Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 49 (2.12.1926)
- Date
- 1926-12-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2450388-2450437--73642-2531065- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
2 Dezember 1926 Seite H Nr. 49 Zwischen zwei Feuern. Warschau, 17: Nov. In der Stadt Kattowitz, wo in diesen,Tagen die Stadtratswahlen durchgeführt wurden, erlangte die jüdische Liste nur 678 Stimmen, also einen Bruchteil der jüdischen Stimmenzahl in dieser Stadt. Nun ereignete sich der Fall, daß sowohl die deutsche, als auch die polnische Härtei in Kattowitz gegen die Juden den Vorwurf erheben, sie hätten für die andere Seite gestimmt. Bulg«vieu. Die über antijüdische liti- Sofia', 21. Nov. : Auf eine Anfrage des Verbandes jüdischer Journalisten in Wien, ob die Mitteilungen gewisser Zeitungen über antijüdische Ausschreitungen in Sofia,, insbesondere während des vergangenen Versöhnungstages, auf Wahrheit beruhen, erwiderte das Konsistorium der Jüdischen Gemeinden Bulgariens mit einem Schreiben, dem zu entnehmen ist: Am Versöhnungstage haben einige christliche Knaben' einige Scheiben der Synagoge durch Steinwürfe herausgeschlagen, wobei ein Jude verletzt wurde. Die jugendlichen Täter wurden gefaßt und'der Polizei übergeben. Einer von ihnen wurde später vom Gericht gu nntm Mim Mslmtjim NIMM Mt llMlkll Däestelluttgen ausländischer jüdischer Zeitungen sowie angebliche Interviews aus Sofia, entbehren jeder Grundlage und stammen offenbar aus kommunistischen Kreisen. Um den Arierparagraphen beim hauptverband der deutschen Wintersportler. Prag, 22. Nov. Gestern fand in Reichenberg die Vertretertagpng des Hauptverbandes der deutschen Wintersportoereine in der Tschechoslowakei statt. Es wurde über den Antrag des Erzgebirgeverbandes auf Einführung des Arierparagraphen abgestimmt. Abgegeben wurden 1402 Stimmen, davon 778 für die Einführung des Arierparagraphen, m MasQfiL m M womrim iwmnmimmMt nicht erreicht mürbe, erscheint der Antrag adgekchnt. §in Teil der völkischen Vereine verkündete darauf die Gründung eines Verbandes Sudetendeutscher Schneeschuhläuser aus arischer Grundlage. (ITA.) JtolSftin«. Die palästinensische „Agudas Irsroel" für eine politische Einheitsfront. Jerusalem, 23. Nov. Die palästinensische Agudas Jisroel tritt in ihrem Organ ^Kol Jisroel" zu den bevorstehenden Stadtrats- , wählen, in Jerusalem für die Bildung eine rgemeinsamen jüdischen Liste ein, um unter allen Umständen eine Zersplitterung der jüdischen Parteien gegenüber der nichtjüdischen zu verwenden. Die ^ibt bekannt^ öa^ das am. .‘12. pHDößr DcrfünMe Gesetz betMend Wahlen zu Len Stadträten unverändert bestehen bleibt, Somit sind alle Abänderungsvorschläge, die von Waad Leumi betreffend Gewährung des Wahlrechts an die Frauen und Herabsetzung des Wahlalters, sowie um Gewährung des Wahlrechtes auch an kleine Setuerzahler, unterbreitet worden sind,, abgelehnt. Der Sabbat in Mesopotamien. Bagdad, 23. Nov. Der Korrespondent des „Doar Hajom" berichtet aus Bagdad, daß der Schabbos durch eingewanderte junge Zionisten aus Erez Jisroel öffentlich entweiht wurde. Die Bevölkerung ist hierüber sehr ausgebracht und sieht sich in ihren Erwartungen ,die sie an den Zuzug zionistischer Elemente aus Erez Jisroel geknüpft hatte, getäuscht. Während bisher öffentliches Rauchen am Schabbos öder öffentliches Trefoessen unbekannte Begriffe waren, scheuen sich die jungen Mitglieder der palästinensischen „Expreß"-Gesellschast nicht, bekannt zu machen, daß ihr Büro am Schabbos geöffnet ist und an diesem Tage auch m KöMMMM MlsillMk maümmB m Uk Mst WWW LS? SlWMsHM NS88!kS?MK UtzL? SU SllÄ so führt der Korrespondent aus, ist die Tatsache, daß man die Juden dort „Aban el Sabbat" : (Schabboskinder) nennt. Der I s r a.e lit Der Abschied des Gouverneurs Stocks. Jerusalem, 23. November. Am letzten Freitag wurde die Leitung der palästinensischen „Agudas Jisroel" unter Führung des Herrn Oberrabbiners Socknenfeld in Abschiedsaudienz von dem scheidenden Gouverneur von Jerusalem, Storrs, empfangen. Die Unterredung trug