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Der Israelit · 1926-12-09 · Heft 50 (9.12.1926) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 50 (9.12.1926)
Date
1926-12-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Der Is r ae I it Nr. 50 Seite 3 9 Dezember 1926. - - ■ - ■y . ■ . rer und Führerinnen liegt noch immer dasselbe jüdische Erziehugnsziel zugrunde und da die Lebesnform einer Gemeinschaft durch das Bildungs- Ziel ihrerMgenll vemmmt wirb, auch Die ößee S6N b& Nöttv^ndi^kält Ä'^4* ältett llMM jü-tschött Lebensform, auf die heutige Zeit und auf unsere Vorpostenstellung gegenüber westlicher Zivilisation angewandt. Sollen wir sie im Schlagwort nochmals kurz formulieren? Nicht Tauroh-im-Derech-Erez im gebräuchlichen Sinne des Kompro m t sses — das war vielleicht die notwendigste Aufgabe der assimilationsbedrohten Generationen. Nicht Nur-Taurvh im Sinne der östlichen Jeschiwaus — das ist die schönste Lebensform des kampfentrückten Massenmilieus.'Sondern vielleicht: Talmud Tauroh k e n e g e 6 k u l o m! in folgender Bedeutung: unsere Aufgabe an der GrenzmlWk der frommen Judenheit sei wie in.der Kulturverschmelzung unserer spanisch-arabischen Blütezeit. ein? b?fentere Rereiischasi, «föes uns wugebenb? Geistige und Kulturelle mach der jüdischen Lehre und nach unserer Heiligungsaufgabe ernst nehmend zu werten und dann in unserem jüdischen Leben Gott unterzuordnen. So übersetze man also „Talmud Tauroh keneged kulom": die Hinentwicklung zur Tauroh (Talmud von Talmud — nicht Limmud!) als Mahstab allem Werden und Wissen, allem Wirken und Wollen entgegengehalten! Und einen ganz besonderen Sinn gewinnt dann in unserer Erziehungsarbeit unser „Chasak!", unser Motto: „Sei stark!" für jeden Esräer. So also soll unser Chi nuch sein. DM Ml, Ml fift. ütlir M NM. MllM der vielen möglichen Wege zum Ziele führet, nur die Prüfung, welche Methoden unserer Jugend gemäß sind, sind in ständigem Flusse. Dazu brauchen wir stets Aussprache. Oft gab es Meinungsverschiedenheiten —f stets war es eine Machlauko leschem schomajim — denn wir bestehen noch! Bisher aber vollzog sich Aussprache und Arbeit nur in unserm engen Kreise. Schon lange nämlich widerstrebte es uns, nach Art der Reklame in die Welt hinauszuschreien: „Wirwol- T i n r — Mn lange Sagten Wir alle für uns; ..nun tun mm" Denn mis Wsvtvsllsv Ist doch Kraft bei der Arbeit genützt, als aufs Schreien verwandt, um der Anerkennung, um des Zulaufs willen. Nie lag uns an Anerkennung, nie an Zulauf. Sie widersprechen dem Wesen ernster Jugend. Nun aber, da wir unser Führerblatt m i t d e n s ch l i ch t e n W o r t e n der Arbeitenden dennoch einem größeren Kreise vorlegen wollen, treibt uns, nachdem wir uns selbst erprobt, ein erneutes Verantwortungsgefühl für die Mische Gesamtheil. y 8chc»n regt sich allerorten, autfy außerhalb unserer Gemeinschaft, das Verständnis für die Welt des jüdischen Kindes für die Entwicklungsbedürfnisse des Kindes überhaupt, schon ballt sich in faßbarer Gestaltung — mag sein durch unsre Arbeit, mag sein durch den gleichgerichteten Sinn anderer, mag sein durch Zeitursachen — in jüdischen Schulen und in jüdischen Häusern unsere altneue Lebensform, unsere Gemeinschaftserziehung! Und Jugend und Erzieher drängen hinein in den natürlichen Chinuch, der dem pädagogischen Gefühl unserer Zeit und unserm eigenen wiedergewonnenen Jüdischkeitsstreben allein gemäß ist. Ist es da nicht an der Zeit, daß alle .gleichgerichteten Erziehungsbestrebungen sich freiwillig zusammenfinden zur Aussprache und gemein- |amen Krteti? Noch aber fehlt es an dieser Gemeinsamkeit der Erzieher, die ihre Kraft der Erziehung unserer Jugend weihen in Schule, in Haus, in Jugendbewegung. Diese Gemeinsamkeit, solches Zusammenfinden soll unser Esra-Führerblatt jetzt anbahnen. Und so soll diese Zeitschrift für jeden Vater und jede Mutter, jeden Lehrenden und jeden Erziehenden die Zeitschrift ihrer Aussprache, ihrer Anregung und ihrer Mithilfe werden. Wir verlangen doch nicht zu viel? Wer uns das größere Vertrauen entgegenbrachte, unserem guten