Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 51 (16.12.1926)
- Date
- 1926-12-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4 Nr. 81 L « t -ft* n I ti weil sie den Ehrgeiz hat, das Gottesgesetz in seiner Vollendung durch die Tat zu repräsentieren, weit höhere moralische Leistungen verlange als von jedem anderen Zeitgenossen, dann sehen wir keine Veranlassung mehr zur Polemik. Gegen Selbstverständlichkeiten braucht man nicht zu polemisieren, aber es ist dann in keiner Weise einzusehen, warum gerade die „kapitalistische Gesinnung" herausgegriffen wird, und nicht irgend welches andere Teilgebiet der ethischen Lebensvollendung. mm von Don MMoron MH nicht zur Unterlage der Angriffe gemacht wird. Gegenüber dem Ideale des Gottesgesetzes sind eben alle Menschen Sünder, und wenn orthodoxe Juden in dieser oder jener sittlichen. Hinsicht diesem Lebensideal nicht ganz entsprechen, so haben sie das ausschließlich mit ihrem Gott abzumachen und sind den Anderen, die nicht besser sind als sie, keinerlei Rechenschaft schuldig. Mit Recht weist Herr M. A. Loeb darauf hin, daß die kapitalistische Gesinnung, wie man sie zu nennen pflegt, bis zu einem gewissen Grade mit der nicht von der Orthodoxie geschaffenen faptialtj’itjtfjen Wrrt^ck^a^ts- °rknwng unlöslich verknüpft tfti Das zeigt z. 23. jetzt auch die Entwicklung der orthodoxen Arbeiterbewegung in Polen, der Poale Agudas I i s r o e l. Ein Blick in das Organ dieser Bewegung „Die Jüdische Arbeiterstimme" belehrt über die erfreulichen Fortschritte der von kraftvollem Selbstbewußtsein getragenen Bewegung, aber auch über die Klassenkonflikte, die natürlich auch ihr nicht, erspart bleiben. Man findet in dem Organ Angriffe auf agudistische Arbeitgeber, die in dem inneren Kamps Zwischen ihren wirtschaftlichen Interessen und ihrer Solidarität mit den religiösen Gesinnungsgenossen nicht immer die Kraft haben, so zu entscheiden, wie es das Interesse des sozial Schwächeren, des Arbeiters, verlangt. Da ist es denn gerviß außerordentlich ttü^- Itcfyr r»enn das fog'afc G?p?jsftn vslhvdvxer 0ÖCr agudiflischer Arbeitgeber durch eine kraftvolle, auf demgl eichen religiösen Boden stehende Arbeiterorganisation geschärft wird. Aber es wäre der Gipfel parteimäßigen Fanatismus, wenn nun nach dem Beispiel gewisser Gesellschaftskritiker derartige Zusammenstöße wirtschaftlicher Interessen dazu ausgenützt würden, um die Orthodoxie oder das Ideal derselbständigenOrgarrisation der Orthodoxie in den Augen der orthodoxen Arbeitermassen zu diskreditieren. Uns scheint, daß Gerechtigkeit gegen Andersdenkende ein ebenso wertvolles sittliches Gut ist, wie der beliebte Kampf gegen kapitalistische Seelenverschüttung. Buches: „Der Weltkrieg und das Schicksal des jüdischen Volkes". Ich habe gleich viel darin gelesen und empfinde aufs Lebhafteste mit, was die Juden in Galizien erlitten haben und was sie immerfort in Rußland erleiden müssen. Es gehört das zu den schrecklichsten Tragödien der Weltgeschichte, und es ist eine Schande für die Kulturmenschheit, daß sich dagegen nicht ein Widerstand aller Völker erhebt. So hat Ihr Buch gewiß eine große Aufgabe, man kann nur wünschen, daß es in recht weite Kreise dringt. Was mich selber anbetrifft, so werde ich die Sache im Auge behalten und für sie nach Kräften zu wirken suchen. Ueber die Geschichte in Lemberg *) habe ich mich herzlich gefreut, sie ist auch ein Zeugnis für das lebhafte wissenschaftliche Interesse, das sich so oft in jüdischen Kreisen findet. Mein ältester Sohn war und ist in Wahrheit dort im Osten als Artillerie-Offizier der Landwehr (er. ist . sonst Professor der Physikalischen Chemie in Breslau) tätig, bis jetzt zum Glihk unverwundet. In aufrichtiger Sympathie für alle Ihre so schwer leidenden Glaubensgenossen, verbleibe ich hochachtungs- DOH sihr ergebener? 