Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1926-11-25 · Heft 48 (25.11.1926) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 48 (25.11.1926)
Date
1926-11-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2450388-2450436--73615-2531037
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

67. Jahrgang. Frankfurt a. Al., den 25. November 1926 19. Aislew 6687 Nr. 48 kin Centralorgan für das orthodoxe Judentum Begründet von Dr. Lehmann m Mainz. . Abonnement ab Januar 1924: Deutschland 1 Goldmarl monatttch; Ausland: Viertel- > t-hrpreisL de»» Jnlandsvreis »mrügltch Kosten des Streifband-Ber- DsittM-SstttE; EWing 6.—: Ammw 1 DüllllN WgllMS t ffiii fff r> w Belgien, 25 ttt/, LManv L sl.;JMen M LNr^ 7 Zloty, Schweiz ö Kronen; Norwegen 5 Kronen; Schweden 3.50 Kronen. Einzelnummer dreißig Goldpfenntge. Der Israelit erscheint jeden Nonpareille-Zeile. Abonnenten Dts 75 mm breite StellonKac" ilttü ___ lefeie Ts-tssit-r 1.60 Mk_. t> 1« im. SMÄMafjjMtni. mmt ÄnseratauftrLgen täbisttt. s" ' Verlag des Israelit G. m. b matiTi Mi lWMM ..-^ 'ansa 5842 indlÄ direkt an den Verlag Larschau Nr. 190757. - Postschecks... ay Bukarest - Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. Der Gerichtsstand für Wahlentrechtungen in jüdischen Gemeinden. Wie wir in der jüngsten Nummer nach dem .„Kölner jüdischen Wochenblatt" berichten konnten, sind in Rheinland und Westfalen Bestrebungen im- Gange, die auf eine Wahlentrech- Lung ausländischer Juden in der Gemsmös hmzislsn. In mm OtunDfcDrßißen, mit dem Vertreter aller Gemeinden in der Rheingegend zu einer dringenden Besprechung eingeladen werden, ist von einer Statutenänderung, bezw. einer „Aenderung des Judengesetzes vom 23. Juli 1847" die Rede. Es soll, klarer ausgedrückt, durch einen Wahlraub an den Gemeindemitgliedern ausländischer Staatsangehörigkeit verhindert werden, daß diese in Vorstand und Repräsentantenkollegium gewählt werden; dieser Gefahr müsse, wie es im Schreiben heißt, besonders im Jndustriebezirk rechtzeitig begegnet werden. Ohne die Verhandlungen und Beschlüsse der einzuberufenden Konferenz abzuwartenhaben die Initiatoren, wie man aus der gleichen Einladung erfährt, bereits Verhandlungen mit der Regierung in Münster und dem Kultusministerium , in Berlin dieserhalb eingeleitet. Es scheint beinahe so, al§ hätten die Herren mit diesem Vorstoß in Berlin und Münster noch kein Glück gehabt und nunmehr des MandateSi einer lorfamMitnö rplnipor unD MflMsM mi meinden bitter benötigen, um dem Ansuchen Gewicht zu verleihen.' Wenn wir auch glauben, von solchen Versuchen — bei dem Geiste der Loyalität und Gerechtigkeit, der als Erbfolge Severings bei den zuständigen Behörden in Berlin herrscht, — nichts befürchten zu müssen, so darf doch die jüdische Oeffentlichkeit zu einem solchen Plane, der darauf angelegt ist, einen Keil Zwischen Juden und Juden innerhalb einer Gemeinde zu treiben, nicht schweigen, wenn sie sich nicht anders an diesem Akte der Recht- und Lieblosigkeit mitschuldig machen wollte. Rein rechtlich liegt die Sache so, daß das aktive und passive Wahlrecht in einer religiösen Kultusgeineiride nicht vom Passe abhängig gemacht werden kdnn, sondern daß allen, die zu r^rem, Seile an bert ©etnein&eloj'ien mifragen. d.aL,.MiWestiiMnuWsreOt in Sachen Der Me- .DMdeverwaltung' lleyMMyge und Gemeindeinstitutionen in vollem MäMzufteht. Entscheidend ist aber in dieser Sache weit mehr als der juristische, der moralische und jüdische Standpunkt, nicht zuletzt der Gesichtspunkt, unter dem unser Kampf nach außen um Ehre und Recht der deutschen Judenheit schlechthin geführt wird; um Wahrung der geistigen Interessen des deutschen Judentums, die in Vorstand, Gemeindeverwaltung und vom Polizeigeist getragenen Verordnungen noch lange nicht gehütet und gewahrt sind. Eine Tatsache ist, daß seit Jahr und Tag sich derton$eniri^e Angriff der Judenfeinds aller Observanzen gegen die Üftjuhen über deren Anzahl in Deutschland phantastische Zahlen zirkulieren, über deren Erwerbstätigkeit grundfalsche Bilder entworfen werden, deren Kriminalität — auf Grund einzelner Fälle, die in gar keinem Verhältnisse zu