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Der Israelit · 1926-11-11 · Heft 46 (11.11.1926) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 46 (11.11.1926)
Date
1926-11-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Vorhandensein der ersteren unter günstigen Bedingungen den Weg zur echten Gotteserkenntnis aus Thora und Talmud eröffnen können. Diese günstigen Bedingungen scheinen uns für die Jugend nur dann gegeben, wenn es den ausgesprochen gesetzestreuen Jugendorganisationen gelingt, die von außen zum Zentrum strebenden jugendlichen Seelen für sich zu gewinnen, nicht aber auf einem neutralen Boden, der zunächst einmal voraussetzungslos die verschiedenen Aspekte von „Judentum" zur Auswahl darbietet und die jüdische Geschichte sozusagen wieder von vorne anfängt. Der Herr Einsender greift aber über die Sphäre der Jugendvereine weit hinaus und scheint der Orthodoxie überhaupt die Ueberzeumm Btiormam m morn, M feiert Ltberslüfstg, wert in den allgemeinen Organisationen bereits „dem jüdischen GesetzedieStelleeingeräumtwird, die ihm gebührt". Mit dieser Voraussetzung steht und fällt in der Tat alles, was der Herr Verfasser aussührt. Daß sie von Grund aus falsch ist, werden selbst Gemeindekonservative, Misrachisten und Achduthmänner zugeben. Alles was heute in Gemeinde, Landes- und Weltorganisation körperschaftliche Vertretungen jüdischer Ideen darstellt, ruht bestenfalles auf dem Prinzip der „Gleichberechtigung der Richtungen" und stellt sornit dis mtslMöösttstz jüdischen geugung von dem ausschließlichen Herrschaftsanspruch des Gottesgesetzes dar, auch wenn aus Rücksicht am Sabbat nicht geraucht und rituelle Speisen serviert werden. Jede ausschließlich gesetzestreue Gemeinschaft dagegen ist ein Zeuge der Gotteseinheit und des einheitlichen Königtums Gottes über sein Volk inmitten der grauenvollen Verwirrung der Geister, wie sie von all den Mischformen der Treue und des Abfalls in den letzten Jahrzehnten des Suchens und Irrens gezeitigt worden ist. Seltsamer Weise weist der Herr Einsender nach Ungarn. Wenn es im absoluten Sinne wahr wäre, daß „die ungarische Reologie heute schon einzusehen beginnt, wo der richtige Weg ist", so würde das gewiß der größte Triumph des Selbststärrdrgkells - ^rtngxp [eirif ZssMgk ffiBFfr Lewer ist Die BMÄptung mv insofern richtig, als die ungarische Geologie — weil sie sich einer im wesentlichen einheitlichen und nicht durch Abspaltung geschwächten Orthodoxie gegenüber befindet — diese in Sachen der äußeren politischen Vertretung und Wohltätigkeits-Angelegenheiten als ebenbürtigen Partner endlich anerkannt hat. Zu einem solchen Zusammenwirken war und wäre auch die deutsche Orthodoxie, wie die palästinensische, immer bereit,"es scheitert in Deutschland nur an den die selbständige Orthodoxie bekämpfenden und unterbindenden gemeindeorthodoxen und misrachistischen Gruppierungen. In e i n e m Punkte allerdings sind wir mit dem Herrn Verfasser einig: Die selbständige Organisation allein tut es nicht. Sie ist nur der unkrautfreie, reine Fruchtboden, auf dem sich wurzelechtes jüdisches Leben entfalten soll, und gewiß ist es die erste Pflicht der selbständigen Orthodoxie, allen gesetzestreuen Brüdern und dem weitesten Kreise der ehrlich Suchenden gegenüber die höchste Aktivität der Liebe zu betätigen. Js stärker unb bte gesßMRtVWeT t II Tt C II stehen, desto eher werden sie dieser Aufgabe nach außen genügen können, ohne den unverrückbaren Grundsatz der Thora: nsrw rwn nnx1? v'-ivirr px zu verletzen. Eine orthodoxe Tageszeitung in Polen. Seit Monatsbeginn erscheint das Organ der polnischen Gesetzestreuen „Der Jud" in großer moderner Aufmachung als Tageszeitung. Damit ist ein Ziel erreicht, seit langem von den Besten sehnlichst erwünscht. Es bedeutet dieses: Abschluß einer langen, mllhövollm DmMSsit mb erft röcht Anfang unb Sfusgangspunft intensiver zielbewuhter weiterer Arbeit für das Judentum der Thora, das heute in Polen mitten in