Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 48 (25.11.1926)
- Date
- 1926-11-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Der Rf tiilM Nr. 48 Seite 5 25. November 1926 _. Beisetzung von Urnen auf dem jüdischen Friedhof gesetzlich verpflichtet ist u. a. m. Die Reichstagung der jüdischen Volkspartei. Berlin, 18. Nov. Am Mittwoch, den 17. November, wurde in Berlin eine Reichstagung der Jüdischen Volks- KSNkt MWMN, ME i?IR DTA. würbe nää) mfymm Nsssratsn mb bewegter Aussprache der vorliegende Organisationsentwurf fast mit allen Stimmen mit Rücksicht auf seine undemokratische Struktur, das Fehlen von Urwahlen und die finanzielle Ohnmacht der geplanten Gründung abgelehnt. Ueber eine Neuregelung des Judengesetzes referierten Dr. Kolle n scher und Dr. Epstein-Duisburg. Ueber Schulfragen referierten Lehrer Steinhardt- Magdeburg und Studienrat Dr. Hammerstein - Berlin. WrrasÜtisHsZ KarAofpig (fr SK} VadKissrngsn, 21. Nov. Dem unter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Bamberg er stehenden „Verein Israelitisches Kurhospiz" ist es gelungen, durch den. Erwerb eines eigenen Hauses fein seit Jahren angestrebtes Ziel zuerreichen. Das neuerworbene Kurhaus Villa Bavaria, in herrlicher freier Lage am Fuße des Altenbergs gelegen, ermöglicht im kommenden Sommer die Eröffnung im e i g e - u e n Heime, nachdem, um einem dringenden Bedürfnisse zu genügen, dasselbe im vergangenen Sommer in gemieteten Räumen eine überaus segensreiche Tätigkeit entfaltet hat. Das neuerworbene Heim ist gut eingerichtet, liegt in nächster Nähe der Bäder und Quellen, und werden durch die Eröffnung desselben dem Verein weitere Freunde und Gönner zugeführt werden. Verein ritneÄer ^peife!hnnfer. Hamburg, 23. Nov. Der „Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser, E. V." zu Hamburg bemüht sich seit einiger Zeit um die Errichtung von Mensae academicae an solchen Plätzen, wo den jüdischen Studenten keine Möglichkeit ritueller Verpflegung zu erschwinglichen Preisen gegeben war. Als erstes praktisches Resultat dieser Bemühungen ist die Gründung der Mensa academica in Friedberg i. H. anzusehen, die, dank der Mitwirkung des I. St. V. „Heatid" und des Vertrauensmanns des Vereins, Herrn Lehrer einer. H. Ehrmann, am 30. Oktober eröffnet werden konnte. Die Mensa wird zur Zeit von 12 Studenten des Friedberger Polytechnikums benutzt. Es kann nicht oft und eindringlich genug darauf hingewiesen werden, UlWk SMtlMg B8B VöWMllW MN MM M die studierende jüdische Jugend besitzt, und es wäre sehr zu begrüßen, wenn der obengenannte Verein in die Lage versetzt würde, auch an anderen Plätzen solche Institutionen ins Leben zu rufen. Deputierter Hayeems nicht hingerichtet. J e rufa lem, 7. Nov. NM ii foQßßn aus Meran MgetraMM -authentischen Bericht ist Hayeems, der jüdische Deputierte des persischen Parlaments, der angeklagt war, sich an einem Komplott gegen das Leben des neuen Schah beteiligt zu haben, nicht — wie früher berichtet — hingerichtet, sondern in letzter Stunde begnadigt worden. Die Jüdische Gemeinde in Teheran, die nach dem Ausspruch des Todesurteils gegen Hayeems nichts mehr über sein Schicksal erfuhr, glaubte, daß das Todesurteil vollzogen worden war. Der