Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 52 (23.12.1926)
- Date
- 1926-12-23
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2446951-2450388-2450440--73711-2531137- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
23. Dezember ISA L e r Tr raelit Nr. 52 Seite 3 Messer, Hörner, welche Zeichen uns andeuten, daß die Toten, von denen sie künden, zu Lebzeiten Kuliusbetätlgnngen verrichteten. Diese ganze mittlere Reihe des Bes Kwomus scheint also ein reservierter Platz, eine sogen. Gedaulim-Ecke, gewesen zu sein, wie auch aus den Titeln der Bestatteten heroorgeht, von denen einer den Titel -ÄOtKtuftö'“--(3&egeicftnuncr für «inen 3Äor- * 0 S ol’’:* tyver. Der von NMMen getötet routtre) tragt. Dn anderen Teilen finden wir viele Vertreter handwerklicher und gewerblicher Berufe. Der nördliche, gegen den Wald sich dehnende Teil wurde wahrscheinlich erst im' 18. Jahrhundert hinzugekauft. Unter den vielen Hunderten von eingesunkenen Steinen waren ungefähr noch 70 wohl wert, ausgerichtet und restauriert zu werden. Eine Anzahl hiervon sind für dieses Jahr bereits geplant bezw. in Angriff genommen. Auch aus der Zeitdes Empire fin- . den wir sehr beachtenswerte Denkmalformen. (Säulen, Dreiecksgiebel, Vasen usw.) Wie, ein Steinwald ziemlich gleich- ..j,- förmiger .Art zeigt sich .das östliche Viertel der. vorderen Hälfte des Friedhofs. Biedermeier in nüchternster Form (1820—1850), neuromänifche und jTeugPti^rfj-je' gönnen jjpr-etf^eri t>orx - b^r- SttlvkrMrrung, di« im iS, herrschte. Die Westsette der' Steint trägt bereits deutsche Inschriften, während die östliche hebräische Texte zeigt. Don einer Periode des-Aufschwunges, im Handel, von gleichmäßig zunehmendem Wohlstand und -einer > Bevölke- . rungszahl von ca. .400 Israeliten in Burgkunstadt allein usw. könnten diese Stevne reden. Ganz modernen Charakter hat die vordere Abteilung neben dem Eingangsgebäude. Marmormonumente und einfache Grabplatten, liegende Sarkophage usw., von Zypressen beschattet, - wechseln in bunter Folge, auch hier vom Gegensatz zwischen arm und reich zeugend. Inschriften und 'Kunstformen sind durchaus neuDtlich; viele Steine tragen leider nur noch deutsche Inschriften; reli- Höst Ä itemDra moüernm ZelWist. , . > ... So ist eine Wanderung durch einen jahrhundertealten Gottesäcker wie das Blättern in einem-Büch der Kültur- und Kunstgeschichte'' Gewiß würde noch in vielen Gemeinden durch ein derart lobenswertes Börgehim ein ähnlich reicher Born, von, Quellen, auch für die FamMettsorfchuug, am „Guten Ort", sich ergeben. ' „Saxa loquntur". Oft ' wo Menschen schweigen, erzählen die Steine. "• - - Aufmerksamkeit für Mä MükkSbU ... (Festrede auf einem ' Makkabäer-Ball.) Man hatte so oft seinen Geist heraufbeschworen, daß er, der Held von Modin, sich doch nun einmal entschloß, zur Erde niederzusteigen, um zu sehen, wie sie hier in Lichterglanz und Festesrausch seinen Namen feiern. Er hatte soviel Unglaubliches darüber vernommen, daß er selber sehen und hören wollte. Leise trat er in den großen Essl, ds? 8H& Bon oitiür Wölls durchbraust war. Die Luft wiberhallte von allerlei Geräuschen, Hin- und Herwogen und lauten Reden gutgelaunter Menschen, ^heftigem Händeklatschen. Das' Programm war in vollem Gange. Da trat eine kleine Stockung, eine 'Pause der spannenden Erwartung ein, aller Augen hingen an der Festtribüne, deren Vorderwand mit grossst K5Wgk Mh und einer blaum\%m Fahne DaruBer gesHinnsti mar. Die Fesv rede war fällig. Aber wo war der Redner? Er kam nicht, er war nicht im Saale. Dumpfes Schweigen, Enttäuschung, Entrüstung, Lachen, halblaute Witzworte. Die blumengeschmückte Tribüne stand verwaist da, als sähe sie nach Hilfe im Saale aus. Da trat Juda Makkabi, auffallend durch seine ragende Gestalt, .vor. Etwas verlegen und verloren sah er eine Weile in den Saal, straffte aber dann seine Gestalt und bat den Herrn im Frack, der hier die Leitung hatte, um die Erlaubnis, ein kurzes Wort zu sprechen. „Gern," nickte der Herr, dem der Mann wie ein rettender,Engel kam, und [b Mk8t rM8 mm$\ m Lt SCrifciine unb i« «ml 11^ dis Festrede: „Freunde!" fing er ganz ohne Pathos an, „Ihr habt mich gerufen, habt meinen Geist heraufbeschworen, so kam ich, aber, mit Verlaub, ich finde mich nicht ganz zurecht, bin ich auch