Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 52 (23.12.1926)
- Date
- 1926-12-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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£>Vu» *4 -Ju. 52 Neziw selbst in seinem Kommentar zu Deutoronomtum unk! IN ö6M von UNS ößsn bshan-stts» Gutachten. — Roch ein Zitat möchte ich ansühren: rnn un tronm ddnd dn ^dh min mobn piDy*? dn ■’D nsy (Wenn wir aufrichtig die Religion befestigen wollen, so gibt es keinen andern Rat als sich mit dem Lernen der Thora zu beschäftigen), nachdem er früher gesagt hat: mn pnnrf? ~\s nt^nm (c’mnn) nnxmuw itpi rmnncy na ^di /no^m anson by -Djnrfci iw b^n onrnj i'.rn niuj/ dwsmdi -inva nptno nmi nii'CD nn'52 dn -Yiottft orfr “rtjJn n^p'1 injn .nmi> In der Organisation also und im „Lernen" sieht der Neziw ein Heil gegen alle geistigen Nöte des Judentums: Schutz gegen Assimilation, Schutz gegen nicnip'&fc und o’Dnip’DN — Das tiicmi|ef^e Oubent«^ MkMlW UT1Ü1 ganz naMrlichen Grund zur Ablehnung der Beschäftigung mit profanen Wissenschaften. Das „Lernen" war dort wirklich Hauch, des Lebens, das Leben ward nur angesehen als ein ausgedehntes „Lernen", insofern als es die unvermeidlichen Erfordernisse des praktischen Lebens nicht gehindert hat. Es war also mehr sentimental als rationalistisch. Gerade deswegen ist es interessant zu erfahren, daß selbst der Neziw, der unerbittlichste Kämpfer gegen die Einführung von Bildung bzw. des Unterrichts der russischen Sprache in die Jeschiwa von Wolosin —es keinesfalls als religiöses Verbot' betrachtete, sich mit dem profanen Wissen zu beschäftigen, sondern umgekehrt, er war bestrebt, das Wesen des Unterrichts des Profanen in Einklang mit dem „Lernen" zu bringen und es zu konsolidieren "durch Aufsicht der Gemeinden und ihrer Vorsteher. — Was wir lernen wollten und auch gelernt haben, tj^ ba|j gar fe'n? Unecht bestehen kann, die ruMch-litauifHö Orthodoxie habe prinzipielle religiöse Bedenken gegen das Lernen des Profanen, geschweige zu behaupten, die geistigen Oberhäupter dieser Orthodoxie hätten es als religiös verboten betrachtet. Es kann und konnten nur rein zeitliche und örtliche Gründe sein, die sie veranlaßt haben und auchjetztveranlas s e n sich reserviert gegen die profane Bildung zu verhalten. Die größte Schuld traf und trifft d.abei die „Maskilim", die Vorkämpfer der weltlichen Bildung, die den Anschein erweckten, als ob die weltliche Bildung zur Negierung der Religion führen muß, - Born Nezrrn fernen wir |emer: Sein treten, Me jünger der Thora während des Zeitabschnitts, den sie auf der Jeschiwa 511° V i r H» r» D » » , . dringen. rein dem Lerneri der heiligen Thora zu spalten. 2W Mn Kernpunkt der Sache in dieser Frage. Herr Seminardozent Dr. Moses Auerbach erzählte mir letztens, ein Jerusalemer Rabbiner habe im Namen des Rabbi Chaim Berlin b"}ti ihm gesagt, der Vater des letzteren, der Neziw, hübe ihm vor dem Tode hinterlassen, keinesfalls der Einführung von profanem Unterricht in Wolosin zuzustimmen, selbst wenn sonst die Wolosiner Jeschiwa geschlossen werden müßte. *) — Wolosin war für ihn ein heiliger Tempel der Thora, der vom profanen Geiste nicht entweiht werden sollte. Ein unbeschränkter Thoraidealismus und der Kampf gegen die Religion und ihre Oberhäupter seitens einiger Maskilim, die Leugner des Talmuds in der Sprache des Nezivs — haben diese Oberhäupter veranlaßt, sich gegen die 36>eftf>rf5nnos reserviert gi* verhaften. (S\x%^ Haltung kam zur Geltung in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Auftreten eines Lilienthals und eines Gordon. — Wäre nicht das Gespenst der „Berliner Haskolo" gekommen, so wäre gerade das russisch-litauische Judentum dazu berufen gewesen, die Renaissance der spanisch-jüdischen Kulturepoche herbeizuführen. Auf diesen Weg haben es still hjngewiesen jener große Mann der litauischen Judenheit, welcher ihr den geistigen Glanz bis heute verliehen hat — der Wilnaer Gaon und einige seiner Freunde und Schüler. Die litauisch-russische