Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 49 (2.12.1926)
- Date
- 1926-12-02
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-2450388-2450437--73646-2531069- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
2. Dezember.1926. ' , Der I s r a e l i t Nr. 39 Seite 13 zündeten Lichtlems, das dem Sohne recht lebhaft das zur Wirklichkeit gewordene Scheoffo Niffim zu künden schien. Doch bald mußte man sich wieder trennen. Schweren Herzens, als ahnte er das Kommende, schied er von hte tf>rr ntii hen SBorten ivcs pmflerlt<f)eri Segens g^ieüeie. S^un galt «s no(|r ben Zysten an Vittetsperr« gu passieren, ha ttn lag das Schwerste hinter chm. Scheu suchte fern Blick den hinter, der Kette aufgepflanzten Militärpösten,. .Was dürfte der ihm .tun, - wo er weiter nichts getan hatte, 'als einer alten Frau ein Herz voll Liebe zu sperren? Wen ging es etwas an, wie und wo er feine freie Zeit verbracht hätte? Doch des Gesetzes Strenge kennt keine Gefühlsreflektionen, seiner. Üchertretung muß die Sühne werden. An der Sperre würde der Urlaubsschein beanstandet. In ein scharfes Berhyr gebracht, legte der seiner Fassung völlig beraubte Landsturmmann ein. volles<Gestänbnis ab. Der Schein wurde ihm entzögen, er selbst äber, da er' sich legitimieren konnte, auf freiem Fuge belassen. - Was nützte es, daß er bis zum diensthabeyden Offizier vordrang, daß er -den hohen ' Vörgefetztey.. ' im Namen seines Mütterchens Um Gnade flehte. Mit. wundem Herren, trat .Edie.Rückreise' dtt: Nock» lebte ein Fünkchr» Hrstnnnz zuf Um mans^liH-a RaZMZ im Harzan des Offiziers kn ihm. Er. sollte bald, eines Besseren belehrt werden,'als 'er nach einigen Tagen zu seinem Kompaniechef beordert..wurde:., Die nun-folgenden Tage und Stunden, die Verhöre, und Vernehmungen mit all den Martern, die ein Militärgerichtsprozeß im Gefolge hat, lassen sich schwerlich beschreiben. Im ersten Moment, als sein Glaube an die anderen Regungen eines Menschenherzens so schnöde Schiffbruch gelitten chatte, glaubte' er jeden Hält seines Gottvertrauens verloren zu haben. Dann aber kehrte doch die Ruhe soweit zurück, daß er sich zu einem-bewußt ausgesprochenen gam tu l'tauwöh durchzuringen vermochte.' Mit einer gewissen Zuversicht sah er dem Ende des Prozesses entgegen, zumal die Sympathien des ganzen Lagers auf seiner Seite standen. Der Termin des Prozesses, dessen Lauf man absichtlich beschleunigte, um ihn noch unter die an Kaisers m TnFffttfnh" SfmnfjÄt fMn M ifllfsn» wurde auf Anfang Januar festgesetzt. Die Nicht-er, Männer mit warm empfindenden Herzen, zeigten äußerstes Verstehen für den Fall, aber der strenge Paragraph des Strafgesetzbuches war unerbittlich. Eine kleine Gefängnisstrafe wurde als angemessen erachtet. Sie gelangte einstweilen nicht zur Vollstreckung und wurde durch die bald eintretende Amnestie am 27. Januar — es war der letzte offizielle Geburtstag des deutschen Kaisers — aufgehoben. Inzwischen hatte Landsturmmann S. ein Gesuch um Versetzung in seine Heimatgarnison eingereicht, das auf dem üblichen Instanzenweg'mit dem eigenhändigen Vermerk des Generalinspektors „sofort zu versetzen" zurückkam. Das rauhe Kriegsleben hatte auch unter der strengen Kälte die Menschlichkeit nicht ganz erstarren lassen. Ganz kurz vor Purim traf S. bei seinem Mütterlein MN lMMWl MN! »«Meinst? MH gMtfiJ? Herzen, die nun für die Dauer des Krieges — und auch nachher — vereint sein durften, und besonders