Willen sein Bestes, seine Jugend, zu übergeben — der wird uns auch des geringeren Verfür lllÜr^iß Höllen, fich mfl wn$ sprechen über seine und unsere Jugend und ihre Erziehung. Und so verlange n wir schon gar die Einheitsfront aller frommen jüdischen Erzieher! Aller: aller, denen das Primat der Tauroh allumfassender Erziehungskodex ist! Und so wird auch nicht die Zugehörigkeit zu unserem Bunde die Wahl unserer Mitarbeiter bestimmen. Denn wir wollen ja auch lieber alles Ernstgesagte hören — nur das eine nicht: d i e S ch w u l st i gk e i t und die P o s e, den Mangel an T a k t g ef ü h l und den Spott! Denn viele Elgenslmmn find kL llkiadk. wMb ÄöM WöseN äller Erziehungsarbeit widersprechen und dem Erzieher nicht anstehen. Und diese Eigenschaften sind es auch, welche die größte Verlockung des jungen Literaten und die größte Gefahr des wachsenden Erziehers bedeuten. Wir aber, die wir mit einem offenen, ruhigen, ernsten Gesicht vor unsere Jugend treten, wollen mit demselben Gesicht uns selbst und der Welt gegenübertreten. Der Blick, der uns das Vertrauen unserer Jugend gewann, soll den Geist des Vertrauens auch bei den Erwachsenen erwirken. So wird also unsere ZeilsHNsl awtfJ öen neuen ©tu gn verbleiten ylldsn. vor unserem Inhalt allein entspierhenv ift; le style c'est l'homme — den Stil, den das Menschsein bedingt. Nur durch diese Gleichstimmüng zwischen Inhalt und Form werden wir nicht allein der Genteinschaft, sondern auch unserer eigenen Harmonie nützen, wo sie uns fehlt. Denn gar manchem der Unfrigen ist noch fremd, was Eltern und Erziehern geläufig ist: die inhaltvertiefende Lebenserfahrung und die formale Ausgeglichenheit. Aber diese zwei Eigenschaften des reiferen Mannes, so hoch wir sie für die Vollendung schätzen, sind uns doch nicht wert genug, als daß wir schon in Jugendjahren jenen herrlichen Impuls des Jünglingstums, jene Frische des Mädchens hingeben wollten, die Begeisterung und das Vorwärtsstürmen. die stetige Bewegtheit, welche uns^äjlserif^e Äröfl ifl. Und hier kommen wir zu der Beantwortung der Frage, warum gerade der E s r a die Erzieher sammeln will. Die Betrachtung der Erziehung vom Standpunkt des Erziehungszieles aus kann jeder Erzieher geben — die Sammlung der Erziehung vom individuellen Standpunkt des Erzogenen aus könnten manche Eltern und Lehrer vornehmen — aber die Sammlung der erzieherischen Kräfte vom Standpunkt dessen, was aller Jugend im Gegensatz zum Alter gemeinsam ist, vom Standpunkt der Jugendbewegung aus — die kann nur der Esra geben, der mit der Jugend lebt und tausende Kinder kennt. Wenn aöer ciud) ieiber oft Sugenbbegriff Gegensatz des Altersbegriffes ist, wenn Jugendbewegung draußen auch im Kampfe mit der von der älteren Generation beherrschten Welt steht, so will unsere Esra-Jugednbewegung zwar I ü - gend b e w e g t h e i t ins Leben hineintragen, aber nicht zu dem Alter sich in Gegensatz stellen. Denn sollten wir Juden nicht in unserer Lebensform, in unserem Bildungsziel, unserer Chinuch- Aussprache ,und unserer Stil-Bestrebung die Eigenschaft des Mannesalters und die Wesenheit der Jugend verebten, verschmelzen? Kann m nilfit' ioin. llatz auch Dtofo mür m in bem Weltgeschehen unb m ber Literatur sich feindlich gegenüberstehen, die vom Alter als „Brausegeist" und von der Jugend als „Philistertum" selbstbewußt abgetan werden — kann es und soll es nicht sein, daß diese zwei im Jude- Mensch-Werden sich einen? Kann es nicht doch Erziehungswahrheit enthalten, jenes letzte Wort Maleachis, unseres Boten, Esras: daß Elijahu stigen Stellen, meint Raschi, sei hier, wegen der folgenden d’»v eine solche Deutung nicht zulässig, hier müsse es t]ion i»i2iv2 ausgelegt werden. Doch überhaupt, so setzt Raschi fort, sei fp mit «po zu übersetzen, auch Jirmijahu a. a. O. nämlich nach Talm. Erechin 33a. Daß das Targum, wie Herr Wolff sagt, das » vor einem Hauptwort niemals in der Bedeutung von rrapa n.ef)trte, trifft nicht zu. r>gl. z. 95. 