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Der Israelit · 1926-12-02 · Heft 49 (2.12.1926) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 49 (2.12.1926)
Date
1926-12-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 49 Sette 5 2. Dezember 1926 Der I rr » III Frankfurt a.M., Rathenauplatz 8 (Theaterplatz) ca. 100.000 Bände — Telefon Hansa 9365 — ca. 100.000 Bände Einlriö IKglicK Abonnement pro Monät M. 'i.50 - Abönn. für Neuheiten pro Monat M. 3> Das Abonnement berechtigt zum einmaligen Umtausch an jjedem Ta|e, ausgenommen Sonn- und Feiertage 1 4. Wn fordern jeden Juden in Amerika' auf, dessen Zu gedenken, daß das Schicksal es gut mit ihm meinte und ihn einen amerikanischen Juden sein ließ, und, des Gebots dieser Stunde eingedenk, seine Mittel zum Aeußersten zu steigern und sich in die Listen der neueen Fonds emzutragen. Felix M. Marburg gab, wie Louis Marshall nach Annahme der Resoluton eine Erklärung ab, daß das Joint Distribution Committee gegenüber der Arbeit in Palästina niemals gleichgültig gewesen sei. Joint gab seit seinem Bestehen für Palästina nicht weniger als 7 Millionen Dollar aus. Es gibt, fügte Herr Marshall hinzu, keine größeren Zionsfreunde, als wir es find. Wir können heute NW lkMk kkfklMlksl pff Palästina machen, weil utts die Fonds noch nicht zur Verfügung stehen; wir werden aber Palästina stets gerecht werden. Korrespondenzen « ßacbricbten. Zweite Landesversammlung des Landesverbandes preußischer Synagogengemeinden, Berlin, 22. Nov. - Am Sonntag, den 21. November, nachmittags, wurde tm Sitzungssaal des ehemaligen Herrenhauses die zweite Landesversammlung des Preußischen Landesverbandes WiWr ©tmictnücn eröffnen M m Mi V «liMs«Ate EröffnurrA tonnte erst gsHsn Sknhalb ater Uhr ststtfinden, da die Vorberatungen der Fraktionen, insbesondere die der liberalen Fraktion, sich in die Länge zogen. Die Beratungen galten dem Umstande, daß die Fraktionen der Volkspartei, der Konservativen und der Religiösen Mittelpartei die- Präsidentschaft des Herrn Justizräts Sonnenfeld ablehnten, weil dieser in einem Schreiben an den Preußischen Innenminister Grzezinski ersucht hat, bei der Angelegenheit der Wahlproteste bezüglich der Wahlen zur Berliner Repräsentantenversammlung nicht einen „Zionisten" (Ministerialdirektor Dr. Badt) Mitwirken zu lassen. Nach Ansicht der erwähnten Fraktionen sei durch einen solchen Schritt jüdisches Ansehen und jüdisches Interesse geschädigt woredn. Die liberale Fraktion konnte sich nicht entschließen, der Forderung der übrigen g=rattioneTT nad^jügeben und bep^tbp, cm ber Person des Iuslizwm TmmmfLw als PMMMkll vet LllllÄcvvcrfammlung festzuhalten. Nach einer religiösen Weiherede des Herrn Rabbiner Dr. Horooitz - Frankfurt und der Eröffnungsansprache des Präsidenten, Kammergedichtsrat Wolfs- Berlin übernahm Justizrat Sonnenfeld den Vorsitz. Namens der jüdischen Volkspartei begründet Rechtsanwalt K'ollenscher folgenden Antrag: „Der Verbandstag hält es für unverantwortlich, daß'Juden im Verkehr mit Behörden aus der innerüdifchen EinsUllung eines jüdischen Beamten Zweifel gegen dessen Objektivität herleiten. Ein solches Verhalten, gefährdet die staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Juden und leistet z. B. auch den Tendenzen auf Ablehnung jüdischer Richter und Vermaltungsbeamten L3orf«^»b. Der Verbandstag mißbilligt den Brief des Herrn Iüftizrats Sonnenfed an den Herrn Minister des Innern und entzieht ihm deshalb als Präsidenten des Verbandstages das Vertrauen." Der Redner führt zur Begründung aus, daß die Angelegenheit des Sonnenfeldfchen Briefes bereits in der letzten Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde zur Sprache gekommen sei, ohne daß der Wortlaut des Briefes damals schon bekannt war. Herr Justizrat Sonnenfeld habe den Inhalt des Briefes dahin angegeben, daß der Minister von Ihm ersucht worden sei, zu der erbetenen persönlichen Aussprache den zionistischen Ministerialdirektor nicht, hinzuzuziehen.. In Wirklichkeit habe er jedoch die Ausschaltung des Ministerialdirektors Bad§ aus der ganzen in das Ressort des Ministers fäl-' lenden. Angelegenheit der Wahlproteste verlangt. Darin liege eine schwere