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Der Israelit · 1926-10-21 · Heft 43 (21.10.1926) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 43 (21.10.1926)
Date
1926-10-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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tk r Stil 43 Der 0 f i m Itt 2i. Oktober 1926 '• Aber so wenig wie der areligiöse Zionismus hat die gesetzestreue Judenheit die Wahl, sich irgend ein anderes Land mit besseren Siedlungsbedingungen herauszusuchen. Wenn Generationen thoratreuer Juden für die Erfüllung der Gottesgebote und der geringsten rabbinischen Tekonoth unermeßliche Opfer an Geld und Gut, an seelischer Hingabe und unüberwindbarer Geduld gebracht haben, so werden wir uns auch für die in kleinerem oder größerem Maßstabe zu verwirklilUiM 7än&n ns ÜM nm mit ÜM MMN 36äsfsn AU rüsten haben. iSte „nackvnafe Erneuerung" des jüdischen Volkes mag als ein zweckhaftes, auf ein kleines, wirtschaftlich verwahrlostes und praktisch gefahrenreiches Ländchen gestütztes Unternehmen leerer Traum, ja sträflicher Leichtsinn sein — als Mizwo und nur als Mizwo bleibt sie sinnvolle ewige Aufgabe. Nur auf dieser Grundlage läßt es sich verantworten, Menschen nach Erez Israel zu bringen, denen dort nicht irdischer Gewinn und müheloser Reichtum winkt, sondern ein schweres Ringen mit der Notdurft des Lebens, aber auch das beglückende Bewußtsein, im unmittelbaren Dienste Gottes zu wirken. Das Problem der Ostjuden. Im Philo-Verlag, Berlin, veröffentlicht Herr Dr. Paul Nathan eine durch Gründlichkeit und Klarheit ausgezeichnete Broschüre, die sich mit dem Problem der wirtschaftlichen Rettung der kWWkll iöiiöni veslMMl. mt UtQtlii Dßmerft Dr. Nathan in der Vorrede, daß die Veurleilung dieses Problemes nicht durch eine Verquickung mit dem Wiederaufbau Erez Jisroels erschwert werden sollte. Daß Palästina keine wirtschaftliche Rettung der östlichen Millionenmassen bedeuten kann, wird jeder nüchtern denkende Zionist anerkennen, und so wünschenswert es wäre, daß die höchsten materiellen Kraftanstrengungen der ganzen Judenheit dem heiligen Lande zugeleitet werden könnten, ist es doch ein Gebot der Menschlichkeit, darüber die aktuelle Not der Millionen des Ostens nicht zu vergessen. Herr Dr. Nathan verkennt die Schwierigkeiten nicht, die sich aus der Unduldsamkeit der Sowjet-Regierung gegenüber allem religiösem Leben ergeben, aber er ist gleich uns der Meinung, daß in dieser Hinsicht das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Es wird und muß der Zeitpunkt eintreten, in dem die radikalen religionsfresserischen Elemente innerhalb der Sowjet-Republik zurückgedrängt und eine mit den wirtschaftlichen Grundsätzen des Bolschewismus durchaus verträgliche religiöse Toleranz wird erlangt werden können. Sehr entschieden spricht sich Herr Dr. Nathan gegen die gewaltsame Aufdrängung ausschließlich landwirtschaftlicher Berufe aus. Auch für Industrie und Kaufmannschaft bieten die weiten Ebenen Rußlands noch unbegrenzte Möglichkeiten. Dr. Nathans Broschüre hat einen unmittelbaren praktischen Zweck. Er glaubt, daß es Aufgabe der deutschen Juden sein könne und müsse, die Verhandlungen mit der Sowjet-Regierung in Moskau zu führen und falls sie zu einem günstigen Abschluß gelangt sind, durch eins zrnscL- §&n|jlcirtL gu bereifen und konkrete Vorschläge machen zu lassen. DiB Kosten einer solchen Expedition, die er auf hunderttausend Mark schätzt, könnten, so meint Herr Dr. Nathan, hunderttausend deutsche Juden mit je 1 Mk. aufbringen. Er fordert jeden auf, der an seinen Ausführungen Interesse nimmt, seine Adresse dem Philo-Verlag, Berlin SW. Lindenstraße 13 einzusenden. Was soll aus unfern Töchtern werden? Von Ar. Auf meine Behandlung dieses Themas in Nr. 16 des „Israelit" (Blätter) vom vorigen Jahre erwidert Herr Nathan bar Meier-in Frankfurt a. M. in ausführlicher, erschöpfender Weise. Die Ausführungen' desselben beweisen, daß auch er sich schon lange mit diesem schwierigen Problem össaßt Hat uns saß auch er ÜU tziese