Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 52 (23.12.1926)
- Date
- 1926-12-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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es.omaftit 1008. fltr Oiraim MW attifg Die lilauische-russische Orchodoxie und ihre Stellung zu der Vildungsfrage. Don Rabbiner A. Homer in Aerti«. II. In unserem ersten Artikel über diese Frage *) Waren wir bestrebt, auf Gründ einer historischen Arkunde festzustellen, daß keine Rede davon sein könne,, daß die litauisch-russische Orthodoxie g r ü n d s a tz l i ch gegen die. allgemeine Bildung eingestellt sei. Wir haben es bewiesen an te 5anö ifflir xicuicruna IMA lkNkkiSkll » Witter und GäMitt, dsß nuv bis Furcht vor An^ sieckung, vor freidenkerischen Ideen sie dazu bewogen habe, die thoralernende Jugend nur in aller Vorsicht zur weltlichen Bildung zuzulassen. Zwei Ursachen lagen hier besonders vor: Die "MtWonsfeindliche Haltung der „Maskilim" und der Kampf bedeutendsten hebräischen Dichter und Schriftsteller^^ener Zeit gegen die Religiösen und die ignorierende Haltung der russischen Literatur den religiösen Problemen gegenüber. Mit den Worten eines Haupthelden, Pienkiewicz zu sprechen, hat der westliche Materialis- MM NSH SM Lfttll SLMLE, 5M chsrs Früchte auf dem östlichen Boden hervorgebracht, als im Westen selbst. Von diesen ganz gefährlichen Früchten hat auch die jüdische Jugend genossen, die sich zum Brunnen des weltlichen Wissens gedrängt hat. Das hat eben die Z-urcht der Orthodoxie erweckt, so wie wir es im vorhergehenden Artikel gesehen haben, vor dem „russischen Roman mit seinem verderblichen Einfluß". In diesem Artikel beabsichtige uh, die Leser mit Sm AnMtm Sr? Birvungsprovlsm voriraui zu machen.^ Der Mziio, d. h. Rabbi Naphtali Hirsch Berlin, war der letzte Woloschiner Rösch-Jeschiwo des vorigen Jahrhunderts und die Kampfsäule im Kampfe der Jeschiwo gegen die russische Regierung bei ihrem Streben, in die Woloschiner Jeschiwo den Unterricht in der russischen Sprache und der profanen Bildung einzuführen. Der Kampf hat, wie bekannt, mit der Flucht des Neziw geendet. Es wird also interessant sein, über seine prinzipielle Stellungnahme zu der Bildungsfrage, über die sich die litauisch-russischen -Gaonim und Rabbiner öffentlich sehr selten gelüiigm Men, etwas ZU Mahren. Es m Won deswegen ern besonders glücklicher Zusäll, däß *) Siebe ..Israelit" des voriaen Jahres, Nr. 26. der Neziw dieser Frage einen Artikel in liter a r i s ch e r'F o r m gewidmet hat. Dieser Artikel ist von ihm in sein halachisches Responsenrverk Sm “npo unter Nr. 44 ausgenommen und trägt den Namen , „Rechts und Links". — Der Artikel erfolgte auf Anregung eines orthodoxen Schriftstellers, der die Frage aufgeworfen hatte: Gibt es im Judentum Links und Rechts, besser gesagt, kann es innerhalb des Judentums ein Links und Rechts geben? Die Ansicht des orthodoxen.Schriftstellers ging dahin, daß auf der linken'Seite des Judentums die Freidenker und Glaubenslosen stehen. Der Neziw verwirft diese Ansicht grundsätzlich, weil muDv min ^?ap 'pnav niÄ eine „Richtung" lnimßfltD Mi ouMnmmi vmmkll, fnnDcm außerhalb des Judentums stehett, däs Judentums" würde aber bedeuten,, daß sie doch noch immer i m Judentum blieben. Gibt es also jetzt ein Links, ein Rechts, und eine Mitte i m Judentum? Seine Worte darüber sind so wichtig für die Grundanschauungen der modernen Orthodoxie in Ost und West, daß es lohnt, sie buchstäblich anzuführen: nvrnpp mnrnvn ra arm ,bN-njra. mro ntsfatf.... nsDnn D^ninon na nma nona .., napima;.. m ... nranaVnntynDp v'panna jnon (Drei Parteien gibt es irn Judentum, nämlich Vte -in dem HsMzZn zLWHtLs MbZtt Msätt, das find die Rechten, die aber weit von höheren Ideen entfernt sind und naturwissenschaftlichen Prinzipien leben, sind die Linken). *) Dieser Aeußerung geht eine längere Abhandlung des Neziws voran über das Wesen dieser Parteien, und seine Meinung geht dahin, als die Linken anzusehen, welche zwar Thora und Mizwuus ganz erfüllen, aber in