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Der Israelit · 1926-12-02 · Heft 49 (2.12.1926) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 49 (2.12.1926)
Date
1926-12-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 6 Nr. 49 und er baue Jugend- und Selbsterziehung auf allgemeinen natürlichen und menschlichen Elementen auf. Der Kampf gegen den Antisemitismus könne nur in der Pflege eines starken jüdischen Volksbewußtseins feine Rejonnanz finden. Für den Palästina-Aufbau müßte die ganze Judenheit innerlich gelingt werden. Ludwig Holländer verteidigte die Stellung der Liberalen gegenüber Ministerialdirektor Badt. Das Band, das die Juden einige, fei die Religion, der das Primat gebühre vor allen anderen Licht „ der jüdWn Gesmlhei!. Nur dis Wahrung und Wsrtsidigung fcer retigiÖfen (Silier türme t>!e 3eb-ertserajt des ^(ubcntuins retten und das „Schma Jisroel" stehe höher als Erez Jisroel. Vlurnenfelds revolutionärer jüdischer Typus sei abzulehnen, vielmehr die Synthese von Deutschtum und Judentum festzuhalten. Der Aufbau Palästinas sei nur dann zu begrüßen, wenn er nicht auf nationaler sondern einzig auf religiöser und wirtschaftlicher Grundlage erfolge. Dr. P e y s e r lehnt den aus reinen Formalien beruhenden zionistischen Standpunkt hinsichtlich des Verhältnisses zum Staate ab. Unsere ganze Person gehöre dem Staate und dem Deutschtum, Ein Kompromiß mit den Zionisten sei unmöglich. A Dienstag-Sitzung. Nachdem die allgemeine Aussprache mit einer Rede von Frau O l l e n d o r f f über Wohlfahrtssragen abgeschlossen war, legte Justizrat Lilienthal den Entwurf einer Verfassung für den zu gründenden R e i ch s v e r - band vor, mit dem Antrag, daß der Preußische Landesverband dem Reichsverband beitrete. Zur großen llebeirrcif cfjixrcg ber £>e erx t fi eit er man au& Öen stusyüpvungtn WfstMt LMMMS, Daß nicht nur Die zionistische Volkspartei, sondern auch die Majorität der .liberalen Fraktion den vorliegenden Entwurf als undemokratisch ablehnte. Auch die Mittelpartei verhielt sich ablehnend. Obgleich Justizrat Lilienthal die schwerwiegenden Momente entwickelte, die angesichts der Haltung der süddeutschen Landesverbände eine straffe Einheitsorganisation der Juden des deutschen Reiches vorläufig unmöglich machen, wurde nach einer längeren Rede Dr. Sandlers (Volkspartei) und einer gleichlautenbert (Srfltir-urtcy srrrss £©rtfer-sp«itr>erc Gprec^ers ber <5rri:= «.urj yHch sowie cm «bgcänvcncr Mst nurf des Rates betreffend eine Reichstagung einstimmig abgelehnt. Damit ist das Schicksal des Reichsvcrbandes, da man sich in Bayern den preußischen Forderungen wohl kaum unterwerfen wird, vorerst besiegelt. Es folgt nunmehr die Beratung über die in Vorbereitung befindliche Revision des preußischen Jude n r e ch t s. Rechtsanwalt K o l l e n s ch e r bemängelt die schleppende und wenig energische Behandlung dieser Angelegenheit durch den Rat und wendet sich scharf gegen die Eristenz selbständiger Personalgemeinden. Die alte „Kehilla" beruht nach Ansicht des Referenten auf dem territorialen Zwang, wobei er gänzlich vergißt, daß die alte Kehilla gleichzeitig auf der inzwischen verlorenen Einheit der religiösen Ueberzeugung beruhte. Die Vorlage wird dem Rechtsausschuß überwiesen. 