Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1926-11-11 · Heft 46 (11.11.1926) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 46 (11.11.1926)
Date
1926-11-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450388-2450434--73584-2531004
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

■; >n--in—vY> -/V. t. Seite 2 Nr. 46 mie sie Die natiMaljüDischs ListzlunZ svläbt hät. sind von ihr nicht zu befürchten. Gewiß wird diese Jugend späterhin es sich zum Stolze und zur Pflicht rechnen, in einer von ihr von Grund auf erstellten Siedlung auch für Juden anderer Länder eine Heimstätte der Thoratreuen zu schaffen. Diese Fürsorge für die Weltjudenheit kann aber nicht den Anfang bilden. Zuerst und vor allem muß das Ideal unverfälscht bleiben, der im westlichen Europa gefährdeten, früher dort altsässigen Jüdischkeit vor den ihr über den Kopf wachsenden Gefahren Schutz zu bieten. Die Pioniere dieser Siedlung müssen wohlbegüterte junge jüdische Westeuropäer alten Schlages, möglichst Anhänger des von S. R. Hirsch am klarsten erkannten Lebensideales bilden. Dann sollen erwerblos gewordene Söhne sonstiger orthodoxjüdischer Familien der deutschen Judenheit folgen, dann Religionsbeamte, die angesichts der in ihren Gemeinden vorherrschenden Indifferenz aus Sorge um das Seelenheil ihrer Kinder dorthin flüchten und dort lernen und lehren wollen, und zuletzt auch Ostflüchtlinge. Doch von Anfang an muß außerjüdische Arbeitskraft ins Land. Statt der das Heilige Land mehr und mehr verseuchenden atheistischen, bolschewistischen jüdischen mwumiui) Dtt für unsere MMiw nm reist giöse Gefahr bilden, brauchen wir „Arbeiter von Haus aus", am besten auch solche, die gleich unsdurchReligionsverfolgungauf die Existenzsuche gekommen sind, zum Aufbau jener Schutzstätte; — dazu kann man aber heutzutage keine solchen jüdischen Arbeitskräfte auftreiben. Aehnlich ist es mit der Verwaltung des Landes. Auch sie kann nur den verwaltungserfahrenen Händen zumeist andersgläubiger Religionsflüchtlinge, nicht aber den Projekten von Verwaltungsexperimentatoren geschilderter abenteuerlicher Art anvertraut werden. Lediglich die dem deutschen orthodoxen Juden gewohnten Berufe müssen jüdischen Händen verbleiben. Alles Andere, das Höchste wie das Niederste, ist für uns nicht geeignet. Der Experimente auf Kosten jüdischen Seelenheils ist genug geschehen; Taten, die retten, helfen und heilen können, verlangt jetzt die jüdische Welt, die Jüdischkeit unserer Kinder. Ich weiß zwar nicht, ob ein Volk der Erde solche Brüderschaft mit uns schließen würde. Doch wird es an Leuten, die ihrer Religion wegen heimatlos herumirren, leider vorerst nicht fehlen. Man hat mir zwar von erfahrsnstsr Sskts noch sonstwelche mohammedanische Gegend heutzutage für uns eine sichere Zuflucht bieten könne. Das «Die Pforte des Himmels". Zu XS’1 '2- Von Rabbiner Dr. Kermann Klein in ZSerkin. ^-2 ä fir r« nrn Bij?<3n imi na idüpi «1111 rrn Da fürchtete er und sprach: Wie furchtbar ist dieser Ort! Nichts anders ist dies als Gottes Haus! Und dies eine Pforte zum Himmel! Unsere Midraschweisen bemerken zu dieser Stelle: mxmifr na!?a nij?an x*iu na •»um mm 'im iznpan mn n"npn o fm px i'impaa rnpbx xiii nnrn 'im 'in nrn nn irnb nn "n m bv rnm mn nn rnpbx mn ax 'D mm xab rnri^b ^nioai 'i^a rn 'in a'awn npV (vipb') insw nna pm* »Gott zeigte unserem Stammvater das Heiligtum erbaut und in seiner Zerstörung und in seinem endlichen Wiederaufbau „Wie furchtbar ist dieser Ort", das bedeutet die Erbauung des Heiligtums, denn so heißt es: Gefürchtet bist Du Gott von Deinen Heiligtümern aus, „nichts anders ist »dies" als Gottes Haus-, das bedeutet die Zerstörung des Heiligtums, denn so heißt es: Wegen »dies" ist unser Herz siech und endlich „und dies eine Pforte zum Himmel" bedeutet den Wieder- 11. November ISA, inag für uns nur ein &SV Jude des deutschen Westens ist ohnedies für eine solche Gegend viel zu sehr an Reellität und Integrität des Erwerbs- und des öffentlichen Lebens gewöhnt. Für den orthodoxen Juden Westdeutschlands, — und als Abkömmling ganz anderer Gegenden bekenne