Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 50 (9.12.1926)
- Date
- 1926-12-09
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 3 Slr. 4 9.®cäeml>ei: 1936 Abhilfe; ber Kopf muß feine Reserven behalten, inan lerne, lerne, lerne. Krieg führt der König, der Priester weihe seine Zeit der Jugend. Keine Moral, keine Predigt, praktische Gesetzeskunde, auf daß nicht die Lehre vergessen werde in Israel. Andere Zeiten ziehen heran. Ein König ruht aus auf den Lorbeeren seines Vorgängers, außenpolitisch ist nichts mehr zu leisten, die Welt Huldigt dem großen Sohn des großen Vaters. Der Tempel ersteht, Arbeit im Inneren wartet der Erfüllung. Das Herz verlangt sein Recht. Man hat'gelernt, nun möchte man verstehen, wessen der Kopf voll ist. Man fängt an, auf dem großen Mem, Majim, dem großen Wasser, dem Meer der Lehre zu schwimmen, um ans Ende zu gelangen. Der Midrasch mutet uns an, als wäre er für die letzten 100 Jahre geschrieben. Nicht ganz stimmt alles, in großen Zügen nur. Es . jait lau Kampf, Vavlrvanas MUß zuvüSerobert werden. Der Jndifferentismus erhob sein Haupt. Aus kleinen Anfängen wuchs durch übermenschliche Kraft großes. Idealismus unter Anspannung der ganzen Persönlichkeit tat Wunder. Man lernte wieder, der Kopf arbeitete, die Kriegsführung blieb den auserlesenen Berufen, die Masse lernte, lernte. Andere Zeiten kamen, Zeiten der Ruhe, d. h. des Aufbauens, Schulen, Jeschiwaus, Vereine. Alle mit Begeisterung, getragen vom Feuer der Alten. Hier verläßt uns unser Midrasch, wenn wir von Deutschland sprechen.. Es ist wohl wahr, wir lernen hier im Westen. Mag man die Methode kritisieren, man mag die wägbaren Erfolge belächeln, mag der Deutsche der Am hoorez bleiben, der Unwissende von vor 100 Jahren ist er nicht. Er kennt seine Dinim, soweit sie seine Lebensführung betreffen, er müht sich, da alle Lücken auszumerzen. Daß er die Stufe jüdischen Wissens MW ßmöjl Diß man im LsW mm jai WW besonderen Grund in der anders gearteten Mentalität des deutschen Juden. Im Osten ist es selbstverständliche Forderung des Tages, seine kostbarste Zeit dem Lernen zu widmen. Auch als Gymnasium und Universität ihren Einzug hielten und, das muß gesagt werden, in oft erschreckendem Maße ihre Opfer forderten, blieb das Gros den alten Grundsätzen treu, man lernte. Denn das Lernen ist so unentbehrlich wie das Brot zum'Esten, wie die Luft zum Atmen. Cm Iehudi. der nicht lernen kann, ist kein Iehudi: IM HW MSiM. Anders in Deutschland. Hier herrscht Zivilisation. Die Erziehung des Kindes hat von vörneherein den Beruf im Auge. Das Kind soll es im Leben zu etwas bringen, der Kampf ist hart, die Konkurrenz groß, wer nicht mit allen Mitteln der Abwehr ausgerüstet ist, läuft Gefahr, zu erliegen. Aber man ist doch auch Jehudi, nicht nur Arbeiter. Also gut: jüdischer Religionsunterricht, Privatstunden, wenn es hoch kommt: Besuch von Schiurim, die ganz Edlen: ein Jahr Jeschiwoh nach Untersekunda oder Oberprima. Mehr nicht. Daß das modern wurde, ist schon ein Segen geworden und sichert dem Gründer den Dank aller Zeiten. Aber mehr nicht! mi sculslU 0iiDc m moDtrn, WMMrt, Wz flexionen geneigt. Ueberangebote an Ware bedeutet niederen Kurs. Es ergibt sich das Paradoxon: Man lernt in