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Der Israelit · 1926-12-02 · Heft 49 (2.12.1926) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 49 (2.12.1926)
Date
1926-12-02
Page
– (sequence 19)
Language
German
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£rziel?üfiq and I*ei;re aao^gis zum -es Kun-es gesetzeslreuer jü-ifcher Kehrer Deutlchlan-s. LD-Ci. Probleme jüdischer Erziehung. . ii. Von Direktor Dr. Elias, Fürth. Seit Ellen Key neigen wir selbst dazu, das Kind als Ausgangspunkt für/ unsere Erziehung zu nehmen. Weniger liegt uns dieses Bestreben beim Jugendlichen. Und doch bildet das Seelenleben des Jugendlichen im „Pubertätsalter" wie es Spranger in seinem Buch über die Psychologie des Jugendalters analysiert, ein Kapitel von ungleich schwierigeren, für unser Religions-, Volks¬ und Staatsleben wichtigeren Problemen. Die ängstliche Scheu des Jugendlichen, sein Inneres vor seiner Umgebung zu verbergen, der Umstand, daß wir selbst keine Epoche unserer Entwicklung so leicht und roiiifl so Mns Mppffon, m M WSsMtsM MliH die Unfertigkeit des werbenden Menschen, wo alles im Fluß, nichts Festes zu fein scheint, dies.alles erschwert die Untersuchung und das Studium dieser wichtigen Lebensepoche. Dazu kommt, daß es sich bei der jüdischen Jugend doch um einen besonderen Typus handelt. Zwar haben wir für sie kein Material, wie für die nichtjüdische Jugend. lieber die jüdischen Kinder früherer Generationen gibt es keine Lebenbeschreibungen, höchstens über die berühmt gewordenen Großen. Aber auch diese lassen über die Kindheit nichts, über das Jugendalter nur Oberflächliches, was das psychologische Verständnis nicht fördert, verlauten. Die alten Juden haben jedenfalls spezifische Pubertätsjahre, mit den psychologischen Merkmalen, und der Dauer, wie wir sie heute wahrnehmen, nicht gehabt. Erst mit zunehmender Verwicklung itttb ererbter urt^ ber Kultur oerlärtgeri jtc£> die 5«uer der seelischest Pubertätszeit. Auch Tprunger stellt sowohl zeitlich als auch wesentlich Unterschiede zwischen jüdischer und nichtjüdischer Reisezeit fest. Freilich kann Lassalles Tagebuch, das er zum Beweis heranzieht, nicht als typisch gelten. Nichtsdestoweniger hat wohl Spranger aus seiner Lehrtätigkeit heraus, die ihn mit jüdischen Studenten der verschiedensten Länder zusammenbrachte, das Richtige getroffen, wenn er Unterschiede annimmt. Zwei Tatsachen, die zeitlich nicht genau zusammen auftreten, sind heute für diese Zeit bezeichnend: 1. die anatomisch-physiologische Strukturveränderung, 2. die seelisch-geistige Strukturveränderung. Beide hängen wahrscheinlich irgendwie miteinander zusammen. Wie, das weiß die Wissenschaft bis heute nicht anzugeben und Spranger weist das Bestreben, beide auf eine physiologische, besonders sexuelle Ursache zurückzuführen, ganz entschieden zurück. Die anatomisch-physiologischen Veränderungen sind insofern einfacher zu beurteilen, als sie allen Menschen alter und neuer Zeit in einem gewissen Alter gemeinsam sind, während die seelisch-geistige Veränderung nicht so allgemein ist. Es gibt Völker und Menschen und Zeiten, wo auf das Kindesalter gleich eine Seelenlage folgt, die durch schweren Druck und schwere Arbeit der der Erwachsenen angeglichen ist. So hatte auch die jüdische Jugend irn Westen vor 100 ZrMu Mm brsrrMsZ ZMMZMUM WtzMMzerr, obwohl sich schon damals vereinzelte Aalle des heutigen Typus finden.