Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 50 (9.12.1926)
- Date
- 1926-12-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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^WWSWWWWWW Seite 4 Nr. 50 Der »er i III 9. Dezember 1926 , nur recht langsam vorwärtsgehen kann. Aber selbst, wenn der ganze Aufbau auch wie ein Kartenhaus zusammenstürzen würde, es wäre nur joir etrte Heit- Das jiibtjc^e Volk lä^t Polü^tiu« nicht «riköer. Es wird um PulüfM« im Kumpf um das Göttliche und um das Menschliche ringen,, bis sein Morgen kommt. den Sinn der Väter wenden wird zu den Söhnen, und den Sinn der Söhne zu ihren Vätern? Der Väter Sinn zum Wesen der ^ugenb unb der $ugertb Sinn gurrt Bn^alt iyies ureigenen vnlerlichen Gewvrdenseins und Werdenwollens? ... Und indem wir im Esra-Führerblatt so an Alte und Junge den Ruf zum Verständnis ihrer Wesensart ergehen lassen, fügen wir zu unserem eigenen C h a s a k! den Wunsch, daß wir uns wechselseitig aneinander stark machen wollen — den Wunsch des Wenischasak! * Abonnements für die Führerblätter zum Preis von Mk. 0.50 pro Heft nimmt nur das Technische Büro (I. Heidingsfeld, Frankfurt a. M., Langestr. 34) entgegen. Im Spiegel der Ewigkeit. Don Saly Hers in Her Awiw. Nur wer den Tag der Gegenwart in die Jahrtausende der Geschichte stellt, kann dem heutigen jüdischen Palästina gerecht werden. lieber der jüdischen Geschichte schwebt das cm l|rem Hrcm|ang toar es jo. Abraham und Sara lachen, daß er. der Hundertjährige, von ihr, der Neunzigjährigen, einen Sohn erhalten solle. Dieses Lachen, daß etwas möglich sei, was jeder Erfahrung widerspricht, ist dem jüdischen Volke durch alle Zeiten gefolgt. Ohne die besondere göttliche Fürsorge hätte schon das erste Geschlecht unter Pharaos Sklavenknute das letzte Geschlecht der zu einem Volke herangewachsenen Abrahamsfamilie werden müssen. Dann lebt dieses Volk von einigen Millionen mm mrm mm m Der mmmimim aller Wüsten, in der sin einzelner Mensch keine vierzig Tage zu leben vermöchte, ja nicht einmal wenige Tage. In dem verheißenen Lande erhalt es sich als ein kleines Völkchen zwischen den mächtigsten Weltreichen 1500 Jahre. Als dann die Weltherrschaft vom Euphrat und Nil nach dem fernen Tiber konzentriert wurde, lag das Land der Juden nicht mehr im Schnittpunkte zweier Weltreiche, und unbeachtet vom der Rivalen um die Vorherrschaft unter den Völkern hätte ihm endlich Ruhe winken sollen. Doch in dem Moment dieser Aenderung seiner Situation) die dem jüdischen Volke ein natürliches Volksdasein versprach, wurde es aus feinem Lande zu zweitaujenbjätjrigem <BaI«t oeririe^>||y. ( Nnv Dieses Galut, Das heute noch nicht abgeschlossen ist! In Palästina wäre das jüdische Volk ein Volk unter den hunderten von Völkern gewesen, durch die Zerstreuung des Galut ist es bis zur Assimilation, der jüngsten Vergangenheit bas eingigcnrtige 95o£f ber ©otiesfcoi|c^a|i ctri bte Vvmi geworben. Wieder steht die Geschichte der Menschhert im Zenith einer ihrer großen Wendungen. Die französische Revolution vor nunmehr fast hundertundfünfzig Jahren und der Weltkrieg der Gegenwart sind die Etappen in der Vorbereitung der neuen Szenerie der Weltenbühne. Auch der Weg des jüdischen Volkes weist nun im Dienste seiner Bestimmung eine andere Einstellung. Samson Raphael Hirsch für die innere Entwicklung, Dreyfusprozeß, Theodor Herzl, Weltkrieg und Revolution, Anerkennung des Anspruches des jüdischen Volkes auf Palästina für die äußere Entwicklung find die bedeutsamsten Kapitelüberschriften für die neue Epoche. Plötzlich der wüsteste Antisemitismus in Frankreich, dem Hort der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, plötzlich das Erwachen seiner jüdischen Urseele in der Seele eines interkonfessionell