Verdächtigung der preußischen Beamtenschaft und eine Gefährdung der jüdischen Gleichberechtigung. Wenn man einen höheren Beamten nur mit Rücksicht auf seine zionistische Gesinnung für unfähig erachte, unparteiisch zu urteilen, so müßte sich auch der jüdische Richter gefallen lassen, von Antisemiten abgelehnt zu werden. Denn, was für das Verhältnis von Juden zu Nichtjuden gelte, habe auch frü das innerpolitische jüdische Parteiwesen Gütigkeit. Ein Mann wie Justizrat Sonnenfeld, der die jüdische Ehre dem Minister geg nüber so wenig gewahrt habe, könne nicht Vorsitzender des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden Bott ItbskülAk E-sits vsmiBigt Dr. ® a e r m a IB den Schritt des Justizrat Sonnenfeld, der nicht disqualifiziert werden dürfe. Da die Vertreter der Volkspartei, der Konservativen und der Mittelpartei sich weigern, neben Justizrat Sonnenfeld als Beisitzer zu fungieren, wird als solcher Herr Kommerzienrat Hamburger berufen. Die konservative Fraktion bringt einen milder formulierten Mißbilligungsantrag ein, zu dessen Gunsten der schärfere Volkspartei-Antrag im zweiten Absatz zurückgezogen wird. Der konservative Mißbilligungsantrag lautet: „Der Verbandstag mißbilligt das Verhalten des Präsidenten, in Sachen seines Schreibens an den Minister des Innern wegen der Berliner Wahlproteste und bedauert, daß der Präsident dem Wunsche aller Fraktionen — außer der eigenen des Präsidenten — auf Rücktritt oder diesmaligen Enthaltens vom Amte nicht stattgegeben hat." Rabbiner H o r o v i tz begründet die Resolution, J'f f <SonnenjeK>^ ertlärte, w mm NM ehSt zur>üStrMn, bis surch eins AMm« mung konstatiert fei, auf wessen Seite die Mehrheit der Verbandsversammlung stehe. Für die Poa le Zion wendet sich Alfred Berger scharf gegen den Präsidenten, im gleichen Sinne, wenn auch iü milderen Formen, spricht Legationsrat Professor Dr. S o b e r n h e i m für die Mittelpartei. Es wird nun zur Abstimmung über die verschiedenen Mißbilligungsanträge geschritten. Heber den ersten Teil der ^Resolution der Volkspartei wird namentlich abgestimmt: der Antrag wird mit 67 gegen 38 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen abgelehnt. Der zweite Teil wird zurückgezogen. Es wird nun über den Antrag der Konservativen und der Mittelpartei abgestimmt: dieser wird mit 57 gegen 48 Stimmen abgelehnt. KoUensk^er pellt Jep^ vag auger ben Liberalen alle MMm iwn QQpn Ben MlsWiwön jmö ued m klärt, daß solange der Vorsitzende hieraus nicht die Konsequenzen zieht, die Opposition nicht ins Präsidium geht. Nachdem die außerordentlich leidenschaftlichen Debatten über den Zwischenfall Sonnenfeld beendet sind, gibt Dr. Jsmar Freund Ergänzungen und Erläuterungen zu dem gedruckt vorliegenden Tätigkeitsbericht des Verbandles. Dem Verbände gehören 690 Gemeinden an, 90 seien Mitglieder des Halberstädter gesetzestreuen Bundes, während 170 preußische Gemeinden keinem der beiden Verbände angeschlossen sind. Der Redner referiert über die Verteilung der Staatsbeihilfen sowie die Bildung von Lehrer- und Rabbinatsbezirken. Hinsichtlich der Lehrerbildung hat der Landes- »er6anb dis Errichtung e.mler jüdisch-pädagogischen AkafcefUff ferner Hat der Verband gurn <gntw«e( des Strafgesetzbuches einige Anträge im Interesse der Abwehr von Beleidigungen des Judentums gestellt. Der Bericht berührt ferner die Frage der Sonntagsruhe sowie der Propaganda gegen das Schächten. Bruno G a - l e wski referiert über den Rechnungsabschluß. Es sind oyn tieir Beiträgen der Gemeinden statt der veranschlagten 858.000 Mark nur 276.000 Mark eingegangen, ferner Mk. 10.000.— an Zinsen. Für die Verwaltung wurden rund Mk. 70.000.— verausgabt, an Subventionen (abgesehen von den Staatsbeihilfen) Mk. 157.000.