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Der Israelit · 1926-11-04 · Heft 45 (4.11.1926) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 45 (4.11.1926)
Date
1926-11-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 45 _ Juden klagen insbesondere über die Vorenthaltung der Staatsbürgerrechte zahlreicher Einwohner der Grenzgebiete, über die Herausgabe ungültiger Pässe an jüdische Emigranten und auf das Bestehen eines zwar nicht gesetzlichen, aber praktischen Numerus clausus an den Universitäten und Hochschulen. Mit dem Führer der rumänischen Delegation beim Völkerbund, Herrn Titulescu, und dem rumänischen Minister des Aeutzern, Herrn Milinsu, vsichLtt^tte Herr Queren Wolf ln zwei Zusammenkünften über die Not der Juden in Rumänien in Verbindung mit dem rumänischen Staatsbürgerschastsgesetz. Dem Joint Foreign Committee wirddemnächst ein Plan betreffend die Milderung des jüdischen 3)it Elends in Rumänien im Zusammenhang mit dem Staatsbürgerschaftsgesetz vorliegen. . . Herr d'Avigdor Goldsmid berichtete sodann über die Lage derjenigen Emigranten, die infolge der Einwanderungsbeschxäskungen in den Vereinigten Staaten in englischen Häfen verblieben sind und sprach dem Minister des Innern, den Dank für seine freundliche Haltung» gegenüber diesen (Bmigrartiert, bertert nunmehr gewährt worden ist, aus. D67n Parlamentskomitee des Board of Deputies ging ein Brief des Innenministers, Sir William Joynson- Hicks, zu, in welchem mitgeteilt wird, daß die im Ausland geborenen Kinder im Alter von 16 bis 21 Jahren von der Pflicht befreit sind, sich in 4. November 1838 die Register der Ausländer einzutragen. Herr Finburgh berichtete, daß im Innenministerium die Gesuche um Naturalisierung von Ausländern in der Regel günstig erledigt werden, wie überhaupt in diesem Ministerium eine den Juden freundliche Gesinnung herrscht, Herr Felix Rose, der Vorsitzende des juridischen und Parlaments-Komitees, berichtete^ daß öas von Der TOoteruito Ißöf tzuWssfüM In. dustkisgesetz für jüdische Arbeitgeber günstige 'Bestimmungen enthalte. So wurde die Klausel des Jndustriegesetzes von 1901 übernommen, wonach jüdischen Arbeitgebern, die den Sonnabend über ihre Betriebe geschlossen halten, erlaubt sei, ihre, Angestellten am Sonntag zu beschäftigen. isormponSenrr« « ßacbricMen. Deutsche» Reieh Rabbiner Dr. Petnchowski Berlin, 31. Okt. Der bekannte Berliner Gemeinderabbiner "Dr. Marcus P e t u ch o w s k i ist plötzlich verstorben. Geboren in Wilna, aus gelehrter jüdijcher Familie entstammend, siedelte er in früher Jugend mit seinem nach Halberstadt beruseiM Batsr (e? mv M im aülelanni), nach Deutschland über, absolvierte das Gymnasium in Halberstadt, war dann Hörer des Hildesheimer Rabbinerseminars und der Universität Berlin. Nach absolviertem Studium wurde er an die Berliner Synagoge an der Potsdamerbrücke berufen, um später Berliner Gemeinderabbiner zu werden. Er war auch Leiter einer der Religionsschulen der Berliner Jüdischen Gemeinde, die in einem besonders großen Umfange der Pflege der hebräischen Sprache gewidmet war. Seine wissenschaftlichen Arbeiten, insbesondere seine Arbeit über „Rabbi Jsmael" und seine mustergültigen Mischnah-Uebersetzüngen haben ihm den Ruf eines tüchtigen Gelehrten eingebracht. Rabbiner Dr. Petuchowski gehörte zu den erfreulichsten Rabbiner-Persönlichkesten der Berliner Gemeinde. Ein Mann von unentzpegter gesetzestreuer Gesinnung, mit großem Wissen ausgestattet und der Gabe, das Wissen zum Wohle anderer zu verwerten, war er eine der festesten Stützen der innerhalb der großen Gemeinde Berlin um das religiöse Recht kämpfenden Konservativen. Als Mensch t>on golbremem Cksa- Mltdr iiiti fflormcr i^er^ensgüte besieg ÖlS STCÖ-t ötttt, die in irgendeiner Beziehung zu ihm standen. Erst vor -einem Jahre errichtete er neu sein Lebensglück mit dem Einzuge der Frau in das Rabbinerhaus, die ihm nun treue Gefährtin und Stütze des Lebens bis zum letzten Atemzuge geworden ist. Vor kurzem hatte der nie rastende Mann aus Gesundheitsrücksichten vorübergehend die Ruhe angetreten, sie ist ihm nun