und international gesinnten genialen Juden. plötzlich Der WMmg. gMN 0MN MögliHM die Großmächte seit Jahrzehnten gerüstgf hatten! All diese Geschehnisse scheinbar, weil das Galut seine natürliche Wirkung der Zersetzung begonnen hatte und um des Seins des jüdischen Volkes willen abgelöst werden muß. Und nun ist das jüdische Volk auf dem Zug nach Palästina, aber unter Voraussetzungen, die wieder die sichtbare Hilfe der göttlichen Vorsehung bedingen! Streitet nicht die Kraftanstrengung für Palästina gegen die Gebote der Vernunft? Hatte nicht der königliche Kaufmann und Philanthrop Daroll Hkrslst recht, als er vor llUlllliM amm Jahren die Wandernden de^ jüdischen Volkes in die riesenhaften fruchtbaren Landslächen des menschenarmen, aber an Bodenschätzen reichen Argentinien führen wollte? Ist doch Palästina ein Ländchen mit seit Jahrhunderten entholzten kahlen Bergen, mit unentwickelten und in der Entwicklungsmöglichkeit eng begrenzten Handel und Industrie, mit einer seiner wirtschaftlichen Lage entsprechenden nichtjüdischen Bevölkerung! Der Atem der jüdischen Geschichte muß einem im Blut kreisen, Gottes Wunderwirken in der Geschichte des jüdischen Volkes muß man in sich verspüren, .wenn die Anfänge eines jüdischen Palästina, wie sie jetzt bereits vorhanden sind, nicht verwirren sollen! Äeff unD mamM ist airog lwH-Mssnz, ideell, weil in den meisten der Einwanderer noch die Galutpfyche steckt, materiell, weil der Aufbau stonerponSenre« « Dacbricbten. Verrtjehe» Bund gefeheslreuer jüdischer Gemeinden. Frankfurt a. M., 2. Dez. Der preußische Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden gemeinsam mit dem Bund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden Deutschlands veröffentlicht Nr. 4 feiner „Mitteilungen". Der Aufforderung an die Berbandsgemeinden, mit der ErrrssndunA rfjr&r Äcrk)rieuern (1)^ b-et- (Siejxetretrt^- gön,ge pro 1925) nicht länger im Verzug zu bleiben», schließt sich eine übersichtliche Zusammenstellung der Gesetze und Verordnungen an, die aus der letzten Zeit für die Gemeinden Interesse haben. Es folgt eine Uebersicht über die Verteilung der Staatsbeihilfen für die Rabbinen und den Religionsunterricht pro 1925, alsdann das ausführliche Protokoll der Fuldaer Derbandsversammlung, über die wir an dieser Stelle seinerzeit eingehend berichteten. , Schwere Lage der russischen Juden in Deutschland. Berlin, 2. Dez. Der greise Vorsitzsnde des. Verbandes russischer Juden lü Gsalfchlant.. Sjezrr Slaalsr<tl 3aco1 Seile!, ist oorremer längeren Reise, die ihn durch Deutschland, die- Schweiz, Frankreich und England geführt hat, nach Berlin zurückgekehrt. Herr Staatsrat Teitel war bekanntlich' der einzige Jude, der im zarifchen Rußland eine hohe- Richterstelle bekleidete. Wie er damals, in jüngeren Iah-' ren, feine Kräfte in den Dienst der verfolgten jüdischen- Volksgenossen stellte, so widmet er jetzt seinen' Lebensabend der Fürsorge für seine leidenden Genossen im Exil. Er hatte Besprechungen mit allen führenden jüdischen Persönlichkeiten und Vertretern aller großen Organisationen. Das Ergebnis der Reise war, wie Herr Teitel ement Vertreter der I. T. A. mitteilte, einigermaßen positiv, aber noch bei weitem nicht befriedigend. 