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Der Israelit · 1926-11-11 · Heft 46 (11.11.1926) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 46 (11.11.1926)
Date
1926-11-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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67. Jahrgang. Frankfurt a. M., den 11. November 1926 5. Aislew 6687 Nr. 46 tll Der Israelit j Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum //(0) III Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. I Abonnement ab Januar 1924: Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Btertel- Zahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar: England 4 sh.; ab 1. Juli Frankreich und Belgien 28 Fr.; Holland 2 fl.; Italien 20 Lire; Jugoslawien 55 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien 200 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowaket 25Kronen; Ungarn 50000 Kronen; Dänemark 6 Kronen; Norwegen 5 Kronen; Schweden 3.50 Kronen. Einzelnummer dreitzig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Goldps. für die siebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bet Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 30 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 1.60 Mk., vorletzte Textseite 2.— Ml.; Chiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jeder». Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b. H., Franks, a. M., Gr. Eschenheimer Straße 23, Tel. Hansa 5842 sow. durch sämtl. Annoncen-Exped. des In- und Auslands. Alleinige Inferatenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Langestr. 7, II, Tel. Hansa 4641. Platzvorschr. ohne Verbindlichk. Zahlungen direkt an den Verlag aus Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19802. — Anherden Warschau Nr. 190757. - Postscheckamt Zürich Nr. Vlll 7254 — Inkasso-Bank Rotterdam - Postsch Bukarest - Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. — Der Gerichtsstand für alle aus Ai t an: Postsparkasse Wien Nr. 79605. - Postsparkassenamt Budapest Nr. 18424. - Postscheckkonto eckamt Amsterdam Nr. 24869 — Böhmische Unionbank in Prag — Banca Marmarosch Blank & Co.tn wnnements oder aus Inseraten sich ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Religiöse Siedlungspolitik. Der Gedanke der aus den großstädtischen Zentren herauszurettenden g e s ch l o s s e n e n fflomotnifliaftfl? EisrUllllgöll als Träger bestrmmter Lebenstbeale ist gerade in unserer Zeit von den verschiedensten Seiten aufgegriffen und mit größerem oder geringerem Erfolg in die Wirklichkeit umgesetzt worden. Man braucht nur an die Siedlungsbestrebungen weiter Kreise der deutschen Jugendbewegung zu denken, denen die Idee zugrunde liegt, daß nur aus einem auf eigenem Grunde ^frei emporwachsenden Gemeinschaftsleben sich neue und reine seelische Kräfte entfalten könnten. Selbst der Erez Jisroel-Kolonisation unserer .Tage fehlt gerade bei jugendlichen Elementen nicht der anspornende Gedanke, daß es gelte, dem nrrovalisch bankrotten Europa dsn Nücksn zu ksh- Ten und gang von neuem angufangkN. Einen guten Teil seiner Zugkraft unter den gebildeten Kreisen der Orthodoxie Westeuropas verdankt auch der Zionismus der Vorstellung, daß in den geschlossenen jüdischen Lebenskreisen Erez Jisiroels die Erhaltung der jüdischen Ideale auch Praktisch leichter sei» und daß vor allem der Sabbat mit seinen in fremder Umgebung unsäglich aufreibenden wirtschaftlichen Verwicklungen dort Drüben eine gesicherte Heimstätte finden könne. Je schwieriger die Durchführung der Erez Jisroel-Siedlung sowohl in materiell-wirtschaftlicher. nli itt Mluutt&v llttö MMsÄ Ansicht sich erweist, desto natürlicher ist es, daß man in der Diaspora auch an andere Lösungsversuche denkt. Zufall oder Fügung: wir erhalten gleichzeitig zwei Dokumente aus dem äußersten Osten unseres eigenen Vaterlandes und von jenseits des Ozeans, die auf solchen und ähnlichen Erwägungen fußen, obgleich die Urheber nichts von einander wissen. Es ist einerseits eine Anregung unseres gefch. Mitarbeiters, Rabbiner Dr. Benjamin Eohen, andererseits der in Newyork bereits in die Öffentlichkeit lancierte und auch in den Anfängen der Verwirklichung begriffene Plan der Errichtung einer Sabbat-Stadt unter dem Namen „ S a b.b a t v i l l e " bei Newyork. Wir bringen zunächst die vielleicht utopisch erscheinenden, aber unserer Ueberzeugung nach einem brauchbaren Kern in sich bergenden Ausführungen unseres gesch.. Mitarbeiters. „Aus neuen Gründen möchte ich hiermit auf einen alten Gedanken von mir zurückkommen. Ich möchte Sie bitten, mein heutiges Schreiben als „Notschrei eines sorgenvollen Beobachters