zur ewigen Ruhe geworden. rraxin. Irreführende Berichterstattung. Berlin- 2. Nov. Unter dem 29. Oktober verbreitete die Jüdische Telegraphenagentur folgende überraschende Nachricht aus Wilna-: . . „Im Zusammenhang mit den Vorgängen an der Universität, wo die christlichen Studenten ihre jüdischen Kollegen mißhandelten und hinausdrängten, weil keine Lkllyen von ÄH ZU EöMIMäsäwe^r, belgesteüt wurden, verpflichtete das Rabbinat die Aerzteschast des jüdischen Spitals, im Falle des Ablebens eines Patienten, der keine Angehörigen besitzt, die Leiche dem anatomischen Institut zu wissenschaftlichen Zwecken zu übergeben." Da uns die Sache von vornherein sehr verdächtig erschien, zogen wir an zuständiger Stelle Erkundigungen ein und sind nun ermächtigt, mitzuteilen, daß diese Nachricht vollkommen aus der Luft gegriffen ist. Wahr ist im Gegenteil, daß das Wilnaer Rabbinat die Herausgabe von jüdischen Leichen zum Zwecke der Sezierung unter allen Umständen verboten hat. Ein entsprechendes offizielles Dementi wird allen jüdischen Zeitungen zugehen. Dr. Ladt Ministerialdirektor. Berlin, 27. Okt. Das Preußische Gesamtministerium hat am Dienstag beschlossen, den Ministerialrat Dr. Hermann Badt zum Ministerialdirektor und Vertreter Preußens im Reichstag zu ernennen. Slöichzsitiz ist ihr» Me Leitung döt> Vsr-fassungs- und Rechtsabteilung des Preußischen Ministeriums des Innern übertragen. Aus den Mitteilungen der Zentralwohlfahrtsstelle. Berlin, 31. Okt. Wie die Zentralwohlsahrtsstelle mitteilt, ist mit dem Erscheinen der Ausführungsverordnung über die Wohl-, f a h r t s r e n t e für geschloffene Anstalten der Wohlfahrtspflege nach Z 27 Abs. 2 des Anleihe-Ablösungsgesetzes in allerkürzester Zeit zu rechnen. Die Höhe der Rente wird auf Grund der verfügbaren festen Summe nach der Zahl der Rentenberechtigten festgestellt. — Der Zentralwohlsahrtsstelle stehen gegenwärtig noch Mk. 40.000.— aus Reichsmitteln. als Darlehen für geschlossene und offene Anstalten der Wohlfahrtspflege zur Verfügung; weitere Darlehen werden aus den Mitteln der Nsichsnsrsirck-srungssnstalt für Angestellte gsp?ghkh IlliV g«ar für Einrichtungen der Gesundheitsfürsorge und für Altersheime. — Der Fond für Tuberkulofenfürsorge hat im Juli Mk. 2000.— im August Mk. 900.— ausgezahlt. Diese lächerlich geringen Summen sollten eine' starke Mahnung an alle diejenigen begüterten Glaubensgenossen bilden, die sich vor Augen halten, welcher Segen durch verständnisvolle Behandlung der der Tuberkulose ausgesetzten Jugendlichen und Erwachsenen gestiftet werden kann. — Ein Lehrkurs für Pflegerinnen wird im November in. Berlin von der Fürsorgestelle für Tuberkulose oeanstaltet. — Traurig ist, daß aus dem Gebiete der Erwerbslosenfürsorge immer noch keine Fortschritte hinsichtlich der gleichberechtigten Mitversorgung der in Deutschland befindlichen polnischem Arbeiter erzielt werden konnten. Der Grund liegt darin, daß in Polen keine gleichwertige Erwerbslosenfürsorge besteht. Das ändert jedoch nichts an . der Tatsache, daß die polnischen Arbeiter in Deutschland Beiträge zur Erwerbslosenfürsorge zu zahlen haben, und daß darum von Rechts wegen ihnen auch im Falle der Arbeitslosigkeit Gleichberechtigung zugeständen werden müßte. Die- Glskchbe^chtr^ung vestx^t yishet pur für MgöMlgö felgender Maaten; Danzig, Italien. Qügemburg, Oesterreich, Schweden, Schweiz, Tschechoslowakei, Dänemark und England. Er fragt also an, ob der in Rede stehende, ältere Sohn, als Sohn des Vaters, der Kohen ist, zu gelten habe, ob er also auch die Eigenschaft eines Kohen hat, ob er als Sohn des Vaters insofern gilt, daß im Eventualfälle die Pflichten dsr Schwagerehe (Iwbum und Chalizo) zwischen den Brüdern auszuüben sind, ob der ältere Sohn das Recht hat, den Vater zu beerben, ob zwischen den Brüdern, falls fie kinderlos sterben sollten, ebenfalls gegenseitiges Erbrecht gilt, und noch einige andere Dinge. Wie entscheidet nun R. Fair Chajim Bacharach? Er führt verschiedene Stellen aus dem Talmud an, ferner die Ergebnisse der' Rechtssorschungen verschiedener großer maßgebender Gelehrten