Gemeinde bemächtigte sich deswegen große Aufregung, da alle von der Unschuld Hayeems überzeugt waren und feine Verfolgung durch das Gericht als einen Streich der den Juden nicht wohlgesinnten jetzigen Regierung gegen den oppositionellen 'Politiker beurteilten. Die vier anderen Teheraner Juden, die ebenfalls unter der Beschuldigung, am Komplott teilgenommen zu haben, verhaftet worden waren, sind auf freien Fuß gesetzt worden, nachdem sie ihre vollkommene Unschuld Nachweisen konnten. Man hofft, daß das Todesurteil an Hayeems, der sich noch immer in alt besinnet, nilyt mehr ootffjocren rr>rrv. Personalien. Preßburg, 14. Nov. Wie uns aus Preßburg gemeldet wird, ist dort Herr Eduard Schlenger im Alter von 76 Jahren am 4. Kislev verschieden. In dem Verewigten beklagt das gesamte thorakreue Judentum einen seiner mutigsten und begeistertsten Kämpen; als bedeutender v2n mit gründlicher weltlicher Bildung MMMWt kt Ms Bit WKlWtk »«ff r?ll tistMst schön Lebönsgrunvsatz ins rn mr min nm und ward durch seine markanteste Persönlichkeit zum edlen Borbild einer großen Schar von Thorajüngern, welche seinen Geist aus der weltberühmten Preßburger Jeschiwah nach allen Richtungen der Windrose trugen und verpflanzten. Die "ft gestaltete sich zu einer imposanten Ehrenbezeugung des ganzen orthodox-jüdischen Lagers. Oberrabbiner Ariba Schreiber, den innige freundschaftliche Bande an das Schlengersche Haus knüpften, würdigte die Verdienste des Verewigten in ergreifenden Worren, die unvergänglichen Verdienste des Verblichenen, die die Trauerversammkung zu Tränen rührten. Außerdem sprachen Rabbiner Herzl und Rabbiner Donatiy. 3m Namen der untröstlichen Familie nahm Dr. 344 M4 ällsüAi» mm&. Dir PvMuWS 8r>ttzgbojre IsraelliiJAje Skul^usgemeinbe, bereit Neprasenlänzmrtglred der Verblichene nahezu drei Jahrzehnte hindurch war. ehrte das Andenken ihres großen Führers mit einem Ehrengrab, welches sich in unmittelbarster Nähe seiner großen Lehrer — des Kesaw Soser und Schewet Sofer— befindet. Wie einst in seiner Jugend als Jeschiwoh-Bachur, ruht nun der große Tote wieder an der Seite seiner großen Meister. Birkenau (Hessen), 22. Nov. An diesem ran feiert Frau Emma L ö b Ww., eine edle Greisin voll altjüdischer Frömmigkeit, ihren 8 0. Geburtstag. Leipzig, 18. Nov. In dem Veth-Hamidrasch der Leipziger Talmud-Thora „Ahawas Thora" hielt Herr Rabbiner Feldmann vor einer zahlreich erschienenen Gemeinde einen lief ergreifenden nsvn auf den Beizer R e b b e i>"xr, in dem er die Persönlichkeit des großen x>',ixi vm und seine Bedeutung für das gesamte religiöse Judentum würdigte; insbesondere die unbeugsame Energie eines von eisernem Pflichtgefühl und leuchtender Prinziprenklarheit geleiteten Willens in dem Dienst 8ss w«. Zn Mm HöimgWNMM AlliöliM wir rni ber erobert DMIM Ui SLllZlSsM ZUSSNlUMK i Vsa Vinai einen der *wm •»ams», die ein rnankelmütiges, in Materialismus versunkenes Zeitalter auf ihren Schultern tragen, einen jener göttlichen Sendboten, auf die das Auge Israels in schweren Zeiten gerichtet ist. Im Anschluß an diesen isvn sprach noch Herr Rabb. Feldmann über den vor Monaten Heimgegangenen, weltberühmten ym Rabbi Meier Simche, Dwinsk Vxr und forderte die Versammelten^» D’Kxr>n D’-n-n auf zu nv-i? mw^ dw, zup Heranziehung der Jugend im Sinne dieser nnmn -nvi um nicht nur durch Worte, sondern auch O'-vs^dem Andenken der großen Verewigten gerecht zu werden. Vermischtes. Aschaffenburg. 