Aassenöe Wunde der deutschen Judenheit die heilende Hand legen will. Es gereicht mir zur Genugtuung, daß ich in meinem Streben und Wollen mich mit anderen in Uebereinstimmung fühle, und begrüße ich jedermann als Bundesgenossen, der bei der Lösung dieser schwierigen Frage mithelfen will. Wir dürfen uns jedoch nicht mit der Behandlung des Problems in den Zeitungen begnügen, sondern müssen uns bemühen, die erörterten Vorschläge in Wirklichkeit umzusetzen. Wenn Herr Nathan bar Meier im Gegensatz zu mir der Meinung ist, daß für den ureigensten Beruf der Frau im Haushalt noch manche Stelle freigemacht werden könnte, so möchte ich wünschen, daß er recht hätte. Denn in der Ausübung des hauswirtschaftlichen Berufes können unsere Mädchen zumeist religiös leben, und haben bei gegenseitigem Verständnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer stets ihr gesichertes Heim. Leider gibt es viele Herrschaften, die kein Verständnis für das seelische Empfinden und die Gefühle ihrer Hausangestellten besitzen. Wie häufig kommt es vor, daß von Seiten der Ersteren, die sich als Patrizier fühlen, den Mädchen, die oft selbst besseren Kreisen entstammen, der Familienanschluß versagt wird. Das christliche Kindermädchen und die antisemitische Kinderschwester dürfen an der reichbesetzten Tafel der Herrschaft mitspeisen, die arme jüdische Köchin muß einsam in der Küche sitzen und darf sich Nur dann in das herrschaftliche Zimmer wagen, wenn die Schelle ertönt, um vielleicht dem ungezogenen Söhnchen einen anderen Teller zu bringen, den der Bengel wohl auch selbst holen könnte. Qflff O^Jacijfommcn Qbbxrai^ams Rollten bxedrm LwnsMMvHm gegenüber etwas weniger Kastengeist zeigen. Wenn mein Mitarbeiter die Schaffung jüdischer gemeinnütziger Genossenschaften zwecks Einrichtung von Betrieben für die Herstellung und den Vertrieb von weiblichen Handarbeiten in Vorschlag bringt, so wäre es vielleicht wünschenswert, wenn Fachleute sich über die Durchführung und die Rentabilität eines solchen Unternehmens unverzüglich äußern würden. Bejahenden Falls wäre es eine schöne Aufgabe für unsere jüdischen Frauenvereine, an den geeigneten Orten die Gründung solcher gemeinnützigen Genossenschaften in die Wege zu leiten. Ein großer Gewinn wäre es, wenn unsere Mädchen der Pensionskasse der freien Wohlfahrtspflege angeschlossen werden und in ihrem Altev der Vorteile dieser Kasse teilhaftig werden könnten. Gerade die Ungewißheit der Zukunft und das Bewußtsein, im Alter unversorgt und lediglich auf Wohltätigkeit und Almosen angewresöw ZU fein, UMgk mu DMchen Zngn, sich seiöft- Hilfe zu schaffen und in der von mir geschilderten Weise fahnenflüchtig zu werden. Vielleicht Hab die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden die Güte, zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Wir kommen nun zur schwierigen Frage den Ehemöglichkeiten. Leider wird es hier nur möglich sein, einem winzigen Bruchteil unserer Mädchen Hilfe zu schaffen. Die Hauptschwierigkeit liegt hier, wie ich bereits an der Hand der Statistik geschildert, in dem durch den Krieg verursachten Männermangel, dessen Wirkungen jetzt voll zun Geltung kommen. Wenn hier der Hoffnung Ausdruck verliehen wird, daß eine Wiederkehr besserer Erwerbsverhältnisse vielen abseits stehenden Männren, den Weg zur Ehe frei machen werde, so möchte ich unsere Mädchen warnen, sich in Berufe einzudrängen, die bisher eine Domäne der Männer bildeten, z. B. Buchhalter, Reisende usw. Sie schneiden sich damit ins eigene Fleisch, da sie hierdurch zahlreichen Männern und natürlich auch Frauen den Weg zur Ehe verrammen. Es gibt so viele andere Berufe, in denen sich die Frauen betätigen können, so daß kein zrvinstrrt £»«*4 Kniftr Karls Dis Erlaubnis zur Ausnahme von Juden in der Stadt erhallen hatte, wurde die Judensckaft in einer besonderen Gasse untergebracht. Später erhielt sie die Judengasse als Ghetto zugewiesen. Unzufriedene Handwerksburschen drangen anno 1614 in Massen in die Judengasse ein, plünderten und mordeten