den jungen Soldaten durchbebte das Scheoffo Niffim beim Verlesen der M'gilloh mit elementarer Macht, hatte sich doch das gam su l'tauwöh seiner optimistisch jüdischen Lebenseinstellung in so wunderbarer Werse an ihm selbst bewährt. Es war einige Jahre später. Die auf das zerfleischende Kriegswüten gefolgte Ruhe hatte die mannigfachen Schäden und Wunden zu heilen begonnen. Der ehemalige Landsturmmann S. hatte inzwischen eine wohlgeachtete Stellung in seinem Heimatsort erlangt. Nun war es ihm endlich auch gelungen, seines Lebens Ziel zu verwirklichen, das darin bestand, in einer gleichgesinnten Gattin seiner Mutter eine liebende Tochter, sich eine flfü? fjY't’P Seben gu jw&eiXj mit i>er er gemeinfam ein wahrhaft jüdisches Haas äufgurtHtcn hoffte. Wiederum war Chanukka herangenaht. Wiederum entzündete S. das Lichtlein im trauten Familienkreise, diesmal an -einer silbernen Menorah, die ihm seine Gattin als leuchtendes Wahrzeichen geschenkt hatte. Als er nun die Brochaus anstimmte, da empfand er erst recht die. Bedeutung des Scheoffo Nissim und mit den Gefühlen der Freude und Dankbarkeit pries er Ihn, der ihn am Leben gelassen hatte, um ihm Wunder zu erweisen wie einst „unseren Vätern in jenen Tagen um diese Zeit." Der Markt in Tel-Äviv. Fritz Reuter erzählt in einer seiner Anekdoten: Zwei jüdische Händler fahren an einem Sommertage in einem Planwagen über die Landstraße. Während sie der Schatm ööc NiimmMllW Wützt, slWlM aus Der WMIM Msittkldpsstmtev m (Blut te« E5MS. So armfaiia diese gedrückten Menschen sind, dünken sie sich doch noch mehr als die Juden, und darum rufen sie den beiden Juden in dem vorbeifahrenden Wagen höhnische Worte nach. Der eine der Juden regt sich: über die Frechheit aus, der andere behält seine Ruhe und sucht seinen Freund zu besänftigen, indem er zu ihm tröstend sagt: „Laß sie nur! Wenn der Moschiach kommen wird, dann werden He im Planwagen fahren und wir werden Steine klopfen!" Wenn Reuter richtig prophezeit hat, dann ist der Moschiach schon gekommen, denn in Palästina sitzen „sie" im Wagen und „wir" klopfen Steine. Dieses.Bild zeigt Hch heute in Palästina immer wieder: Der gemächlich vorbeikutschierende Araber und der schwer arbeitende Jude. Als ich Erew Sukkoth einen Gang, nach dem Markt in Tel-Awiw machte und neben dem Markte Autos und Droschken mit Arabern' von und nach dem Meere vorbeifuhren, fiel mir die Reutersche, Anekdote wieder ein. Stuf ivetn 'SJlärfie zoetttf arrrtfeltge, jiibt jc^e £Diert jc^erti Sa* Mütt«vch?n stlhstgrmaHle Lvckschen feil. Lockschen sind Nudeln. Wenn man aber Nudeln verlangt, erhält man Nadeln. Chaos der Sprachen. Ein alter Jüd sitzt oor einer Kiste mit Cthrogim. Dieses Jahr ist Baisse, und vielleicht wird darum der Verdienst gerade längen, den Jom-Tow zu feiern. Die hinter ihren Körben hockenden Frauen haben Eier. Ihr Verdienst kann bei dem bescheidenen Quantum durchschnittlich nicht mehr als ein Shilling: .pro Markttag fein. Wem das . Geld nicht zu frischen Fischen langt,- geht zu einem der sechs Heringsfässer,--deren sechs Besitzer sicherlich sechs Familien zu ernähren, haben, Eine bekannte Gestalt kündet sich mit Singsang an; es ist ein jüngerer, bebrillter Mann, der feine selbstgemachten Bretzeln stets singend anbietet. Daß der arme Kerl nicht heiser wird. Langsam schreitet ein ausgemergelter Mann auf und ab. Sein ganzes Warenlager hält er in der einen Hand. Es sind Nadeln für den Primus, die