Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1926-12-23 · Heft 52 (23.12.1926) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 52 (23.12.1926)
Date
1926-12-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2450388-2450440--73699-2531125
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

23. Dezember 1926 Horrcspoiutenzcii« nacbricbten. Vetttsetze» Ekye moralische Niederlage der Liberalen. . B e rlin, 19. Dez. Justizrat Sonnenfeld hat infolge eines außerordentlich scharfen Antwortschreibens des Ministers des Inneren an. die liberale Fraktion in Sache des bekannten gegen den Ministerialdirektor Badt gerichteten Briefes sein Mandat in der Repräsentantenoersammlüng der Berliner, jüdischen Gemeinde n i e d er g e l e g t. Die liberale Fraktion sah sich genötigt, Justizrat Sonnenfeld zu desavouieren, nachdem ihm der Minister unkorrekte gsg«nübsr Kuiltusrninistsvinrni vorgsworsen hatte. Landgerichtsrat Stern und Dr. Paul Ttathan über ihre Reiseeindrücke in Rußland. Berlin, 9. Dez. Im Hotel Kaiserhof zu Berlin berichteten am 8. Dezember vor den Hauptvorstandsmitgliedern des Centralvereins deutscher Staatsbürger, jüdischen Glaubens und den Delegierten des Landesverbandes -Groß-Berlin des E.- V. ' Landgerichtsrat I. Stern-Berlin und Dr. Paul Nathan über ihre Reiseeindrücke in Rußland. Landgerichtsrat Stern hat ganz Rußland von Leningrad bis zur Krim durchquert und konnte von den Unterredungen mit russischen Juden aller Schichten erzählen. Starken Eindruck haben auf ihn die Siedlungen des Agro-Joint in der Krim und in Südrußland gemacht. Dr. Paul Nathan hat als Vertreter des Hilfsoereins der deutschen Juden an der Tagung der Ozet in Moskau teilgenommen und hatte dabei Gelegenheit, mit den Vertretern der Behörden. und der Regierung über die ihn interessierenden Q-ragien SieMutt^en §u2IIs ner des zaristischen Rußlands zog er interessante Vergleiche zwischen der Lage der Juden einst und jetzt. Er konnte, wie er sagte, seststellen, daß sich der schon früher von ihm erkannte und befolgte Grundsatz „die Ostjudensrage kann nur im Osten gelöst' werden" durch die Entwicklung in Rußland bestätigt worden ist. Er schilderte die erfolgreichen landwirtschaftlichen Siedlungen der Juden in Rußland, die neben dem materiellen Erfolge auch den ideellen gezeitigr haben, daß der russische Bauer Achtung vor der Tatkraft und den landwirtschaftlichen Erfolgen der Juden gelernt hat. Diese Erfolge beruhen nicht zuletzt darauf, daß der Jude bei seiner Arbeit auf russischem Boden von heißer Liebe zur russischen Heimat ist. istä jhän . gäö ^ännnoch sin crusfuhrlichss Bild von der Erziehung der russischen Juden zumHlllw- S i t | »/i « i l l i werk, bei der die Gesellschaft Ort mit Hilfe amerikanischer MM sMMSM MMt flsislfW Wt, Sri MWN E de? Vorsitzende, De. Besdnitz, gaben zum Schluß Mm Gedanken Ausdrück, daß es Pflicht auch der deutschen Juden fei, die Drganisationen zu unterstützen, die die berufliche Umschichtung der russischen Juden auf russischem Boden, anstreben. Aus der Tätigkeit des Hitfsvereins der deutschen Juden im Jahre 1926. ' Berlin, 10. Dez. - Die Fürsorge des Hilfsvereins der Deutschen Juden galt im Jahre 1926 im besonderen Maße den Emigranten aus dem Osten, die Deutschland durchzogen, um von deutschen Häfen oder Häfen der benachbarten Länder aus die Reise über See anzutreten, oder um kontinentale Länder aufzusuchen, oder nach ihrer Heimat zurückzukehren. Es'handelte sich um Auswanderer, die in Transporten von Schiffsgefellschaften reisten, wie um Einzelwanderer. Aon Anfang Des MM m ®idq NllvoniM 1926 muvbm 31 143 Personen, d i e Berlin passierten, bei ihrer Durchreise von dem Bahnhofsdienst des Hilfsvereins auf dem Schlesischen Bahnhof betreut, wo dem Hilfsverein ein besonderer Saal für diese Zwecks eingeräumt ist. An der deutsch-polnischen Grenze in Stentsch wie in Osnabrück wurde durch Vertrauensmänner des Hilfsvereins Fürsorge für die Durchwanderer ausgeübt. Die