des Mittelalters und der Vorarbeiter und Verfasser des Schulchan oruch und gelangt zum Ergebnis: Der Vater hat zeitlebens den jungen Mann als seinen Sohn anerkannt, ihn erzogen und behandelt als Sohn, fo böfe er allgemein «I* fein «NgxskM!BUM8 H£ta|aka)r Wum fff jsfjt iutfjt DCXCCDttQl ihtb beglaubigt, ihm feine (durch Ehawko) erworbene Rechte abzusprechen. Er gilt also als Sohn des Mannes sowohl in religionsgesetzlichen (Issur), als auch vermögensrechAHen (Momaunl Dingen. Dr. M. K. in M. Alke Lenke in Palästina. Die Bachstelzen, die den alten Feigenbaum im Garten meines Hauses bewohnen, sind' von ihrem Sommerausenthalt in Europa zurückgekehrt. Der Kalenderblock kündet erst den 10. Oktober, und die Sonne brennt noch heiß Über dem ewigen Frühling Palästinas. Doch die Ankunft der gefiederten Lieblinge der Natur erzählt von kalten Winden, von sterbendem Leben in Wald und Flur, von Eis und Schnee drüben jenseits des Meeres.: Auch durch die Täler und Berge Palästinas beginnt nun bald der Sturm zu heulen, doch sein Brausen ist dem menschlichen Ohre Musik. Denn hier ist der Sturm kein Engel des Sterbens, sondern des Auflebens, er soll segensvendende Regenwolken herbeipeilschen. «Der den Wind wehen und den Regen herabfallen läßt, um in Liebe die Lebenden zu versorgen', betet seit dem letzten Tage des Sukkotfestes der Jude wieder dreimal täglich. Unzählige Samen in der Erde, unzählige Orangen und Citronen an den Zweigen ersehnen den Strom des Regens, die einen, daß er sie zum Sein erwecke, die anderen, daß er ihrem Sein die Vollendung geb e. In wessen Seele die Erinnerung an Europa noch frisch ist, der glaubt häufig, wie in einem Traum zu leben. Er empfindet plötzlich bas Knistern des Mllklsi im LM. vis vlöisrns Schwere grauer Lage Md endlos langer schwsezse Nächte, und es fröstelt ihn. Schwindet dann der Traum vor der Wirklichkeit Palästinas, dann blinkt oben die Sonne und glänzt unten die Pracht der Blumen und der Früchte. * * * Die Natur macht in Palästina das Leben leicht, doch die wirtschaftlichen Zustände gestalten es unendlich schwer für die meisten derer, die nach dem Standard, den das zivilisierte Europa für das Leben gibt, aufgewachsen sind. Der junge Mensch kann diesen Kampf um die Erreichung eines Existenzminimums, das geistigen und ästhetischen Ansprüchen noch Spielraum aewährt, noch aufnehmen. Tragisch sind aber diese Verhältnisse für ältere Leute, wenn nicht ein Familienkreis da istder fie schützt. Ihnen fehlt dann einfach auch das Notdürftigste'selbst zum nackten Leben. * vermag nur großzügige Philantropie zu helfen! Philanthropie kann aber nur von den Juden des Auslandes geleistet werden. Das jüdische Palästina ist wirtschaftlich noch ganz Anfang, und unter starken Widerständen kann es sich nur allmählich durchringen. Darum müssen die Juden des Auslandes ihren Pionieren im Lande der jüdischen Geschichte und Religion heute noch wenigstens die sozialen Verpflichtungen abnehmen. In der Einwanderungsstadt Iaffa/Tel-Aviv isv bereits vor 17 Jahren von den angesehensten Bürgern der Studt ein Altersheim gegründet worden. Dieses Altersheim, das von einem ehrenamtlichen Derwaltungsrat musterhaft geleitet wird, enthält eine schöne Synagoge, in der gelehrte Greise hinter den Blättern des jüdischen Schrifttums sitzen, und Zimmer fürfünfzig Betten. Was besagen aber fünfzig Betten «NM £eUten. Die aus M Aufttähm^ in vis Anstatt malten? Wieviele lslche Menschen Hai die vorjährige Einwanderung von 33 000 Seelen gebracht? Wohl ist auf dem Gelände der Anstalt mit einem Neubau für weitere hundert Betten begonnen worden. Seit Monaten ruht aber die Kelle des Maurers» weil das Geld fehlt. Der Verwaltungsrat hat sich in den 17 Jahren seiner Wirksamkeit nie an das- Ausland gewandt; heute ist aber dieser Appell nötig» Wer hilft, rettet Menschenleben.*) Spricht man vom Alter, soll man auch von den Jungen reden. Im vergangenen Jahre, im Jahre 5676, ) Geld sende man in -Einschreibebriefs an- ..Beith Moschaw Sekeinim" Tel-Aviv (Palästina)» Allenby Street.

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