am richtigen Platz, oder geriet ich, ich kenne mich in Eine Beschneidung. dieser Welt nicht mehr so ganz aus, in einen fal- Wll tZM zu einem Minnen NW 7 i Es fteute uns Mäkkäbäök so itttttgltch, als wir härten, wie hoch unser Andenken in unserem Volke von heute gehalten wird, wie viel Begeisterung unsere Namen wecken; aber verzeiht, sah- und härte ich recht? Ist das der Saal, wo uns, den Makkabäern,' der Ehrenplatz im Mittelpunkt gehört? Als ich in den Saal kam, da schrillten mir Ein Trauungsakt. Pfeifen und Trompeten entgegen, daß ich ganz verwirrt dastand. Offen gesagt, fuhr mir sogar ein wenig der Schrecken in die Beine, denn die Töne waren rnir gar ni<^»t unbekannt- Ganz so pfiffen unv zischten imD TieDelten und sangen, nnb johlten die Syrer, als sie mit Schwert und Pfeil auf uns stürmten. Marschieren neue Syrertruppen an? ... Dann sah ich Menschen, an deren Haar und Kleidung nicht erkenntlich,' ob Mann oder Frau, die sich auf der Bühne einzeln und zu zweien im Tanze bewegten, dabei Gesichter schnitten, Bewegungen vollführten, mit den Armen fuchtelten, knieten und sich auf die Erde warfen, ungefähr so, wie es die Priesterinnen im Zeustempes machten. Dann marschierten Männer und Frauen in knapper, durchsichtiger Gewandung daher, pflanzten sich groß und stämmig auf, sprangen aufeinanber «nb überetnanber, baUiert tf>re Raufte nttb reiften ihre Musrem, wiegten sich im Spiele wie die Schlangen, zogen mit grimmigen Gebärden gegen einander los, und ich glaubte, ich wäre am O l y m p u s, und ein Jucken verspürte ich in der rechten Hand, an der Stelle, die damals das Schwert festumklammert hielt, als es gegen Griechen und Griechlinge ging . . . Verzeiht, .Freunde, meine Unwifsenheit und die Bitterkeit meiner •' Rede. Ich weiß, und das verwirrt . mich eigentlich noch mehr, ich bin , nicht unter Feinden, sondern unter , Brüdern, die unser Andenken ehr-; lich ehren wollen. Ich sehe ja jü- 7 dische Farben, jüdische Fahnen, hier unb ba streikt etrt jüdischer , Laut in heiliger Sprache mein röhr und Licht erstrahlt aus achtarmigem Leuchter. Aber wie kann, frage ich Euch, das eine zum andern stimmen: wie kann Tempelgeist sich mit der Luft des griechischen Gymnasiums mischen? Ihr meint es gut, Brüder, aber Ihr . mißversteht uns vollkommen. Ihr wollt uns ehren? Das ist schön von - Euch, aber macht, wir bitten Euch um alles in der Welt, keine Kraftmenschen und Meisterboxer aus uns. Wir waren Helden? Wo habt Ihr das her? Unsere alten Schriften verraten wenig davoll und das Gebet, das LU IN Skll «Hk ttiia’ ™ das AHtzehngöbet emschalM, erzählt, wie Gott „Die Helden in die Hand der Schwachen" gab. Sie waren die Helden, wir die Schwachen. Wir haben das Schwert gezogen und es gut geführt, das ist schon richtig: aber glaubt uns, der kalte Stahl zitterte in unfern Händen, der Blutgeruch erregte in uns Ekel unb wir bedienten uns des Schwertes keine Minute länger, als unbedingt notwendig war zur Sicherstellung unseres Heiligtumes. Denn „n a ch- 5, e £5i>r Jctgi es ja ttt unfef ettt Gebete, „zogen mir in Die Halle feines Hauses", standen wir klein und schwach und zerknirscht vor Ihm mit Dank und Preis für uns wundersam gewordene Rettung. Größere Helden hatte das jüdische Volk, als wir es waren. Es hat einen Bar-Kochba gegeben, der nach uns mit seiner Helden- . saust das römische Weltreich in Schrecken gesetzt und sich fast zwei Jahre lang gegen die gepanzerte Uebermacht der römischen Legionen gehalten hat. Ihm feiert das Judentum keine Feste, ein AbsOMtt IM TWmtMt tllNNkt seiner, nicht fernen Nuhnt, sondern den Ruhm dessen, der „gut ist und Gutes erweist" und in seiner Güte es so fügte, daß „die Toten ehren-, voll zu Grabe getragen werden konnten." Danken wir ihm, daß damit auf Faust und Schwert gegründetes jüdisches Heldentum für immer zu Grabe getragen wurde. . . Uns tjat das dankbare Volk ein Denkrnal in einem Feste Der £iä)ter gelegt. Mer nieiji unserer Hand und unserer Waffe, sondern den Heldentaten, die „Er erwiesen hat unfern Vätern in jenen Tagen zu jener Zeit," gelten die Festklänge, leuchten die Festlichter. Wollt Ihr unser Andenken ehren, unserem Namen huldigen, feiert uns nicht, wir bitten Euch, mit syrischer Musik und nicht mit olympischem Tanz und Tand, Sport und Spiel, feiert uns als