hielt. Er bescheinigte den Zionisten ausdrücklich, daß ihr Interesse an Palästina, dessen nationalen Charakter er zwar nicht hervorhob, aber doch deutlich genug als gegeben anerkannte, in keiner Weife mit ihren staatsbürgerlichen oder deutschpolitischen Pflichten in Widerspruch stehe, und Herr Türk mußte sich von Dr. Sandler sogar den schwachen Trost rauben lassen, Herr Becker habe nur für ein humanitäres Palästina-Werk plädiert. Nein — es ist schon so: Der preußische Kultusminister hält den jüdischen Nationalismus für politisch .salonfähig, Ob a l l e preußischen Staatsminister und Politiker und ob vor allem die ungeheure, Mehrheit des deutschen Volkes — wie aller anderen europäischen Staatsvölker — für eine so fortgeschrittene und weitherzige Auffassung des Nationalitätenproblems reif sind, ist allerdings eine Frage, deren schicksalsschwere Bedeutung für das Golus- Los des jüdischen Volkes nicht nur den. Liberalen Sorge machen sollte. Noch schlimmer ist aber, was diesen im Falle Sonnenfeld passiert ist. Da schreibt ihnen der neuernannte Minister des Innern u. a. folgendes ins Stammbuch: „Wenn jetzt die Liberale Fraktion der Repräsintanten- Versammlung die Anzweifelung der Objektivität eines M MllMl. MB MW sich „nicht selbst in dieser Angelegenheit als befangen erklärt habe", so muß ich meinem lebhaften Befremden über ein solches Vorgehen Ausdruck geben. Der Auffassung der Liberalen Fraktion liegt anscheinend eine grundsätzliche Verkennung der Stellung des Beamten, insbesondere des Verwaltungsbeamten: zugrunde.. Von allen Beamten muß erwartet werden, daß sie getreu ihrem Dienst¬ Zu kikv Kurze Betrachtungen zum Wochenabschnitte.*) Von Rabbiner Dr. Felix Kanter in Zwittau (Mähren). Zweimal, so bemerkt die Massorah, kommt der Ausdruck mzni» in der Thora vor. In unserem Wochenabschnitt heißt es nvn» D2^> nmn wo., und in 0212,1 arm heißt es 'in nenia nvo ms nnn. Wahrlich, eine beherzigenswerte Mahnung — namentlich für unsere Zeit! Das Land, welches der Ewige unfern Vätern als Erbe verheißen hat, soll nur ein Mittel sein, die Thora zu halten und zu erfüllen, die Moses als Erbe der ganzen Gemeinde Jakobs uns geboten hat. Ohne den Besitz der Thora, hat der Besitz des Landes allein seinen eigentlichen Zweck verfehlt. „Moses sprach .... ich werde zu Gott beten, daß weichen sollen die wilden Tiere von Pharao, von seinen Dienern etc. Nur soll Pharao nicht mehr Spott treiben, daß er nicht das Volk ziehen lasse etc/ Der Ausdruck bm kommt hier zum ersten h Mmvli mm Dem ddi Rurjom ökschisnsueu Werke «nnn oip>7 (II. Teil) von Rabbiner Sch. I. Lewitan in Oslo und Rabbi L. Weisblum in New- Dork. male und in den vielen Unterredungen zwischen Moses, Ahron und Pharao nur dieses eine Mal vor. bedeutet: spotten, necken, scherzen, jemanden zum Besten halten etc. Warum bediente fick Moses dieses ausgefallenen Ausdruckes gerade bei der Plage des mv? - - MM llklllM ÖBQI OQimu M gAUfckm«*- ««k MG Die AUSdrueKSwM Pharaos. Dieser hat bis jetzt nur einmal sein Wort gebrochen und frech gelogen: anläßlich der Fröscheplage. „Da ließ Pbarao Moses und Ahron rufen und sprach zu ihnen: Betet zum Ewigen, daß er die Frösche von mir und meinem Volke entferne und ich werde das'Volk ziehen lassen". Dieses Versprechen hat er nicht gehalten. in diesem Falle Hot er sein Wort gebrochen. Als es sich aber um Androhung der Plage von ms? handelte, leitete Pharao diplomatische Verhandlungen ein. Aber — und dies ist bezeichnend genug — jetzt spricht er überhaupt nicht mehr vom Volke. „Geht, opfert eurem Gotte im Lande". Dieses, wie auch das fernere Versprechen: . „Ich werde euch ziehen lassen, daß ihr dem Ewigen in der Wüste opfert etc. — kann sich ebenso auf Moses und Ahrou allein, als auch auf das ganze Volk beziehen. Wie leicht könnte stch da Pharao den sonderbaren Scherz leisten und behaupten: Ich habe nur euch versprochen. euch ziehen zu lasten, daß ihr opfert etc. Vom Volke (Israel) war ja überhaupt nicht die Rede. Daher sprach Moses 'ai>2j- ^an nsns tp’Vr o?n arr nbv „Pharao soll stch nicht denScherz leisten. 3iSlTilfi MÖ Äffin schon znznllMMt „Moses sprach: So oll ich die Stadt verlaffe, werde ich meine Hände ausbreiten etc." In der Stadt, so bemerkt Raschi z. st., wollte er nicht beten, da ganz Aegvvten voll Götzenbilder war. Hier drängt sich unwillkürlich die Frage auf: Wenn dies der Fall war, warum heißt es nicht bei den andern Plagen ebenfalls wi m m«s2? Die Antwort daraus lautet: Gerade bei dieser Mage (112) heißt est °’jn *1 in flfi fiTfii iimm m Bß Denan»! vtr vcgqittcx gerniM Tiere als Gottheitsu verehrten. Diese Tiere waren während dieser Plage (r>2) nicht — wie sonst — auf den Feldern, sondern in den Häusern, d. h. in der Stadt. Deshalb wollte Moses diesmal in der Stadt nicht beten und deshalb sagte er auch 'in i'?n n« mRS2. „Der Sohn der Weisen". Don Rabbiner Dr. Kermann Klein in ZSertrn. Als Moses zu Pharao kam, um von ihm im Aufträge Gottes die Freilassung der Kinder Jisroelszu fordern, da sprach Pharao: jik an n aR wt rV n*>s?R rV Vri»' „Ich kenne Euren Gott nicht und ich will auch Iisroel nicht entlasten". An diese Worte knüpfen untere Weisen im Midrasch, folgende Bemerkung. Pharao sprach' zu ihnen: Wartet bis ich in meinem Buche nachschlagen werde. Er ging auch in seinen Palast und suchte und forschte und er fand die Götter aller anderen Völker, nur den Gott Iisroels fand er niäht. ©tt meint Qer»r, Phoraolllilü M 88WM:» SU«;, 7- -snnm auf det» m suchte, vw man ihn ammerksam machte, daß ein s.-i2 unter den Toten nicht' zu suchen sei. So sprachen auch Moses und Aharon zu Pharao. „Was. fuchst du den Lebenden unter den Toten? Die Götter dieser Völker find tot, aber-