ich, daß nur dieser die heute notwendige Wiederbelebung der Thoratreue bewirken kann,. — würde ein Land wie etwa das der Buren aus diesem Grunde viel geeigneter sein. Ich halte es allerdings für möglich, daß die deutsche Orthodoxie für fremde Fehler leiden muß, indem man ihr nicht glauben wird, daß sie, — daß überhaupt eine Gruppe der Judenheit aus rein religiösen Gründen eine neue Heimat sucht. Insbesondere ist es in dieser Vertrauensfrage unser Unglück, daß nicht überall unsere Gemeinden den reinen Bekenntnischarakter bewahrt haben, sondern z. T. zugleich Bekenntnissen jüdischen Namens und himmelweit verschiedenen Inhalts dienen, also unbewußt, — vereinzelt sogar bewußt national-jüdische Gemeinschaften sind. Um so notwendiger wäre es für uns, die bestehenden Trennungsmerkmale stets bemerkbar zu erhalten, damit uns vielleicht einmal ein menschenarmes Land gemeinsam mit mmm NelWMlülMiiWll zu fernem Ausbau mrtrausnsrsüllt hsrbeirufen kann. Es ist selbstredend außerdem nötig, daß, wenn ein Land erst durch Fachleute als geeignet für die Rettung der deutschen jüdischen Orthodoxie festgestellt ist, auch irgendwelche bei bibelfreundlichen und gradsinnigen nichtjüdischen Staatsleuten wohlgelittene führende Geister der Orthodoxie sich der Sache in praktischer Hinsicht annehmen. Cs wird in unserem Kreise trotz aller Wirren unserer Zeit noch Leute dieser hervorragenden Art geben, die von ihrer- Warte das Unglück der Zeit erkannt und den Willen und das Verständnis zu dessen Behebung haben. Eile tut nrn, denn die Abendschatten neigen sich auch den noch von Hirschischem Geiste besonnten Großsiedlungen der deutschen Judenheit. Der vom Lande und aus den Ostprovinzen her hereinzuströmen bestimmte Nachwuchs dieser Siedlungen ist für diese eine Gefahr. Da es im Lande, in welchem vom friederizianifchen Ruhm nichts als die friederizianifche Religionsverhöhnung mehr übrig geblieben ist, nicht mehr möglich ist, die schon von Hirsch als Ideal betrachteten, der Verbauerung wie der Proletarisierung gls:ch fsrnsn fübt|cfjen 9?HfieI|tebtungeyt erhallen oder gar solche neu zu schaffen, Palöftins aber vorerst leider den Experimenten religionsfeindlicher Nationalisten und Bolschewisten preisg«g«ben ist, so kann uns uichls mehr reuen als der Ruf: Erbauet ein Thora-Land, wo es Gott geben wird. 'im tdtx i^x aipan “in. Dies die bisher nicht widerlegte Meinung Ihres Dr. B. Cohen. Die inneren Schwierigkeiten der hier entwickelten Idee liegen vor allem darin, daß sie mit einem Mal zu weit geht, gleich ein ganzes Land für jüdisch-religiöse Siedlungen verlangt und auf diese Weise auch die Gefahr heraufbeschwört, die Energie des Schaffens in den Golusländern durch ein der Verwirklichung noch fernliegendes Projekt im ganzen zu gefährden. Auch besteht kein Recht für die orthodoxe Judenheit, Erez Jisroel preiszugeben oder dort die Flinte ins Korn zu werfen. Von beiden Gefahren hält sich das amerikanische Projekt fern. In unserem New- Aorker Schwesterorgan „Das jüdische Licht" ist vor einigen Wochen in großer Aufmachung die Mitteilung von der Gründung einer „Sabbatv i l l e Reality Company" New-Aork 1440 Broadway veröffentlicht worden. Es handelt sich nach den Angaben des Prospektes um eine der größten Jmmobilien-Firmen Nerv-Ports, die auf einem bereits erworbenen, zwischen New-Pork und dem Meere gelegenen Terrain eine Stadt von et«,« 1500 HLMslh «tsv M ktlllll Ö“10 000 Einwohner errieten will. Da New-Mi'k in öin^r Stunde zu erreichen ist, so könnten die Einwohner dieser Stadt sich am Geschäftsleben New-Porks ohne weiteres beteiligen. Grundgesetz der zu errichtenden neuen Kommune soll jedoch die Beobachtung des Sabbats und der Thora überhaupt, soweit sie das Gemeinschaftsleben beeinflussen, bilden. Der Prospekt malt wie üblich in den glühendsten Farben die Schönheit der Gegend und der zu errichtenden Behausungen, von denen jede von vornherein mit einer eigenen Sukkoh versehen wird und weist insbesondere daraufhin, daß die Stadtverwaltung der neuen Siedlung vollkommene Autonomie hinsichtlich der Gestaltung des Gemeinschaftslebens besitzen