Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 48 (25.11.1926)
- Date
- 1926-11-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2446951-2450388-2450436--73616-2531038- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 3× ep/1002670
OCR text
Seite 2 Nr. 48 Der 6 » t a eiit ^5. November 192G Goldschmidt wird als Folge dieser Entwicklung bezeichnet und das Ganze unter dem Gesichtspunkt des Kampfes zwischen Polentum und Deutschtum als polnischer Terrorismus dahingestellt. Die Verhältnisse in Königshütte find uns im einzelnen nicht bekannt. Vermutlich erstreben auch dort die Ostjuden nicht polnische Kultur, sondern Judentum, sagen wir, I ü d i s ch k e i t, zum großen Aergss MWs „WNgcsHMtenen". Die ihren negativen Standpunkt in religiösen Belangen, sehr zu Unrecht, mit dem Deutschtum zu decken suchen. Was den früheren Rabbiner Herrn Dr. Goldschmidt betrifft, so wissen wir es ganz genau, daß dieser Rabbiner, wie Dutzende seiner Kollegen in den polnisch gewordenen Gebieten, seine Stelle schon gleich nach der Abstimmung verlassen hat, verdrängt oder hinausgeekelt nicht von den polnischen Juden, bei denen er in seinen religiösen Bestrebungen wahrscheinlich die größte Unterstützung gefunden hätte, sondern von den polnischen Polen. Den Widerstreit zwischen Ost und West in den Gemeinden mit der Brille des politischen und Kulturkampfes zwischen Polen und Deutschland zu sehen, ist, gelinde gesagt, eine U n g e hörigfeit, auf dis sin Vlatt »am Narrge ber furtcr Zeitung" nicht hätte hereinfallön dürfen. Ob der vom „Kölner jüdischen Wochenblatt^ in Sachen der Rheinlande angerufene Preußische Landesverband einzugreifen den Willen und die Kraft aufbringt, wissen wir nicht. Die jüdische Oeffentlichkeit darf aber zu diesen ebenso lieblosen wie unjüdischen Gewaltversuchen nicht schweigen. Wochenrundschau. Zur GflbjrrgerWg in Palästina. Unsere Ausführungen an dieser Stelle zur Frage her Einbürgerung in Palästina finden eine volle Bestätigung bei dem objektiv urteilenden Teile der Presse im heiligen Lande. „Kol Jisrael", der sich im Hangen für die Einbürgerung einsetzt, Hessen Feder aber nicht, wje die der änderen Redaktionen in Jerusalem und Tel-Achiw, von ejnem blinden Uebernationälismus yeMrt ist, schreibt: „Die kühle Aufnahme dex Einhsirgerung.säHstation in vielen Kxejfen ist bedauerlich, aber ohne weiteres erklärlich. Ein gut Teil der neuen Einwanderer konnte sich im Lande noch nicht verankern, wovon die Rückwanderung trauriges Zeugnis ablegt. Viele stehen noch mitten im Ringen mit sich selbst und wissen selber noch nicht, ob der gute Wille über alle materiellen Widerstände obsiegen werde. Es ist diesen kaum zuzumuten, daß sie jetzt schon kopflos in die Einbürgerung hineintaumeln und damit alle Brücken zur Heimat hintgr sich lMrochm. In Diesem Punkts ist schu^ zu raten, am wenigsten generell von der Tribüne der Zeitungen herab. Die Lösung dieser Frage kann sich nur individuell von Fall zu Fall vollziehen, sie hängt von den Verhältnissen des Einzelnen ab. Wie es Viele gibt, denen die Einbürgerung unter allen Umständen als Pflicht gegen sich, gegen Land und Volk zu empfehlen ist, so gibt es wiederum Andere, denen gegenüber man mit diesem Rate recht vorsichtig sein muß, trotz aller Erwägungen hinsichtlich der Schwächung der jüdischen Kraft im Lande und der bevorstehenden Wahlen. Dringend müssen aber all diejenigen, die auf automatischem Wege bereits das Bürgerrecht erworben haben oder erwerben können, wie alle, bei denen keine Bedenken .im Wege der Einbürgerung stehen, tyfyfcgnj Mk stetste unD Damit Das iii* küsitzö Röcht im hsrlrgsn Qättb<* ber Väter zu wahren. Die Wahlen in den Jerusalemer S t a d t r a t rücken immer näher heran, und es ist noch nichts rechtes geschehen, die Stellung und die Rechte, nicht zuletzt die religiösen Rechte, der