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Der Israelit · 1926-12-09 · Heft 50 (9.12.1926) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 50 (9.12.1926)
Date
1926-12-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage Der Israelit nr.so i-rr Alles koscher. . . mm mmm GkWMk, Von Gsries Garsebach, mm Gehört habe ich es, ich war damals das erste Mal verheiratet und noch ein grüner Junge, sozusagen. — Solange die Welt steht ist noch niemals jemand von unserer Familie nach Kozk gefahren. Der Großvater mütterlicherseits wäre nie selbst geschäftshalber, auch nur in die Gegend von Kozk gekommen. Man soll nicht mal sagen können, er habe Kozk je gesehen. Und ich, ein grüner Junge, wie gesagt, falle bei meinem Schwiegervater rein, sonst ein ganz anständiger a&er . . . mmr eÜell, ätll i/UHfi er verspricht mir, der Ehrenmann, daß er, wenn ich nicht mit ihm fahre, mich zerreißen wird wie einen Fisch. Und ein paar Hände hat er wie ein Goi, und ein Wortsmensch ist er auch, und ich bin ein grüner Junge; . . . habe ich Angst und fahre. Und nebenbei, offen gesagt, habe ich auch sehen wollen, was sie dort in Kozk anstellen... Kurz, ich bin vom Weg gewichen . . . Doch, was wollte ich erzählen? — Ja, sitzen wir so auf der Fuhre, wie Heringe übereinandergequetscht, sitzen und fahren. Und wenn Juden fahren, erzählen sie. Wovon erzählt man auf einer Fuhre? — Von Fuhrleuten. Erstens kann man den Fuhrmann sticheln und er wird DieMöjt MMr fahren um zwellenZ isl es Überhaupt interessant, Wer hat nicht vütt Fuhrinanüetn zü leiden gehabt? Wie sagt man? WözU braucht. Man einen Moschiach ben Joseph und einen Moschiach,ben Dowid? “ Einer, der uns vom Goles erlöst und der,, zweite vdn den Baalegoles... Und die Geschichte, die der Schwiegervater tzkzählt,. ist gerade interessant. Gewesen ist es, sagt er, bald nach R. Elimelechs Tod. Damals war sein Name herausgekommen auf die Welt wie Oel auf das Wassere. Erst die Nahen, dann die Weiteren, kurz, bald die ganze Welt weiß von ihm. Und weiß man erst, will man noch mehr Horen; will man noch mehr sehen ... will man fahren. Fährt man... Und wie man anfängt zu strömen, hört man die Nachricht. . . oft man jDicDcr gMiMiu «m m ohne HirtM ... Passiert es, daß zu jener Zeit ein Schauchet nach Lisensk fährt. Er hat vom Rebben ElemÄech vor Jahren „Kabboloh" bekommen, /würdig dazu ist er gewesen, hat er eine Stelle und spart schon Jahre, um zum Rebben zu fahren, bei ihm zu sein. Fährt er so mit einem Führmann aus seinem Städtchen durch Nacht Und Tag. Alt ist er gewesen und krank wie jeder gute Jude, vielleicht auch noch ein bißchen mehr, kalt ist es und zu essen gibts nichts, der Wäßän Mt vsn smsM Maöm in Don anDarn. man verirrt sich, Angst vor Räubern Hut man, kurz, eine jüdische Reise .und. ein jüdischer Reisender, wie stchs gehört Ueberlegt sichs mein Schächter mittendrein und kriegt einen Anfall. Man. bringt ihn kaum in-die nächste Herberge, — legt erstich hin und stirbt. - Und wie . er so dätiegt, die Kleider-sind unordentlich auf einen- Stuhlgeworfen, und Jossel der Fuhrmann geht im Zimmer auf und ab, fällt ausMner Tasche eist -HtWrsi; .?HeU'Iosiel aüf/Und siehtdie Kabboloh. MeWÄ: es im die' Tasche, unb/geht in die WWsstube// Wer/ge-/ starben ist, desikt er,' hat kemert'Hunger mehr, aber ich lebe doch vorläufig noch, — knurrt mir der Magen und ich werde etwas essen. Wie nun Jossel so dasitzt und schmatzt, geht die Tür auf und herein kommt der Satan. Er setzt sich zu Jossel an den Tisch und begrüßt ihn: „Guten Abend, Herr Schächter." — „Was für ein Schächter?" — „Nun, Euch meine ich." — „Ihr habt einen Irrtum, ich bin kein Schächter." —;;ö5as ümn M rötjrr — „Um — „Und wohin fahrt Ihr?" — „Ich weiß nicht." — „Was heißt, ich weiß nicht?" — „Ihr versteht, eigentlich fahre ich nach Lisensk, aber weil ich keine Passagiere habe und ich weit von Hause bin und nicht zurückfahren kann, weiß ich nicht wohin ich fahre." — „Was also werdet Ihr tun?" — „Ich weiß noch nicht." — Sagt der Satan: „Aber ich weiß schon." — „Nun?" — „Ihr werdet ein Schächter sein." Schreit Jossel: „Was heißt? ..." — Gukt er sich um und kein Mensch ist da. Jener ist verschwunden, oder er tji cnjttij gar bagetuejert uttb hör ®eba«£e hat sich nur so hereingesiohlen. Wer weiß?... Bestellt er sich nun noch ein Glas und will die ganze Sache vergessen.; Der Gedanke kommt ihm aber immer wieder und läßt sich nicht hinauswerfen. Die Nachtwache muß Jossel halten. Er stellt sich selbst vor, als Schauchet. Er werde machen, daß das Fleisch immer koscher sei, er würde kein Tier treffe werden lassen. Er würde immer beim Raw fragen und mit den Schlächtern in Frieden leben. Er würde schlachten und alle, die ganze Stadt würde zufrieden sein... Als dann der Morgen graute und die Juden aus dem nahen Dorf kommen sollten, war es lhM fch?N befk^loßen^ e r ben <Scf>a(i)ier und der Tote den. Fuhrmann spielen würden. Und wie man kommt und fragt, wer. der Tote sei, er sei ein sehr gvttesfürchtiger Mann gewesen und habe auch etwas lernen können, und er lobt ihn und bittet für ihn um ein anständiges Begräbnis. Fragt man ihn, wieso er mit ihm gefahren, sei und wohin. Erzählt, er, daß er zu seinem Rebben, dem R. Elimelech von Lisensk habe fahren wollen, von dem er seine Kabboloh bekommen und daß er nun gehört habe ... . Seufzen die Juden ... Die Männer aber in der Stadt sind einfache Menschen, lernen können sie nicht und sie halten auch -mehr vom Rebben als von seinem Ehassidus. Gefällt ihnen der Schauchet Jossel sehr gut. Er redet nicht immerfort von Gemoro und anberen ®mgen, bte man nicht so ganz versteht Cr redet einfach und ist mit aüen und Schlächtern bald gut Freund. Und weil der alte Schauchet eben alt ist, und erstens Abwechselung überhaupt gut ist, besonders aber in einemkleinen Städtchen, zweitens aber man ärgerlich ist auf alles, was gewesen ist und gern bereit, jetzt ein ganz und gar neues Leben anzufangen, . ., . macht man Jossel den Vorschlag, dazubleiben als Schauchet. * Zuerst will der Raw nicht, er sagt, man müsse ihn erst prüfen. — Fangen aber die Bester ChllWim an auf dm TW zu uovm und W springen. Er, der Nütv will döS R EliMölöch Schüler und Zeugnis nachprüfen! Hat man so etwas schon einmal gehört! Umgekehrt wird man es machen, der Schauchet wird den Raw prüfen . . Und man beschließt, dem Raw seine gottesleugnerifche..