Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 52 (23.12.1926)
- Date
- 1926-12-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 6 Nr. 52 ■ V t V S rar (1 23 Dezember 1S2S 1. Im Jahre'1924 ist der Beschluß für das weitere inneren Emnchtungen der Wiener Gemeinde könnten' durch einen Beitritt zu dem Verbände beeinflußt werdeki hoffen, daß nunmehr auch bei der bevorstehenden Wahl eines Distriktsrabbiners das Rabbinat Regensburg der Orthodoxie erhalten bleiben wird. „Völkische Fantasievilder'^ Gelnhausen, 20. Dez. Der Cchlachihviverwalter Lindemann aus Gelnhausen hatte vor einigen Monaten in einem Brief an den „Reichsrerband praktischer Tierärzte" behauptet, daß „ein von dem Metzgermeister Reis, daselbst, zum Schächten gefesselt niedergelegtes Jungrind nach dem von dem Lehrer Marx der Israelitischen Gemeinde Gelnhausen vorgenommenen Schächtschnitt 3 Minuten lang ausgiebig blutete, plötzlich zum Entsetzen aller Anwesenden seine Fesseln zerriß, sich erhob, in den Schweineschlachtraum lief, wo es einen Ausgang vermutete, dann kehrt machte und in normalem Schritte auf die Ausgangstür zugkng, bis es dem Metzgermeister Reis gelang, durch starkes Ziehen am Schwänze das Tier zu Fall zu bringen." Diese Behauptung, die in einem Aufsatz des Präsi- Berbleiben Hanaus beim Halberstädter Verbände durch eine Gemeindeversammlung gefaßt worden. Diese GelllklslRUkMMlNlllW nmröö MüMson. nicht Mil m M? Wunsch der Gemeindeverwaltung, sondern der einiger Gemeindemitglieder chiar, die in einer so eminent wichtigen Angelegenheit die Ansicht der Gemeinde zu hören wünschten. Der Beschluß wurde in einer ziemlich stark besuchten Versammlung mit überwiegender Majorität gefaßt. ' “ Für den Beitritt zum Halberstädter Verband erklärten sich seinerzeit die Gemeindeältesten einmütig. 2. Der Beschluß ist deshalb gefaßt worden, weil die Gemeinde nach Anhörung der beiden Referenten (pro et contra) sich für die Anschauungen des Unterzeichneten entschied, der auf Grund eines reichen Tatsachenmaterials die Notwendigkeit des weiteren Verbleibens beim Halberstädter Verbände darzulegen sich bemühte. Also nicht, wie Herr Dr. Freund meint, und seiner gläubigen Gemeinde klarmachen möchte, weil den religiös- Dennoch versicherte Dr. Ornstein den nsuse gründeten ißßMSiW \yev SBlener &eroe{nbeifnV ihm die wirksamste Unterstützung zu. Namens der Zionistischen. Fraktion/ des Kultusvorstandes bedauerte Oberbäurat Stricker, daß die Zio-' nisten durch die liberal-orthodoxe Mehrheit gezwungen seien, bei einem Zusammenschluß der Juden Oesterreichsabseits stehen zu müssen. In dem gleichen Sinne sprach Dr. Bader von der Vereinigung für soziale. Tätigkeit. Sodann wurden die Statuten des neuen Verbandes durchberaten und mit der kleinen Abänderung genehmigt, daß Gutachten über rituelle Fragen nur auf Grund d e s S ch u l ch a n A r ü ch erledigt werden dürfen. Sitz des Verbandes ist der Wohnsitz des Präsidenten Baumeister Winkler in Groß-Enzersdorf. Der Verband beschloß, auf die Wiener Kultusgemeinde einzuwirken, damit diese ihren Ablehnungs- Beschluß zurücknehme. denten des Nsiehsosrbands pvatitfdper TreräxZts iifcer dis ~ Schachtsrage!ti Herr „Münchner Neuesten Nachrichten" erschien und dann in den sämtlichen tierärztlichen Fachzeitschriften die Runde durch ganz Deutschland machte, oeransaßte Marx und Reis zu einer Berichtigung, und da' der Schlachthofverwalter Lind^mapn an. der. Richtigkeit seiner Schilderung festhielt, zu einer öffentlichen Er- . klärung, im „Gelnhäuser Tageblatt", in dem die Be- . hauptung als b/rwuß.te Verleumdung bezeichnet wy,rde. Auf Aptrag,Lindemaäns erhob die Staatsanwaltschaft, in Hanai^ gegen Marx und Reis Klage wegen Verleumdung^, der er sich als Nebenkläger anschloß. In der Verhandlung vor dem großen Schöffengericht Hanau b.e stx.i tten die Angeklagte naufsEnerg i s ch st « dis 91 i 4» H 9 f c t i uiti) SD? ögltd>fcii 8-dvrfulls. Sn mßcntragcr CinDemann, Der auf Befragen zugeben mußte, daß er sich