Juden in der kommunalen Vertretung der zu 80 Prozent von Juden bewohnten heiligen Stadt zu sichern." Soweit „Kol Jisrael", eine Auffassung, die auf der klaren Erfassung der Situation beruht. Eine jüdische Taubstutnrneirarrftalt sefdjiloffen: Von befreundeter Seite wird uns geschrieben: „Dje jüdische Taubstummenanstalt in Wien hat ihre Pforten aus Geldmängel geschloffen! So stand es in kurzen, dürren Worten'in der Zeitung und viele mögen es gelesen habeü. — Aber ahnst Dü denn, lieber Leser, was es heißt, eine Taubstummenanstalt schließen? Daß dies gleichbedeutend ist mit der geistigen Vernichtung von unglücklichen Menschenkindern, die' nun plötzlich heraüsgerissen werden' äüs eNipötstrebender Entwicklung, die allein eine Anstalt ihnen zu geben permag? Weißt Dp denn, was Me Taubstummenanstalt Im Leben dieser Minder bedeutet? Sie gibt ihney die Sprache als Werkzeug fürs Leben, sie checkt',ihren Sinn für das Praktische und das Ideelle, und für' alle Begriffe' die ihnen sonst verschlossen, bleiben: Weißt Du auch, daß in früheren Zeiten ein Taubstummer als ausgefchlössen galt aus der Mnfchlichen Gesellschaft, daß er als geistig minderwertig äNgeseheM würde, weil feine Sinne verkümmeren hn fit Üer ®c^örIopfffcit? ' ' * Da kommt die Taubstummenanstalt und weckt das Kind, hebt es hoch und immer höher, zieht es heran, bildet es aus und macht sein Leben reich und nützlich, beglückt das Kind und föhnt auch die Eltern aus mit dem Geschick, das ihnen auferlegt ist.. Und nun schließt man heute in einer Zeit, deren Stolz es ist, den Schwachen und Dürftigen zu helfen, eine solche Anstalt, eine jüdische Anstalt zumal, deren es in ganz Europa nur noch eine einzige gibt, die unermeßlichen Segen spendet, deren Leistungen aber räumlich begrenzt sind und die keinen Ersatz zu bieten rt&rnutg, für Die gMloMM MM« iÄJ» LMHertzansi-L VLA da regten sich nicht tausend Hände und da hallte^ nicht ein Schrei durch die jüdische Welt, ein Schrei des Aufrüttelns und der Erschütterung: Helfet, helfet, duldet es nicht, daß das Furchtbare Tatsache bleibe, erbarmt Euch der verlorenen Kinder, die auf dem Wege zum Licht in die Dunkelheit zurückgestohen werden! Jüdische Kinder sind es ja, denen nur eine jüdische Anstalt einen Begriff ihrer jüdischen Bestimmung und Lebensaufgabe zu geben vermag und sie einfügen kann in den jüdischen Kreis, dem sie entstammen und wohin ihr Lebensweg sie führen soll. Ach, sie war nur ein böser Traum, diese Zeitungsnotiz, denn nimmermehr läßt die jüdische Gemeinschaft es zu, daß jüdische Kinder dem Verfall entgegengehen." Wir können uns diesem Notschrei nur anschließen, um so mehr, als wir die Hoffnung des Einsenders, daß jene Zeitungsnotiz sich nur als böser Traum erweisen würde, Nicht hegen. Die Errichtung einer jüdischen Taubstummenanstalt ist Nicht attem M PMUrn Uv scheu, sondern auch der Judenheit aller Länder. Die vom Einsender so treffend gezeichnete Aufgabe einer jüdischen Taubstummenerziehung, nämlich, „den Kindern einen Begriff ihrer jüdischen Bestimmung und Lebensaufgabe zu geben, und sie einzufügen in den jüdischen Lebenskreis, dem sie entstammen und wohin ihr Lebensweg sie führen soll", kann nur in einer eigenen jüdischen Anstalt gelöst werden, die bei allen menschlichen und pädagogischen auch diesen j ü - d i s ch e n Voraussetzungen entspricht. "jinTitiiniispiRriPI 'T;f l'm» UM I Einige interessante Raschi-Stellen zu den laufenden Sihrans. Von Rabbiner Dr. Felix Lauter in Zwittau (Mähren). Zum Verse v'ivn.i ^3» 'r»2vj? bemerkt Raschi u. a.: 1VV T3 ‘lOöitf D1W 'tilK-p Jakob sprach: , . ... deßhalb fürchte ich... . daß ich infolge einer begangenen Sünde in die Hand Es aus fallen' könnte".' fic& Dflß 6r Iii Die /alle« künniej ' Tip©! M!