0n Der alsDann misDir MllMMMMM WiMülkö- Dtlili äußrel Dr. Badl ferne Befriedigung über bte maßvolle Rede Peysers und weist daraus hin, daß in der Praxis keinerlei Konflikte zwischen den Staatserfordernissen und der Weltanschauung zionistischer Beamter möglich seien. Von konservativer Seite gelangt Dr. Ist Kahn zu Worte, der im Anschluß an die Aeußerungen Kurt Blumenfelds die Bedeutung der Tradition für die Gegenwart heroorhebt. In den führenden Stellungen der Judenheit dürfe es keine Männer geben, die das äußere Zeichen des Judentums nicht an sich tragen, oder die ihre Kinder nicht in den Bund Abrahams einführen. Kurt B l u m e n f e l d begründet nun den Antrag der Volkspartei auf Schaffung eines ei g e n e n zionistischen U n te r r i ch t s a u s s ch u s se s neben Dtm liDeraltn und Dem Mnsürvütivm. Er ssi sim Fre. dsruttg der Parität, ba{j neben den beiden konfessionellen Richtungen auch die zionistische ein eigenes Weltanschauungsorgan in dem Verband besitze. Der Antrag wird in der Abstimmung mit 42 gegen 30 Stimmen abgelehnt. Nach einem Dankesvotum an Dr. Jsmar Freund und einem solchen an den Präsidenten Sonnenfeld (die Volkspartei verläßt den Saal dabei) dankt der Präsident für die ihm gewordenene Anerkennung und schließt die Landesversammlung. ' Der 8»rat!it Bund gesehestreuer Gemeinden Bayerns. Würzburg, 24. Nov. Am 14. November tagte in Ansbach der Bund gesetzestreuer israelitischer Gemeinden Bayerns. Die Gemeinde hatte in liebenswürdiger Weise ihren neuen geräumigen Sitzungssaal zur Verfügung gestellt. Der Vorsitzende, Distriktsrabbiner Dr. Stein, Schweinfurt, erstattete Bericht über die Menge von Arbeiten, die der Bund für das gesetzestreue Judentum in Bayern feit der letzten Generalverlammlung geleistet hat; sie alle hier aufzugäl^Ien raürDe Den Stammen Dieses ^fssWf§ N?^iisststsst len. Hervargeyaben seien nur Die Herausgabe der für das gesamte geseßestreue Judentum überaus wertvollen Broschüre: „Nähr- und Organpräparate und ihre rituelle Zulässigkeit von Sanitätsrat Dr. Münz, Bad Kissingen" durch den Bund und die Entsendung eines Sofers in die bayerischen Landgemeinden zur Nachschau und Ausbesserung von Tesillin, Mesussos und Seforim. Weiterhin schilderte der Redner, wie der Bund seiner Hauptaufgabe: Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums innerhalb des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden gerecht geworden ist. Insbesondere betonte er das reibungslose und einträchtige Zusammenarbeiten mit dieser Körperschaft, das in der ganzen Zeit zu keinerlei Klagen Anlaß gegeben hat. Nach dem Kassenbericht des Herrn Max N e u b e r g e r, Haßfurt, und der herzlichen Begrüßung durch den Kultusoorstand der Gemeinde Ansbach, Herrn Dieten.- höfer, trat die Versammlung in die Debatte über Aufgaben und Tätigkeit des Bundes ein. Es beteiligten sich die Herren: 0o10eim&r. üBflriDuro. DiißiiBißroor, Häßfllill, Dlsirlktsrabdiner Dr. S) an o v e r , SBürghurg, Distriktsrabbiner Dr. Stein, Schweinfurt, Distriktsrabbiner Dr. Munk, Ansbach, S. Meyer, Treuchtlmgen und Dr. Münz, Nürnberg. Alle Redner beschäftigten sich hauptsächlich mit dem Schicksal der kleinen und kleinsten Gemeinden Bayerns. Der Bund hat, zuerst infolge der Inflation, dann infolge der Wirtschaftskrise für diese nicht in dem Maße arbeiten können, wie es