völkisch betätige, versuchte zwar in allen Einzelheiten seine ursprüngliche Schilderung aufrecht zu erhalten, das Gericht schenkte ihm aber trotz seiner Beeidigung nach dem Gang der Verhandlung keinen Glauben und sprach die Angeklagten auf Kosten der Staatskasse und des Nebenklägers frei. In der Urteilsbegründung wies der Vorsitzende besonders darauf hin, daß es auffallen müsse, daß der Nebenkläger. keine weiteren Zeugen beibringen könne, obwohl er „vom Entsetzen aller Anwesenden" gesprochen habe, und daß es auch nicht gut denkbar sei, daß bei dem so außergewöhnlichen Vorfall, wenn er sich wirklich, ereignet hätte, die im Schlachthof anwesenden MetzgAr. untätig zugesehen und den Vorfall selbst nicht besprochen, hätten, zumal Lindemann unter Cid zugeben,.anußts. daß sich {em«»r siebzehnjährigen Säiigleü in noch nie etwas ähnliches zugetragen habe, ..,7 Das Urteil bedeutet eine glänzende Rechtserstiguhg für die Angeklagten Marx und Reis. Zur Richtigstellung Jsmar Freundlicher Behauptungen. Hanau, 20. Dez. Herr Provinzialrabbiner Dr. Gradenwitz in Hanau schreibt uns: In Nr. 51 Ihrer gesch. Zeitschrift bringen Sie einen Leitartikel:- „Zur Revision des preußischen Judengesetzes I", in dem Sie aus der Freundschen Broschüre: „Die Rechtsstellung der Synagogengerneinden in Preußen und NeichsnerfassnnA^ einige üll>s<hn!lls arrfü^r-erx. Im dritten Abschnitt ist auch die Gemeinde Hanau mit einigen Zeilen bedacht. Ich sehe mich veranlaßt, Folgendes zur Richtigstellung zu bemerken und Sie zu bitten, diese Richtigstellung auch in die nächste Nummer aufnehmen zu wollen. In dem angegebenen Abschnitt heißt es folgendermaßen: „Die letztgenannte Gemeinde gehört ausschließlich dem Halberstädter Bund an. Nichtsdestoweniger ist aus dem Kreis ihrer Verwaltung heraus der Wunsch laut geworden, aus dem Halberstädter Bund auszutreten und sich dem Landesverband anzuschliehen. Der Gedanke ist bisher nicht ausgeführt worden, weil die religiösliberalen Mitglieder der Verwaltung, denen von der separatistischen Richtung, der Preußische Landesverband als eine zionistische' Gründung dargestellt worden war, sich gegen den Anschluß an den Prsntzrschsn Qatrhesverband «nsgeJetten," fjFFf FlMUR Dazu bemerke ich: (ifc«ra(cn £DM.±gIteberrr bcr S&criDaltung einaerebet roorben O limmurni) »mpilftlft Ittlfifell ist, bcr Preußische Landesverband fei eine zionistische .Gründung. Diesen Versuch, mit unlauteren Mitteln zum Ziele zu gelangen, hät Man in Hanau nicht gemacht und insbesondere Nicht die separattstische Richtung, die es in der Gemeinde. Hanau überhaupt nicht gibt, die demnach nur in der Phantasie des Herrn Dr. Freund zu existieren. scheint. Herrn Dr. Freund kann zum Schlüsse noch folgendes verraten werden: Man hat dieses Jahr abermals versuchen wollen, die Gemeiideältesten zu veranlassen, einer Gemeindeversammlung die Frage zur nochmaligen Beschlußfassung vorzulegen. Es ist aber gar nicht so weit gekommen, denn die mit der Frage befaßte Repräsentantenversammlung (©emeinbepertretung) ^at . fiefy burc^ *0la|orUät5be|c^Iu^ für Das moieiücif Denn MveMMr BerDanöe ent* schieden. Das Programm der westeuropäischen Keren Ha thora-Konferenz. Wien, 15. Dez. Am 28.- Dezember wird in Amsterdam die zentrale Keren Hathora-KonfeMz für Westeuropa durch den Vorsitzenden des holländischen Landesverbandes, Ober- .rabbiner Vredenb0urg, eröffnet werden. Namens deN'rahbinischen Rates der Keren Hathora-Zentrale wird Oberrabbiüer Jeschaja Fürst-'Wien und Obermbbiner Sejmdep? L e w i ü -Sanib'or an der Konferenz teilnehiMrn.' Ferner ist Noch mittder Teilnahme der Vorsitzenfiartb'csbrrcitorien ttx cManb (Ob erirabbiner T p i tze 1 - Hamburg) in der'SchMiz (Rabbiner Dr 0 m- Luzern) in"-Cnßlarid (RÄbbtzre^ K i r s z n e r-London) rzu.rechnen. Mehrere'^OEräbbiiter in Holland haben ebenfalls ihre Teilnahme zügefagt. An der Konferenz werden folgende Probleme behandelt: 1. Die gegenwärtige Lage des Keren Hathora; 3. Die Lage des jüdischen Schulwesensim