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Der Israelit · 1926-12-23 · Heft 52 (23.12.1926) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 52 (23.12.1926)
Date
1926-12-23
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Rechnung aus dem „Kladdenbuche" Fol. 15b der Stadt Breslau nach, daß die Arbeiten vom 6. bis 15. April 1346 getätigt wurden und daß zu ihnen 50 Arbeiter und 9 Fuhrleute nötig waren. Selbst frische Leichen blieben nicht verschont, wie einzelne der später gefundenen Steine aus ihren egten errennen lam “WifiSmi {lEjllillHIIHllllHHIHmiiriilninmjinii lüIiHIHHUIlh TwSffkM DCf 3lUl8flDfllBQB01l ftul iü KiiiL (1700). Tatsache ist, daß die Zahl der erbeuteten Steine größer war, als zur Stadtmauer nötig. Denn 1716 und 1799 fand man 2 bezw. 3 dieser seinerzeit geraubten Steine, profanen Zwecken dienend besonders im Rathause. (Burgemeistet: Das Breslauer Rathaus, S. 4). Man nimmt an, daß die Mittelstütze des berühmten Fürstensaales als Fundament jüdische Grabsteine aufweise. Diese bildeten auch einstmals den Fußboden ^es TurMzimmers im Rats- (Schweidnitzer) Keller, wo man 1848 sechzehn Steine fand aus den Jahren 1302—42. *) Auch das Pflaster des mittelalterlichen Gefängnisses im Rathaus, der sogen, „grünen Eiche"/war z, T. CUl£ (BfilBfiethen erfietti, bereit Mit 191Ör 1211 im£> den. Wiederholt fand man endlich in den letzten Jahren (Dom, Herrenstraße üsw.) alte Steine aus dem 12. und 13. Jahrhundert, und es ist anzünehmen, daß auch in Zukunft noch manches dieser ältesten Grabmäler ans Tageslicht gelangen dürfte. In pietätvoller Weise hat die Breslauer Synagogengemeinde diese neueren Fundstücke in die Umfassungsmauer des Friedhofes in der Lohestraße einmauern lassen. Mit Recht bemerkt Vrann. daß die Kraft., die Dag Boss gewollt. wMigstrnZ eine ©«1/ geschaffen habe, datz die Steine, ein halbes Jahrtausend lang konserviert und vor Verwitterung geschützt, vielfach in tadelloser Weise ihre Inschriften bewahrten und in diesen wertvolle Daten für die Geschichte der ältesten Judensiedelung Schlesiens offenbaren. Die Juden in Venedig. (Mit 4 Bildern.) Das jüdische Geistesleben in Italien stand bekanntlich im Mittelalter in höchster Blüte. Die folgenden vier Bilder, die wir dem Mappenwerk D'nirvn ’imm ms» (Nr. 1305), herausgegeben von dem Literarischen Institut für Kunst und Wissenschaft Berlin-Charlottenburg 2, verdanken und wohl Nachbildungen der großen SSilberroerte Mi (ß t c a rl um 1966 irarjteiltf UZZK tzjx Juden Venedigs in den Hauptmomenten des religiösen Lebens im Gottes- und Familienhaus. Das erste Bild stellt eine B e s ch n e i d u n g dar, die, abgesehen von den Trachten, sich unter den gleichen Formen und Bräuchen abspielt wie immer und überall. Das zweite Bild zeigt einen Trauungsakt. Die Braut sitzt unter dem Baldachin zwischen den zwei Ehrendamen, indes der Bräutigam, vor dem Rabbi stehend, das Glas zerb^Lt. im Hintergründe die Hochzeitsgäste in ihren eigentümlichen Trachten. Im Gegensätze zu diesem feierlich frohen Anlaß zeigt uns das dritte Bild eine B e e r d i - U N g. schlicht und einfach, rvve fte jüdische Sitte »or* * ' reißt. M Männgk Ms Mim ^44^ weise zugleich, die seitens der Stadt seinen „herzoglichen Kammerknechten" (also seinen Juden) genannten Zusagen getreulich zu halten. *) Durch ein unverzeihliches Mißverständnis wurden diese 16 Steine, die auf dem Friedhof in der Claasenstraße aufgestellt werden sollten, nach deren Ueberführung dort zu Schotter zerschlagen (!). Glücklicherweise sind ihre Inschriften vorher durch Sal. Nissen entziffert und abgeschrieben worden (s. Vrann im Jahresber. d. jd. Theol. Semin. Breslau 1896, S. VI ff.). den letzten Dienst mit Eifer und einer Liebe, die über Tod und Vergehen den Gedanken des ewigen Lebens erblühen läßt. Einen Blick in die Synagoge gewährt uns