Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 50 (9.12.1926)
- Date
- 1926-12-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 50 hi mmm « unD Rat erfragt es und Er, gelobt fei Er, erleuchte unsere Augen. So ist da vor uns gekommen ein Sohn der Stadt, der Krone Eurer Herrlichkeit, Und sein Name ist Jochanan, der Sohn Levis. Und so hat er vor unseren Ohren gesprochen: Ich hatte meine Füße erhoben auf den Weg, um zu ziehen gen Lisensk der Stadt, dort fitzt der' Lehrer der Verbannung^ dis ßrone her Syet= 8). Jeng einstmals bin ich gu seinen Füßen gesessen, und mit Durst habe ich getrunken seine Worte, fließend wie lebendiges Wasser aus dem Felsen. Und er tränkte mich und er sättigte mich. Zeichen dessen, habe ich von ihm, seine Seele ruht in den Schätzen der Höhen, einen Brief bekommen und also sind seine Worte wie Feuer: Der Mann Jochanan, der Sohn Levi, der seinen Bauch gefüllt mit den Köstlichkeiten der Lehre, und durchweicht ist von ihnen, scharfsinnig und wohlbewandert, blühender Rebenstock im Weinberge des Hauses Israel, saß vor mir lange Jahre. Und ich erkannte seine Kräfte schlummernd in ihm wie das Oel in der Olive. Also sage ich und rufe aus: Es diene der Mann Jochanan den Levi im heiligen Dienst und sei ein Träger her ©erät^ feines 97arrterisi, ^efo£>f jei er^ schache nach den Satzungen. Daß sich labe an ihnen das Volk Israel. Und ferner sprach der Mann vor unseren Ohren. Als ich vernahm, daß fortgenommen worden ist von uns die Lade und sich hinaufgehoben hat in die Welt der Wahrheit der Hüter der Herde R. Elimelech usw., da wurde mir schwer mein Herz und ich weinte. Und so, wir fuhren in einem Tale der Finsternis und des Todesschattens und meine Augen, Quelle der Tränen, siehe, da starb vor mir der Mann, der den Wagen geführt und die Pferde gelenkt in ihrer DllM'. JoseM Der Sohn Cleasavs. Und so hübe ich ihn gebracht zu Euch, Brüder, Volk Israel, daß Ihr ihn begrabet in der Mitte seines Volkes. Und wir taten nach den Worten des Mannes und begruben den Joseph, den Sshn Eleasars. (Schluß folgt.) Religion und Kunst. Wer unter den religiösen Menschen, die sich auf einem der Gebiete der Kunst betätigt haben, kennt nicht den Widerstreit in seiner Brust zwischen religiösem und künstlerischem Empfinden? Die Kunst fordert Offenheit, Aufrichtigkeit, erkennt keine opportunistische Bindungen an, die Religion setzt Grenzen, legt Fesseln an und es fällt dem Ringenden schwer, den Ausgleich zu finden. In der Prager „Selbstwehr" teilt Dr. W. Klein einirs aus &em wi» Massen Des Mmager üJlalera Hermann Reach mit, das m dieser Beziehung intsrsssante Einblicke bietet: Hermann Reach wurde im Jahre 1824 in Prag geboren. Wie alle Prager Träger des Namens Reach leitete er feine Herkunft ab vom Rabbi Juda Ha-Chafsid, dessen Anfangsbuchstaben den Namen Reach ergeben. Nach einem mit dem Prager Magistratssiegel gestempelten, und vom k. k. Schulenoberaufseher Joseph Rauch und Direktor Winternitz gefertigten Duplikat des Zeugnisses der Jfraeliten-Hauptschule für den Sommerkurs 1836 hat er sich in der 4. Klaffe 1. Jahrgang in den Sitten gut verhalten und in den vorgeschriebenen Gegenständen die Note „durchaus gut" erhalten, so daß er in die erste Klasse gesetzt zu werden