unserer Zeitläufte" zu veröffentlichen, und sei es unter Betonung Ihres z. T. wohl ablehnenden Standpunktes. Ich forderte vor einiger Zeit in diesen iSüüiievn ein Semb ober einen SegM innerhalb oder in der Nähe Palästinas als Freistätte der Thoräbefolgung. Mir wurde inzwischen von einsichtiger Seite versichert, daß die Gegenden des in großer Gährung befindlichen Islam uns keine Zuflucht bieten können. Andererseits kam mir zu Ohren, daß der Gedanke, den palästinensischen Parteistreitigkesten durch Hinwendung zu einem anderen Territorium aus dem Wege zu gehen, von den verschiedensten Seiten Zustimmung erhalten habe. All solche Einzelheiten sind aber gar nicht das Entscheidende und können durch Sachkundige erörtert werden. Hier steht heute Größeres auf dem Spiele. Klein- und MMMMimmdkll DMWniws mlimn ifjn Düsend. Dis jüdische Erneuerung aus dem Osten läßt gleichfalls nach. Was soll aus uns werden? Unsere Jugend zieht in die Großstädte, wo sie nicht den. orthodox-jüdischen Anschluß finden; am Heimatplatze selbst läßt die Thoraliebe einzelner Alter keinen Nachwuchs erhoffen, und die Kinder schon werden religiös indifferente Geschäftsgenies, — oder aber Lebeleute der unteren Kategorie, die kaum zum Geschäftemachen mehr die Energie besitzen. Die Energie und der geniale Schwung, welche die vorige Generation zur Synthese zniis«4)sn Bildung und Tk»ora ten, fehlen der Gegenwart. Europa ist, seit die Wissenschaft nicht mehr den Atheismus stützt, der ersteren überdrüssig und hat nun den Sportrekord auf den Schild erhoben, zu dessen Erreichung unsere Kinder ihre ganzen, früher dem Religionsunterricht zur Verfügung gewesenen Nachmittage opfern muß. So arbeitet alles an der Entgeistigung unserer Jugend, wenn wir ihr und der Thora nicht die geforderte Zufluchtsgegend schaffen, an deren Bestand übrigens alle religiös denkenden Europäer (mit Ausnahme dera-toutprix bibelkritischen Gewalt-Prediger gewisser Staatskirchen und Parteien) ein Interesse haben müssen. Ich habe das Empfinden, als wenn infolge hiervon sich das Schutzgebiet unserer Thoratreue mit nichtjüdischer Hilfe erstellen lassen wird; man muß nur an den ernstdenkenden Teil unserer andersgläubigen Umwelt herankommen. Leider aber kennt man uns, dank unseren abtrünnigen Brüdern, dort oft nur als kermentcie äecomposition. In gewissen Kreisen steht man spöttisch lächelnd einem Unternehmen wie dem erwähnten gegenüber, zumal wenn es in die nationale Heimstätte des Judentums „den Sabbatsvi zu ver^Eiangen^ geeignei ers^eini. äböö gar kein Tadel für uns. Wir find ja in deutschjüdischen orthodoxen Kreisen an den im Auslande (selbst im Osten) bisweilen herrschenden Mißbrauch, daß nur die erwachsenen männlichen Personen das Thoraleben pflegen, die übrigen aber die wichtigsten Verbote und Gebote des sabbatlichen und des täglichen Lebens fortgesetzt außer acht lassen, ganz und gar nicht gewöhnt und sind infolgedessen genötigt, zum thoratreuen Aufbau der Schutzstätte der Thoratreue andersgläubige Arbeitskräfte und technische Helfer mitzubeschäftigen. Es bleibe Siedlungs-Fachleuten überlasten, zu m? Md ff? nrrf dx? m s?lHk? Zusluchtsheim erflellbax ist; d atz es möglich ist. — darüber kann kein Zweifel bestehen. Die Möglichkeit zu solchen Wagnissen wird durch den Mut Wagender allein bedingt und geschaffen. Und solche Wagende sind da, sie leben und existieren und geben ihr Leben um das Wagnis. Wo und wer das sei? Das sind alle diejenigen jüdischen jungen Leute in Deutschland, die in Hirsch'schem Geiste erzogen worden und durch die Schwere unserer Zeit noch ernster und zielstrebiger, als viele Jugendliche des vergangenen Zeitalters es waren, gxsffM Md, h?lltk ßSff??ll Der allgemeinen Geschaflsnollage unenragliH schwer betroffen. Sie sind deshalb so schwer betroffen, weil für sie kein Anlaß war, ihre meist akademische Ausbildung zu verlassen; die Wissenschaft, als Stütze des Glaubens war sie ihnen lieb geworden, und so verschmähten sie es mit Recht, wissensfremde Berufe zu ergreifen, zu denen die atheistische Gegenwartsjugend vielfach flüchtet. So sind sie meist ohne Erwerbsmöglichkeit, sie alle, Brüder und Schwestern, deren tägliche Freude das Gottesgesetz ist und in deren Mund ungesegnet kein Bissen kommt, Brüder und Schwestern, deren Erdenleben von den „himmlischen Grüßen" des Gesetzes, des Gebetes und des Gemeinsinns durchflochten und umhegt ist, Brüder und Schwestern in hoffnungsvollster Jugend ohne Aussichten auf Erwerb und Hausesgründung — diesemedlenTeilederjüdischen Jugend Westeuropas sollte etwaszuschwersein? Rückwanderungen,

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