Schutzkomitees des Hilfsoereins in Hamburg und Bremen nahmen sich der Durchwandernden, sowie der auf das amerikanische Visum seit Ende 1923 in diesen Hafenstädten harrenden Emigranten soweit erforderlich und möglich an. Die Zahl der jüdischen Durchwanderer über Hamburg betrug ca. 2900, über Bremen ca. 1000 Personen. Für das Hilfswerk für die Ukraine-Waisenkinder, die der Hilssverein in Deutschland erziehen und ausbilden läßt, bs sie einen Beruf ergreifen können, wie für die Unterstützung notleidender osteuropäischer Studenten, Die Dor Dem MWlllsi tores otuDiums MMi M M Der Berächlszerl beträchtliche Mittel — runb 90.000^ rSJiar? zur Verfügung gestellt worden. , V Die Weiterleitung von Geldern, die Personen aus Kanada und Südamerika ihren Verwandten nach Rußland schickten, hat in der Berichtszeit ihren Fortgang genommen. '' _ Für die Vermittlung des Briefverkehrs zwischen Polen und Litauen — der Postverkehr ist noch gesperrt — wird der Hilssverein immer mehr in Anspruch genommen. Monatlich werden jetzt rund 1000 Briefe weitergesandt. Judenhaß auch auf der Kölner Aniversikät. r Köln, 5. Dez. 5a* ßMner ZilUKe iefpUe gange an der Münchener Universität und schreibt dann Gebüsch. geschützt sind und bei Mondlicht. Früher mußte man auf die kleinen Kinder Anreden oder sie sogar zwingen, daß sie in Eheder gehen, jetzt klettern sie voller Begeisterung zum Dachtboden hinauf, um etwas zu lernen. Der Melamed, früher wenig geachtet, ist jetzt ein Symbol der jüdischen Heiligkeit, ein Märtyrer. Er nimmt keine Bezahlung an und hungert mit seiner Familie. Die Kinder halten zu ihm und hängen an' der Lehre mit reinem, glühendem kindlichem Herzen. Und so ist es auch bei den Erwachsenen. Die Bek¬ und Lehrhäuser sind Tag und Nacht von lernenden Menschen bevölkert, es sind darunter welche, die früher nicht einmal am Jom Kippur das Gotteshaus betraten. Man lernt neben den Bhchern der Schrift und des Talmuds auch den S oh a r und andere kabbalistische Schriften. Müll möSlö Unter kW GOokmnig ms iüDMöll lm* güM fomm&n, warum das Volk auch jcht, nachMm rw Morgen erblüht ist, noch seelisch leiden muß, warum im Kriege und nach dem Kriege soviel jüdisches Blut fliehen mußte und wann die Stunde der Erlösung schlagen würdet ... Im Minsker Bolschewistenblatt „Oktober" wird bitterlich darüber geklagt, daß bei allem Kampf die religiöse Strömung statt zu schwinden, g e w a l t i g a n g e - s ch w o l l e n i st, in Stadt wie auf dem Lande.- Wandervedner, so jäMmert das- Blatt,fördern in öffentlichen Reden in den/Mynagogen die Beter auf, ihre: Kinder lieber dem jTode a^i den ^Sowjetschulen auszuliefern. Man lockt mit alleNmoglichen Mitteln die Nnver . kn hie Ehedarim M» sitz 8vtzt mst'ZMS Me MM'M IllÜMeN MwUMNeN:- IMtzMM MaVTtzN^WMN. sil^'VMkchlMSWlMiMn MN« Mrn nur M einem astderen von 50 Msidern nur 12 geÄelM. ''Die UerEäle Gefahr sei -MV, n if\ ■ Der Privatbrief und Ser Artikel im Minsker Blatt, so grundverschieden sie in der Tendenz sind, ergänzen sich und sind in gleicher Weise erfreulich. (Der Esperanto-Preis.) Auf dem 18. Internationalen Esperanto-Kongreß, der gegenwärtig in Edinburgh abgehalten wird, hielt der bekannte jüdische Gelehrte Dr. O h l s ch w a n g e r (Jerusalem) einen Vortrag über hebräische Völkssitten. Der Kongreß veranstaltete auch einen rednerischen Wettbewerb, zu dem sich 9 Bewerber meldeten. Das Thema wurde ihnen erst eine Stunde vor vor Beginn des Wettstreits bekanntgegeben, jeder Redner hatte fein besonderes Thema. Die Redezeit war für jeden auf 7 Minuten festgesetzt. Den ersten Preis ©rfpteti Sr. OI>fd)n>an^cr' jaitr feine ejtärtjjertbe SRebe über eirte Steife na<^ Palastttr«. ^en Witten Preis erhielt ebenfalls ein Jude, Kornfeld, aus Polen, für feinen Vortrag: „Ein geschichtlich hervorragender Mensch" (Dr. Zamenhcf.) Wochenfalender. vom 25. Dez. 1886 bi§4 ÄäNi'E- Vöm 20.