verdient. Direktor Eduard Ritter von Engerth bestätigt in einem Zeugnisse: „Herr Hermann Neach aus Prag hat die Akademie der Künste lg in ker -Qeü nont i. Huni 1841 <?jf August 1Ö1Ö lllZ owcntt itcfyer Schüler besucht. Das sittliche Betragen war den bestehenden Vorschriften vollkommen entsprechend. Prag, am 10. Februar 1857." Ein Dekret als Maler hat er nicht erhalten. Die im Jahre 1800 in einigen Sälen des Klementinums aktivierte Akademie der Künste war dpmals eine Zeichenschule, in deren Bereich auch die Landschaft und das Porträt gerieten; man zeichnete nach Vorlagen und Gipsmodellen. Während der Abendstunden im Winter wurden auch Aktstudien nach Modellen gezeichnet. Interessant ist das jüdische Element in jener Zeit. Im Verzeichnis der Schüler finden sich seit 1807 die jüdischen Schüler Jonas Bondi aus Prag, 15jährig, 1817 Simon Arkeles, der preisgekrönt nach München ging. Leopold Pollak aus Lodemtz bei Rakonitz wird als Bahnbrecher bezeichnet, der mit dem herkömmlichen nachahmenden Historismus und dem Widerstand gegen die Prqger Kleinmalerei gründlich aufräumte: Aus,den dreißiger Jahren feien Ignaz und Heinrich Parges, beide aüs Präg, genannt. Der aus Porträtfrotonr ffi M«8 Mannte MW Perms — er lMM feinen Rmnen später m.Wrisse — und Jöstf fBUtäHUi,- nachmals Kaligraph und Malerder noch in unserer Kinderzeit, gestützt auf seine bildschöne Tochter, stets im schwarzen Gehrock und Zylinder, ehrwürdig durch den herabwallenden weißen Bart durch die Straßen der Altstadt wandelte. Die Genannten waren Reachs Freunde. Bon ihnen aber schied ihn die tiefe Religiosität des Eltern Hauses. Kein Wunder, wenn er stutzig wurde, als ihm vald: nach der Aufnahme in die Malerakademie deren Direktor nahelegte, sich mit Rücksicht darauf, daß sich der Zeichensaal im Besitze und unter der Aufsicht des Erzbischofs befinde, taufen zu lassen, welches Ansinnen Nscrch natürlich abtuies. Sm ©egenfctij 5« feinem Kollegen ^rteMcmtver aus der ÖV? XrWUfC naf/m urtb in Wien seinen Weg machte, so daß er sogar in den Adelstand erhoben wurde. Reach absolvierte seine Zeit, verließ die Anstalt aber ohne Dekret. Der Zwiespalt zwischen Kunst und Religion begann sich zu regen, als er, wie man erzählt, den gekreuzigten Stifter nach einer Vorlage zeichnen sollte. Verschlossen und absonderlich in seinem Gehaben, kehrte er Prag den Rücken und fuhr nach Preßburg, um sich in der Jeschiwah des Chasam Sofer in der talmudischen Wissenschaft auszubilden. Dabei malte er Porträts, ja er soll sogar den Auftrag erhalten haben, den Domherrn, Landtagsabgeordneten Grafen Forgach, zu porträtieren. Bei der Arbeit erklärte er ihm rundweg, daß feine Frömmigkeit ihm verbiete, — das Kreuz des Stefansordens zu zeichnen und der Domherr hatte volles Verständnis für diese Hemmungen.. Dann gab er sich ganz dem Thorastudium hin. Sein zweites Heim war die Altneusynagoge, wo er beim Gottesdienste nie fehlte. Ein kärgliches Einkommen, das die Familie vor Not schützte, bot ihm die (Steife Sitfiungsrattmere. 