Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 49 (2.12.1926)
- Date
- 1926-12-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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2 Dezemver 1926 Der Israelit Nr- 4S Seite möchten, als es seitdem leider geworden ist. Denn gerade — es muß leider betont werden — jüdische Firmen orthodoxer Richtung ergriffen nur zu rasch diese Möglichkeit der Verbilligung der Arbeitskräfte und es ist gar nicht auszurechnen, wieviel männliche junge Angestellte damals — ich spreche aus eigener Erfahrung — aus Not, weil ihnen vielfach die jungen Damen die Stellen weggenommen hatten, naw fein mußten und dann bekanntlich nur äußerst selten den Weg zum nas? zurückfinden. Von Anfang an, und ich wurde im Laufe der Jahre darin immer mehr bestärkt, bildete sich bei mir die prinzipielle Ansicht aus, daß — beim orthodoxen Judentum mehr als bei anderen Glaubensrichtungen — die Frauen, schon im ureigensten Interesse der späteren Versorgung sich nur den eigentlichen Frauenberufen - btefe fotoett «ls nur men foUlen uni ich tjaie dies? Ansicht im Lausk V0N Dezennien, die inzwischen darüber hinweggegangen stnd, nicht nur bestätigt gesunden, sondern auch trotz glücklicherweise sehr veränderter Verhältnisse und Lebensbedingungen im eigenen Hause und bei eigenen Kindern durchgeführt. Nach diesen notwendigen, sicher nicht nur persönlichen Reminiszenzen ist es mir möglich, auf den eigentlichen Gegenstand des zur Debatte stehenden Problems zurückzukehren. Denn es ist ja heute sicher ein schweres Problem, was jüdische und gar orthodox-jüdische Eltern mit ihren herangewachsenen Töchtern ansangen sollen. Und es ist ja doch sicher heute nur allzugut bekannt, daß die Möglichkeit der Versorgung der Töchter in dieser verarmten Nachkriegszeit fast an ein Wunder grenzt, und daß es ein Glück genannt werden kann, wenn sorgerfüllte Eltern sich ihr JHB3 noch erhalten haben. Wie sicher »iefe andere mir gleichgesinnte Ellern nnl» mle ich l»ererts anbentete^ k^abe ich also meinen Töchtern die denkbar beste Schulbildung angedeihen lassen, und nun sind sie also glücklich befähigte Kindergärtnerinnen mit bestandenem Examen. Und nun stellt sich heraus, daß sie in keinem jüdischen Haus, wie übrigens von allen Kindergärtnerinnen bestätigt wird, eine angemessene Tätigkeit finden können. Da Alle, wie auch die „Hausfrau in Not" ihr keinen Familienanschluß gewähren wollen, weil ihnen, den „Herrschaften", das jüdische junge Mädchen „zur Qual" wird, das aber in vielen Fällen ihnen geistig und in bezug auf Charakter- und Herzensbildung mindenstens ebenbürtig ist. Das ist eben der wunde Punkt in unseren heutigen jüdischen Familien „erster Güte". Dieser wunde Punkt muß noch mehr ausgerissen und ausgeheilt werden, ehe an eine Besserung zu denken ist. Es sollte eigentlich in jüdischen frommen Kreisen keine Menschen erster, zweiter und dritter Qualität geben. Hat doch '"vn in seinen nnann mw direkt neben *|nai ^a nvrri *na? gesetzt und die jükMk YM srM IMMM iinM nisin ün itlöNSkZ junges München nuTiTerfier Ansmwnng unD auch ans erster bis dritter Familie fetzen können, weil sie ihr nicht das Vertrauen sntgegenbrrngen kann, in ihrer Gegenwart über familiäre Angelegenheiten zu sprechen!? Aber das Vertrauen, daß die Kindergärtnerin gut zu ihren Kindern ist, daß sie in der Küche ihr das nvrco anoerträuen kann, hat sie wohl oder vielleicht noch mehr