von vornherein seine Absicht gewesen ist. Mit größter Wärme trat die Versammlung dafür ein, trotz Ungnnst BiF gkMwllMgkn Lagt gll Derfucocn, Durch lim flellnng eines Sekeetöes, duech De^htfkrtmg von Borträgen und Schiurim, von weiteren und öfteren Zusammenkünften nach Art der bisherigen Bundestage, durch Presse und Wanderbücherei und andere Mittel das jüdische Leben in den Landgemeinden neu zu entfachen. Es ist nun Ausgabe des Vorstandes, die Durchführung dieser Anregungen nach Möglichkeit anzubahnen. Die Neuwahl des Vorstandes wurde um ein Iahe verschoben. An der gemeinsamen Mittagstafel gab es zum Mlchtisch köstliche Thoraworte von den Herren Distriktsrabbinern Dr. Hanover, Dr. Munk und Dr. Stein. Nachmittags fand im Saale des Hotels „Goldner Zirkel" der Bundestag statt. Der weite Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Nach einer begeisternden Eröffnung durch den Vorsitzenden, Herrn Distriktsrabbinre Dr. Stein, Schweinfurt, ergriff der jugendliche Ortsrabbinei: üDri ££T£ unk SOßori 31t fetttem Nsfsrste- „13 run^fragen Lere". In meisterhafter Weise verstand er es unter dauernder Vergleichung und Verknüpfung mit Worten der Thora die Entwicklung der Philosophie in der neuesten Zeit klarzulegen. Er schilderte insbesondere, wie die moderne phänomenologische Richtung der Philosophie und die psychologische Methode der Betrachtung des Religiösen auch auf die jüdischen Kreise einwirken. Sie haben zwar einen Vorteil im Gefolge, daß mehr auf das Wesen der Dinge selbst geachtet wird, als wie bisher auf Entwicklung und Geschichte, aber sie führen zur Ueberschätzung des Erlebnisses als Quelle des Religiösen, zur religiösen Passivität und halten das Gottesbewußtsein im Menschen für wichtiger als die Erkenntnis einer objektiv vorhandenen Gottheit. Demgegenüber skizziert der Redner, immer an Hand der jüdischen Quellen die jüdische Wsltanschanung, kle auj religiöse Erkenntnis unb restZiVf? rSflt BfiS Schwergewicht legt, einem jeden Menschen die Aufgabe stellt, sich aktiv zu einem Ebenbilde Gottes umzugestalten und die Anerkennung des lebendigen existierenden Gottes — El chai wekajom — als oberste Forderung aufstellt. — Die Anwesenden folgten diesen tiefgründigen und doch "überaus klaren Ausführungen mit größter Spannung und dankten mit. herzlichem Beifall. Im zweiten Referate legte Räbb. Dr. K l e i n -Nürnberg eingehend klar, wieso Radio, Grammophon, Telefon am Schabbos verboten sind. Insbesondere beim Telefon - -_2, Dezember 1926 wies er unter genauer Darlegung des physikalischen Vorgangs nach, daß seine Benützung in keiner Weise. gestattet werden kann, auch nicht das Sprechenwenn der Hörer bereits ausgehängt ist, was manche Laien irrtümlicherweise für gestattet halten. Obwohl der'Stoff des Referates an und für sich nüchterner Natur ist und Redner es nicht versäumte, die halachischen Quellen zu seinen Ausführungen anzugeben, gelang es dem Redner doch durch die lebendige Art "feines Vortrages und Einstreuung geistvoller Thoraworte die Zuhörer bis zum (Hnt>e 3ix feffefri. ^Jn^bej'ortö'ere nev^tcini? er öen tieyen Tmn vcr strengen Suvsalyemgung in begeisternden Worten darzulegen. Mit einer herrlichen Auslegung von Psalmworten schloß Distriktsrabblner Dr. Stein den Bundestag, der allen Teilnehmern ein jüdisches