Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 48 (25.11.1926)
- Date
- 1926-11-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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B Movember 19^6 gen zu organisieren und zu erhalten, die sich ausschließlich auf Arbeitsplätze mit freiem Sabbat erstrecken. .Die allgemeine ArMtslosigkest. gehört zweifellos zu den aktuellsten Wirtschaftsproblemen der Gegenwart, ^teich,. Staat.und Stadt sind dauernd, bemüht, Abhilfe zu schaffen. Es ist NÜr Lltzü bMiM Ms.gss'mg M HllMMAM Derz gleich zu der ungeheuren Notlage der Erwerbslosigkeit sind. . Wahrend.. das. öffentliche Interesse für die Fragen -der allgemeinen Erwerbslosigkeit infolge des..außerordentlichen Umfanges desProblerns dauernd.wachgehalten wird, vollzieht sich« von der breiten. .Oeffentlichke.it fast unbeachtet, die Tragödie her jüMchen Erwerbslosen, Ihre Lage ist unvergleichlich schlimmer. als die derErwerbslosen schlechthin, denn der Boykott jüdischer Arbeitnehmer Wird, eine.,immer häufigere Tatsache. Gelingt es dem, jüdischen Arbeitslosen, nach mongtelanger Erwerbslosigkeit von einen? öffentlichen. Arbeitsnachweis eine Stelle nachgewiesen zu.. .erhalten,..'fy. erführt er. in. Heu meistert. Fällen nach, Vorstellung beim Arbeitgeber, daß dieser Wg« MmWßll .stWMstM. Mi öUmillM Ärbettsnachrpeis hat keine Möglichkest, den Arbeitgeber zur Einstellung,, jüdischer Kräfte zu veranlassen. Der jüdische Arbeitnehmer aber wird durch derartige Erklärungen in seinen Hoffnungen auf baldige Arbeitsaufnahme schwer getäuscht. Er leidet unter , diesen Verhältnissen physisch und psychisch weit mehr als alle anderen. Dfe Tatsache, daß Juden als Arbeitnehmer in immer großer werdendem. Umfange aus dem Wirtschaftslehen herausgestoßen werden, ist mit eines her Momente, die die Gründungen jüdischer .Arbeitsnachweise zu einer unabweisbaren Votwknhig^sst Zkmnchls.hahrm Arbeitsnachweis ist die Masse der Arbeitsuchenden an sich kleiner, die Möglichkeit individueller Behandlung eher gegeben und die Gefahr der persönlichen. Erniedrigung durch Bemerkungen, daß Juden nicht eingestellt werden, ganz ausgeschaltet. Es ist deshalb begreiflich, daß die jüdischen Arbeitnehmer in immer größerer Zahl sich an den jüdischen Arbeitsnachweis wenden. Ein zweites Moment, das für die Notwendigkeit des jüdischen Arbeitsnachweises spricht, ist die Zahl jener jüdischen Arbeitnehmer, die aus religiösen Gründen es ablehnen, am Sonnabend zu arbeiten und deshalb für die Arbeitsbeschaffung durch die allgemeinen Arbeitsnachweise überhaupt nicht in Frage kommen. In diesem Falle ist individuelle Behandlung und Verhandlung mit hm n?ch n?lw?nl>{g?T Wingertder als bei der sonstigen Arbeitsvermittlung. . D e. r. » r a.e L.l t \ ..Die Erfolge der bereits vor längerer Zeit gegrustdefen Ar,beitsMchü)eife..m Berlin, Frankfurt a.. M„ Breslau ufw, sprechest sowohl für die Notwendigkeit, des .jüdischen Arheitsnachweises als auch für die Möglichkeit, in einem'.gewissen Umfange den jüdischen Etwerbslosen zu helfen. Den rationell denkenden Helfern jüdischer Not ist es [Mi, langom killt, hall AMiMMsfuM llik kill' gige sind beste Hilfsmaßnsth'm^ ist. Deshalb wendet sich äüch. das Jnteteffe der. jüdischen Wohlfahrtspflege dern.