in .Palästina übliche Petroleumgas- KzHrnWiiiz. M Maia Mal« Man Ute b. h. zehn deutsche Pfennige. Mein Herz, — was bist du so erregt? Du fühlst die Sorgen so vieler aus diesem Markt ihren Erwerb juchenden Menschen. Du möchtest diese Armen für einen Augenblick froh machen. Hier einen Piaster, dort einen Piaster — und die Augen werden hell vom Glanze des Hoffnungsschimmers. Dann, mein Herz, wirst du auch frei und froh sein! Du möchtest. . . Es gibt auch Verkäufer mit der Ruhe der Sorglosigkeit im Gesicht. Da sind vor allem die orientalischen Juden, z. B. die aus dem arabischen Jemen eingewanderten Themaner. Sie sind den arabischen Fellachen so sehr assimiliert, daß sie ohne Verlangen nach Kultur bedürfnislos dahinleben. Der Unterschied dürfte nur der sein: der Fellache (Fellah-Bauer) ist ein religiöser Mohammedaner und der orientalische Ben-Israel ein religiöser Jude. An einer der Straßenecken vor dem Markt ließen — Den ©triff Dis Dienftntannsi(BonjQrBos um Den Leib — den ganzen Tag aus dem Pflaster barfüßige Themaner — alte und junge — und träumen oder schwätzen, bis ein Zuruf den einen oder den änderen auf die Füße stellt. Mit einem-Shilling kann sich schon eine Familie pro Tag ernähren: Oliven, Tomaten, Melonen, Weintrauben und das runde, flache arabische Brot genügen an den sechs Wochentagen und setzen kein Feuer in Bewegung. Schlimm ist es, wenn diese Kinder des Orients mit der Kultur in Verbindung kommen. Sie werden dann Affen der Kultur und degenerieren sehr schnell. Eines der zahlreichen jüdischen Probleme, um das sich bis jetzt noch niemand gekümmert hat . Die Juden aus Arabien, aus Persien, aus Marokko empfinden Palästina schon jetzt als das gelobte Land. Keine Bedrückungen, ein milderes Klima, leichtere Erwerbsmöglichkeiten und dazu das beglückende Veroußtssr», i» liHirn fl«wä zu IiBiti iaj (Satt uni Mfchichts einem zu Eigen gegeben hat! ... Im Sande der Straße, auf die der Markt ausmündet, hocken Fellachinnen, das Gesicht mit grünen Arabesken tätowiert und zum größten Teil durch Gehänge von Silbermünzen verdeckt. Sind sie noch Mütter kleiner Kinder, dann liegen oder krabbeln diese neben ihnen auf einem Tuche, Die Fellachinnen bieten je nach der Jahreszeit irgend eine Landesfrucht an. Gegenwärtig haben sie Sabris, eine Frucht, aus der sich die in Hamburg besonders beliebte rote Grütze bereiten läßt. Vor einigen Monaten waren es die Maulbeeren, die sich zur Bereitung dieses Pudding eigneten, den man in Deutschland aus Johannisbeeren herstellt. mm MW SöDuinon in WM slWlllW WrWn sitzen düneben. Der eine hat noch grüne Zitrsnen vor sich ausgebreitet, der andere frische Feigen und der dritte einige riesige Melonenkürbisse, die ein schmackhaftes, den gelben Rüben ähnliches Gemüse geben. Die schönsten Verkaufsstände des Marktes haben einige Araber im roten Fez. Sie haben die reichste Auswahl, an Obst und verstehen es, dieses schön fürs Auge aufzutürmen. Der Araber zeigt Schönheitssinn, er liebt die Blumen und hat gern einen bunt gefiederten Vogel im Käfig. Eben läuft ein arabischer Bursche mit drei Lulawim an mir vorbei. Er fordert für die drei Stück zusammen zwei Shilling, wird sie aber sicherlich auch für einen Shilling geben. Die Juden außerhalb Palästinas würden diese etwa einen halben Meter langen Lulowim als viel zu klein zurückweisen, hier sind sie aber die beliebtesten. r?fi8i?I?U jüdischen spatäjüna ijt übrigens nach mandjerlei