der allgemeinen Kriminalstatistik stehen —, im Vergrößerungsglase der politischen Hetze gesehen und gezeigt, ins Unermeßliche gesteigert wird. Aufklärende Feststellungen mit Hilfe unwiderleglich sprechender Zahlen und Daten machten Eindruck aus die Behörden, weniger aber auf das große Heer hinter den „deutschvölkischen Reichsversorgern." In den Ostmarken be&- Deutschen Reiches handelt es sich vielfach um jüdische Arbeiter, bie mäfjtenb der deutschen Okkupation zum Teil gewaltsam über die Grenze in die Bergwerke und zur Feldarbeit gebracht wurden und von denen bei der Wandlung der Dinge vielen gelungen ist, in die Heimat zurück, oder nach Amerika auszuwankerrt. löte f)ter kltefcert, ober fileiftert trtit^iert, suchten und fanden irgend einen Erwerb, dem sie, still und genügsam wie sie sind, nachgehen. In den Gemeinden Rheinlands und Westfalens geht es in den überaus meisten Fällen sogar um hochachtbare Familien, die seit Jahrzehnten im Lande und in der Gemeinde wohnen, deren Kinder hier geboren und erzogen sind und die durch Fleiß und ehrliches Streben es zu Namen und Stellung gebracht hüben. Auf- Kenntnis dieser wahren Tatsachen stützt sich auch das Verhalten der Regierung in Preußen und im Reich, die gegen die Antisemiten um jeden Preis, welche von den Ostjuden sprechen, aber die Juden überhaupt meinen, wahrlich keinen leichten Kampf haben, um dem Recht zum Siege zu verhelfen. War sollen nun diese Stellen jetzt denken und sagen, wenn den Judenfeinden von jüdischer Seite Msf \m DerbDwete vom Mischen Lager her erhalten? In ihren letzten Zielen werden dadurch die Feinde nicht beirrt, und die Herren Gemeindevorstände im Jndustriebezirke am Rheine hatten sich und ihren Brüdern in Land und Reich damit ins eigene Fleisch geschnitten.! Für uns kommt noch ein anderes, ganz und gar nicht unwichtiges Moment in Betracht. In viele entnervte, des jüdischen Geistes ganz entleerte kleinere und größere Gemeinden haben die eingewanderten Ostjuden in den letzten Jahren neuen jüdischen Geist hineingetragen. Wenn heute beispielsweise an vielen. Plätzen in Sachsen und auch arn. Nhsrns neues jüdisches Leben aus Ruinen erblüht, neue jüdische ^emeinben, k\e Mefes Prädikat verdienen, entstehen, wenn man heute in solchen von hundert Jahren Aufklärung und Reform zur Verödung gebrachten Gemeinden schon hie und da eine zuverlässige Schechita, eine Mikwäh, eine gute Schule und andere jüdischen Lebensmöglichkeiten für Einheimische und Reisende findet, so ist dies einzig und allein Verdienst der Ostjuden. Aber gerade dieses soll von den Gemeindegewaltigen, die die Konferenz einberufen und aus eigene Faust die Verhandlungen mit der Regierung in Münster und Berlin führen, verhindert werden. Durch Wahlentrechtung soll der Einfluß dieser Mitglieder in Vorstand und Pepräsentantenkollegium lahmgelegt werden, damit Vorstände und Rabbinate in ihrem gesunden Schlafe auf geistig-religiösem Gebiete nicht gestört werden. Denn was diese Herren „den Geist des Ostens" nennen, ist in Wahrheit ja nur der Geist des Judentums, den die Ostjwbeit trt ®emein|4)aft tritt bett Kreugebltebenen des Westens mit Einsatz aller Kraft und Energie retten müssen, um überhaupt an dem Platze als Juden leben und ihre Kinder erziehen zu können. Darum, und nur darum geht es; darüber darf man sich keinen Augenblick im Unklaren sein. In diesem Zusammenhang muß aus einen Bären aufmerksam gemacht werden, den der Korrespondent der „Frankfurter Zeitung" in Beuchen mit einer Mitteilung aus Königshütte, der polnisch gewordenen Industriestadt in Oberschlesien, seinem Blatte aufbindet. Hier (im Abendblatte vom Freitag, 19. November) wird eine Tatarennachricht verbreitet, die, alle greifbaren und kontrollierbaren Einzelheiten und Tatsachen ängstlich vermeidend, nur ganz allgemein eine Jeremiade über das Ueberhandnehmen des „zurückgebliebenen östlichen Ele- MM?r in isf Mlmnm »igiptti MUMM was Die deutschen Juden dazu gezwungen hätte, aus der Gemeinde auszutreten und die herrliche Synagoge den Eindringlingen zu überlassen. Auch der Weggang des dortigen Rabbiners Dr.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.