ihrer Ideologie in einer außerhalb des Heiligtums befindlichen naturphilosophifch-mathematischM Wharg sich öswsllM, weil slö auf diese Werse nicht des nennpn nn teilhaftig sind. — Damit ist viel für die großen Züge des Bildungsprogramms und die Formen der Weltanschauung eines, warmen Juden gegeben: Man soll, nach dem bekannten Rezept des Rambam, die Weltwissenschaften als Hilfswissenschaften der Thora lernen, man soll sie p r a k tischmechanisch zum Zweck des praktischen Lebens aufnehmen, man kann sie auch ausnützen, um unferm Denken weitere Ausblicke zu geben — keinesfalls sollen sie aber Kern unseres geistigen Wesens bilden.' Unser geistiges Innerliche Zeiten haben für Thora und Mizivons, in dem praktischen Leben aber von keinem höheren Geiste beseelt sind. soll bei der gediegensten Weltbildung vom heiligen Geiste der Thora erfüllt bleiben. — In den weiteren Teilen berührt der Neziw die aktuellsten Gegenwartsfragen der Orthodoxie, und wir wollen uns Vorbehalten, bei einer zweiten Gelegenheit das ganze Gutachten zu übersetzen und genau zu behandeln. Augenblicklich möchten wir nur die weiteren Stellen zitieren, die in direktem Zusammenhänge mit der Bildungsfrage stehen: p)oyb ptnnrf? utyw mn 'p'tnn wab aino1? rsp □nnta amw n*?npn mn nn. apvpnn mann nivb naoW nnbvn '"%y ambsn dk dji ,mm Nn^ '•»m’i rnnv nnjafro am' p m bin ,i'nb jNn 'm1 on n"n nn m”' mann Nin D*y;mn p'tnDa pan man nnt« nam*? nn pfca ElIfB I3HBT fflH HIl;31B flfl TlffiB 133 m fTHB }\n ^5 wi» bnpn tmoi msn Vjt-Vdid imn n,ni on Vun hm ,bm nwbv onoa nw D>nnaD rrt’ **h in-iO nio' nnn1 -iwn nmon y nm^nn nn minn pvpb o'ntnb nw d^öd nn1 oai mann □moto nnpb pNty ^Nn ,mn mpw nn pN».min hw nam nt n»Na ,nrninb nbtn ntytyn bi njDDty 'na rnpnv nn^Dm nbop n"ni ,na niDt^ ib nbnp n2 bny tyDat ,rn toi ,Dpn» onan pDirftr nyna mtrn bna nnnb al’K ,bin 'D’DDn dj non» mm 'bna as' mina ipp^L' map ban navbI )poyn:& rrrrr? snirr isi?ä; mini ihan«- nnrr i^dn d«d jjya^ niM nnr>n mann poy ind ny np' N^n nmann - /n nm' n'b r^nva Die letzten Zeilen des Gutachtens nötigen zum Nachdenken über die traurigen Verhältnisse im Westen, wo man schon ganz daran vergessen hat, daß derjenige, der sich dem Rabbinerberuf zu widmen entschied, sich Unbedingt eine Reihe von Jahren speziell dem Limud Hatauro auf einer Jeschiwo hingeben muß, was früher überall als conbtito fine <jita non gegolten l>ot. Für nn^ere Frage haben wir dabei viel gelernte Wir rvmmcn auf den zweiten wichtigen Grund, weswegen sich die litauische Orthodoxie, der allgemeinen Bildung gegenüber so reserviert verhalten hat. Seit dem Wilnaer Gaon und dem Stifter der Wolosiner Jeschiwa Rabbi Chaim b"Lt erglüht das litauische Judentum von Liebe zum „Lernen", und das litauische Judentum zeichnet sich seit dieser Zeit durch die außergewöhnliche mnnn und Fähigkeit sich zu opfern rnnnn rntv by aus: was auch zu ihrer besonderen Anerkennung seitens des igeführt hat. Als literarische Denkmäler für diese feurige nmN /•Tnrin yis m?snlMkssWMü WkM vom Bruder des Wilnaer Gaon, Rabdi Abrshom b"Lt ,rnann nab^O nDO und mnn von Rabbi Chaim Wolosiner dienen, zuletzt unser raus ersteht man erst, datz er ein wahrer ist und daß feine beiden Taten es verdienen, für ewige Zeiten in der Thora verzeichnet zu bleiben. Eine Studie nach Mchok tzalevys «Dautaus Horifchannim"?' Von Jonas ^Wolf in Köln. Ich möchte mit meinen Ausführungen dartun, wie sogar Mischnoth, die uns seit unserer Jugend geläufig sind, durch die Forschungen Halevysuns erst recht verstllMW wcmil) uno öerufcnt dösu ünfporntn; klMly einmal daran zu gehen, die Resultate von Halenys Sludien in gemsinwerständücher Weise zu veröffentlichen, damit sie nicht nur den Gelehrten zugänglich sind, sondern Gemeingut aller werden. Die Mischna 5 im 4. Pevek von Rausch Haschono lautet: Die Reihenfolge der Brochaus (der Schemone Esre ,am Rausch Haschono) ist: Man sagt Owaus, Gewuraus, Keduschas Haschem und flicht Maschujaus hierbe i e i n, a b e r b l ä st n i ch t, dann Keduschas Hajaum und bläst, Sichraunaus und