der wilden Brandung einer neuen Zeit nicht minder gefährdet ist, als in den Tagen des politischen und geistigen Werdens vor hundert Jahren im Westen. Die wirtschaftliche Krise der Nachkriegszeit erlaubte bisher nur kleine, schüchterne Versuche auf dem Gebiete des Pressewesens. Der „Jud" wurde erneuert, konnte aber — und auch dieses mit großen Unterbrechungen — nur in kleinem Formate als Wochenzeitung erscheinen. Inzwischen hatten sich die Aufgaben der gesetzestreuen Judenheit in Polen ins Unermeßliche gesteigert, der von ihr zu bestehende Kampf gegen allerhand Widerstände äußerst verschärft. Jrn MiliMN MtlB. DOf Df! psilltJ Misch« FMilon Im Sejm bildet, hat die Orthodoxie darüber zu wachen, daß die außenjüdische Politik nicht zum Nachteil der Religion ausschlägt und daß nicht Unberufene auf eigene Faust im Namen des Judentums bei Regierung und Parlament das Wort Ähren. In der Gemeindeverwaltung muß sich )ie Orthodoxie Schritt für Schritt ihre Position erkämpfen. Noch nie ist in Polen so auf eine jüdischen Sache auch ein Minimum an Lebensrecht und Cxistenzmöglichkeit vorenthälten möchten. Hier ist ein voller Sieg gelungen. Aber Siege wollen nicht nur errungen sein, sondern müssen auch ausgewertet und segenbringend ausgenutzt werden. Dazu bedarf es aber in erster Reihe eines publizistischen Organes als Sammelpunkt und Dolmetsch, und als Spiegelbild der öffentlichen, jüdischen Meinung, von der die andere Seite zumeist ja nur Zerrbilder sieht und zeigt. Diesen Aufgaben wird der „Jud" als Tageszeitung, nach den ersten, formell und inhaltlich gut ausgestatteten, auf politischer Höhe stehenden Nummern 3« x>oItc.x*j= Wssm HÜL tznß Die Zeitung in Ben welle» KMsöll äer jüdischen Bevölkerung aller Länder die nötige moralische und materielle Unterstützung findet. Eine Wendung zum Guten. Von Rabb. 3. Horovicz (Jerusalem). II. Fr ankfurt a. M., Anfang November. Der unter dieser Ueberschrift veröffentlichte Aufsatz *) hat, wie vorauszusehen war, in weiten Kreisen lebhaftes Interesse wachgerufen. Zur öes allgemein gMlmnMM Eittöiucks, WVllö» Aiiü bev Mlle ber Äeuherungen einige markante Worte zitieren. „Friedliches Nebeneinandersein und brüderliches Zusammenwirken nach außen hin und auch nach innen in allen gemeinsamen Zielen", ist die passendste und zweckmäßigste Formulierung. Sie sollte zur programmatischen Losung erhoben werden, überall wo die Differenzen in jüdischen Welt- und Lebensanschauungsfragen auseinander weichen." „Möchte doch etwas Geist von Locarno und Thoiry" — heißt es an einer anderen Stelle — „auch in unsere Reihen einziehen. Auf die jüdischen Beziehungen übertragen, müßte die Losung lauten: Abkehr von selbstherrlicher Willkür- und unbändigen Machtgelüsten! Brüderliches Einvernehmen würde dann rasch zustande kommen." „Nicht das bedeutet Friede und Einheit Löst Btr WM UM MM FllMvL bm äüö^n ausgezwungen werde. Diese unglückselige Xaftif tjat nur Dornen und Disteln gezeitigt und s y st ematische Verunreinigung hervorgerufen." Aus diesen und auch noch anderen ähnlichen Kundgebungen hört man es sehr bestimmk und eindeutig, daß man aus dem selbständig sein wollenden gesetzestreuen Judentum das Bewüßt- *) Siehe Leitartikel des Israelit" Nr. II. Sette 4 Nr. 46 Der Imilit 11. November 1926 Trennung hingearbeitet worden, wie setzt — von seiten der Assi m i l a t o r em nämlich, die der lassen; jedoch scheint uns, daß man die Liebe Gottes zu uns, von einem andern Standpunkte betrachten muß, als die menschliche, elterliche Liebe. Wohl sind wir alle Kinder Gottes, und nachdem Er uns erlaubt, ja geboten hat. Ihn zu lieben, erwarten wir von Ihm die gleiche Liebe, mit der ein irdischer Vater seine Kinder liebt. — Daß dieses aber nicht zuzutreffen scheint, sehen wir an den vielen Unglücksfällen, Krankheiten, Kriegen usw., unter denen die Menschen zu leiden haben, und ist diese Tatsache ja von jeher für oberflächlich dsnksnds Msnstherr UTtb fiir ©ottesleugner ein &l$>&\enr QM An em