einen freundschaftlichen Charakter, und der Gouverneur entließ die Erschienenen mit dem hebräisch gesprochenen Wunsch: Hazlacha la-Agudath Jisrael! Amrvtt«, In taufenden amerikanischen Kirchen wird für Hilfe an Inden appelliert. Washin-gton, 15. Nov. Auf Anregung der amerikanisch-christlichen Gesellschaft für Hilfe an Juden wurden am gestrigen Sonntag, den 14. November, in tausenden Kirchen der Vereinigten Staaten die Andächtigen von der Kanzel herab aufgefordert, zum jüdischen Hilssfdnd beizutragen. Es wurde ein Aufruf verlesen, in dem gesagt wurde, daß ungeachtet der Segnungen des Friedens ein Drittel der Judenheit der ganzen Welt im tiefsten Elend lebt. Der Friedens^ tag im Jahre 1918 hat den Juden neuen Krieg gebracht. Die «MM, kik in M Mm gwvls Jahren 69 Millionen Dollar für rhse BsÜLsv in Cusspa ausgegeben haben, sind nun dabei, weitere 25 Millionen Dollar aufzubringen. Es fei die Pflicht der gutdenkenden Christen, zu der Aktion des Joint Distribution Committee beizutragen. Der Aufruf ist u. a. unterzeichnet vom Präsidenten des föderalen Kirchenrates Dr. Karman, vom Richter Dawling, Vorsteher der römisch - katholischen Kirche u. a. m. John D. Rockefeller jun. spendet für jüdische Wohlfahrlsbeslrebungen. New york, 23. Nov. Der bekannte amerikanische Milliardär John D. Rockefeller jun. hat der Jüdischen Vereinigung für Wohlfahrts- &epr.c6urtgen eine «Sd^entung oorx 50.000 Dollar gemactjj. m \]t Dies dis grötzls lsrhmkung, Sie WiMs» MMbungen in Amerika bisher jemals zuteil geworden ist. Thora-Lernen in Amerika. N e w y o r k, 25. Nov. In der vergangenen Hochs fand in Newyork im Hotel Pensylvania eine Versammlung von Vertretern von tausend orthodoxen Synagogen statt, in der die letzten Verfügungen zu der am Chanukah stattfindenden Grundsteinlegung für das eigene Gebäude der Jeschiwah des Rabbi Jizchok Elchanan getroffen wurden. Bekanntlich sind für den Bau der nach der neuesten technischen Errungenschaften aufgeführt werden sollen, 6 Millionen Dollar veranschlagt worden. Der Piotrokower Raw, Rabbi Meier Schapira hielt im vergangenen Schabbos als Gast der Sephardim Schul lll södrdu^^>par? em«n fflorirog Sun|iert' Lcr f?eV Jeschiwah. Me Synagoge war van anhächtigen Zuhörern überfüllt und lauschten.den Worten des großen Rabbi. Eine nach dem Vortrag eingeleitete Sammlung brachte 3000 Dollar. Die Sammlung wird fortgesetzt. Louis Alarshall zum Präsidenten des amerikanisch-jüdischen Komitees wiedergewählk. N e w y o r k, 16. Nov. Das Amerikanisch-jüdische Komitee, das sich die Verteidigung der jüdischen Rechte und Interessen der ganzen Welt zur Aufgabe gemacht hat, hielt heute eine Sitzung ab und wählte Herrn Louis Marschall wieder zum Präsidenten. Herr Marshall hielt bei dieser Gelegenheit eine Anprache, m der er sich mit der gegenwärtigen Lage der Juden beschäftigte. Er kam insbesondere auf die Affäre Schwarzbarth zu sprechen und drückte seine Unzufriedenheit mit gewissen Zeitungen und Organisationen aus, die den Schalom Schwarzbarth, der den ukrainischen Attaman Petljura ermordet hat. zu einem nationalen ZMW Söirfli&feii fc fS&k -fff ein Eintreten für Die Zat Schwarzbarths unberechtigt und unverantwortlich. . Personalien. Gnesen. 26. Nov. Herr Rabbiner Dr. Krauß in Gnesen begeht am 7. Dezember d. I. seinen 70. Geburtstag. Seine Gemeinde rüstet sich, ihren Seelsorger an diesem Tage zu feiern. Der Jubilar ist schon frühzeitig von bedeutenden Talmudisten seiner Vaterstadt Miskolcz in Ungarn in das Studium dieses weiten und tiefen Gebietes eingeführt worden. Bald erkannte er die rabbinifche Wirksamkeit als seinen Lebensberuf, und es gelang ihm, durch Fleiß und Begabung dieses angestrebte Ziel zu erreichen. Nachdem er in Religionswissenschaften in verschiedenen Gemeinden, so Prag, Hamburg und in her 9teItgtonsfd)uIe fcer Gemeinde Strasburg tn (Elfafj, ine unter ber ßeliung i>es hochgefchü^ten 9!atz!