kürzer. So gibt es mit Ausnahms des RosMaManah nur einen Tag Ivmiaw, und das Machsor kennt keine Einschaltungen. Der Markt gibt aus seinem kleinen Raum ein Bild von dem, was man das Volk nennt, er erzählt von den kulturellen und wirtschaftlichen Zuständen des palästinensischen Proletariats. In das bunte Bild des Marktes bringt der Erew Jomtow einen Zug der Einheit: der Jude mag thoratreu oder thorauntreu sein, er mag am Jomtow in die Synagoge gehen oder nicht, am Jomtow möchte er Huhn und Fisch auf dem Tische haben. Darum kosten die Fische, die gestern noch von zwei bis vier Piaster zu kaufen waren, heute vier bis sechs Piaster die Onze (1 Onze y2 Pfund). Saly Geis. Ainderecke. Chanukka-Prolog. Festesglanz und Festesfreude In dem Saale lichtverkläret, Und die Mienen voll Erwartung, Was der Abend wohl bescheret. Drum in Lichtesfesteszeichen Steht der heut'ge Abend ja. Jubelnd sangens unsre Kleinen L'hadlick ner schel Chanukka. Wenn des Abends Friedensfittich??nft nnf mm mir flM W MMl, Wenn die Siernlein,traut erglänzen. Dann ertönen Judas Lieder. Seltsam klingen sie dem Fremden, Wie uralte Melodie. — 'S ist das Lied der Makkabäer „Moaus zur jeschuosi".' Antiochus Epiphanes König einst der mächt'gen Syrer, Sandte gen das Volk der Juden Seine besten Heeresführer. Denn sie wagten ihm zu trotzen, Seiner Willkür Blutgesetzen; Und in heil'gem Grimm zerbrachen Heidentempel sie und Götzen. Mit Kamelen, Elefanten, Wägern Roß und vielem Volke Z8Z Ml* TLinr zmu hMzru ZzM Wie gewitterschwere Wolke. Welch ein Kampf! So ungleich wahrlich Selten einer ward erhöret; Hier die> Syrer wafsenstarrend, Juda dort, fast unbewehret. Aber Er, der Schlachtenlenker War auf Seite der Gerechten, Half den Kleinen und den Schwachen, Die für Haus und Heimat fechten. Lieber tausend Tode leiden, Als vom Glauben abzuweichen; Darum schenkt der Herr den Seinen Einen Sieg fast ohnegleichen^ Und gereinigt roard der Tempel. OM DlMMn Soli zum MIß, Die Levitenchöre sangen Psalmen nach der Väter Weise. Und als man vom heil'gen Oele Ein klein Krüglein Nur könnt finden, Sieh! Da reichte es acht Tage, Die Menorah zu entzünden.!)rum in jedem jüd'schen Hause Strahlen heute Freudenseuer, Seine Flammen leuchtend künden i)es Makkabis Siegesfeier! kinst wird wie in jenen Tagen juda blühn aufs Neue wieder, lnd fein Tempel herrlich ragen, mmg tonen gtons Li«, M da einst mit Tränen säten, jubelnd ernten werden sie! lnd dann klingts wie Siegsfanfaren Moaus zur jeschuosi!" Das Trenderchen. Eine Chanukohgefchlchke von Edith Levi in München. Ganz draußen, am Ende des Dorfes, stand ein altes, wackelig gewordenes Häuschen. Da lebte der kleine Benjamin mit seiner kranken Mutter. Es war kurz vor Chanukoh. Am Tische brannte eine Kerze. Beim flackernden Licht saß er bet itttb vsrssrtigts kunstgerecht zierliche Trenvrrlcm. Diese wollte er verkaufen un^ so er, mit seiner Kunstfertigkeit seiner Mutter eine!leine Chanukohsreude zu bereiten. Mit Geschick chnitzte er kleine würflige Klötzchen. In die Mitte bohrte er sorgfältig eine Oeffnung, in diese teckte er ein Hölzchen, und nun mußte das Ding unzen können. Schön im Kreise sollte es sich irehen und nicht unsicher nach rechts und links allen. Doch das geht nicht so auf einmal. Immer mußte er wieder daran zurechtschneiden, bis es ich endlich wie ein Kreisel drehte. Der Knabe satte seine Helle Freude, wenn eines besonders schön tanzte und dann wurde es natürlich auch