Ärbeitsnachlbekswdsen in immer größerem Umfänge zu. Die jüdischen Ärbeitsnächweise, die meist spontan, und, ünabhängig. voneinästder entständen sind, . hättest keine, einheitliche, orgflnisfltorische Form. Bald sind, sie Voll-Arbeitsnachweife für Mästner und Frauen, bald nur. Teil-Arbeitsnächrveise für Frauen oder Jugendliche.. Die Notwendigkeit einer Züsammeftfasiung aller Arbeitsnachweise zu einer Orgänifätion mit.einheitlichen Richtlinien wird mit dety.. wachs enden Umfang der jüdischen Ärbeitsstachweisbewegung immer dringender.. Dies veranläM die bisher getrennt voneinander arbeitenden Arbeitsnachweiszenträlöll, Mö MUMM für MlflsißMMlllllWW Und das Arbeiisnachtveiskartell des Jüdischen Frauenbundes, ihre Arbeit zusammenzulegen und die Vereinigte Zentrale für jüdische Arbeitsnachweise in Deutschland (Geschäftsstelle: Berlin N 24, Äuguststraße 17) zu gründen. Der Frauenbund sowohl als auch die Hauptstelle haben nunmehr ihre selbständige Tätigkeit auf dem Gebiete des jüdischen Arbeitsnachweiswesens eingestellt. Die Vereinigte Zentrale für jüdische Arbeitsnachweise in Deutschland ist eine neugeschaffene Organisation, die in diesen Tagen ihre Tätigkeit aufnimmt. Ihr fällt es zu, das gesamte Jüdische ArdeUsnachrneisrveferr orbarrlfatörifch j^ii den inneren Betrieb der bereits bestehenden Arbeitsnachweise im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen zu vereinheitlichen und einen Stellenaustausch der Arbeitsnachweise untereinander durchzuführen, insbesondere aber in großzügiger Weise die.Stellenwerbung zu organisieren, d. h. es muß Aufgabe der gesamten jüdischen Wohlfahrtspflege werden, in einem weit größeren Maße als bisher dafür zu sorgen, daß jüdische Arbeitnehmer nicht mehr von Arbeitsstellen verdrängt werden, weil sie Juden sind. Daneben wird die Vereinigte Zentrale das eingehende statistische Material auszuwerten haben, den einzelnen Arbeitsnachweisen die einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen vermitteln müssen, des Weiteren aber den Austausch der Erfahrungen der mtßnmnM öQrMfiißm. Die Vereinigte Zentrale für Wische Arbeits- __Nr. 48 Seite 3 Nachweise ist Deutschland ist also das, was seit Jahren in Deutschland, angestrebtwurde: sie ist die einzige Stelle, von der in Zukunft alle Fragen des WWen Ärbeitsnachweiswesens in Deutschland selbständig bearbeitet werden, ihr wird es obliegen, das deutsche Judentum in den Fragen des Ärbeitsnachweiswesens vor den Behörden gll veMtkßN- Stk VM slWMsst im EsnzelNM durchzusuhren. Cs ist sine große unv v.eräniüiortungsvolle Aufgabe, die ihr damit gesetzt ist. Die Vereinigte Zentrale wird ihr aber nur dann gerecht werden können, wenn die gesamte jüdische Oeffentlichkeit die Größe dieses Problems erkennt ünb die Bestrebungen der Zentrale chit. asten Kräften, unterstützt. ,.... Eit»e Wettdung zum Guten. Von Rabb. I. Horovicz (Jerusalem). IV. Frankfurt a. M., 23. November. Bon