Deutschlandzu wenig,manachtetdieThora zu wenig, weil zu viel Möglichkeit geboten ist, mühelos zu lernen, wenigstens in den großen Zentren. Das Land bleibt ohnehin aus dem Kreise der Betrachtung ausgeschlossen^ Es kennt mit verschwindenden Ausnahmen, die um so höher zu bewerten sind, nur eine Einstellung von dem Gesichtspunkt heraus: Was kostet das? Ein Vergleich mit Zuständen der Reform be- «kM Die mmmmi AMMung. Mm trägs finden dort ein dankbares Publikum, gelbliche Anforderungen mehr Berücksichtigung. Es darf entschuldigend gesagt werden, daß eine gewisse Ueberlastung vorhanden ist, die sich in der Momentanen Wirtschaftskrise besonders schltMM auswirkt, ausreichend ist der Grund nicht. Die Chanukkah-Sidroh berichtet, die Hungersnotjahre seien durch die Ankunft Jacobs nach Aegypten bis zu seinem Tode unterbrochen worden, auf daß dieser Zaddik nicht Not leide. Unserer Zeit scheint der Zaddik zu fehlen. Die Entbehrungen der Kriegs- und Inflationszeit haben gewisse Reaktionen hervorgerufen. Die Ansprüche ans Leben sind, eben weil schwerer erreichbar, größer geworden. Von Einschränkungen im Privatleben zu sprechen ist vielfach Lüge. Im Gegenteil. Darum berührt es doppelt schmerzlich, Verfall des Heiligsten zu sehen. Der Kopf arbeitet nicht genug, weil das Herz fehlt. Zwischen dem Kas der Psalmen und dem Mem der Sprüche liegt der größte Buchstabe, das Lamed. Der Lehrer ist da, bereit, seine ganze Kraft in den Dienst der Sache zu stellen, fehlt mi? Dß® S|ülߥ. so miß mir ihn rnünsTßn. Dßi Schüler mit dem ganzen Herzen. Nicht ein Fach unter andern Fächern sei der Schiur, nicht auch eine Stunde: er sei das Salz unseres Lebensbrotes. Nicht der Obolus wird gewünscht, selbst, wenn er reichlich fließt, die jüdische Persönlichkeit, die sich einsetzt für die heilige Sache, das Gewissen der Eltern, das nicht in enger Kleingläubigkeit, in kleinlicher Engherzigkeit zerstörend wirkt, ihren Kindern das Teuerste raubt, das suchen wir. Deutscher Jude, suche Dein Herz, dein jüdisches Herz, und die Thora hat eine Stätte in deiner Mitte. Denn das Licht, das du am Chanukkah entzündest, ist ein Symbol für das wieder entzündete Tempellicht. Und dieses will Zeuge dafür sein, daß die Schechinah weilt in Israel. Dichtungen nach Talmud und Mdrasch. W 9 t Ml m * O« I Hl t Sc. ^«mbucgcc A. in Aus dem Februarheft 1856, Jeschurun von Samson Raphael Hirsch, s. A. Die Rose zwischen Dornen. Die Rose zwischen Dornen steht — Von welcher Seit' der Wind auch weht, Sie regt und neigt und beuget sich, Und schmerzlich trifft sie mancher Stich —; Doch nur das äuß're Blatt allein Kann für die Wund' empfänglich fein: NIM Mi Den tnntrn NW cs nn. Der blicket heiter himmelan? — Also auch Israel zumal Umgeben von der Feinde Qual — Wie man es imemr drückt und plagt, Bedroht, bestürmt, die Kraft zernagt — Dem Leibe nur, dem äußern Tand Fügt Schaden zu die Feindeshand —: Doch schlägt das Herz in heil'ger Ruh' Dem Vater in den Höhen zu! — Ein Bild der Dankbarkeit. Die erste Plag, die Gott gesandt In das verstockte Aegypterland, War, daß des Nils uralte Flut Mltz soll UMlllllNMN ill slWMV Mlll! Doch wars nicht Moses, der Gottesmann, Der an dem Nil das Wunder getan, Nein! Aron strecket den Stab dahin, Und muß das