dort unter Führung des deshalb später enthaupteten Bäckers Vinzenz Fettmilch. Am Tage nach der Plünderuug sind die Konstabler eifrig bemüht, die Judenschast aus dem Main nach Kelsterbach in Schutzhast zu bringen. Kupferstiche zeigen die Ermordung eines dänischen Hauptmannes durch einen Juden, die Hinrichtung eines jüdischen Mörders und die Hinrichtung des Samuel Jud dargestellt. Interessant ist ein Kassiber in hebräischer Schrift aus dem Jahre 1-51. Der Jude Schlome hat aus seinen ledernen Hosen ein Lederstückchen herausgerissen, die Schrift mit einem Holzspan eingegraben und sie daraus in einen Krua. darinnen ihm das Wasser gebracht, getan, mit welchem er den Kassiber aus dem Gefängnis praktizieren wollte. Der Jude war wegen Falschmünzerei in Untersuchungshaft. An anderer Stelle der Ausstellung steht man Bilder der „Jüdischen Wanderfürsorge", so u. a. die Werkstätten in der Auguststrotze. Der „Jüdische Bahnhofsdienst" in Deutschland ist durck Propagandamaterial vertreten. Das „Jüdische Zufluchts» amt-j Elsässer {jÜgl BUM DOIl DCT CMchS wng stims (Dräns, («KL M. Mirarverj. In Mentone starb der bekannte Petersburger jüdische Politiker Winawer. Als der Führer der jungen progressiven Elemente kam Winawer in den Vorstand der Gesellschaft zur FMvenmg ver Mlvmio unter beu Juden" (ffllefue Haskala). Auch in dem Beratungskomitee der Jea-Zentrale saß er als Vertreter der neuen Strömungen. Immer unermüdlich tätige'überzeugend in seinem Auftreten, schnell entschlossen im Handeln, so trat er am Anfang des 20. Jahrhunderts als Führer des russischen Freiheitskämpfer. und gleichzeitig als Vorkämpfer jüdischer Gleichberechtigung hervor. Winawer stand im Vordergründe des Kampfes um die Emanzipation der Juden. Als Präsident des Verbandes für jüdische Emanzipation gewann er eine große Popularität in der jüdischen Oeffentlichkeit. Jahrelang war er der als unersetzlich geltende Leiter aller jüdischen Konferenzen, Kongresse usw. Nach der ersten Revolution wurde er in die erste russische Duma gewählt. Hier stand er an der Spitze der IL gliedrigen jüdischen Gruppe; die. entgegengesetzten Strömungen der einzelnen jüdischen Parlamentarier wußte er klug zu koordinieren. In seiner Partei, den Konstitutionellen Demokraten, spielte er eine führende Rolle und verstand es, die Partei für die Verteidigung der jüdischen Rechte mobil zu machen. I. ■ «S53 (Der „Ztavbiner" in der Kirche). Die I. T. A. meldet aus Washington: Am Sonntag, den 26. September predigte Rabbiner Dr. Stephan S.Wise in der u n abb änais chen Kircke zu Washington. Dü Die oTfUleHe Kir>lLö Bes WMsntrrr dss MiÄ-- TllQtMl @!ööt6ü ist, Ddr jüdische Reformternpel AU Washington wird gegenwärtig restauriert. Bis zur Fertigstellung der Arbeiten hält die Iildifche Reformgemeinde an den Sonntagen ihre Gottesdienste in der Unabhängigen Kirche ab. Der Predigt von Dr. Wise wohnte Präsident Eoolidge bei. Hiöl? wäkö die Predigt Wrfes aus dem „Evan°° geiium Klausner", die seinerzeit so viel Staub aufgewirbelt hatte, einigermaßen am Platze. Vielleicht kann uns die allwissende I. T. A. noch sagen, ob die New-Borker Reformgemeinde nur das Sukkotfest (Sonntag, der 26. September war vierter Sukkotag) oder auch schon die annu tra1» in der Unabhängigen Kirche gefeiert hat. (Entdeckung einer tausendjährigen Thora-Handschrift in einer Synagoge zu Buchara.) Nach einem soeben aus Leningrad eingetroffene Telegramm hat der bekannte jüdische Gelehrte Prof. Lurje in Buchara in einem bisher vermauert gewesenen Winkel der dortigen uralten Synagoge eine etwa 1000 Jahre alte Bibelhandschrift, sowie andere sehr wertvolle Dokumente aufgefunden. Die Leningrader Akademie entsandte ihr Mitglied Professor Kokowzow nach Buchara zwecks Prüfung - oer Funde. Wochenkalender. vom 23. — 30. Oktober 1826. / vom 15. — 22. Marcheschwan 6887' Samstag Okt. 23 15 pian ni'i Sonntag 24 16 MlÜSS 2S 19 Dienstag 26 16 Mittwoch 27 19 Donnerstag 28 20 ’ff’nn nawi . Freitag 29 21 Samstag 30 22

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