>iners Vuttenwlkser stand, unterrichtet hatte, berief ihn die Gemeinde Schildberg in Posen zu ihrem Seelsorger, wo er 20 Jahre lang segensreich tätig war. Im Jahre 1922 wählte ihn die Gemeinde Gnesen zu ihrem Rabbiner, :n der er unter großer Beliebtheit und Anerkennung wirkt. Rabbiner Dr. Krauß hat sich um die Pflege des Lernens in der Gemeinde sowohl wie durch seine Abhandlungen in der in Jerusalem erscheinenden Zeitschrift „Thauro Mizijaun", sowie durch seine halachischen Vorträge in den Posener Rabbinerversämmlungen verdient gemacht. Er erfreut sich eines glücklichen Ehelebens mit seiner Gattin, der Tochter des Schönlanker Rabbiners Waeldler s. A. Dem Jubilar ist das Glück befchieden, seinen 70. Geburtstag in voller geistiger und körperlicher Frische zu begehen. Möge ihm dieses Glück bis in die späteste Zeit vergönnt feinl Wie», 36. Nov. Dieser Tage verschied hiev Herr Kantor Jakob Duck es, der 40 Jahre hindurch im Bethause Talmud Thora als vorzüglicher -v,;s und alten Schlages gewirkt hat. Herr Rabbiner Schenk hielt im großen Hofe des Bethauses einen ergreifenden isvii und rühmte die großen Verdienste des Heimgegangenen, der ein wahrer o'»v a-v> und in jeder Hinsicht würdig seines heiligen Berufes war, ein p-r» 72s ims^ wie es selten zu finden ist. Auf dem ai>iv w2 hielt H. Fischhof aus Preßburg als Schwager einen Hiernach .sprachen Herr Oberkantor Fränkl im Namen des Kantorenvereins und Herr Vortrefflich im Namen des Vorstandes des Bethauses Talmud Thora. Die außergewöhnlich rege Beteiligung bei der war ein bereites Zeugnis für die Wertschätzung des Heimgegangenen. Sein Andenken wird zum Segen fein, rrasui- Haßfurk a. W.. 25. Nov. Am 8. November konnte Herr Lehrer Moritz Harnrnelbnrger «uf sin vierzigjützrigesegensreiche- Wirken lnnerM üns^r gurückblicken. Leider muß sich 'Herr Hammeköurger schon seit einigen Wochen ärztlicher Behandlung in einer Klinik in Würzburg unterziehen. Dadurch verbot sich eine besondere Feier des Tages von selbst, die der Jubilarin seiner anspruchslosen bescheidenen Art abgelehnt hatte. Die Gemeinde und mit ihr seine ehemaligen Schüler, mit welchen ihn stets ein inniges Verhältnis verband, ließen ihrem verehrten Lehrer durch die Vorstandschaft ihre Glückwünsche und ein Ehrengeschenk darbringen, bei welcher Gelegenheit Herr Hermann Adler den Dank der Gemeinde für die vielen Verdienste des Jubilars um Gottesdienst und Schule in diesen vier Dezennien zum Ausdruck brachte. Herr Distriktsrabbiner Dr. Stein, Schweinfurt. gratulierte persönlich. Auch der Stadtrat Haßfurt ehrte Herrn Hammelburger, indem er ihn beglückwünschte und einstimmig beschloß, eine Ehrenurkunde zu überreichen. Wir hoffen, Herrn Hammelöurger nach n"2 bald erfolgender Genesung wieder in gewohnter Weise im Amt zu sehen. Möge der allseits beliebte und geachtete Jubilar «n der Seite feiner vortrefflichen Gattin ferner unL ter dlemi’in^e fernerIpin 11t lüefiti! hxtt und Frisch? erhalten hkeib^n. x— Sprechsaal. Was soll aus unseren Töchtern werden? Verehrliche Redaktion! Auf Grund langjähriger Erfahrung und Einblicks in die Materie möchte ich mir gestatten, auch eine Meinung zu dem vorliegenden Problem zu äußern. Nach der Einstellung, die die ersten beiden Einsender dazu genommen hatten, Hatte ich mich nicht entschließen können, mich an der Debatte zu beteiligen; ich hatte vielmehr erwartet, daß in gleicher Weise und Sachlichkeit noch mehr Ansichten zum Ausdruck kämen, die der meinigen immer näher kommen würden. Das Gegenteil ist nun allerdings bei der „Hausfrau in Not" der Fall. Ich möchte zunächst einige Bemerkungen vorausschicken, die in den Gegenstand der Besprechung hineinführen sollen. Als vor mehr als 30 Jahren zuerst die Frage der Beschäftigung der Frau im Kaufmannsbetrieb akut wurde, da war es mir bald klar, daß besonders jüdische Kaufleute dieser Entwicklung nur mit geteiltem Herzen folgen könnten. Die Erschwerung der Stelin!"»t' s [[im.-, £nr männfiXes ilerfonol, Lie rnfofge rme^rier §ie}fen?a|rg?et) rtoAj ^Hmerer Heiraten kommen würden, crls Angehöriger des neu ausgekommenen vierten Standes, die moralischethischen Bedenken hatten es mir wünschenswert erscheinen lassen, daß jüdische Firmen weniger vom Engagement von jungen Mädchen Gebrauch machen