902ii feer beginn enöert Lr 9u£vert^ctki: üier|iefeetie er Engen-Gasse (jetzt Meksel-Gasse) in das StistUNgShauS in der Schiffmühlgasse, wo er im Jahre 1902 hochbetagt starb. Er liegt auf dem Friedhofe in Strafchnitz begraben. Die Tragik seiner Künstlerlaufbahn hat er überwunden, seine Gestalt und sein innerer Konflikt verdichten sich in Prag allmählich zu- Legenden. Man will wieder den Almemor. In der I. L. Z. stellt Professor Dr. ing. Alfred Grotte eine recht interessante Betrachtung an über den Almemor in der liberalen Synagoge. Nach Abzug all seiner frei nach Grätz gedichteten Elegien über die — von polnischen (BtTTzvanbererrt zrerfdjrutöeten - iesUenfies in d-?n deutschen Synagogen des vorigen Jahrhunderts, welche die Reform nötig machte, bleibt am Artikel folgendes wahr und interessant: Ist denn der Almemor wirklich ein so wertvolles Einrichtungsstück, daß man sein Wiedereinfuhren auch für liberale Synagogen erstreben sollte? Um diese Frage zu beantworten, muß man dieses Kultgerät dort besichtigen, wo es in ununterbrochener Tradition künstlerisch gehegt wurde: in Prag, Worms und — von Mitteldeutschland im Mittelalter dorthin verpflanzt — in Polen. Wie dort im 17. Jahrhundert Ansätze zu selbständiger jüdischer Kunst zu beobachten sind, fand auch das Almemormotiv in Polen eine außerordentliche Weiterbildung. Diese Estrade, bestimmt zur heiligsten, gottesdienstlichen Handlung: der Verlesung der heiligen Schrift, aibt in den alten Synagogen Polens den Grundton für Grundrißgestaltung und Aufbau des Gotteshauses. Der Almemor steht vielfach im Mittelpunkte des Zentralbaues, über ihm schließt sich das Gewölbe, symbolisierend da« von hier aufsteigends Gsbst: den Vsrtikelrsmus. bas (Btrefiion nach Mn iuU w gethis-hen dralen. Oder die Deckengewölbe werben von vier starken mittleren Säulen getragen, zwischen denen der Almemor aufgebaut ist, oder endlich dieser selbst, in Form eines gewölbten Baldachins, wird zur Mittelstütze, aus der das die Synagoge überspannende Deckengewölbe organisch sich entfaltet. Nur wer diese prächtigen Jnnenräume gesehen hat — der Verfasser hat sie in seinem Werke „Synagogentypen vom 12. bis 19. Jahrhundert", Berlin 1915, im Bilde festgehalten — wird es verstehen, welche künstlerischen Möglichkeiten aus diesem urjüdischen Baumotto des Almemor hergeleitet werden können, daß die ersten Christen in ihren Basiliken so gerne als Altarüberbau verwendeten und das in gigantischen, 12 Meter hohen Abmessungen die Hauptzier in St. Peter darstellt: den Berninischen Tabernakel über dem Grabe des heiligen PMllS, r r r „ Om llßDereiTer ößr Emanzipatisn ist schone Motiv vom Liberalismus in Acht und Bann getan worden. Und was ist die Folge? Als Gurlitt vor einigen Jahren seinen Hörern die Dresdener Synagoge zeigte, konnte er sagen, er würde sich verpflichten, dieses jüdische Gotteshaus in kurzer Zeit ohne nennenswerten Umbäu in ein christliches zu verwandeln! In diesen Worten des anerkannten Meisters und Kunstgelehrten liegt ein Todesurteil für den jüdischen .Sakralbau liberaler Provenienz. Den diesem fehlt das Traditionelle, das Typische des jüdischen Gotteshauses: der Almemor als Mittelpunkt des Ritus, zugleich das Prunkstück, das dem Räume erst das fynagogale Gepräge zu gehen vermag. Und der heilige Schrein? Kommt ihm, als Behälter der Pentateuch-Rollen die.architektonische Rolle des Hochaltars, zu? Vergebens sucht Watzings in 'den antiken ^Gyüätzogen der römischen Kaiferzeit den „Ältär", den er von den deutschen Synagogen her äks wichtigstes Architekturmotiv kannte. Er muß sich damit begnügen, daß er annunmt, diele noch iw .Banne dsr .krischen 'Trcchrtron des rüd.rschen RllttllstkilstAAkZI ' galtter^sn Me i Rollest rn einem Hokgstyranke'verÄahrck, der' äi'chts anderes j darstellt als ein Möbelstück, völlig in seiner Bedeutung * zurückgedrängt durch den steinernen, architektonisch durchgebildeten Almemor, als dessen Reste er die Trümmer einer Vorgefundenen Kleinarchitektur bezeichnet. ' In vielen deutschen Großstädten sehen sich die jüdischeu Gemeinden genötigt, die Erbauung neuer Gotteshäuser ernstlich zu erwägen, veranlaßt durch den Zuzug Tausender, aus den abgetertenen Provinzen Zugewanderter. Wenn naturgemäß die heutige Wirtschaftslage uns. zwingt, diese Frage nur dilatorisch zu. behandeln, so gibt diese unfreiwillige Muße in Baufragen den interessierten K.ei^n meaet^t ffJJffJ Mst jjflifö BflS MlMlllM für '«ynagogcnvanren vei Zukunft auszuarbmen, zu durchdenken. Der Liberalismus von heute, sollte nicht achtlos an den Veränderungen in der Sinnesart der Jugend, gerade auf politischem und religiösem Gebiete Vorbeigehen. Das Erwachen des Interesses für jüdischreligiöse. Fragen in der Jugend ist ein Zeichen der Zeit. Sollte es nicht so angebracht erscheinen, eine Revision auch in Fragen des Sakralbaues zu erwägen? Hier erscheint mir der Almemor als goldene Brücke zwischen Rechts und Links, geeignet, wenigstens, nach außen hin, die Einheitlichkeit in religiösen Dingen darzutun. Dies im Verein mit dem Bestreben, das architektonisch und — wenn man es so nennen will — national bedeutsamste Almemor-Motiv dem liberalen Judentum zurückzugewinnen, ist der Zweck dieser Ausführungen. Anmerkung der Redaktion: Für uns hat die Almemorfrage symbolische Bedeuiung. ÜJJan fe-ert Oltmem^r irr feer SDfcrHre, crtTjoTcrrrc$e Ml Me non i/lsir Ler- .Semelnise oertünt>ef im Mittelpu>nkte des jüdischen Lebens stand. Die Reform rückte logischerweise Almemor und Thoravorlesung aus dem Zentralpunkte in die Nähe der Ruhestätte der Thora. Sie sollte fortan dem Kulte dienen und im Leben nichts zu sagen haben. Da ist es nun doch eine Genugtuung für das historische Judentum, auch hier wieder einmal zu sehen, daß es für den tiefer Empfindenden keine Schönheit ohne Wahrheit und Bewahrung d e r Eigenart gibt. Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenkeil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgefehlichen Charakter» auf ihre gmiEcfäj|ijfeif ja prüfen. Sie verbrennen sich nicl\t wenn Sie als Enthaarungsmittel „LERASöR" Dr. WEIL der Schwanen- Apotheke, Frankfurt a. M., wählen, da es individuell abgestuft ist in stark—mittel—schwach, und somit jedwedem Bartwuchs und auch der zartesten Haut gerecht wird. Haupt-Depot: Schwanen-Apotheke Frankfurt a. M., wo auch Versuchsmengen kostenlos erhältlich sind ERMASSIGTE PREISE: Dose mit */* kg. Inhalt ä RMk. 2.50 einschl. I kg. Inhalt ä RMk. 4.50 einschließlich Dose. Jac. E. Eisenmann Telefon Carolus 42493 Grünestrasse 12 Subdirehlor der. -Gesellschaften Vermögen: 220 Millionen Mark Fachmännische Beratung in sämtlichen Versicherungszweigen L. BARBARINO Frankfurt a. M. 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