das vierte BUd. Es wird die Thora hochgehoben und aller Blicke sind krampfhaft an das Buch der Lehre des Mischen Lebens geheftet. Das obengenannte Institut hat sich mit diesem Mavr™Tf THif m költMkWWlW M»8 AM und vervlenl wellgeyenM Unterstützung. Der Mappe 1305 liegt eine Einzeichnungsliste bei, die Beachtung finden mag. Der israelMsche Friedhof zu Vurgkunfiadt. Ein altes kutturdokumenk. Von Sufi Würzburg. Es gibt in deutschen Landen so manchen kleinen Platz mit einer ständig , abnehmenden jüdischen Bevölkerung, von deren einstigem Glanz und Größe nur noch das Bes Chaim (Haus des Lebens) ein umso deutlicheres Zeugnis ablegt. Zu diesen kleinen Orten gehört Burgkunstadt im nördlichen Oberfranken, ein idyllisches Städtchen am Main. Wohl wenige von denen, die die land- ‘Schönheiten vkf ftkinkll LMllflMWM allst udfen, im Nördlichen Hugelkranze Der Slam eine kleine Abschwenkung zu dem stillen Ort machen, der schon seit säst 400 Jahren die Toten unserer Glaubensbrüder des Rabbinatsbezirks birgt, welcher sich früher über das Obermain- und . Rodachgebiet erstreckte. Bom alter» Breslauer Friedhof: Grabstein eines Leviten. Schon um das Jahr 1620 berichten Urkunden von der Ueberlaffung des Hutangers am Ebnether Berg an die jüdische Kultusgemeinde. Es ist also nicht die herrliche Lage, die Berg- und Waldeinsamkeit allein, die uns hier oben umfängt, noch die wunderschöne Aussicht nach allen Seiten, die den Blick erfreut; uns als Juden interessiert besonders das Kapitel jüdische Kulturgeschichte, das uns hier auf einsamer Höhe manches ersetzen muß, was mangelhaft geführte oder abhanden gekommene Chroniken „ergangener feiten M? gg ftßFHI UlM fftßClI. smrn wir also durch Das MMUMkroiM. mit schön geschmiedetem Eisengitter versehene Tor ein in den von grünem Föhrenwald malerisch umrahmten Ort des Friedens und schreiten auf dem breiten Rasenweg zunächst an den neuzeitlichen Gräberreihen vorbei auf den älteren Teil des Friedhofs zu, der den weitaus größeren Teil der Fläche ausmacht (ca. 6 Hektar) und mehr als 1000 alte Grabsteine beherbergt. Hier bietet sich uns das typische Bild eines alten Iudenfriedhoses. Nichts als altersgraue Steinstümpfe, von Gras und Moos und Dornen, überwuchert. Viele der Denkmäler sind überhaupt hinabgesunken in den Grabesschoß zu denen, deren sie erbittert jollterx, ivt-e rn>ei|t^n rtig’Cn Ttuy roentg (enor urtl fielen (cfjfey flpjf ffjÜUptDTl Abgesehen von einigen Stisiungsfleinen am äußersten Ende (Grabsteine, für deren Erhaltung jährlich eine betimmte Summe von den Hinterbllebenen gezahlt wird) 'tehen nur dort in der Mitte zur Linken hie und da einige Steine aufrecht. Doch auch sie würden das Schicksal der anderen teilen, wenn nicht ein kunstverständiger, religionsgeschulter Kenner, Herr Kultusbeamter Steinbock, jie aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt hätte. Unter großen Mühen, erheblichem Zeitaufwand und sehr schwierigem Enträtseln der unleserlich gewordenen hebräischen Inschriften gelang es ihm, die ältesten und wertvollsten der Mazewaus ausfindig zu machen. Herrn Steinbocks Bericht an den Landesverbands israelitischer Kultusgemeinden Bayerns hatte den Erfolg, daß der Verband in anerkennenswerter Weife die Mittel'zur Hebung und Renovierung dieser Grabsteine zur Verfügungstellte. Im Laufe des letzten Jahves hat ein einheimischer BildiyCLMQIC 22 £ixrxf±= %mi> £«rtinr<refdbrc&tifffr »ttinunü EUUMN. Tll albefte Stein in diesem mittleren Teil des Bes Chaim ist ein Frauengrabmal aus dem benachbarten AltenkuNstaot und stammt aus dem Jahre 1623. Er trägt wie alle auf der Misrachfeite hebräische Inschrift. Auch die anderen Steine seines Alters zeigen oft nur einen Dreiecksgrebek oder Rundbogen als Abschluß oder sind rechts und links der Inschrift von eingekerbten senkrechten Linien begrenzt (Andeutung von