*) Unter den ostjüdischen Jünglingen, die in den Jeschiwaus und Chadorim lernen, ist sie auch nur kurz im Gegensatz zu den Mädchen, die die Leiden und Freuden dieser Zeit in die ap»’ /va -Bewegung Hineingetrieben haben. Sieht man von Sonderlingen und Ausnahmefällen ab, so kann man sagen: Im Leben all unserer jungen Menschen — ich kann natürlich hauptsächlich nur von Jungen sprechen — gibt es eine Zeit der glühenden Begeisterung für Ideale, eine Zeit des eifrigen Bemühens, sich eine Weltanschauung zu bilden und sie dem Leben aufzuzwingen, eine Zeit der laüten oder stillen, jedenfalls leidenschaftlichen Sehnsucht nach höheren Gütern. *i Vgl. Israelit, 26. Juni 1924: „Jüdische Kinder vor 100 Jahren". Bei jüdischen Jungen ist dies meist die Zeit von etwa 13 (bei nichtjüdischen 14) bis 20 (21) Jahren, bei unseren Mädchen die Zeit von 12 bis 17 (18) Jahren. Bis zum 7. Jahre geht das Kind. Es lebt in einer anderen Welt, in einer anderen Zeit und in einem anderen Raum, wie der Jugendliche. Es hat noch das leicht befriedigte Verlangen nach den ihm nahen Menschen, ein unendlicher Raum ist ihm noch die Wiege, wie später das Zimmer, der Hof und die Straße und diesen engen Raum will es bis zum letzten Winkel ausschöpfen. Wird es aus ihm herausgerissen, schließen sich meist die Pforten der Kindheit. Es bekommt einen Begriff von der Endlichkeit der Zeit und des Raumes. Die Zeit von 8 bis 12 Jahren bringt ein stark nach außen gewandtes Interesse und läßt in einem gewissen Gleichgewichtszustand das Verlorene etwas vergessen. Daß 18. (11) 3n^F ölMgk Die MsM WsHlitWMM, eine zweite Gebart. Neue Gefühle kommen zum Ausbruch und nähren einen Haß gegen die Schranken, die nüchterner Verstand und maßvolle Einsicht ihnen wohl zudiktieren möchten. — Das sind die Jahre des Konfliktes zwischen alter und neuer Zeit: der Enkel lehnt sich auf gegen großväterliche Ueberlieferung, zwei Kulturen streiten miteinander, deren eine in der modernen Großstadt wurzelt, deren andere sich in der Schule spiegelt. Nachwort des Verfassers: Auf verschiedene Anfragen zum vorigen Artikel sei auf folgende Aufsätze hingewiesen: Ost und West, Jahrg. 1917, Heft 1 u. 2; Beiträge zur Kinderforschung und Heilerziehung, Heft 128 (Nemecka); Zeitschr. für Demographie und Statistik der Juden 1906, Heft 8/9 (Rüppin); Zeitschr. für pädagogische Psychologie, Bd. 16, S. 516, Bd. 17: O. ©cfjetSner, Ue6cr bie 93e<jcrf>urt0 jübtf(f)cr (Scfjüter, G. 164 Ideale [üist[cher Binder. Nachwort der Schriftleitung: Der verehrte Verfasser der „Probleme jüdischer Erziehung hat in seinen bis jetzt erschienenen Arbeiten, denen er hoffentlich noch weitere folgen lassen wird, Gedanken der jüdischen Oeffentlichkeit unterbreitet, deren Behandlung in den Kreisen der jüdischen Erzieher allgemeines Interesse gefunden. Wir glauben darum, annehmen zu können, daß die angeschnittenen Fragen einen regen Gedankenaustausch Hervorrufen und stellen zur weiteren Erörterung unser Blatt zur'Verfügung. Jüdische Aufgabe und Vollendung. Sabbatvortrag von Nathan Adler, Nürnberg. Au- 2M2V Ti *130 .DK3X tai psn traiffn In einfaches Deutsch übersetzt bedeutet dieser Vers: Himmel und Erde waren vollendet, mit allem ihrem Heere. Französisch: Et toute leur armee. Jüdische Auffassung versteht unter der Vollendung des Himmels und der Erde: nsax *>si, die Begrenzung und Umschreibung ihrer Aufgaben, »ix heißt auch Aufgabenkrets, der Berufe rote rotr ttt 93cxrrttbf><tr finden: (8, 24/25) |am /rra«' ms tcrs-» nly»i nzvr erxjrr •~ny 73y mavn rasn mv Jedes *>2 enthält eine Berufsaufgabe für die 'aa. Dem Midrasch*) zufolge wurde dreien eine sns, eine ll'nvimb sas .fis!?i Tmb sns :jn oxax 's ntsrVs "i “ins (* sbn ('T avs) nasw piiwixaxi :bms ’jm 'w ba (t"’ ai's) nnsaw •('■» n»"iQ jwwna ,na*i »Tt») *yw i'2V '»'21 yirr wusisax lebensumspannende, daseinsschwere Aufgabe gestellt: 1. Himmel und Erde, 2. den Schülern, 3. den Leiden (a'-nc*»)« Unermeßlich wie die Himmel mit ihren unzahlbaren Gestirnen ist ihre Aufgabe; unübersehbar wie die Erde mit ihren wolkenhohen Gipfeln, ihren unergründlichen Meerestiefen ist ihre Bestimmung. Wenn auch die Sonne über Gerechte und Ungerechte scheint, so lehrt doch die Geschichte und die Erfahrung, daß es manchmal auch anders kommen kann. Täglich sprechen wir beim Ausstehen und Niederlegen die göttliche Warnung aus: -io» N'N' st>i D’nipn ns nsyv Und nach der Sabbatruhe hoffen wir, daß uns Gott immer wieder gebe vom Tau des Himmels und von der Fruchtbarkeit des Erdbodens. 