zum christlichen Mädchen? Ich weiß, und auch das aus eigener langjähriger bester Erfahrung, daß man sogar einem christlichen jungen Hausmädchen Vertrauen entgegenbringen kann und um fo mehr Vertrauen erntet, je mehr man ihm gewährt, daß man auch christliche Mädchen am Tische essen lassen kann, um wieviel mehr jüdische und daß sich das alles sehr gut bezahlt macht. Und daß man in Gegenwart von solchem Personal auch manches Vertrauliche hören lassen darf, ohne in seiner Vertrauensseligkeit getäuscht zu werden! Es soll nicht bestritten werden, daß es Angelegenheiten gibt, die Mann und Frau unter vier Augen besprechen wollen. Dabei würde aber doch auch die Anwesenheit der eigenen Kinder stören und trotzdem finden die sich narüDer nnszusprechen. Msn füllte es auch Gelegen! ijeit dazu geben, wenn jüdisches Personal gemahnheitsmäßig am Tisch mitrßt. Familienanschluß ist wohl sicher nirgends so gedacht, daß das junge Mädchen den Herrschaften auf Schritt und Tritt, folgt oder nur folgen möchte. Ein junges Mädchen darf aber auch — sogar in den Fällen, wo es ja ■ gnädigst mit am Tisch essen darf, nach Tisch allein ist und keinerlei Ansprüche und Anschluß mehr findet, nicht ganz allein gelassen werden. Sonst kann ein Vertrauensverhältnis unmöglich aufkommen. Diese Ausführungen bringen mich dazu, den Schluß zu ziehen, daß in jüdischen Häusern Stellung für eine Kindergärtnerin mit der Vorbildung einer solchen und sogar noch der Ausbildung als Säuglingsschwester, nicht gegeben ist. Hausfrauen, die diese Position nicht einräumen,' sollen sich für eine.Köchin, eine Plätterin, ein Hausmädchen entscheiden, von diesen dann aber nicht erwarten, daß auch ihre Kinder so betreut werden, wie von einer geprüften Kindergärtnerin, die sie erziehen, im Jüdischen unterrichten und ihre Aufgaben verfolgen kann ufw. Daß eine christliche Kindergärtnerin weniger anspruchsvoll fein soll, mag in einem oder dem anderen Fall zutreffen, jedenfalls gibt es aber wahrscheinlich mehr Fälle, in denen eine christliche Erzieherin mindestens ebensoviel Wert auf Familienanschluß legt und daß sie noch viel weniger darauf eingeht, es ihnen wohl auch noch viel weniger zugemutet werden würde, als einer jüdischen jungen Dame, zu alle Arten Hausarbeiten herangezogen zu werden. Daß eine jütujiäje Kindergärtnerin ^ctusmirtjc^a|tlicf> ojt nntnch. tig ist und gröbere Arbeiten nicht übernehmen will» ist ja bei deren Vorbildung meist nicht anders möglich; trifft aber gewiß auch nicht immer zu und gehört eben ins Gebiet der Köchin oder des Hausmädchens, die ja eine Kindergärtnerin eben nicht ist. Daß sich übrigens eine solche in Ausnahmefällen diesen Arbeiten keineswegs entzieht, weiß ich auch aus Erfahrung. Die Tatsache, daß heute von allen jungen Mädchen, die schon Stellungen irgendwelcher.Art iir jüdischen Haushaltungen inne hatten, ganz eindringlich von der Annahme gleicher Stellungen abgeraten wird, ist Beweis genug, daß die jüdischen Hausfrauen anscheinend noch nicht die richtige Behandlungsart herausgefunden haben. S. S. in H. (Eine große Anzahl weiterer Zuschriften, die sich in ähnlichem Sinne äußern, sind uns inzwischen zuge- PJTgffl, Nkö.) Wohin strebt unsere Zugend? Geehrte Redaktion! Sie haben zweifellos recht, die heutige und insbesondere die jüdische Jugend sucht das große Ideal. Sie kann nicht einsehen, weshalb sie ihre große Liebe nur auf einen Teil und nicht auf die Gesamtheit der Menschen ausdehnen soll und in ihrer Weltauffassung drückt sich dann das unbedingt Weltumfassende, wenn auch häufig in verworrener Form aus. Doch so interessant und richtig Ihre analytische Kritik an der heutigen Jugend ist, so unzureichend erscheinen mir die Mittel, mit denen Sie die abtrünnige Jugend wieder gewinnen, bezw. die treu gebliebene festhalten wollen. Zwei Tatsachen müssen, bezw. können vor allem in Betracht gezogen werden. 