Säulen). Immerhin sind dies Zeichen der-Renaissanceepoche, .wenn auch äußerst einfache und arme. Dies wird uns begreiflich, wenn, wir bedenken, daß jene Zeitläufte vor.300 Jahren keine rosigen waren: Judenverfolgungen. und Pestilenz, Aufruhr, und Riterföhden und dann der unsestge 30jährige> Kriegrvüteten ja damals in der Gegend, und daran hatten'auch die Juden in ihrem Ghetto zu leiden, und sie konnten damals ihren Toten keine teueren Denkmäler setzen. In einer der nächsten Reihen erregen 3 einander ähnliche, hohe, reich geschmückte Grabsteine unsere Aufmerksamkeit. Cs handelt sich oeTrmuiltd^. um [Jf nf{J]ßf§j' für einen Rabbiner, feine Qrvrö MS sciNM Sohn, Dtt zwischen 1730 und 1750 - starben. Namentlich der Sinn der Inschrift am Fräuengrab ist' tiefsinnig, rührend und innig. Biele dieser durchwegs sehr längen Inschriften sind in Bersform gehalten; z. B. erkennt man auf dem mittleren Stein unseres Bildes deutlich den Endbuchstaben einer jeden Zeile: .n, andere wieder enden aüf ,rr wobei zuweilen der letzte Buchstabe jeweils fortgelassen und nur einmal in der Mitte groß ausgefuhrt ist. Jeder der genannten 3 Steine, die auf dem Bilde vorn sichtbar sind, ist von gewundenen Säulen umrahmt und von hinaufgeschwungenen doppelten Voluten bekrönt: alles Zeichen des Barock. In der nächsten Reihe treffen wir diese Kunstrichtung auf entwickelter Stufe. Ein Grabstein, aus dem. Jahre 1737 ist ebenfalls von kunstvoll gewundenen Säulen gefaßt, welche fein gearbeitete Kapitale tragen, auf denen wieder doppelte, wulstige Schnecken richen, aus welchen lanzettliche Blätter gleich Feuerzungen herauswachsen, in -der Mitte oben eine gerippte Muschel einschließend., Der schönste Barockftßttt. 1726. aller - er schcini auf bem Wilde ^rot|c^en den 1 5Ö&S2K hlll^urch - §eigt innerhalb hffsff nocl) m erhabener Bildhauerarbeit die Kanne, das Zeichen des Stammes Leoi. Die Inschrift ist außerdem noch von sein gemeißelten Pflanzengewinden umrahmt. 3M gewundenen Säulen sind mit Dolden und Blattwerk reich verziert. Wirklich eine reich entwickelte Barockärbeitt Ein anderer, ähnlich gearbeiteter Grabstein zeigt außerdem in der krönenden Rundung eine Kanne in einem Becken; während das Grabmal eines Privatgelehrten aus Kronach mit Löwen versehen ist, welches.redende Wappen bekanntlich dem Stamme Juda eigen ist. Daneben zieht uns der wertvollste. Stein des Friedhofs an —ein herrliches Werk des Rokokkü mit vollendeten. formen. Wie ein M fff© «iMMWkr Pü>r«hTü?n «Hf slmm srangöstschcn PruMWotz mMet uns diesre kostbare Stein an. Feinste abgeschrägte Rahmenornamentik, Voluten und Schnecken, aus denen nette Blütentrauben quellen, schließen sich zu einer gelungenen Komposition zusammen, oben in einer Muschel abschliezend. Auch dieses Grabmal war früher zerbrochen^, die neuerliche Zuftmmensetzung ist dem Bildhauer gut gelungen. Welch schwierige Arbeit es sowohl für Herrn Steinbock als auch für seinen technischen Mitarbeiter, den Bildhauer, war, all diese alten Steine zu neuem Leben zu erwecken, ersieht man aus den noch liegenden, verwitterten Steinen, mit denen der Laie, zumal was den ast ganz dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallenen Text Vom DvvkrinsllilvrrFiievvof! Ksssuim-MLvstLtu. betrifft, überhaupt nichts anzufangen verstünde. Die Grabmonumente, die meistens aus einheimischen, zuweilen etwas rohem Sandstein bestehen, zeugen immerhin von ziemlicher Entwicklung kunsthandwerklicher Betätigung der oberfränkischen Bildhauer im 18. Jahrhundert. Manche Grabmäler sind unten noch mit Kanten und Eierstäben geschmückt, an anderen sehen wir die Jnchristen von Blattkränzen umwunden, wieder andere- Steine haben krabbenähnliche Köpfe, viele fein gearbeitete Löwen, zwei segnende Hände, Befchneidungs- WUG> ra»ga»

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