-.27 Teweth 8887 Samstag Dez. 25 20 na»: m»» S'öNsttatz?;-■: 26 21 MoMätz 27 22 v'aviv '0 MÄlStag 28 23 AMMW m S1 90 35 31 26 i Rausch Thaudesch Benschen ZÄrstag Satt. 1 27 Mauled-Montag..nachm. .3 38 Minuten. ■ •_Nr. 52 Sette S leidenu. larn-Melsges. m. b. H. 47 Bleidenstraße 47 (früher: Grosse Eschenhelmerstrasse 3) SPEZIALHAUS in Näh-und Slick-Seiden Handarbeits-Garnen jeder Art weiter: „Selbst an unserer als freiheitlich bekannten Kölner Universität blüht dieser Antisemitismus. Gerade die beiden führenden Männer Geheimrat Eckert und Professor v. d. Leyden sind davon nicht freizusprechen. So hat ersterer im Sommersemester 1925 in seiner Vorlesung darauf hingewiesen, daß die führenden Männer auf dem Wirtschaftsgebiete Juden seien, und warnend richtete er an das Auditorium die Worte: „Ich rate euch, Juden, drängt euch nicht vor." Brausenden Beifall ernteten natürlich diese Worte' während die dort befindlichen jüdi- 4Un Qi&ttUU zu schLMtt — WöS Hmn Prof. o. d. Leyden betrifft, so macht er aus feiner deutschvölkischen Gesinnung keinen Hehl. In Heft 4 der Zeitschrift „Der Bücherwurm" 1926 schreibt er anläßlich seiner Besprechung der von A. Soergel verfaßten Literaturgeschichte: „Es ist gut, daß man es nun urkundlich in Wort und Bild vor sich hat, wie eine deutsche Dichtung unter jüdischer Vorherrschaft aussieht." Die Schächkfrage in Bayern. München., 17. Dez. Durch eine Verlautbarung in den „Münchener Neuesten Nachrichten" gibt die Regierung bekannt, daß „der Entwurf eines Gesetzes über das Schlachten von Tieren gemäß dem Beschlüsse des Landtages" (d. h. also ein Gesetz, das den Betäubungszwang einführt und das Schächten unmöglich macht) im Ministerium des Inneren fertiggestellt worden sei. Das Ministerium habe jedoch die Einbringung des Entwurfes im Landtag zurückgestellt, um abzuwarten, ob die angeblich im Gange WMM.AMM zur mnMrunsi M'kr Den ntneira Vorschriften entsprechenden Betäubung zu pofüroen Ergebnissen führen. Inzwischen hat der Münchener Tierschutzverein zusammen mit einer Reihe anderer Vereine eine erneute Eingabe an den Landtag gerichtet, worin um beschleunigten Erlaß eines Gesetzes gegen das betäubungslose Schlachten der Tiere ersucht wird. Für den Wortlaut des Gesetzes wird die entsprechende Bestimmung >der schweizerischen Bundesverfassung von 1891 vorgeschlagen mit dem Zusatz, daß die Ausführungsvorschriflen vom Staatsministerium des Inneren getroffen würden und Zuwiderhandlungen bestraft werden sollten. In den religiös gesinnten jüdischen Kreisen hat m WIMMHUM Der smatsnegimms, MIM sie Wn &efe^eniwurf zum ÜBerboi Ws Schach lens Wrerls fertiggestellt habe, wie begreiflich, unbeschreibliche Erregung heroorgerufen. Man kann noch immer picht glauben, daß die Regierung eines Staates wie Bayern, der seit Menschengedenken stolz darauf war, gerade in -religiösen Dingen ein Vorbild der Toleranz zu sein, lediglich mit Rücksicht auf eine Zufallsabstmmung der parlamentarischen Körperschaften, und unter dem Druck antisemitischer Volksströmungen der bayerischen Gesetzgebung das Stigma mittelalterlicher Unduldsamkeit aufdrücken will. Es wäre vor allem Ehrenpflicht der sozialdemokratischen Partei, den Schaden, die die erwähnte Zufallsabstimmung angerichtet hat, wieder gut zu machen. r" Gemeinvewahlen und RuvMuerrvahl. \ Ragensburg, 12. Dez. Am 5. Dezember fanden hier Neuwahlen zur Vertretung der israelitischen Kultusgemeinde statt, die besonderem Interesse begegneten, weil die neuen Gemeindeorgane die Rabbinerwahl vorzunehmen haben. Es beteiligten sich denn auch 95 Pvszent der Wahlberechtigten an der Abstimmung. Die Wahlen endeten mit einem Sieg der konservativen Partei, die von den 17 Sitzen der Gemeindeverttetung 10 Sitze eroberten. Die Liberalen unter der Führung des bekannten Dr. Oettinger, der aus feinen Kämpfen mit dem heirnge- MMell MMMWDMr M. Meoeve i u. MMM ist, MieWh Hiii in Wr MrnWr-hsff. Zum eisten' Vorsitzenden der Gemeinde wurde Kommerzienrat David Rosenblätt gewählt. Es' ist zu

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.