schätzbarer Seite werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß unsere Ausführungen zu diesem Thema in irriger Weise interpretiert werden. Namentlich mird van einer Seite wiederholt vonnmr ttTratst Art-abe" mll öer aus die orthodoxensreundliche Politik yingewiesen wurde, die von der Budapester Neologengemeinde inäugüriert wurde, indem diese dauernd ihre Treue zum SchUlchan Arüch betont. Es fei demgegenüber festgestellt, daß das neologe Bekenntnis zum Schulchan Aruch nur ganz nebensächlich und nur in einem einzigen Absatz, lediglich als bemerkenswerte, denkwürdige Begleiterscheinung erwähnt wurde. Die Darstellung der „großen Freude" und die Zumutung, daß dieses Schulchan Aruch-Beksnntnis als nachabrnsnsrvürdig gervsrtst mar, ist um so mehr eine Mißdeutung, als — a^er° dings in höflichem Tone — auch dem Zweifel Ausdruck verliehen haben, ob wir es hier auch mit einer züm wahren Ziele führenden Um- und Einkehr zu tun haben. Wir haben es sogar aus satztechnischen Gründen der Redaktion anheimgestellt, diesen ganzen Absatz zu streichen. Der Schlußsatz vom Glauben an den großen, erhebenden Seelenzwang, der über kurz oder lang in allen unseren Reihen sich durchringene.wird, ist ein zartsinniger Hinweis auf die dereinstige Erfüllung der bekannten prophetischen Verheißungen. Der eigentliche und einzige Zweck unseres Artikels war jedoch der Hinweis auf das mutvolle Bekenntnis des neologen Gemeinde- Präsidenten, daß man bisher den falschen Weg gegangen ist, indem man eine „gewaltsame Uni- UiHIie Ülti Ätljg llllllmehr den richtigen Weg suche. Wir verraten nicht angeordnet hätte. Es ist also auch in seinem Sinne, datz an Orten, an welchen das Kaddifch nicht gemeinsam gesägt wird, eine andere Anordnung nicht eingeführt werde, sondern es vielmehr vorzuziehen ist, daß nur Einer das Kaddifch spreche. * » 0 Auf die von Herrn Rabbiner Dr. Kanter angeschnittene Frage, was das Wort anama im Kaddifchgebet bedeute, gestatte ich mir auf den vnpn etits int V"7 •»"ans oiisn 'vij?V hinzuweisen, woselbst es heißt: mm jnrrn ditet Vdet rmKa ii’xa pw 13K *pVl .IBM Dl'V KV« 1BK NV O'V’Il *1503 *11*7 p in mnaErni nw nm Va V57 naEra v'iBirr rrnaia Va brr rrV'vV rrV'zrV V'*7pa p wai w ba» *i7ii'i ini' naiV» nnrr iniba rrnna^n rrni'V «lW mm w isum ammr mm hwibihh N1A1M Vj? ns ’ftyw nisns» rsNANS» 'N'b?ni 'ba'.*7 nrr 'Nvi^i 'N'a nrr 'nain.iV 'irr rrb i"n in'brr ivrri vbwn nivirr pab '^a nrr .n-rrM b’asB.'i dti üt ba rrbrr p htsnsr rri.i iaba 17 ni'vp 'nab brriV'Va rrbrr rat rrbi -p nam:i tb ,*|iaB nai "BV rr.1' prr paisn N1V1NB 'nabi ^bBN 'iprr yBirri.iVrri v^V2B .Tap.i ny& nnirra bVB ibM o'zab 0.1b 'irr *p liraa inirr s'vbpBV rri,i i'iM WBN21. ,0'iBirr nrr p bvi amarr ]nbw bvi.ini'p ibk^. ppsB rri.iV isrx.i .17 Vir o’Binjm IPNI 137 rrij^ '.rrn .T'irrV 11B0 113L.1 )'21V *p ÜV *>5B NZTV imsa'.iaiT rri.iV 17 0'BNI N1B 0V Vir n c.-.