3t. ©utfen. (Zeitungen und Zeitschriften in Palästina.) In dein soeben erschienenen neuesten Vierteljahreshefte von „ K i r j a t h S e f e r ", dem Organe der jüdischen Nätionalbibliothek in Jerusalem, finden wir ein Verzeichnis der periodischen Presse Palästinas. Darnach erscheinen in Erez Jisroel 97 Zeitungen und Zeitschriften. Davon *) In dieser Geschichte spielte das Werk von Eucken »Die LMNMNlSliuungM großer Denker" tm B. W. S. Der Schemen Rokeach und der Tempelbau in Hamburg. ' Nach einer Darstellung von Rabbiner Dr. Lazar Münz Mitgeteilt anläßlich seiner Jahrzeit am 24. Tebeth. Der erste größere Tempel, in dem der Geist der Reform, zur Herrschaft gelangte, wurde im Dgksss iFzg m iymiourll mimt Das VN gramm, welHes Die RöformpMei.bei der Umgestaltung des Gottesdienstes aufstellte, bestand seinem wesentlichen Inhalte nach in drei Punkten. Es sollten erstens die feit altersher üblichen Gebete abgeändert und aus denselben alles entfernt werden, was auf die meffianifche Hoffnung und Erlösung Bezug hat; es sollten zweitens viele deutsche Gebete, teils Ueberfetzungen der alten hebräischen Gebete, teils ganz neu verfaßt, in den Gottesdienst ausgenommen werden, und es sollte drittens nach dem Muster der nichtjüdischen Gebethäuser auch in den jüdischen TWlstKlN ^te Orgel srngesrN^rj: Tendenzen der Reformpartei bekannt wurden, entstand unter dem weitaus größeren Teil der alten ehrwürdigen Hamburger Gemeinde eine gewaltige Erregung, und das Rabbinatskollegium erklärte die geplanten Neuerungen für ein Vorhaben, das mit den Religionsgesetzen des Judentums in Widerspruch steht und dessen Geist verleugnet. Da die Entscheidung der religiösen Behörde von den Neuerungssüchtigen nicht beachtet wurde, wandte sich das Rabbinatskollegium in Hamburg an die berühmtesten Rabbiner der damaligen Zeit, um von ihnen Gutachten über die betreffende Frage zu erlangen. Zu den drei großen talmudischen Autoritäten in Oesterreich-Ungarn, von denen das Hamburger Rabbrnat Gutlllsilon OlNßllttA. Aiict) Nabln GUea|ar In Trleisch, Schemen Nokeach genannt. In der Sammlung der Gutachten, die das Hamburger Rabbinat in der bezeichneten Angelegenheit im Jahre 1819 erscheinen ließ, finden sich zwei Gutachten, die vom Schemen Rokeach abgegeben wurden. In dem ersten Schreiben erklärt er unter Hinweis auf die religionsgesetzlichen Bestimmungen des Judentums mit kurzen und entschiedenen Worten, daß die beabsichtigten Neuerungen im Gottesdienste verwerflich und unzulässig seien. In dem zweiten längeren Schreiben sucht er durch Vernunftsgründe zu überzeugen, daß keine Sprache für das jüdische Gebet so geeignet sei wie die hebräische, und daß Abänderungen der überlieferten sM MMNtW DU Auslassung Der aus Die MsssiSLhösfuuugen befind 52 hebräisch, 25 arabisch, 8 englisch, 3 deutsch, 3 französisch, 3 jiddisch, 1 griechisch, 1 italienisch, 1 spanisch und 1 italienisch. (Menorah.) Die jüngsterschienene Nummer der „Menorah" (jüdisches Familienblatt für Wissenschaft, Kunst und Literatur, Wien I, Zelinkagasse 13. Preis des Jahresabonnements: Mk. 12.—) für Dezember bringt u. a. folgende Arbeiten: Dr. Samuel Rappaport: Chanukahspiele der Jugend. Rabb. Dr. M. Beermann: Jüdisches Vereinsleben in alter und neuer Zeit. Rabb. Dr. A. Willmann: Die „Altneuschul" von Nikolsburg. Dr. Ignaz Schwarz: Zur Geschichte der Juden in Eisenstadt. Dr. Jakob Bronner: Vier ostjüdische Chanukah-Menoroth. Heinrich Pork-Steiner: Ein Freitagabend mit Joses Schwarz. Außerdem eine Fülle interessanter Abbildungen, darunter die Bundeslade der Synagoge in Aleppo, Radierungen von Elias M. Großmann und ein Porträt des kürzlich verstorbenen Prof. S. Ehrmann. (jt^räsoerjammfung bet A und s, fnud in lL^rlin die üieMhrigr SahresveNMlllllung der Sonoino-Gesellschast der Freunde des Jüdischen Büches statt. Die Versammlung war sehr stark auch von auswärtigen Gästen besucht. So hatten verschiedene auswärtige Logen, ferner eine Anzahl bibliophiler Gesellschaften, u. a. die Weimarer bibliophile Gesellschaft, Vertreter entsandt. Am 4. Dezember abends fand im Kaiserhof eine gesellige Zusammenkunft statt, deren Höhepunkt eine feinsinnige Rede Arnold Zweigs bildete. In der geschäftlichen Versammlung am Sonntag Vormittag. erstattete der Vorstand Bericht. Die Diskussion, an der sich u. a. Rabbiner Dr. Hildesheirnsr. SfctB&tne'r Dr. QSttten. ütM, Sir. SAfoeps u. o. nt. leiezftglen, crgaf>f haß allgemeine Befriedigung über dt« Tätigkeit und die 16. Dezemoer. 