— verteilt. Der Voranschlag für 1926/27 und 1927/28, über den Direktor Karewsky referiert, balynciert mit Mark 916.000, davon sollen die Gemeinden Mk. 500.000 aufb ringen, während vom Staate Mk. 354.000 erwartet werden. In der Generaldebatte ergreift als erster Ministevialdirektor Dr. Badt das Wort. Er bemängelt zunächst die Höhe der Verwaltungsausgaben und verlangt eine Vereinfachung des administrativen Apparates. Der vorliegende Entwurf für die Schaffung eines Reichsverbandes sei ein Zerrbild einer demokratischen Organisation und verdiene abgelehnt zu werden. Hinsichtlich der Beziehungen zum Staat sei es die Aufgabe des Verbandes, darauf hinzuwirken, daß die Staatsaufsicht gegenüber den autonomen jüdischen Körperschaften auf ein Minimum beschränkt würde. Der Redner geht dann offenbar unter dem Eindruck der um seine Person und um den Brief des Herrn Justizrat Sonnenfeld geführten erregten Auseinandersetzung zur Besprechung der inl lilMrr ffl.i-fc-f •£••• üfc-M. tTT* jxxbt tm-err ölemetttbeiebeit über. >4" Die deutschen Juden seien einer heillosen Zersplitterung verfallen und zerfleischten sich selber. Der Kampf, den die Liberalen gegen den Zionismus führte:, sei gänzlich unergiebig und verhindere sie an der Lösung positiver Aufgaben. Der Brief des Herrn Justizrat Sonnenseld sei lediglich ein Symptom dafür, in wie hohem Grade das innerliche Zusammengehörigkeitsgefühl gefährdet sei. Der Kampf um meine Ernennung, fuhr Dr. Badt fort, dauerte eineinhalb Jahve. In dieser Zeit kamen aus jüdischen Kreisen viele Denunziationen gegen mich. Mir sagte ein christlicher Abgeordneter in Gegenwart eines hohen Beamten: Sie wissen nicht, wie man mich bestürmt hat, die Ernennung eines Zionisten nicht zuzulassen. Es waren aber niemals Christen, immer nur Juden. Der liberale Antrag auf Erleichterung der Einbürgerung v.on jüdischen Ausländern ist sehr lobenswert, aber wie -behandelt Ihr die Ausländer im jüdischen Gemeindeleben? Dr. Badt führt eine Reihe von Beispielen in rheinischen und westfälischen Gemeinden an und zählt auch eine Reihe Msskf MiMl? Ms, Mk *?!? ^eTIttern tönhir, lU IähfächM in Mutschlank rvghnsn uns Baren Kinder im Kriege für Deutschland geblutet haben, drangsaliert werden. Der Redner spricht mit Begeisterung von dem jüdischen Aufbau in Palästina und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß seine Gegner von heute seine Freunde voll morgen sein werden. (Widerspruch bei den Liberalen.) Er appelliert an das alte jüdische Ethos, das hohe jüdische Menschentum und bittet, diese zum Wohle der Gesamtheit einzusetzen. (Beifall auch bei den Liberalen.) Montag-Sitzung. Herr Justizrat Lilienthal referiert über die vorgeschlagene Verfassungsänderung, worauf die Generaldebatte fortgesetzt wird. Die Aussprache war fruchtlos, da die Abstimmung die Ablehnung sämtlicher Verfassungsänderungen ergab. Dr. B a e r w a l d, Frankfurt, verurteilt bre 5Methc»be ber tn ber- Angelegenheit B«rbt. Er tpege mc gröBtc MMug vor vcMn PcisnnlMctt und habe nichts gegen hohe Beamte von zionistischer Gesinnung: dennoch müsse er bezweifeln, daß ein Mann wie Dr. Badt bei einer so delikaten Frage, wie es die Berliner Wahlangelegenheit sei, vollkommene Objektivität besitze. Der Palästina-Aufbau könne nur gedeihen, wenn man der Religion das Primat lasse und den Nationalismus zurückstelle. Rabbiner Dr. Horowitz, Frankfurt, beklagt die gestrigen Vorgänge. Man müsse gegenüber den Verschiedenheiten der Parteirchtungen das Einigende betonen. Dabei gelte es, die jüdische Tradition durchzusetzen. An der Debatte beteiligten sich weiter die Herren Rabbiner Dr. Weiß (Mittelpartei), Kammergerichtsrar Wolfs und Alfred Berger (Poale Zion). Letzterer votiert dem Minister Severing einen warmen Dank für Jeten ctbjellloe Jpailung t-riilLt-r Len rterfof giert uni) In Deutschlands Schutz suchenden Ostjuden. In der Nachmittagssitzung entwickelte sich im Nahmen der allgemeinen Aussprache eine Auseinandersetzung der innerhalb des deutschen Judentums vorhandenen jüdischpolitischen Anschauungen. Die zionistische Auffassung vertrat Kurt Blumenfeld, die des Zentralvereins Dr. Ludwig Holländer, die liberale Redakteur W o y d a, und auch die Gruppe der nationaldeutschen Juden war durch Dr. Peyser vertreten. Kurt Blumenseld wendet sich gegen die reine Religionsgemeinde — bas Judentum fei ein über das Religiöse hinausreichender Kulturbegriff und die jüdischen Gemeinden müßten Zellen der jüdischen Volksgemeinschaft sein. Der selbstbewußte moderne Jude, der in der Volksgemeinschaft wurzele, stehe der Tradition unbefangen gegenüber,

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