0'ÖVN bva *jV JJl’l sw- Moses ruft Himmel und Erde als seine Zeugen an, daß sein Volk für alle Geschlechter Diener seiner Tora zu bleiben gelobte. Unter Josuas Führung leuchtet Israels Höhensonne in die fliehende Nacht, bis der letzte Feind und Widersacher dahingerafft ist. Gegen Sissera streiten die goldenen Gestirne aus ihren Bahnen. Elias Wort verschließt den Himmel auf Jahre. Und aus Jeremias Klage um den Fall der Tochter Zions erblicken wir den verdüsterten Himmel, die umflorte Sonne und den verfinsterten Mond als weltgeschichtnairn lOinterarimD. MW iinD Donnerrollen Der fori bige Bogen der Wolken, die wir als Machtäußerungen unseres Schöpfers mit Worten des Segens begleiten, verfehlen wohl auch nicht ihren Eidnruck auf ganz primitive Menschen, die mit der Natur erwachen und schlafen gehen. W i r aber, die die Bestimmung, von Geburt an tragen, Dean -na^ ■*pa bai bedürfen der Naturbetrachtung, der Lehre des Himmels und der Erde und ihrer Atmosphäre nicht so sehr. Denn ava nun na'«?» n»'»n, . wir finden beim bloßen Blättern in ihr alles, was der fragenden Seele als Antwort dient. Welches ist wohl unsere Aufgabe, unser sax, da wir alle Tage unseres Lebens in die Schule der Tora gehen? Wir dürfen wohl als Ziel unseres Studiums dasselbe angeben, wie einst Salomo der Weise: aan ab ein wissendes, weises Herz, inwa oan aV* Der Weise untermirft fein Herz hem Rechten unb hem Recht, er [eine (Befühle mii der [eines Willens. Bezeichnenderweise bittet Salomo Gott um ein weises Herz, nicht aber um ein weises Haupt, das nur Intelligenz und Logik gebiert. Er ersehnt die Weisheit, die im Herzen wurzelt, Weisheit, die sich mit Empfindung und Gefühl paart. Als Landesvater möchte er ein fühlendes, verstehendes Herz, das für jeden Bedrängten schlägt, aber auch dem Schlechten und Gemeinen gegenüber sich noch entrüsten und empören kann. Und als er die echte, wahre Mutterliebe als ausschlaggebenden Faktor in seine Rechtsprechung setzt, ertönt ein na: ins s’n! Mit einem oan a$> ausgestattet, hofft er die schädlichen Wirkungen eines b'02 a^ zu paralysieren, die Gistblüten eines frech witzelnden Schlangenheeres der Spötter zu vernichten. Mögen die Todesstrahlen auch von oben kommen, sie mögen aus dem Schwertknauf eines Joab blitzen oder aus den Jntriguen eines von der urteilslosen Masse vergötterten Adonia schießen — oan aS das in den Bahnen der Weisheit gebildete landesväterliche Herz bekämpft und besiegt sie.*) Ein weises Herz kann nur Gott verleihen, wie er allein nur ein reines Menschenherz, ein unv ab, schaffen kann und schafft. Zusammengefaltet wie ein versiegeltes Buch ruht das Kind im Schoße der Mutter und der himmlische Bildner gräbt in seine Blätter die Züge des Charakters, die Quellen seines Geistes im ftp. m dmiafoiL Um sin [MN tmi um ft» königliche Äaler (Ps. 51) rfsh stn» aV a*>pbs- Wohl glaubten die klügsten und gelehrtesten Männer Davids, daß Gott ihn verlassen habe, weil er mit gewöhnlichem Maßstab gemessen, rein äußerlich betrachtet, durch den Uriasbries gesündigt hatie. Achitofel und Doeg wußten aber nicht — sagen unsere Weisen — daß wenn auch eine Sünde eine fromme Tat verlöschen *) Ganz populär gesprochen: Zum Weh-reden gehört keine nö2n- Wohl aber muß man naan und besitzen, um dem andern etwas Liebes und Gutes zu sagen. Wer selbst keine Verdienste hat, kann auch bei seinem Nächsten keine finden und wenn sie noch so klar vor aller Welt Augen liegen. — Wie tief lassen bei allen literarischen Lorbeeren, die er sich mit seinen Werken errungen, die Worte Heines blicken: „Meine Lieder sind vergiftet, wie könnt es anders sein!"

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