1. Verwechselt die jüdische Jugend zum großen Teile m formalen eeijren Des »enmms mit Deren eattcoen Inhalt unv vergißt ganz. Daß Die Mw uns Mstverstündlichen moralischen und ethischen Prinzipien der menschlichen Gesellschaft fast durchwegs den jüdischen Lehren entnommen sinö. 2 Kann in Betracht gezogen werden, daß die Jugend heute vom Rationalismus bereits entschieden abgerückt ist und die materialistischen Ideen des vorigen Jahrhunderts überwunden hat. Aus unserer Lehre vor allem das herauszugreifen, was der heutigen Jugend heilig erscheint, die sozialen und allgemein menschlichen Ideen; dies der Jugend zu interpretieren und ihr — wie Sie in Ihrem Artikel ja auch streifen — vor Augen führen, daß der ethische Inhalt der neuzeitlichen sozialen und geistigen Strömungen in unseren Büchern längst enthalten ist und einst lebendige Tatsache war — dies muß unsere Aufgabe sein. Der reine Rationalismus des vergangenen Jahrhunderts hat endgültig Schiffbruch gelitten und ist durch die unselige Entwicklung der letzten Jahrzehnte ad absurdum geführt worden. EmnortimeficnDer ADMaMr rnmenDes Qniereife an spirlMisOM unö mystischen 3Dsen zeigen öentli®, Baß die Menschen mit einer rein verstandesmäßigen Erklärung des Weltgeschehens nicht auskommen. War der vergangenen jungen Generation das Protoplasma die Lösung der Frage der Wertentstehung, so empfindet die heutige Jugend instinktiv, daß wir mit unserem bloßen logischen Denken die Kardinalfrage nicht lösen können und allerhand neue Lehren stellen dem Rationalismus die Schicksalsidee entgegen. Alle diesen neuen Ideen enthalten im wesentlichen den Glauben an irgend eine höhere Macht, nur lassen sie meist den tiefen, ethischen Inhalt der großen Religionen vermissen. Trotzdem, obwohl in unserer heutigen Jugend sich deutlich wieder die Sehnsucht nach einem unbedingten Glauben geltend macht, wendet fte sich in immer größerem Maße von den bestehenden Glaubensgemeinschaften ab und negative Ideen (wie die Gedankengänge Spenglers) beherrschen den Markt. ' Lehrkanzeln müßten geschaffen werden, in denen der Jugend die aalten jüdischen Gesetze aus ihren sozialen Inhalt hin (Jobeljahr ufw.), die jüdischen alten, freiheitlichen Gedanken mit dem betonten. Persönlichkeitsgefühl innerhalb der sozialen Gemeinschaft gelehrt werden undder Jugend müßte, klar gemacht werden, daß unsere Religion nicht identisch ist mit einem starren Formalismus, sondern daß sie an den ewigen, ethischen-, menschlichen und sozialen Ideen durch den Wandel aller Zeiten hindurch festhält und dieselben zur verwirklichen bestrebt ist. Die Jugend dazu heranzuziehen, ihr dies als ihre 8kösik LMnsanWOe gu romen. Dies Ist meiner Mißt na© Der Weg, um dis Jugend, die heute in olle» politischen, sozialen und philosophischen Strömungen die ewige Wahrheit sucht und nicht findet, unserem Glauben wieder zurück zu gewinnen. Es ist klar, daß die alten jüdischen Gesetze und sozialen Vorschriften nicht ohne weiteres auf unser heutiges, modernes Leben übertragen werden können.