47, 2: ’iarn«» ’manSa xisa tP’na — Ad. II. ist nur die Frage interessant, nicht die Antwort. In Wirklichkeit meint Raschi zu nrau etwas ganz Anderes: 12 nämlich ist masculinum, wieso steht hier .1022 statt >122? Darauf bemerkt Raschi: N212N 12, die weibliche Form >17122 sei hier des Wortes N212N wegen, das fem. ist, gewählt worden. Daß der genus nach dem Neben- und nicht nach dem Hauptwort sich richtet, finden wir '72 sehr oft, wie z. B. in rrin -isiv nwo nmna- - myu ist ja fem., dann müßte es eigentlich heißen, doch des Wortes isiv wegen wird «in dafür gesetzt. Kleines Feuilleton. Der Tod des Beizer Rebbe und die Neubesetzung des Fürstenrabbinates durch den Sohn stellt den. Beizer Hof in den MMWMt deAxallgAnemen Interesses: Es , w^de'noayer einige, Worte Wer das Se&en. in; Betz denMesMMllWmmen.sein:; Wie schon öeücW,,gehMydatzMWrRabbinat; zu. denü jüngsten .'Dynäftieny Der Begründer des Hauses, Rabbi Schalvm N o Ke a ch. war'deiv.Groß.; vater des jetzt,. verftorhenenMKMl Bor thiNresi-- dierte in Belz, nicht als Rebbe, aber als Leuchte Israels der unter dem Namen .Bach" bekannte große Rabbi Joel Sirk es. Man erzählt, daß einmal im Laufe eines schweren Zwistes zwischen der Gemeinde und Rabbi Sirkes elfterer ihren Führer in einem Schreiben gebeten haben, die Gemeinde zu verlassen. Der feinfühlige Schames des Rabbi, der Brief eon Fffttgg Wh WlNMsM? 8fl MM SDEim timclt, cmitDtfltc NM Tttncs AllMllgkS Mt nach Sabbatausgang. Zum Danke für diese Schonung segnete der Rabbi den Diener und wünschte ihm, daß ein Nachkomme von ihm die Welt mit seiner Weisheit erleuchte. Der Wunsch ging in Rabbi Schalom Rokeach. ein Schüler des Sokoler Magid, der darauf das Rabbinat in Belz annahm, befaß als Thoralehrer großen Ruf. Erst später bildete er sich zum „Rebbe" aus. Er soll volle tausend Nächte durchaelernt haben, bevor er die Würde und Bürde des Rebbe auf sich nahm Bald setzte eine Pilgerfahrt nach Belz ein. Die Söhne des Rabbi waren allesamt Kgufleute und führten ausgedehnte Geschäfte, Nachfölqer des Rabbi Schalom war auf Bestimmung des Vaters der zweite Sohn. Rabbi MVoMMüll: llksskü SvW. M IW vMMM Navm Ifüchar Dow^ auch nicht der SMtr wsx. Dis NÄchfolge wurde in Belz, ich Gegensätze zu anderen Rebbefamilivn.! immernach''derEigyung'untetden DrüderNgelöst! Der verstdrb^ne' Rabbi war inneder D^iehüntz feiner Dvter niüDi^- Des. nHckMWt,' RäbbirE r önV isMe^äWt?SöW'dD BtzWWen^n' und exr erfreute stch^ schön zü' LebzeltM'des Bater's oßer Popularität. EWWWfp in BeU bWEMM eMem Jm'grotzM Haüse-str dK 'M' milie, die mit ihren eigenen Familien dort geräumig Platz haben. An das Gemach des Raboi grenzt der große Saal, in dem sich die Chassidim mit ihrem Führer am Tische zu vereinigen pflegen, daneben der kleinere Raum, der als Wartezimmer für die Klienten dient. Der Rabbi empfängt jeden Eintretenden mit einem warmen Händedruck. Sprechen konnte der ans NaW m Meier Seit memot aller ein WM. gm DBiTtanMtfiDDnei BIM genagte. Die Beizer Schul gehört zu den schönsten und größten Synagogen in Galizien. Schon viele Kilometer vor der Stadt erblickt man die vergoldete Kuppel des prachtvollen Baues, den der Begründer des Hauses, Rabbi Schalom, errichten ließ. Bei Ausbruch des Krieges rissen die Russen alle Metallbestände vom Dache herunter, sonst hat die Synagoge wenig gelitten. Wenn der Rabbi in der großen Schul betete, war dieselbe gesteckt voll. Keiner wollte sich die Geleaenheit entgehen lassen, dem Rebben .Gut Schabbos" zu sagen. Die gemeinsamen Mahlzeiten hatten in letzterevZeit zumeist in Abwesenheit des kranken Rabbi an Ansehen verloren, gelangen aber jetzt zu neuem Glanze. 3n Sßli nnöen an® Me ringsris SöN Lkssfldkn ihM SSMNLlpUttKt mb find' an bin Feiertagen mit einem grüßen Prozentsatz vertreten. Einer., der bekannten Figuren; in Belz■„ ist Sin ai, ein Mann, der ist der. Jugend Särcher in BÜdäptzst war, die Welt und das Leben geüvffen hatE später iüber^ vom-Glanze de!s!Belzer Hof^ und derk EhäsN!LMmMeu' ang8z-gey,<.esn „Baal.' TeschuwüW. geworßenM Md MdM.Utz flarnhender'MMdMi "Ä^dher Omzich. Hbute gehört er zuck üntiiMeN Anhang und begleitet den Rabbi auf Schritt und

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