22. Nov. Unter Bezugnahme auf das jüngste Ausschreiben betreffend Generalversammlung tmferes SS-eremes ssi mtigsietll, bafj hie 0 6ttS(aIö6t ammlung tzes ^urjorgeveksrns sür7 ven- und Geisteskranke auf den 12. Dezember 1926 nachmittags 1.30 Uhr (bei Kulp in Aschaffenburg) vertagt wurde. Briestasien. Hildesheim. Es ist dies auch unter solchen Umständen nicht erlaubt. L. A. Davos. Wir glauben, daß die ..Makkabäer" nichts dagegen einzuwenden haben werden, wenn Sie ihren Namen als Deckung für Ihre humoifjflftße iQttuiiQ nüDmon Rabb. S. N. Wie». Dis »on Ihnen ge-r wünschten Nummern sind leider nicht mehr in unserem Besitz. I, K>, B. L. und Andere. Zu den drei Fragen des Herrn Rabbiner Dr. Kanter gingen uns mehrere Zuschriften zu. die wir dem Fragesteller zur Durchsicht und Bearbeitung zugestellt haben. R. F. 100. Es bedarf kaum einer Begründung, daß man am Vorabend des mm mips; kein öffentliches Mufikfeft abhalten darf. Die Zeit, da nach prophetischer Verheißung der „Fasttag des zehnten" sich in Freude und Jubel wandelt, ist noch nicht gekommen. G. B. in H. In einem wesentlichen Punkte stimmt Ihre Darstellung leider nicht. Es sind nicht immer gerade die schlechtesten Elemente, die in Palästina dem Hunger ausgesetzt find und die Flucht aus dem Lande ergreifen. Familiennachrichten. Barmizwo; Rüben, Sohn des Herrn David Stein und Frau Recha geb. Cohn, Frankfurt a. M.. MMMW ft, fj?B nm na?*!?rieb“ DciQcr Anlage. — 3acoov oojju vss Hsnn Auerbach und Frau geb. Posen, Hamburg. Hansastraße 63. p» 's ,-Qiin nnw- Synagoge der ver- Seidenu. Garn-Handelsges. m. b. H. 47 Bleidenstraße [47 (früher: Grosse Eschenheimerstrasse 3) SPEZIALHAUS in Näh- und Stick-Seiden Handarbeilä-fiarnen jeder Art einigten alten und neuen Klaus Rutschbahn und Synagoge Bornplatz. — Siegbert, Sohn des Herrn Hugo Steindecker in Bechhofen (Mfrk.) Schabbos Lhanukoh. — Julius, Sohn des Herrn Dr. Biberseid, Berlin C., Heidereutergasse 4. rnpis. Silberne Hochzeit: Schneidermeister Simon Stern und Frau Betty geb. Seelig begehen am 1. Dezember das Fest ihrer silbernen Hochzeit und gleichzeitig 25 jähriges Geschäftsjubiläum. SpredjfaaL Wohin fitoöt Miere Jugend. Köln, 10. November. In Nr. 44 des „Israelit" wird diese Frage damit beantwortet, daß unsere Jugend dem Sozialismus zustrebt. Allerdings wird die Einschränkung gemacht, daß dies nicht von unserer Jugend gelte, deren „in steigender Linie sich bekundender Wille zum Judentum erfreulich, hofsnungsweckend, zukunftsverheißend", fei, fonoern von unserer Jugend — meines Erachtens kann ein ernstes Problem nicht oberflächlich behandelt werden, wie es dort geschieht, denn die dort beschriebene Gefahr, die unsere Jugend bedroht, ist zweifelsohne belanglos verglichen mit dem gefahrvollen Zustand, in dem sich die gesamte jüdische Jugend und das gesamte jüdische Alter befinden. Die zutreffende Antwort auf die in der Ueberschrist gestellte Frage kann wohl nur lauten, daß unsere Jugend dahin strebt, wohin auch unser Alter strebt: zur Schaffung