werde. Wir vermögen, da wir die Namen der verantwortlichen Unternehmer nicht kennen, von hier aus nicht zu beurteilen, ob der ganze Plan in geschäftlicher Hinsicht aus einer gesunden und für jeden Teilnehmer genügend zuverlässigen Grundlage ruht. Keinem Zweifel unterliegt es jedoch, daß der Gedanke selbst Aussicht auf Erfolg in sich trägt, und daß der Segen, der aus solchen Thorasiedlungen erblühen kann, gar nicht hoch genug angeschlagen werden kann. Je mehr man dem MDMlkll ]\mmi tm vmv MWö M388Hfältigkelt von verschiedenen Hestaltungsformen der religiösen Siedlungsidee eröffnet sich dem forschenden Auge. Wir möchten uns für heute darausbau und Ausgestaltung des Heiligtums in einer zukünftigen Welt, denn so heißt es: denn Er hat die Riegel Deiner Tore befestigt". Zn kurzen Worten haben hier unsere Weisen uns die Bestimmung des Heiligtums im Leben des jüdischen Volkes gekennzeichnet. Sie zeigen uns feine wahre Bedeutung, die Ursachen seines Verfalls und seiner Zerstörung und auch den einzig möglichen Weg zu seinem endgültigen Wiederaufbau und zu seiner vollkommenen Ausgestaltung zur Herbeiführung einer zukünftigen besseren Welt. 'im nn nrn aipan xna na* Die Bestimmung des Heiligtums liegt nicht im Heiligtum selbst. Das Heiligtum füllte p«s MifMll Dollmlebeu? in Sinn« stin, daß vom Hemcmim aus eine Heiligung des ganzen Lebens außerhalb des Heiligtums erfolgen sollte Die Weihe und die Schauer, die im Heiligtum empfunden wurden, sollten in das flutende werktätige Leben hinausgetragen werden, um dieses Leben den Ideen gemäß, die im Heiligtum ihre symbolische Verwirklichung fanden, zu gestalten, *]'Enpaa v'p^x xmn* Wenn Gott gefürchtet wird, nicht in seinen Heiligtümern, sondern von seinen Heiligtümern aus, dann steht das Heiligtum fest und ist unzerstörbar, denn der Geist des Heiligtums lebt in den Geistern und Gemütern der Menschen und der Geist kennt keinen Tod und keine Zerstörung. Unsere Weisen erklären uns im xai' 'ü' daß der greise Hohepriester pnxn fivaV nach einem s"ani' seiner Umgebung mitgeteilt habe, daß er noch in diesem Jahre sterben werde und er begründete dies mit den Worten: Alljährlich am a*ni' begleitete mich ein in weiße Kleider gehüllter Greis hinein in das Heiligtum und wieder hinaus, in diesem Jahre war aber der Greis ganz schwarz gekleidet *ay XX' x^i 'ay oma er ging wohl mit mir hinein in das Heiligtum, aber er begleitete mich nicht wieder hinaus. Dieser Greis dürfte der ölte Geist des Judentums sein, der nur so lange frisch und lebendig ist, als er den Hohepriester aus dem Heiligtum in das Leben begleitet. Wenn er aber mit dem Hohepriester nur in das Heiligtum hineingeht, aber vom Heiligtum den Weg heraus ins Leben nicht mehr findet, so ist dieser Geist krank und der Hohepriester erkennt daran, daß er seiner Ausgabe nicht mehr nerecht wird. Ehrfurcht vor Gott, Licht, Leben und Heiligkeit sollen aus den Hallen des Heiligtums in das Leben draußen strömen, Dann ist .ua ts-Tj?;»- o’jpVn n’3 ojy ’g jyy a*m nn* t3«U nhMt sich tm Judentum die richtige Anschauung vom Wesen und ber Bedeutung des Heiligtums nicht. Kaum war das Heiligtum erbaut, da begann auch schon der Verfall des Heiligtums und eine Abkehr vom Geiste des Heiligtums. Nicht als ob das Heiligtum vernachlässigt worden wäre, als ob der Dienst und der Kult im Heiligtum nachgelassen hätten, im Gegenteil das Unglück bestand darin, daß mit dem Heiligtum selbst ein ganz besonderer Kultus getrieben wurde. Das Heiligtum war dem Volke nicht mehr ein Mittel zu dem Zwecke, das profane Leben zu heiligen, sondern das Heiligtum ward zum Zweck an sich ^»mna a!?x nasnn* Der Tempel ward zum Götzen' Es war das Haus Gottes, in dem Gott gehuldigt und geopfert wurde, es war aber nicht mehr ein Haus des jüdischen Volkes. Das Volk war nicht mehr heimisch in seinem Heiligtum. Im Leben draußen kannte es den Gott des Heiligtums nicht mehr, es huldigte anderen Göttern. Und als das Haus auf Zions Höhen nur noch ein Häus Gottes war, d a ward es zerstört, denn Gott braucht kein Laus aus Erden,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.