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Der Israelit · 1926-12-23 · Heft 52 (23.12.1926) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 52 (23.12.1926)
Date
1926-12-23
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Äeite 4 Nr. 52 Der 9 f r i t1!t 23. Dezember IE die „Priester des Herrn", die das Heiligtum des Herrn, die Seele des jüdischen Volkes, gerettet haben. Dieses, verzeiht, Ihr edlen Damen und Herren, meine Festrede . . Lähmende Stille trat im Saale ein. Dann sagte einer: „Er hat nicht schlecht gesprochen." „Und auch nicht ganz unrichtig." „Aber etwas zu lang. Wir haben noch ein großes Programm. Geschwister Kabzattsky vom Vcillet sollen nvdj den AfMsMW MsMsM" „Und Punkt 12 Uhr mi'r* der Ball beginne, die Äugend ist schon ungeduldig." Langsam und leise, die ragende Gestalt, etwas gebückt, schlich sich der Makkabäer aus dem Saale ... Institutionen fanden Nachahmung in anderen Gemeinden. Man lernt und organisiert nach Prager Muster. Bald daraus tritt Rabbi Löw als Lehrer der jüdischen Gesamtheit über seine Gemeinde hinaus mit den Werken „Gur Arje" zu Rafchi und „Gewuraus Haschem", zur „Hagadah schel Pessach." Mit den Oberhäuptern der Prager Gemeinde lebt er nicht immer in Frieden — worüber Grün und Lieben in „Gal Ed" manches Unerfreuliche mitzuteilen WSIi. ~ Stint UIMMMllW MMllMNWI und Uttetttweglheil ln Dingen der Religion und Der hohe Rabbi Löw und fein Golem. Zu den großen Männern, die Kleinigkeiten und Nebensächlichkeiten ihre Popularität verdanken, gehört der hohe RabbiLöw, mit vollem Namen Jehuda ben Bezalel Löw. Wie Viele sind es, die von ihm nur das eine wissen^ bnfj er einen © o I e m einen zum Leben gewelkten TonUumpen, als stummen treuen Diener besaß. Es wäre beschämend, wenn wir den Rabbi nur als Golemschöpfer kennen sollten. Darum sei hier zunächst von dem hohen Rabbi Löw selbst und weniger von seinem Golem erzählt. Jehuda soll, nach 8en Angaben vieler Biographen — und es sind wahrlich nicht wenige, die sich Mit ihm und seinen Werken befnßt haben — rin Jahre 1£12 In Worms' als vierter Sohn des Rabbi Bezalel das Licht der Welt erblickt haben. Es kann auch etwas später oder früher gewesen sein, da ihm seine Biographen ein Leben von 90 bis 100 Jahren, manche noch darüber hinaus gönnen. Es wird auch so sein, daß seine Wiege gar nicht am Rhein, sondern an der Weichsel gestanden hat, da er selbst in seinen Schriften, so in einer Bemerkung gegen den Remo, von seiner Vaterstadt Posen spricht. Die Familie stammte auf alle Fälle aus Worms, und ein Onkel des Rabbi war Rabbi I a - cob von Worms mit dem Ehrentitel „Raw Hakolel schel Aschkenas" (Oberrabbiner des Deutschen Reiches). Es ist dies indes gar nicht so wichtig. Ww sshstt dis Lzttttssi in unserer Geschichte ja zumeist am - Zenit, selten aber in ihrem Werden und Ausgehen. Auch von der Vorgeschichte und dem Studium Rabbi Löws wissen wir wenig. Im Jahre 1553 sehen wir ihn als Landrabbiner von Mähren, allwo er zwanzig Jahre wirkte und den Stempel seines Geistes auch für spätere Zeit dem Lande aufdrückte. Ein Fünfziger kommt er nach Prag, von wo er sich früher schon die Gattin, eine durch ihre Frömmigkeit berühmte Frau, namens Perl, geholt hatte. Es war um 1573. Er wirkte zunächst als Privat- *ntf grünDtt Dann ein DM Da, Midrasch mit einsr Ässchiwah, großen Zustrom erhält. Und von nun an beginnt mit seinem Leben und Wirken eines der bedeutsamsten Kapitel in der jüdischen Geschichte Prags. Rabbi Löw nimmt sich auch der öffentlichen Institutionen an. Ein Mischnajoth-Verein, als Ergänzung für die Jeschiwah gedacht, sorgt für das Baale- Batim-Lernen. Die 1564 von .Rabbi Elieser Aschkenasi gegründete Chewrah Kadischah baut er aus und erfüllt er mit neuem Geiste. Diese Eine Beerdigung. Lehre, auch da, wo es um Recht und Wahrheit ging, vermochten ihm nicht immer Freunde zuznsühren. Darin ist. zootjt der Grund gu sull^en^ Daß er tm Jahre 1964 Prag, wo er leine offizielle Stellung einnahm, verließ und einer ehrenvollen Berufung als Oberrabbiner nach Posen folgte. In Prag, wo damals nach dem Tode von Jsak Melnik die Oberrabbiner-Stelle ebenfalls vakant wurde, fiel die Wahl, zum großen Aerger der Freunde Löws, auf Jizchok C Hajo t h, der einer alten Prager Famile entstammte. 