- Dies ist auch nicht nötig, aber der strebenden Jugend soll eine Brücke geschaffen werden zwischen der heutigen Zeit und dem alten Glauben. So z. B. sind die heutigen, sozialistischen Ideen automatisch den bestehenden Religionen gegenüber feindlich gesinnt, da in den Augen der Sozialisten alles. Religiöse als reaktionär gilt. Wenn wir aber der Jugend zeigen, daß der ethische Sozialismus auch in unserer Religion enthalten, ist, rvsnn wir Lurch. Studien und Geschichtsserfchnngen in Äiäsztll Qmu löetüelse erbringen, so roir4>. t>er Sojjiaflsraus auch her unserer Jugend keinen Gegensatz zu einer religiösen Weltauffafsung bilden, sondern die Jugend wird imstande sein, den inneren Wert der heutigen^ sozialistischen Bewegung aus seiner parteipolitischen Umrahmung loszulösen und festzustellen, daß dieser innere Wert auch im Wesen unserer Religion liegt und daß die moderne Bewegung durchaus keinen - Gegensatz zur Religion bilden muß. C. Der Schochtimverband und seine Zukunft. Vor mir liegen die Statuten des neu gegründeten Schochtimverbandes. Wenn der Verband eine Gewähr für dauernden Bestand bieten soll, um ein bleibendes Wahrzeichen echt jüdischen Strebens bilden zu können zum bleibenden Segen für spätere Zeiten dann müssen die Statuten, die Basis dcrzn bilden. m sF[t«F Nklye müssen es Die fernen Mvmmr sein, mit Denen wir Hand in Hand die Statuten einer Prüüng unterwerfen wollen. Vieles gefällt mir im jetzigen Anfangsstadium nicht an ihnen; und. wenn der Verband nicht wohl' ein Eintagskind sein soll, dann muß ein energischer Eingriff geschehen. Auf die einzelnen Statuten will ich-nicht eingehen. Die wenigen Schochtim können ein solches Werk nicht schaffen und unterhalten. . --'v Ein Schechito ohne aüfsichtführenden Rabbiner ist nicht denkbar und gewiß nicht ein Schochtimverband ohne solche. Es sollen in erster Reihe Schochtimschülen And' Fortbildungskurse gebildet werden; es soll an unserer Weiterbildung gearbeitet werden, dazu brauchenwir führende Männer und 'tatkräftige Stützen.-'- Dazu brauchen wir auch der Hilfe der einzelnen florierenden echtjüdischen Verbände Sie alle wollen wir zu einer weiteren GründungsoerjcrrruTiIimcj imjeres 93erf>cmöes ayjryjj^jyj }j]8§fil Mitarbeiten an einem bleib enden Wahrzeichen > zur Her bung unserer Schechito und unseres Kaschrus in Deutschland. ' Es sei mir fern, den führenden Vorständen" des- Schochtimverbandes vorgreifen zu wollen; ich will ihnen nur den Weg zeigen, auf welchem sie zum Ziele gellangen sollen und können. . . Vielleicht gelingt es in nächster Zeit, eine Versammlung führender Rabbiner in Verbindung mit dm einzelnen Schochtim einzuberufen, um den Grundstein zw legen. M. Schloß, -Diersburg. Junger Mann rf. in Buchhalt.. Stenorphie u. Schreibmaschine rt Lebensmittelgroßhdlg. n baldigen Eintritt gesuckt 9 u. v"' geschlossen Off. ter 23372 an die Erped. Engrosgeschäft in Kurz-, Strumpf- und Wollwaren in Mainz, sucht per 1. Jan. einen branchekundigen Sit Reisenden der auf eine Schabbos freie Stelle reflektiert. Off. unt 23371 an die Erped. d. Bl. Lockt. Ikontorist der in allen Arb7tten perfekt ist für sofort gesucht. A sführl. Offerten mit Bild, Gehattsanfpr. u. Zeugnisabschriften an M. Rothmann & Co, Manufakturwaren- Großhandlg., Gelsenkirchen Samstags geschlossen. Jiing. 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