Osten; 4.Die Lage in Rußland; 5.Die Förderung des Thorawissens im Westen; 6. Das'jüdische Schulwesen in Palästina; 7. Die Frage jüdischer Jugendliteratur. An die Konferenz in Amsterdam schließen sich größere Veranstaltungen und öffentliche Versammlungen für den Keren Hathora in London, Straßburg' und Zürich an. Sie St-un^ung ies ^erbatll'es i)CT kullusgememden. Wien, 14. Dezember. In einem Saale des Hotels Continental wurde am Sonntag, wie kürzlich berichtet, unter Beteiligung der Delegierten fast aller Kultusgemeinden Oesterreichs die konstituierende Sitzung des Verbandes der Israelitifchen Kultusgemeinden Oesterreichs abgehalten. Trotz des Beschlusses der Wiener Kultusgmeinde, sich dem Verbände nicht anzuschließen, wären die drei Präsidenten der Kultusgemeinde zu der kontituierenden Sitzung erschienen, und Präsident Prof. Dr. Pick, beglückwünschte die Vertreter der österreichischen Kultusgemeinden zu ihrem Beginnen.. Vizepräsident Dr. Ornstein begründete das ablehnende Verhalten der Majorität des Wiener Kultusvorstandes: ivanni, . daß bur^l «in ^ujammeirorfreiien mit autrertu Mmemven M OTgteit m tzer Mmsr Dsir tusgemeinde beeinträchtigt werden könnte. Auch die » fci c naatw 1 Die Niederlage der Rassenschühler bei derr ungarischen Parlamentswahlen. Budapest, 12. Dez. ' „Pester. Lloyd" . spricht voll. dem „bitteren Schicksals das diese Wahlen den unter der Maske des Rassenschutzes um die Gunst des Volkswillens buhlenden antisemitischen Hetzpolittkern bereitet haben". Es' heißt dann weiter: „Von den sieben Mitgliedern, die die Rassenschutzgruppe in. der verflossenen Nationalversammlung zählte ,ist Julius Gombös der einzige, dem jetzt ein Mandat zugesallen ist. Alle übrigen — Andreas Zsilinsky, Franz Ulain, Nikolaus Bell, Tibor (B&fyctxrbi, Stefan JÖef?rt&ir=jQ>enfcn>ai^ unb -j'ogcnr -bcr MhuFuflüchllMg virstr Gruppe, MMwr M — MV Durchgssallsn. . . Bor den Wählen hatten sie mWlauter Stimme im Tone äußerster Siegeszuversicht verkündet, daß sie bei den Wahlen die G'eneralofsensive ergreifen, sich in hellen Scharen um Mandate bewerben und den Nachweis führen werden, daß die ganze Nation hinter ihnen stehe. Was aber war das Ergebnisdes geplanten großen Anlaufes? Raffenschützlerifche Abgeordnetenkandidaten konnten bloß in 24 Wahlbezirken auftreten, und in keinem dieser Bezirke, haben sie es zu einem Wahlsieg gebracht. Feststellen ‘ läßt sich als» schon jetzt mit peremptorischer Gewißheit, daß der Rassenschutz ein für allemal in gründlichster Weise abgetan ist." — Wie weiter mitgeteilt wird, sind auch der Führer der Christlichsozialen Stefan Haller, der Schöpfer des Numerus Clausus-Gesetzes, svwie'dessen IBruber Joses FktII«r, hurdjg«falten. . J Oberrabbiner Reich soll Alkerspräsidenl dss ungarischen Oberhauses werden. . Budapest, 14. Dezember. Dem ungarischen Oberhaus werden bekanütlich die beiden Oberrabbiner von Budapest als die Bertreter der jüdischen Konfession angehören. Da nun der orthodoxe Oberrabbiner von Budapest, Koppel Reich, im 88. 'Lebensjahre steht, so wird er als ältestes Mitglied des neuen Oberhauses berufen werden, die Funktionen eines Alterspräsidenten in der Eröfsnungssitzung zu übernehmen. Bisher zwei jüdische Vertreter im ungarischen MNllMMk. V u b a p e ft, IS. Dezember. Bisher erscheint bei den Neuwahlen zum, ungarischen Parlament ein einziger Jude, der Demokrat Dr. Bela Fabian, als gewählt. Aber auch die Wiederwahl Dr. Paul Sandors gilt als gesichert ^Uw. Der Warschauer Gememderal. Warschau, 18. Dez. Die Sitzung des Gemeinderates am Sonntag stand ganz unter dem Eindruck der Schreckensnachrichten aus Rumänien. Herr K i rf ch b raun verlas einen feierlichen Protest.. (Bin Redner läßt es sich nicht nehmen, obwohl eine- - Diskussion über diesen Punkt nicht erfolgen-sollte, das Wort zu ergreifen und den, Zionistenführern vorzuhal- - lls stk M MK8MM MM Ml NMlllllkll MZ auMlsn. Anösks mrtÄdiKktt SskblLw mb dessen Freunde. Einen gewaltigen Eindruck macht die, Rede