1326; züglichen Stellen ganz unzulässig seien. Die Meinung, daß wir durch die Ausschaltung der Messiashoffnung aus den Gebeten die Gunst der anderen Völker erlangen würden, weist er ferner' als irrig und falsch nach. . . Sodann bietet Rabbi Eleasar die ganze Krafb seiner rhetorischen Begabung auf, um mit ergreifenden, eindringlichen Worten die Reformsüchtigen zu ü b e r r e d e n und auf ihr Gemüt einzummm «M8 MN) mm UM Ml nrnmx IM M — so red'öt sr bU Anhänge der neuen Richtung an — saget an und rechtfertigt Euch! Warunr sondert Ihr Euch ab von der Gesamtheit? warum zerstört Ihr die Grundsäulen der Religion? warum leget Ihr die Hand an den Gesalbten des- Ewigen? Warum soll die Tochter der Magd, eine der profanen Sprachen, ihre Fürstin, unsere köstliche, heilige Sprache, beerben, die vorzüglichstealler Sprachen? Warum findet Ihr Gefallen an den fremden Bräuchen, die Orgel beim Gebete zu. spielen, da doch der Herr, gelobt sei sein Name„ durch seinen Diener, den Vertrauten seines HaufLL. Zäbätsü: „Nach l()V wandeln!" . . . Wenn Ihr Macht besitzet, so macht von dieser, teure Brüder, keinen üblen Gebrauch; denn Ihr werdet auf dem Wege, den Ihr betreten, nicht zu Ruhm gelangen. So erweiset Ehre dem Ewigen, Eurem Gotte; gebet Euren Willem auf, dem Willen Eures himmlischen Vaters gegenüber. Erbarmet Euch über Eure teuren Seelen und über die Seelen Eurer Frauen, Eurer Söhne- und Eurer Töchter und entweiht nicht seinen heiligen Namen, wendet Euch von Gott nicht ab^ sondern dienet dem Ewigen mit ganzem Herzerr und ganzer Seele, wie in den früheren Zeiten." Am Schlüsse seines hochinteressanten Sendschreibens wendet sich Rabbi Eleasar an die Maßgebenden ^er|öt^l^dj>^etiert bev ^rl>mmeTT1 treuen Well und erteilt ihnen NatMlM über die Anordnungen, die unter den obwaltendem Verhältnissen zu treffen seien. Er empfiehlt ihnen streng darüber zu wachen, daß im Gotteshausekeine leeren, profanen Gespräche geführt werdem und daß jede Störung, jede Unruhe ferngehaltem werde. Er legt ihnen ferner ans Herz, allsabbatlich von gelehrten, frommen Männern gottesdienstliche Vorträge halten zu lassen, um mit eindringlichen Worten die Herzen für die Religion zu gewinnen und zu einem frommen Lebenswandel anzuleiten. In diesen Vorträgen sollem neben den religiösen Pflichten mit besonderem: Nachdruck die Morallehren des Judentums hervorgehoben und das Volk ermahnt werden, inr Verkehr miteinander der Tugend und Gerechtiglett sich ui böfloißigW imä uva löebäie der allgemeinen Menschenliebe sich letten zu lassen. Publikationen der..Gesellschaft herrscht. Ein ausgezeichnetes Referat des Dr. Horodisz über Bibliophilie wurde> mit höchstem Interesse angehört. Nachmittags fanden: Führungen der auswärtigen Gäste durch verschiedene Privatsammlungen statt. Ein großes Festmahl bildeteden Beschluß der Tagung. Die Redner, u. a. Dr. Aron Barth und Hofrat von Rosenberg, beleuchteten die Eigenart des Verbandes. Eine große Anzahl von Freundem des Vereins, erste Verlagsanstalten und Druckereien^ hatten für die Festteilnehmer Spenden gestiftet, so daß: jeder der Teilnehmer ein Paket festlicher bibliophiler Gaben nach Haufe tragen konnte. Es war der Eindruck, daß sich die Soncino-Gesellschaft zusehends zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt für die intellektuelle jüdisch interessierte Welt entwickelt. (Aus den literarischen Unterhaltungen hakentreuzleri' scher Studenten.) A: Du, stammt der hannoveranische- Lessing von dem alten Juden Lessing ab, der den „Nathan der Weise" geschmiert hat? V: Natürlich! 8l? QÜH fSfAH&All IDött 0^>l!omm^zttg eines |o?c^ert- Menschen gum Professor an einer deutschen Universität zu ernennen, das konnte auch nur in einer Judenrepubllk' möglich sein! Und so was geschieht im Zeitalter dem „Weisen von Zion"!! Briefkasten. 321 et af er. 32ta*t i>ar| o.^tte 93ebenften ÄNaasergelber für flVs in h?r JHN«N 8«' schilderten Welse verwenden. *