einer gesicherten, gutbürgerlichen Existenz. Gemessen an diesem Ziel erscheinen alle anderen Steifefeungart tmferer 3ugenh belanglos unh nebenfärf)= lics, Urtiere 3ugert& gef>£ &ena durch Natronairsmus unb §agrairsmus — tooiji aber durch Materialismus. Diese Gefahr scheinen aber unsere maßgebenden Kreise gar nicht zu bemerken. Die regen sich auf, daß unsere Jugend statt der „Smiraus" die „Hatikwah", statt dieser die „Internationale" singt — sie haben aber nichts auszusetzen an einer Jugend, die überhaupt nicht singt — die lediglich schuftet. Die Ursache hierfür ist weniger in einem Nichtverstehen als in einem Nichtverstehenwollen zu sehen. Der Grund dieses Nichtverstehenwollens aber ist in dem Gefühl der eigenen Ohnmacht zu suchen, in dem Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber der dräuenden Umwelt. Ein Beispiel hierfür. Bor mehreren Monaten schrieb Wolfsberg im „Jeschurun" die Anklagerede über den Materialismus unserer Orthodoxie. Die Resonanz hierauf steht heute noch aus. Daß man Wolfsbergs Anklage für ünbegründet hält, scheint mir unwahrscheinlich, denn die erschreckenden Zustände in den Verwaltungen unserer Gemeinden und Institutionen, die e,v.t- IDÜrDtöCIlDe MMNWklt UllskM MM — m M' hängigkeit ber gesamten organisierten Orthodoxie von einigen Magnaten — denen oftmals die notwendigen jüdischen Qualitäten abgehen, kann von ehrlichen Menschen nicht geleugnet werden. Wohl aber wird sie totgeschwiegen. Man will nicht verstehen; denn man weiß keinen Ausweg. Die Orthodoxie hat ihren Frieden mit dem Kapitalismus geschloffen und in unverständlicher Verblendung verkannt, daß dieser Frieden schlimmer ist, als der Krieg, daß eine Orthodoxie, die sich dem Materialismus verschrieben hat, dem Untergang geweiht ist. Während einiger Jahre läßt sich, allenfalls künstlich orthodoxes Judentum auf materialMA? üiMWrHllltM — WM au©!ilrnskst rn der Verquickung, die den AußMstähölldäll ällwidert. Aber selbstdiese verdünnte Orthodoxie überdauert nicht die vierte Generation, wie alle Kenner der deutschen Verhältnisse bestätigen werden. Ich behaupte, bei 100 Jugendlichen, die dem Tauroh- Judentum sich entfremdet haben, war in noch nicht einem Fall der Sozialismus die Ursache, in höchstens einem Fall der Zionismus. Dagegen gab für 99 Fälle der Materialismus, das Geschäft, das Geldverdienenwollen den Grund ab. Aber diese Gefahr sieht das Alter, steht die verwässerte, verkapitalisierte Orthodoxie nicht. Die macht in Antisozialismus, in Antizionismus — weil die zu feige ist zu bekennen: Die heutige Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung ist unjüdisch und eine Regeneration des Judentums ist nur möglich innerhalb einer neuen Gesellschaft und einer neuen Wirtschaft. K ö l n a. Rh., 10. November. Dr. Heinrich Cohen. Anmerkung der Redaktion: Man soll keiner ehrlichen Meinung verwehren, sich in der Oeffentlichkeit geltend zu machen. Aber wir möchten mit der gleichen Offenheit sagen, daß wir die Auffassung des Herrn Dr. Cohen für eine den Tatsachen in keiner Weise geregt merbenbe Sttmmungsäu^fi^üitS rrrrd gar auj einem f>e{let>J:enf aLer leeren Schlagwort ausgebaut ist. Dieses Schlagwort heißt „Kapitalismus". Der Kapitalismus als Bezeich-