traurige Werk vollzieh'n — Ob Ihr wohl wisset der weisen Grund, Daß Moses trat in den Hintergrund? Uebt' er doch immer das Strafgericht, Warum das erste das blutige nicht? — Der Herr, der sieht in das Herz hinein, Der sprach: „Nicht darfst der Bote du sein! Dich warf man einst in den tiefen Nil, Du warst den. Wogen ein leichtes Spiel, Verlassen, hilflos, ganz unbewacht. Motz. BMiiasaaBßR liy Wallau Macht: Da nahm das Wasser so sanft dich auf, Dich freundlich wiegend im stillen Laus, Und war so liebreich und treu gesinnt Dem frommen, zarten, unglücklichen Kind —: Und nun. o Moses! wie solltest du Dem Nil jetzt fügen das Böse zu? Ja. wärs nicht herzlos und ungerecht, — Der Undank bitter, der Lohn so schlecht? —" So sei Euch Moses des Dankes Bild: Weh' dem, der Gutes mit Bösem vergilt! Der kranke Rabbi. Als Rabbi Elieser schwer erkrankt gewesen, Und große Schmerzen litt — um nimmer zu genesen — Da kamen seine Schüler, ihm die Zeit zu kürzen, Und mit des Glaubens Trost die herbe Qual zu würzen; Der Fromme aber rief: „Ihr Guten laßt mich klagen, „Denn Gottes Zorn ist mächtig — schier ich muß verzagen! —" Und töte das fjange Wort dis treuen Jünger hören. Sie Äugen ÄöerflieAen öach. von ijjeifje« Aa^ren; Der eine nur — Akiba heiter um sich blickt. Vergießet keine Träne, lächelt froh entzücket! „Wie kommt es, daß du lachst?" — erstaunt die Freunde fragen — „Und wie denn, daß ihr weint? —" hört man Akiba sagen — „Wie sollten wir nicht weinen?" rufen schnell die Frommen, .Wie sollten Tränen nicht uns in die Augen kommen, So wir den Weisen tiefgebeugt von Kummer sehen, Den Meister im Gesetz — vor Schmerzen schier vergehen?" — Akiba aber spricht: „Was euch erscheint so leidig. Das eben mich stimmet so heiter, froh und freudig! Als ich den Rabbi sah im Schoß des Glückes leben, Gekrönt vom Segen Gottes all sein irdisch Streben. Nie f«uee feinen Nein, nie werfen seine ^««ten, Nie Oel und Flachs verderbt, den Honig nie mißraten, — Da dacht' ich: Wie? ist denn nicht Jenseits — nur hienieden Dem frommen Gottesmann die — Seligkeit beschieden? Doch, Freunde! jetzt, wo schwere Prüfung ihn getroffen, Jetzt steht der Glaube festjetzt liegt die Zukunft offen: In» .fjtmmel tyaffi dss ®ul})ers - ®oites f4)önfier §egen, Geläutert zieht er heim — dem ew'gen Heil entgegen! —" Die Jünger, die gar tief des Meisters Schmerz empfinden, Begeistert und gerührt darauf sein Lob verkünden. Der Eine H spricht: „O Rabbi! mehr als Tau und Regen Bist du für Israel ein hoher Gottessegen: Der Regen und der Tau die Erde nur erquicken — Wirst du uns nicht, o Rabbi, hier und dort beglücken?" — Der Zweite') spricht: „O Rabbi! mehr als Mit- MWNNk Bist du für Israel ein Quell der süßen Wonne; Die Sonne leuchtet jetzt im finstern Erdentale, Gibst du uns, Rabbi, nicht ein Licht, das ewig strahle? —" Der Dritte3) spricht: „O Rabbi, mehr als Eltern hab^n Bist du für Israel ein Schatz der schönsten Gaben; Die Eltern sorgen bloß für eitle Erdenfreuden, Wirst du uns, Rabbi, nicht auch dauernd Heil bescheiden?" Akiba aber spricht: „Was hilft euch das Vergleichen? Kann denn des Meisters Los ein Gleichnis je ßllßilDßa? (Bs ist, wie ich gesagt, bie schwere Leibensbürbe, *) R. Tarfon. 2) R. Josua. 3) R. Elasar.