Judenheit war dazu berufen, nicht eine mechanische, sondern eine tief-innerliche Vereinigung des vollen Wissens der Thora und eines durch das jüdische Empfinden durchglühten vollen Wissens der weltlichen Wissenschaft zu werden, und zwar durch das Streben zur höchsten Vervollkommnung. — Ein Wilnaer Gaon hat den bekannten Spruch getan: ..Wem ein Maß der Wissenschaften fehlt, dsttt fehlen IjtmMri Maße m her Thora." — Er hat selbst mit den naturwissenschaftlichen Disziplinen sich befaßt und auf diesen Gebieten Werke geschrieben. Er hat auch seine Schüler dazu veranlaßt,, und sein Freund „der Fürst Zeitlin" in Schklow, Günstling der Zarin Katharina und Hofmann, dabei Gaon und Gelehrter, hat mit diesen Jüngern eine Art Akademie zur Beschäftigung mit den, allgemeinen Wissenschaften gegründet. *) Mir ist von einem litauischen Godaul eine andere Version zuteil geworden, wonach eine solche Aeutzerung, ein zweiter Leiter der Jeschiwa. Rabbi?Xoffef Werl der Briskser vnb Katkr fies ttlfaiw Pristzrr >~si gt uni baden toll. Der Neziw selbst soll gerade entgegengesetzter Meinung gewesen sein. - 23? DezMM Ein £»>etter Zeitgenosse bef SKsiNMs bekannt.unter dem Namen »der Gaon Ravbi Menasche aus Jlje", hat sich mit s ä m t l i ch e n philosophischen und naturwissenschaftlichen Disziplinen beschäftigt und hat es zu einer grandios ausgebauten Weltanschauung gebracht, die alles Jüdische und Menschliche umfaßte und von der wir Bruchstücke in seinem Werke erhalten haben. Er Hat wohl auch mathematische und astronomische Bücher geschrieben und selbst ein nicht religiös gesinnter Schriftsteller wie Rosenfeld, hat in einem der ersten Bände , der Hatekufa ihm Anerkennung gezollt und. ihn äts einen der größten' Geister seiner Zeit gefeiert. Wenn seine Absichten', in, Deutschland Wissenschaft zu treiben durch den Einfluß seiner Umgebung mißlangen, der es auch geglückt ist, zu verhindern, daß seine Ideen den Weg in das Gros der litauischen Judenheit fanden -—so hat JßillßH AÜdäüsächäßll eben der Stljrecfsn, Mn Me westliche Bildung durch ihre „bösen Früchte" bei den Massen der gläubigen Juden in Rußland und Litauen hervorgebracht hat, genützt. — Sein Enkel, der Rabbiner Spalter, sagt über seinen Großvater Rabbi Menasche ..in.- der Vorrede zum 2. Teil des »Alfei. Menasche", er sei ein wahrer Typus eines früheren sephardischen Weisen gewesen. — Wir möchten zum. Schluß eine markante Idee dieses litauischen Gaon ansühren, die an verschiedenen Stellen seines Werkes „Alfei Menasche" und im Kapitel 16 des 2. Teils besonders zum Ausdruck kommt: Streben der Thora ist es, durch ihre Gebote die Menschen zum gewünschten Zusammenschluß zu bringen, damit sie dann alle Wissenschaften durcharbeiten und daraufhin zum höchsten göttlichen Lichte geführt werden, das wieder von der Thora ausstrahlt. Wir wollen den Sinn dieses Gedankens sär Ulls Neu Mr^nswMiten und als Lebensmaxims für' unsere jüdische Gegenwart proklamieren: Durch die Thora geläutert, und i n n e r l i ch g e f e st i g t, m i t d e m n ö t i ge n kritischen Blick bewaffnet — zum vollen me n s chl ich en Wissen, und mit vollem Wissen des Göttlichen und des Menschlichen — auf das höch ste heilige Licht der Thora schauen. bei bivbm npyntp 'p abgehalten, dem Sohne des Nassi Tai tem man, obschon man ihm aus außenpolitischen Gründen die Würde eines Nässt nicht übertragen konnte, dort, wo es nicht nach außen drang, die Ehren eines Nassi erwies. Er heißt auch deshalb an verschiedenen Stellen nicht Nassi, sondern Ben Hannassi. Bei diesem Gottesdienst in Uscha kamen nun die verschiedenen Ansichten bezüglich der Einschaltung der Malchujaus an einem und demselben Orte zur praktischen Auswirkung. Rabbi Jauchonon Ben Brauko, den wir zu dieser Zeit schon in der Provinz Galiläa vorsinden (siehe Tausefto Trumoh., 7. Perek: Rabbi Jischmoel, der Sohn des Rabbi Jauchonon Ben Brauko, sagte: Einst ging mein Vater Rabbi Jauchonon Ben Brauko z U R I B N N a ch Beth Schrarim). war der Meinung. MM m«sfk m ©affläfl Den Dort Nt lanom ten Gebrauch handhaben, während «V n i-v «b n nach dem Ortsgebrauch der aus Jawne nach Uscha geflüchteten Gelehrten, vielleicht auch, um den p zu ehren, naefj dessen Gebrauch, handeln zu müssen dachte. Und tatsächlich bemerkte das erste Mal vnsn: So hat man in Jawne nicht verfahren, und das andere Mal: So war der Gebrauch in Jawne. (Rafchi: z. Zt. meines Vaters, als das Sanhedrin sich dort befand.) Als man nun durch die Praxis erfuhr, daß die Einschaltung der Malchujaus in Galiläa anders als in Judäa gehandhabt wurde, — so glaube ich Haleoy auffassen zu sollen, — wurde dieser Gegenstand in dem zu dieser Zeit sich in Uscha befindenden Lehrhause besprochen und die bedeutendsten Gelehrten aus den beiden Provinzen verfochten den Gebrauch, >der in ihrer Provinz a>avde Köhl Die MMllll. W Don Uuxgungspunrr unTcrer CtorlkiunWN BilDote. Noch Hlllevy roar NIBN der Meinung, daß die galilärsche Gebrauch, die Malchujaus in die dritte Brochoh einzufchließen und bei Malchujaus nicht zu blasen, die ursprüngliche Halochoh darstellte (siehe Tiferes Jisroel: in' pioir-vn N3va in« yygn nmw nipbm nwnpi nwn) und deshalb solle man es in Galiläa bei dem dort eingeführten Brauche belassen. Der judäische Gebrauch, so meinte RJBN, rühre wohl daher, daß man dort noch ein übriges tun wollte, um die Malchujaus in der Brochoh zu sagen, bei der geblasen wird. RA vertrat aber den Standpunkt, daß der Gebrauch von Judäa der ursprünglichen Halochoh entspreche. Bei uns ist der judäische Gebrauch zur Halochoh erhoben worden: (•(ivan» s?"iD :w"tn) Alles dies nach Halevy, Band Ic, S. 446 ff. «Interessante Rafchisteüe". In Nr. 50 des „Israelit" glaubt Herr Rabb. Dr. Winkler eine neue Antwort für die von Herrn Rabb. Dr. Kanter in der vorhergehenden Nummer aufgeworfenen Frage geben zu können, indem er bemerkt, die Antwort des Herrn Kanter fei uninteressant. Es wäre angebracht, ausreichenden Grund anzugeben, wenn man etwas abl-ehnt. Die Antwort des Herrn Winkler widerspricht zwei Tossaphot-Stellen, die beide ziemlich bekannt sind. Diese befinden sich in w n"i vz iwvrp und sb’Vaa n"i n"3 An beiden Stellen schreibt rnaoiiv daß wir Stellen finden, in denen das Nomen sowohl masc., als auch fem. gebraucht wird und bringt zum Beweis dafür die in . p'p» Dlltz flitz Q[fß Bifi? .Mi üon- «uf bcrs m Ü^ZtAhl Gervrß ffal nun msoin hj? Naschf'Stelle in n=E# gekannt, hat sie aber nicht so ausgesaßt wie Herr. Winkler. Alexander Zimmermann. ■ Kleines Feuilleton. Der Thorageist trotzt der roten Inquisition. Briefe aus Rußland bestätigen wieder einmal die tausendjährige Erfahrung, daß sich der jüdische Geist in keine Zwangsjacke bringen läßt, daß das jüdische Licht, auch in der Finsternis immer und immer wieder neu erstrahlt. In einem Briefe ist zu lesen: Man verfolgt uns. man feelegt wi? rM Ttxgsklh man sucht, uns Ns WifOs Gssühl «us den HeiMN zu Mitzen. mnn verlLumdri uns als Feinde.des FvrtschriüLL, als Zeloten, man verschickt uns in die Steppe, weil wir Thora lernen und lehren, aber wir werden die Waffe der Thora nicht'aus der Hand legen. Als Israel die Thora annehmen sollte, mußte man mit dem zusammenstürzenden Berge drohen, will man Israel die Thora n e h m e n, so werden es alle über uns zusammenstürzenden Berge nicht zu Wege bringen. Und die Feinde sehen ein, daß . sie in diesem Kampfe, unterlegenlind. Man wendet sich schon wieder dem Hebräischen zu. Cs regt sich auch schon Opposition gegen den „Emmes" wegen seiner falschenunsiidilchen Schreib- und Denkweise, p Sie mußten.doch einsehen, daß ihre Pfeile an der jüdischen Mauer zurückprallten. Man hatte die Chederschulen j; geschlossen, Melamdim Nach Sibirien verbannt, kleine Kin-!' w, fei« m«TT m£* KgMu Ms M MraK. MM. GeMgnis grsegh maii ylll einer armen Hanölskin den Kramladen geschlossen,-weil sie ihr Söhttchen mit Arba Kanfaus.versah. Aber welches Wunder! .Man .sammelt . sich in Kellern und auf Dachböden und lernt Thora. Man lernt im Freien, in Feld und Wald, in Gärten, die vom