Erlebnis geworden ist. Universitätsfeier und Antisemitismus. '*■ M ü n che n , 29. Nov. Bei der Jahrhundertfeier der Universität, die in der vergangenen Woche stattfand, wurden die jüdischen Verbindungen von der Studentenschaft, der die Vorbereitungen eines Teils der Festlichkeiten von der Universitätübertragen worden war, nicht eingeladen. Infolgedessen nahmen die jüdischen Verbindungen in keiner Weise an den Veranstaltungen Anteil. Im Verhältnis zu früher ist jedoch unbedingt eine Besserung zu verzeichnen; so bedauerte der neue Rektor der Universität den Vertretern der jüdischen Verbindungen gegenüber, die Vorfälle an der. Universität und ver- M ffitt ffiffif KiWW mim ÖU BEDrei; Büß Cie uniDorriiat eine BruiWM m mbjmmimu mm. Zu den Vorgängen in königshütte. B euth en, 29. Nov. Einem uns zur Verfügung gestellten Privatbriefe entnehmen wir: Die Sache mit dem Weggange des Rabbiners Dr. G 0 l d f ch m i d t ist etwas anders. Zuerst verlangte die Schulbehörde einen akademisch gebildeten auch polnisch sprechenden Religionslehrer. Bis dahin gab aber Dr. <8*>rb^mtl»t Den Unterricht allein. Da er nikyt posMfjY rann, suchst man nnv sucht vis heme nach mm folchm Rabbiner, da einige Ostjuden — man darf sich natürlich keine Chassidim denken, sondern zum größeren Teile liberale — ab und zu wenigstens eine polnische Predigt verlangten, was ihr gutes Recht sein mag. Ferner ist Dr. G. ein sehr strammer Anhänger des C. V., das heißt „deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", und der polnischen Behörde sind solche Leute, die'ihr Deutschtum so betonen, aus natürlichen Gründen nicht sehr genehm. Die Lage ist natürlich heute so, daß die deutschen Juden den Polen ihre Synagoge überlassen werden, da eine Einigung wohl nicht zustande kommen wird. — Damit ist bestätigt, daß nicht die Ostjüden, wie die Notiz der „Frankfurter Zeitung" behauptete, sondern die polnischen Behörden an dem Weggang Rabb. Dr. Goldschmidts schuld seien. Graf Bekhlens scharfe Verurteilung des Antisemitismus. Budapest, 17. Nov. Im großen Festsaal der hauptstädtischen Redoute entwickelten heute vor etwa 1500 Mitgliedern der Budapester Einheitlichen Bürgerpartei der ungarische Ministerpräsident Graf Stefan B e t h l e n und der Präsident der Bürgerpartei und ehemalige Finanzmimster Tibor v. K a l l a y ihr Wahlprogramm. Im Verlaus seiner Rede bedauerte Graf Bethlen die in jüngster Zeit sich mehrenden Konflikte innerhalb der christlichen Glaubensbekenntnisse und fuhr dann fort: „Ebenso schmerzlich berühren mich die Gegensätzezwrschen Christen und den Angehörigen der jüdischen ©lan&en^emeinfchaft. Ass MjWN KgNskst flau Bat Das Gesetz Die MMbörMlgimg zugöst/mds» und dieses gesetzlich erworbene Recht darf nicht geschmälert werden. Die Regierung fühlt die Pflicht, jede Aufreizung, die geeignet scheint, Antipathien gegen das Ju-. dentum zu wecken, unbedingt zu unterdrücken und mit allen entsprechenden Mitteln zu verfolgen. Hieran lehnt sich nunmehr auch das Problem des Numerus clausus an, worüber ich ganz offen und aufrichtig sprechen will. (Hört! Hört!) Zum Ausgleich der Gegensätze, zu einer versöhnlichen Sttmmung führt ja allein das aufrichtige Wort. Der Herr Kultusminister hat vor einem Jahre 8964

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