bläst, Schauforaus und bläst, dann sagt man Awaudoh, Haudooh und Birkäs Kauhanim. Dies find die Worte des Rabbi Jauchonon ben Nuri (RJBN). Da sagte Rabbi Akiwoh (RA) zu ihm: Wenn man zu Malchujaus nicht bläst, ^«>crr7u»n man fie h-enn? 91-etn, mrm Önwus, cntta . ixrrl> ß 1> it-| c^ as <c | tS^ ixt i a n n *) Folgende min seien dem Gedenken meines Sohnes Emanuel^-"»» t-rrs-, v"n bw» gewidmet, der am 28. Tewes .5686 sein Leben im jugendlichen Alter von 17 Jahwen beschloß. flicht man Malchujaus in Keduschas Haj a u m e i n u n d b l ä st, Sichraunaus und bläst, Schauforaus und bläst, dann sagt man Awaudoh, Haudooh und Birkas Kauhanim.. Zunächst ist an dieser Mischnoh auffallend: Wie kann zu Zeiten von RA und RJBN, die ungefähr zum 3. Geschlecht der Tannaim gehörten, noch eine Meinungsverschiedenheit darüber bestanden haben, wie die Anordnung der Brochaus am Rausch Haschono in der.Schemone Esre ist, ob Malchujaus in die dritte oder in die vierte Brochoh einzuschalten sind, ob somit bei Malchujaus Schaufor zu blasen ist oder nicht. Handelt es sich doch um einen Vorgang, der sich alljährlich wiederholte, und nicht an einem MMWW-N Lllgki fomtrai am MM WMM einem Xap, tm Mm fi© M MschöhniW Mhi noch lös an mm anderen, sogar dem Gedächtnisse des Kindes, einprägen! Und die Brochaus und Tefillaus waren doch schon in ein festes Gepräge gefügt seit den Tagen der Männer der großen Synode! Ausdrücklich heißt es Brochaus 33a: Raw Schemen Bar Abbo sagte zu Rabbi Jauchonon: Die Männer der großen Synode haben doch für Israel die Brochaus, Tefillaus, Kedufchaus und Hawdolaus festgesetzt! Und RA und RJBN lebten doch einige Jahrhunderte später als . die Männer der großen Synode! Wie ist es da denkbar, daß diese beiden Gelehrten noch darüber verschiedener Meinung sein konnten, ob Malchujaus in die dritte oder vierte Brochoh einzufügen find, ob somit'bei Malchujaus geblasen wird oder nicht! Diese Tatsache wird aber verständlich, wenn wir uns klar rrrachen, rosl-H.es der Wohrrsitz dieser beiden. Tannarrn tbor uni ie! zxyelJ^err1frs l^rsn IBielnungsaus. tausch führten. NA wohnte im Süden Palästinas, in der Provinz Judäa, RJBN hingegen im Norden in der Provinz Galiläa (in Veth Schearim). Nun sagt der Talmud Jeruschalmi zu unserer Mischna folgendes: In Judäa hatte man den Gebrauch nach RA (d. h. man blies zu Malchujaus und schaltete diese darum in die 4. Brochoh ein), während man in Galiläa nach RJBN verfuhr (d. h. man blies nicht zu Malchujaus und deshalb fügte man sie in die 3. Brochoh ein). Hat man aber in Judäa nach dem galiläischen Gebrauch, oder in Galiläa nach dem judäischen Gebrauch gehandelt, so hat man seiner Pflicht genügt. Hieraus geht hervor, daß bereits vor der Diskussion, die RA und RJBN im Lehrhause hatten, der Gebrauch bezüglich des Blafens sich in Judäa von dem in Galiläa unterschied, was auch ein in Talmud Babli Rausch Haschono 32a beleuchteter, denci^iv» entnommener Vorfall beweist. Dort steht: Als llllZ Des Din vnZ LM m UM (MMn) ykir Iigte, ging MM Iüurhonon Bm SrmifD Bei w zum Borbeterpult und verfuhr nach der Lehre des RJBN, da sagtejraizn zu ihm: So verfuhr man aber nicht in Jawne (Judäa, im Lehrhause seines Vaters). Im nächsten Jahre betrat 'ov bv 112 Kran n das Vorbeterpult und verfuhr nach der Lehre des RA. Da sagte So verfuhr man in Jawne. Wir sehen also, daß, wenn auch die Männer der großen Synode im allgemeinen die Brochaus und Tefillaus festgesetzt hatten, sich im Laufe der Zeiten doch - an den verschiedenen Orten, und besonders in verschiedenen Provinzen, wie Judäa und Galiläa, die zu manchen Zeiten während des zweiten Tempels wenig Verkehr miteinander hatten, verschiedene Nuancierungen Hsrousbilbstsn, z, W. roi& tm vorliegenden Falls, daß Tnart ln gu!>sn TT! Aj i ln düa dagegen wohl. Liefe BerMedenheit bestand wohl schon lange. Als nun die großen Gelehrten zum zweiten Male gezwungen waren, den Sitz des Lehrhauses von Jawne (Judäa) nach Uscha (Galiläa) zu verlegen, wurde am Rausch Haschono der Gottesdienst in Uscha