ä»D auch für seine Frauen Md Ktttver. deren sich Esan ebenfalls bemächtigen konnte? Warum denkt denn Jakob än sich und nicht auch an seine Angehörigen? Ferner: fürchtete Jakob wegen einer von ihm etwa begangenen Sünde, dann ist doch seine Berufung aus die göttliche Verheißung (W 3'v'X 3v?.l 71NVX nnrri) vollständig deplaciert, d. h. unbegründet? Allein ein bekannter Ausspruch unserer Weisen lautet -hth XX' xV dVis?» in *imi'nun Vjy.i^öx rrnbV rrnpn ’ö». ..Nie hat der Heilige, gepriesen sei er, eine gute Verheißung abgeändert, selbst wenn sie an eine Bedingung geknüpft war". Dies wußte auch Jakob und deshalb fürchtete er .bloß - für seine Person (daß er nicht Me in die Hand Esaus). Denn was f eine K intz'.e r äuöelä'ngl, Rynme er sich beruhigt ans die'gött De Verheißung berufen :pjr 'MD M uv'N. 'wi „dt.' pi? iiiiiei kefflen Mständstu ahgeändert Milxtzck'kann (dMrüvvrr'.'ühtt$ ' Was ihn selbst chrbeDüti sprüch et die MÜrchtung UM ^3p v'nvnn, chM Raschi mit' Recht bemerkt xv? »ich fürchte bM für meine*) Person. . . . .denn wie leicht könnte iG in die Hand Esgus fallend"' die allen Kommentatoren' efne ' große ' Schwierigkeit gerettet. Das zitierte Nn w3 erklärt diese Raschiftelle aus folgende Weise: Im Talmud (Erechin /5b) Wßt M: Wer W? spricht. Mt dem wist y'nn gleichsam nicht in ein'und derselben Welt zusaurrnennemm, wie mmmoell fisM,L,ü...Mä 33)K JÜ 1J1.H HlU IBWI »5 W ^s>n V* bliTfiVr m diese Tälmudsteüe spielt Raschi mit seiner kurzen Bemerkung an. Als die Prüder (Josefs) ihn von der Ferne sahen, faßten sie den Beschluß, ihn zu Wen. Sie taten es — will Raschi damit sagen — unter Berufung auf das bekannte in#, von der Ansicht ausgehend, haß der Verleumder (snn ppb -isvv) keine Existenzberechtigung hat. Und gerade wegen ieiu'er x-M pvb (nM vr>33) haben bekanntlich die Brüher den Josef gehaßt. Allerdings bleibt selbst „ , *) Nach bb'n w3, einem offenbar alten ->ov' das sich in Miner Bibliothek befindet. Leidet fehlt das Diieiblatt gänzlich. Io büß 'der Name dies Verfassers etc. mir nnbekannt ist. ' Arbellslofigteit Wd Wisches Arbeiksnachweiswese«. Wir kommen dem Ersuchen der Vereinigten Zentrale für Jüdische Arbeitsnachweise, über ihre Konstituierung und die beabsichtigte Form ihrer Wirksamkeit der Oeffentlichkeit. Kenntnis zu geben, gerne nach, weil es sich hier in der Tat' um eine der wichtigsten Aufgaben der jüdischen Wohlfahrtspflege handelt.' Wir müssen aber immer unh; immer wieder darauf hin-- weisen, daß nach Sen 'Brny-fHen des ÄudeN-. tums die ' mittelbare yder unmittelbare Mitwirkung an der Vermittlung von ArbeitsMllen, hie mst der Entweihuvg'des SaDhatsverknüpft find, unzulMg Ht, und.daß WM SWiffeMast gesetzestxeuis Juhen an Mesn perartig' neütraleN' Arbeitsnachweis "Mcht' mrtaMM ken können: .'Es bleibt'Nach wie vor di- Aufd'äbs. örr gMkslMM aiiDenBoii, ZkM> EMüll-;T>yT m (pbjS[nach M vor Hivferi^. vf.pö. Zu Kap. 41. Mrs.43 i'zsb ixij?'-i> HSMexkL -Baschs unser Berufung aus den Wphri^p«: 5W ’iff) .PtzL7)';»y232 M ^3NV'tz'333 jlPb'tzN lM: ^Uflter ^33rr >stnd'nichts anders als .'.Knie^ zu -öÄstehen, weil Ms durch seine Hand ging etc." Dieses M333 .(Eie!:) ^st schwer verständlich, ebenso Mr Rachsatz'' »Kaß Ms durch ieine HaNd ging.". Im SMrt.' auf ven pch Raschi-birruft, 'heißt es aber nicht ä'333' sondern a'333b (Siphri Änsätigs v'Ml). Kommenden vi3.33brr identisch.' das ..Macht'', __ mit? ydei vHerrfchastk bedeutet. : Dü dürfte Auch- Fragen und ihre Veanttvorkyng. Auf die von Herrn Rabbiner Dr. Kaatz in Nr. 44 d. Bl. angeführte näpst des Güon R. Akiba Eger nhch welcher Die in meinem Werke NffUV 331 enthaltene Mitteilung des Herrn Mabb. Dr. Maynes hierüber zu berichtigen ist, gestatte ich mir folgende Bemerkung. Aus der .i^pr, des /Kaon R. Aktba ^Eger y*£i! ist jedenfalls zu entnehmen, datzIeiUe Anordnung lediglich deshalb erfolgt^ weil damals und .infolgedessen' auch 'iw'spLMn Zeiten Kle Trauemhe bezw. Jghrzeiten an einem Tage