-.j. . . ... :V"3S NBVV 12'3l Rabb. Dt. Bamberger—Bad-Kiffingöü. Kleines Feuilleton. .Ein alles handschriftliches Siphre-Aragment in Ladenburg a. 7t. Von Karl Darmstädker in Ladenburg. Die alte Römerstadt am Neckar, die wohl schon bald nach dem Jahre 1000 jüdische Einwohner in ihren Mauern gesehen hat, weiß uns von deren Schicksalen nicht mehr allzu viel zu erzählen. Die Brände des 30jährigen KrrLgss h<rk»sn JVerLraollstes irr Asche x>errminbe£i ... lim |t> ü6«r ra| er r»enn ei« öa^u kin >9?ugnis gu ffn&m,' das verstaubter Akten einen Domröschenschlaf geführt hat. Da suchte der Schreiber dieser Zeilen, beschäftigt mit lokalgeschichtlichen Gemeindeforschungen, in Grundbuchakten im Rathause in Laden bürg, als plötzlich sein Blick auf zwei Bände fiel, die in Pergament mit hebräischen Schriftzeichen gebunden waren. Es gelang, von der Stadtverwaltung die Erlaubnis zu erhalten, die Einbände loszulösen und sie in den Besitz der israelitischen Gemeinde überzuführen. Zunächst schien es, als fei nur die eine Seite, die Außenseite der beiden Einbände beschrieben. Aber dann bestätigte sich doch die Vermutung, daß auch die Innenseite unter übergeklehtem, bedrucktem Papier in gleicher Weise beschrieben war. Nachdem nun-von den beiden des Rats-Almosens 1624") die und das überklebte Papier sorgfältig mit einem Schwamm abgezogen war, lagen zwei beiderseitig beschriebene Pergamentblätter vor. Jedes ist 34 cm breit, 38 cm hoch und zeigt einen unteren Rand von, 10 cm, einen rechten von 8 und einen linken von 6 cm.: Ein oberer Rand ist nicht mehr vorhanden; der Te^t ist da durchgeschnitten, so wie der Buchbinder der Ladenbürger Ratsprotokolle eben die Blätter handwerksmäßig zurechtpräparierte. Jede Seite enthält 3 Kolumnen zu je 35 (5 cm breiten) Zeilen, so daß wir also im ganzen 420 Zeilen Text vor uns haben. Es scheint recht viel zu sein, aber leider ist es doch nur ein winzig kleines Fragment, wenn wir wissen, was es ist. Die ersten Einblicke wiesen auf Reste eines frühen Raschikommentars zu Parschath Ha'asinu hin. Nachdem jedoch Herr Rabbiner Dr. Lauer in Mannheim, dessen freundlichen Erläuterungen ich Wesentliches von diesen Ausführungen verdanke, Gelegenheit genommen hatte, iy&n Text gettait 31t prüfe«, ergab fiel, für ih«, die $al|ac|)e, mir es iel Lern Haken I. 11 r g e r nk mit einem interessanten <Siphee-Fe«gment gu tun haben,, und zwar zu Deuteronomium, Kap. 33 ff. — d. h. mit einem handschriftlichen Fragment jenes, „Srphre" genannten, halachischen und hagadischen, Kommentars zu den zwei letzten Büchern des Pentateuch. (Es ist ein Midrasch Tenaim). Die Schrift zeigt die Form der hebräischen Quadratschrift, mit Ausnahme des Aleph, das in der sog. Raschischrift gehalten ist. Die Schrif'tzeichen sind kalligraphisch-kunstvoll geschrieben, auf der Seite, die den äußeren Bucheinband bildete, naturgemäß verblaßter als auf. der vor Beschädigung bewahrten Innenseite. Nach der Charakteristik der Schrift und nach dem Pergament zu urteilen, würde man, nach Ansicht Rabbiner Dr. Bauers, nicht fehlgehen, wenn man annimmt, daß die Handfchrift aus dem 12. Jahrhundert stammt. Vielleicht ist das Ganze bei den gar zu häufigen Verfolgungen einem Plünderer in die Hände gefallen und später, wohl in einer Zeit, als kein Jude