1.!!.'^!V- -s I ÜMI r 1-■/ ft Eine Synagoge. , So ging Rabbi Löw nach Posen, wo er aber Ml mx Oaßrß DllßD. Wmrvßh UND Dia fliaöa (jum Prager Milieu trieb ihn 1588 "zurück nach der böhmischen Hauptstadt. Er hätte jetzt das früher heiß ersehnte Oberrabbinat leicht haben können, da Chajoth der Zwistigkeiten nicht Herr wurde und abdankte. Allein, Rabbi Löw dankte ebenfalls und nahm die frühere private Lehrtätigkeit wieder auf. Mit oder ohne Titel, Prag und das ganze Land, ja, die Welt sah und verehrte in ihm doch nun den ersten geistigen Führer und Lehrer, den Rabbi von Prag. Sein Rat und sein Urteil wurden überall angerufen und waren überall entscheidend, besonders nachdem um diese Zeit noch weitere Werke von ihm erschienen waren, die in der Welt Bewunderung fanden. Hatte sich bis jetzt das Leben und Lehren des gefeierten Rabbi in geruhigen Bahnen bewegt, so tritt er, gewiß nicht dem eigenen Triebe, sondern der Not gehorchend, an der Schwelle des siebzehnten Jahrhunderts in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, fein Leben wird Wettges Wchiß. Es war» lim 15Q9r am 93. FzblM, er vom Kaiser und König von Böhmen, Rudolf n., zur Audienz bestellt wurde, und es war nicht die letzte, denn später soll sich eine 'Freundschaft zwischen Kaiser und Rabbi angebahnt haben, die an das.Verhältnis zwischen Antoninus und Rabbi, erinnerte. Er, der Rabbi selbst, spricht nie in seinen Büchern von diesen Beziehungen, vielleicht war ihm befohlen, darüber Stillschweigen zu bewahrend Der Histöriker Dapid Gans in seinem „Zemach Zedek" weiß manches darüber zu berichten, und da er, ein Zeitgenosse des Rabbi, es vielleicht aus seinem Munde hatte, MID m Tffjfln fßinß RWigkait Haien. Später bemächtigte sich auch die Sage dieses immerhin ungewöhnlichen Ereignisses und wo das Wissen eine Lücke ließ, flochten und wanden sich überdeckend die schönsten Phantasieranken. So haben wir eine ganze Sagenliteratur über den Verkehr zwischen Kaiser Rudolf und Rabbi Löw. Die populärste Annahme ist die, daß sich Kaiser Rudolf, der als leid?nschgfttichtt Anhänger Der Mchimik MD IfjßDs. sophie Den überirdischen Dingen nachhing unb nachging, vom großen Kabbalisten Rabbi Löw, der, wie die Sage behauptet, sogar Menschenleben erschaffen konnte, angezogen fühlte, daß sie sozusagen sich auf einer Wolkenhöhe bei den Dingen zwischen Himmel und Erde , fanden. Daß. diese Annahme nicht ganz stimmen kann, werden wir später sehen. Eine geschichtliche Tatsache ist aber, daß Rabbi Löw zwei Monate nach der ersten Audienz, am 4. Jjar 1592, plötzlich Prag verläßt, um freilich fünf Jahre später zurückzukehren und das Oberrabbinat von Prag in aller Form anzunehmen. Die Wahl wurde von Kaiser Rudolf begrüßt und bestätigt. Man wird in der Annahme nicht fehl gehen, d«^ der nach der ersten Audienz vielleicht Zumutungen in Religionssachen befürchtete, die Gefahren für ihn und die Gesamtheit in sich hätten bergen können. Diese Gefahren, denen er erst aus dem Wege ging, schienen ihm nach fünf Jahren überwunden. Rabbi Löw war um diese Zeit bereits ein Achtziger, aber frisch an Geist urtd Körper stand er der Gemeinde bevor und gab noch in diesem Alter einen großen Teil feiler Meisterwerke heraus, die ihm den Titel „Das große Licht" einbringen. Sein genialer Schüler Lippmann Heller, bekannt unter dem Namen „lüöfÜR 388^88)^r Nennt l^n Säule, auf welcher das Haus Israels ruht": ähnlich sprechen sich über ihn Rabbi Joel S i r - kes (rrn) und Maharam von Lublin aus. (Schluß folgt.)

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