Vtebeni^^ ^fftklFlelllirn Voll zu zweifeln. Die Menschen, die so denken, vergessen nur eins, nämlich daß Gottes Liebe ganz anders geartet ist, als die menschliche Liebe, da Er nicht nur unser Vater, sondern auch unser Schöpfer, unser Bildner, unser Herr urrd unser Richter ist, so daß Seine Liebe und Fürsorge für uns vom Standpunkte einer Kombination aller dieser göttlichen Attribute aus verstanden werden muß. — Wenn wir die Elternliebe als die höchste für unfern Verstand faßbare Liebe, welche bereit ist, selbst für ein ungeratenes Kind sich zu opfern, ansehen, so übersehen wir, daß es uns an Macht gebricht, das Verlorene, wie es auch gewesen sein mag, wieder zu ersetzen, und wir uns deshalb mit allen Fasern unseres Herzens an dies für uns unersetzbare Gut klammern. Bei der Allmacht Gottes fällt dieser Grund fort. Wir befinden uns Gott gegenüber in der Lage eines Bettlers gegenüber einem Reichen. Der Arme klammert sich an jede Mark, die er vielleicht nicht wieder in seinen Besitz bekommt, während der Reiche unbedenklich Tausende weggibt, da er genug hat, all das Ausgegebene zu ersetzen. Da Gott die Allmacht und die Weisheit hat, das in Seinen Augen Unbrauchbcrre jebergeitj gjf 21 für gut sinket, imr^ Sejjere^ kststzkn, IDIC dürfen wir dann mit unfern ca. 1400 bis 1600 Gramm Gehirn, an welche unsere Geisteskraft, gleichwie die Elektrizität an einen Akkumulator gebunden ist, uns einbilden, Gottes aus Liebe, Fürsorge und Zukunftswissen bestehendes Walten beurteilen zu können? Gerade so wie unser Auge nur einen kleinen Ausschnitt der Faxbenska.la, die sogenannten sieben Regenbogenfarben, resp. einen ganz kleinen Teil der Aethererscheinungen, welche uns als Farben erscheinen, wahrnimmt, und unser Ohr nur einen kleinen Teil der Schallwellen, welche uns Tön« bsdsu° isn, MU: möDrinö Die MMüliH Bungen IßflfeitS Ö&P Uusnähmefahigkell unserer Sinne, uns nicht zum Bewußtsein kommen, so kann auch unser, an die engen Grenzen des menschlichen Gehirns gebundene Geist nur einen kleinen Teil der unendlich mannigfaltigen Gottesliebe begreifen. Nehluen wir noch ein einfacheres Beispiel: Wenn ein Privatmann eine einzige, nicht ganz tadellose Uhr besitzt und sich an sie gewöhnt Hat, wird er sie, selbst wenn dieselbe fehlerhaft ist, vielleicht um keinen Preis misten wollen, während ein Uhrfabrikant feine Uhr, wenn sie fehlerhaft wird, unbedenklich zerbricht, weil er sich sofort eine andere Uhr machen kann, und vielleicht nur einige gut erhaltene Rädchen der alten Uhr verwendet. Es find dies, wenn auch nur schwache Vergleiche zwischen uns Menschen und unferm Schöpfer. Daß der unserm Menschenverstände zugängliche Begriff von Liebe unendlich einfacher gegliedert ist als die göttliche Liebe, erkennen wir daran, daß in der Tauroh für die höchste Stufe, die der Mensch bei Gott erreichen kann, die Bezeichnung: „Knecht Gottes" gilt. Nur drei oder vier, wie Moses, David sind dieser Bezeichnung würdig gehalten. Wir skstkn also. Dag vis VMM U* fikk Min MensWn. iH ÄdH Attributen: und Herr" noch höher stehen, als das höchste uns bekannte Attribut: der Elternliebe zu ihren Kindern. Möge diese kleine Arbeit dazu beitragen, daß ww uns nicht aus Gottes Gesetzen aussuchen, was uns gefällt, sondern umdekehrt, daß uns nur gefällt, was Gottes Gesetz ist, und möge nur dieses der Maßstab für alle unsere Handlungen sein. Barmt zwo: Iwan. Sohn des Herrn David- Bloch und Frau Gusta geb. Oltenheimer. Sulzburg- (Baden), 13. November. — Ludwig. Sohn des Herrn Dr. med. Max Meyer und Frau Rosel geb. Rosenthal. Gelsenktrchen. ibvd 'T xm nsns* — Ernst. Sohn des Herrn Leonhard Weiß, Frankfurtam Main, Ostendstr. 11. am 'S- Automatische Schalt-Uhreu für Schaufenster und Treppenbeleuchtung auch für Sabbathbeleuchlung bestens empfohlen schon von Mk. 18.— an; JL Gischler, Frankfurt a. M. GP- Blllcenl»elmerstr. 52 - Tflfffll H111159 OOTS> Bei Bezug auf diese Anzeige extra Rabatt

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