'Die Lage des Verbandes der russischen Juden in Deutschlanb ist nach m EB¥ Lim W Slfjsmu; U* Wr Unterstützungen beträgt rund 160;00Ö Mark, welche Summe nur zur Deckung von 10% der notwendigsten i Tritt. An Gesicht und Kleidung, am Streimel und Peoth sieht man ihm die künstlerische und militärische Vergangenheit nicht an. aber er ist heute noch der Außenminister des Belzer Hofes, der, der Sprache kundig, in allen gegebenen Fällen die Verhandlungen mit den Behö.rden führt. Ein besonderes Kapitel bilden die stabilen Gäste des Rabbi. Es find siebzig bis achtzig jüngere und ältere Thoragelehrte, die beständig in Belz sich aufhalten und den ganzen Tag lernen. Sie führen gemeinsame Küche und werden vom Rabbi in jeglicher Weife gefördert. Ueberhaupt spielt die jugendliche Avantgarde die größte Rolle in Velz, insbesondere die Lemberger Bachurim halten treu und fest zu Belz. Kein Rabbi in Polen hatte es bisher verstanden, soviel Macht auf die junge Generütion astszuüben wie der Belzer, und man hofft, daß dieser Gelrtfliife unter bem neuert Siestme In gleicfjcir Stäxfce ditPH. - ' (Are Juden in Bayern.) Die angesehene illustrierte Halbmonatsschrift..Das Bayernland" (Herausgegeben von Dr. Fridolin SolleLer in München) brachte ihr Oktoberheft als Sondernummer unter dem Titel »Die Inden in Bayern" heraus. Wir finden darin eine große Reihe guter Illustrationen, u. a Abbildungen derScheunensynagogen im Frankenland; die auch wir in unserer jüngsten illustrierten Beilage im Bilde zeigen konnten. Man steht ferner kunstvolle Thoraschränke, Bsomimbüchsen und andere Ritualgegenstände. Historische Bilder sind Zeugen jüdischer Not im. Mittelalter. Groteske Einzeichnungen steht man auf Purimtellern; Münzen, und Plaketten halten geschichtliche Ereignisse fest Auch Rabbinergräber aus heiliger historischer Erde werden gezeigt. Die Texte zu den Bildern find gut geschrieben und das Ganze mutz als Verdienst und eine aus Liebe und Interesse geborene Leistung, von Mischer Seite anerkannt werden. (Keöraica-Auktiorr in London). Die Firma Sotheby <L To., 34/35 New Bond Street veranstaltet am 21. Dezember und dem folgenden Tag eine wichtige Auktion von Hebraicis. Der uns vorliegende Katalog weist 342 Nummern auf und umfaßt eine große Zahl von Incunablen, klassische Bibelkommentare, philosophische und halachische Werke, sowie eine Anzahl Kesuwoth aus dem 16.-18. Jahrhundert. („Aathan der Weise" sollte veröoten werden). Nach der „Bosstschen Zeitung" hat sich in München folgendes zuaetragen: Bor einiger Zeit wurde der Münchener Film. Milli uMWN 8kk WM" MllklllM Die Prüfkammer Uetz ven Film zu. der genau nach dem Lessingschen Drama verarbeitet ist. Der Vorsitzende der Prüfkammer aber nahm Anstoß und machte von seinem Recht der Amtsbeschwerde bei der Oberprüfstelle Gebrauch. Er berief sich dabei auf die Gutachten zweier Sachverständiger, die er selbst zur Aeußerung ausgefordert hatte. Der eine »Sachverständige" wies , in seinem Gutachten darauf hin, daß ein Jude im Vordergrund des Interesses stände und daß iy unserer politisch erregten Zeit, besonders in Süddeutfchland. hieraus Störungen der öffentlichen Ordnung entstehen könnten. Erregte Auseinandersetzungen und eventuell sogar TätstÄkeiten würden im Falle der Aufführung wahrscheinlich seist. . Der zweite Gutachter war ein katholischer Geistlicher, dbr den Film aüs dogmatischen. Gründen bemängelte. Diebin Mschluß an Lessing. In dem Film vorgetragene. Weltanschauung der dogmatischen To „ leranz. die Antwort, die der Film auf die Frage gäbe, welche von allen Religionen die beste sei, müßt von jeder streng orthodoxen Seite aller-Religions bekenntnifle als verletzend scharf abgelehnt werden. Die Oberprüfstelle in Berlin wies den bayerischen Einspruch ab. Wie die »Vosstsche Zeitung" und andere demokratischen Organe feststellen. har die Oberprüfstelle durch ihre Entscheidung eine Kulturblamage größten Stils verhindert, denn leicht hätte es geschehen können, daß Lesstngs »Nathan der Weise", das Hohe Lied der Toleranz, auf den Index gesetzt worden wäre. Wochenkalender. 11.—18. s.—13, Samstag Dez. 11 6 bau . tv. Sonntag 12 7 Montag 13 8 Dienstag 14 9 Mittwoch 15 10 "M'BS mw Donnerstag 16 11 Freitag 17 12 Samstag 18 13 fc SSM; 1QA bewahre; y°Q -Mi Miöi^en^ rSr