-.Rede nicht zu vergessen. Man tuschelt sich zu, er sei ein „Misnaged", und andere sagen, er sei ängstlich vor der Gelehrsamkeit deS Schauchet. R. Elimelechs Schüler. . . eine Kleinigkeit ... ■; Jossel aber hat ein bißchen Angst. Lernen kann er nicht Und schlichten schön ganz und gar nicht . Und woher soll in der Tat ein einfacher Fuhrmann-das können? . . . Die Chassidim ruhen aber nicht und die Metzger stellen die Welt auf den Kopf: Den und keinen anderen... * Und Jossel, der Fuhrmann schächtet. Er kneift die Augen zusammen, macht eine Vrocho und streckt das Messer aus. schneidet ... Unb aüe? wirb koscher . . . Man fragt keine Schaales beim Raw, alles koscher ... Schweigt der Raw. Freut sich das Städtchen. Freut sich Jossel, der Schauchet. Chassidim tanzen. * Hat aber der Raw einen Sohn. Und der Sohn hat einen Chawer. Und der Chawer einen Freund. Will man erfahren, was der Schauchet für sin Mansch ist. Tappt man auf Umwegen an ihm herum, Ran roo es ist unö n>ö Aöäll lebt und überhaupt . . . Fängt man an zu horchen, ob er lernen kann, zieht ihn in ein Gespräch, fragt ihn etwas . . . Antwortet er chinesisch. Fragt man ihn eine andere Sache. — Stottert er. Noch eine andere Sache. — Schweigt er ganz. Erzählt man das dem Freund. Und der Freund dem Chawer. Und der Chawer dem .Sohn. Und der Sohn dem Raw. Faltet der Raw die Stirn, zieht an seiner Pfeife und schweigt. Inzwischen wird alles koscher. Alle Rinder, alle Kälber, alle Hühner, alle Hennen. Eivssth W Tchauchest lächelt, schaut üüö sä^ti koscher... * Wer weiß, ob es jemals herausgekommen wäre, wenn nicht der Raw ein kleiner Poet gewesen wäre. Erstens hat er nichts zu tun, und zweitens passiert nichts in seinem Städtchen, eine .Chaussee hat es nicht, Fremde kommen nicht, Freunde hat er auch nicht, . . . und ein Poet, ist er, setzt er sich hin und schreibt einen Briefs „Mit Gottes Hilfe am fünfzehnten Siwan, 5630 Jahre nach Erschaffung der Welt, hier in der heiligen Gemeinde von Pechnislowka in Rußland. - Möge der Himmel ausgießen die Fülle des Segens über dem Haupte meines Herzensfreundes, dem Schranke voller Bücher, dem Sohne der Heiligen, dem Starken der Thora, der seine Nchev MllL Mt Wki WllöN. VM Stolze seines Geschlechts und feine Zierde, der Leuchte der Verbannung, dem großen Raw R. Jechiel, dem Hüter der heiligen Schafe in der heiligen Gemeinde zü Moschitzä,^ Stadt Gottes, möge sie erbaut werden, und über alles, was sein ist, — Friede!!! Die Jahrtausende vergehen, es kommt die Nacht und auch der Tag, und das Volk seiner Auserwählung ist entfernt von seinem Boden, und das Haus in Asche und seine Kinder in der AktstkkllllllZ: Lttnge voätjvt «ns bte 9ia«imb noch ist der Morgen nicht gekommen. Und das heilige Volk hat sich Winkel ausgesucht, Höhlen, in ihnen überzunächtigen, bis der Sturm vorüber. Und in ihnen sitzen sie und trachten in seiner Lehre. Und sind auch die Wasser bis an den Hals gedrungen und keine Rettung, so haben sie doch ein Geschenk bekommen von Ihm, gelobt sei sein Name, es zu halten und mit ibm zu tragen die eisernen Ketten der Verbannung. Und so ist unser ganzes Bestreben gerichtet auf seine Lehre, sie zu verbreiten und zu erklären. Und, Lob dem Schöpfer, führen wir die Gemeinde auf seinen Wegen, und das Volk, das in der Finsternis wandelt, zu uns kommt es

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