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Der Israelit · 1926-10-21 · Heft 43 (21.10.1926) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 43 (21.10.1926)
Date
1926-10-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 43 Seite 8 21. OktyHer 1926 _, _ dem „traditionellen g e s e tz e s treuen Judentum" gelobt wird, — also schon beeilte sich der Kanzleiditektor des Gemeinderabbinates Dr. Großmann ln erwähnlkt Nummei einen ANittl gu vstöffsntlichey, dessen Spitze unverkennbar gegen den neuen Rabbiner gerichtet ist. In diesem höchst charakteristischen Artikel wird ein langes und breites über die hundertunddreißigjährig-e n^apn des Pester Gemeinderabbinates gesprochen, das wohl stets auf der Basis der Tradition gestanden, dennoch aber auch die „notwendig" gewordenen kultuellen Reformen akzeptiert hat usw. Von diesem Standpunkte aber wird das Rabbinat auch in der Zukunft nicht abweichen. (In Parenthese hätten wir einiges zu bemerken. Es ist einfach eine Unwahrheit, wenn Herr Dr. Großmann den ersten Pester rn nämlich pxznnxTi ptun mit verantwortlich für die in Pest eingebürgerten Reformen machen will. Derselbe war, wie aus einer naivriim rr-p '’O n"n '‘nyn jnx 'v"n ersichtlich ist, ein intimer Freund des!?"Ltv"N Garend hätte gewiß die Einführung der Orgel usw. nicht gebilligt. Vielmehr hätte Herr Dr. Großmann diese reformiertentapn mit dem.reformfreundlichen Oberrabbiner Schwab, dem Schwiegervater des Leopold Löw, beginnen lasten müssen. Auch ist es wirklich schade, daß Herr Dr. Gr. dsn Umstand anzuführsn vsrgißU daß der e!genst!che rotier be öronee jener nVajpn nV«rW' ber wohl namentlich angeführt wird, den wir aber hier nicht nennen wollen, das Kunststück fertig gebracht hat, 50 Jahre hindurch als „Oberrabbiner" von Budapest zu figurieren, ohne während dieses ganzen halben Jahrhunderts auch nur ein einziges Mal die niirv voniawn naoa erfüllt zu haben, wie dies stadtkundig war; das Kunststück fertig gebracht hatte, als Oberrabbiner von Pest seinen einzigen Sohn in frühester Jugend in ein Bankhaus hineinzugeben, wo derselbe auch am «np na» tätig sein mußte! Schade, daß Herr Dr. Großmann die Mitteilung von solchem und ähnlichem unterließ. Denn wir glauben, daß es am besten dazu geeignet wäre, um die Autorität s e i n e r n'npn nto?» in richtigem Lichtglanze erscheinen zu lassen. Dies alles sei bloß in Parenthese gesagt.) Also leicht wird es dem neuen Gemeinderabbiner nicht gemacht werden, so er — wie anzunehmen ist, — sein Programm zur Wirklichkeit wird machen wollen. Sei aber dem auch wie immer. Die orthodoxe <SemetrtJc^>ci|i mu| cmd^ diesem Beginnen gegenüber ihren ablehnenden Standpunkt behaupten. Wie hoch immer wir auch den Ernst dieses Strebens einschätzen, wie aufrichtig und innigst wir auch wünschen, daß ein Wunder Gottes vermochte Abraham vor dem Feuertode zu retten. Wir sehen also, daß auch Therach die seelische Kraft besitzt, für seine Ueberzeugung sein Teuerstes zu opfern. Gott, der das Herz der Menschen kennt und auch die Regungen der Seele eines Therach beachtet, erkannte in Therach, der von feinem irrigen Standpunkte aus eine seltene Seelengröße und Charakterstärke bewies, den geeigneten Mann, von dem ein Abraham abstammen sollte. Abraham brauchte nur die Wahrheit zu erkennen und von seinem Vater nur die Unbeugsamkeit und Gesinnungstüchtigkeit, die Charakterfestigkeit und Willensstärke zu erben, um der Träger der Gottesidee und der mutige, unentwegte und zu allen Opfern bereite Bekenner der göttlichen Wahrheiten zu werden. Die Erkenntnis Gottes war Abrahams ureigenstes Werk und Verdienst, aber die Unbeugsamkeit in der Verfolgung der als wahr und als erstrebenswert erkannten Ziele war ein Erbteil seines Vaters. mrm "pm. Achas war derjenige, der nach einem Worte b-er 9B eifert trt <Scrrtbebrtrr bte ßehrhäufer fcblofj unb öie ^ora rxsrfregelire, e*r erfcmnte; bffjj di? &V9 Lebensquelle der Treue zu Gott ist. Cr wußte, daß, solange die Jugend in der Thora unterwiesen wird, seine Götter vergeblich auf Anerkennung warten. Sollte der Götzenkult heimisch in Judäa werden, mußten die Lehrhäuser, in denen Thora gelehrt und gelernt wurde, geschlossen, mußte die Thora selbst versiegelt werden. Dieselbe Erkenntnis und dieselbe Ueberzeugung von der unbesiegbaren Kraft der Thora lassen seinen Sohn Chiskijah die Verordnung treffen poiy trxtp '» Va v'nrrnn am pya a-im ipT» minif daß wer nicht Thora lernt, durch das Schwert fallen müsse. Bei Vater und Sohn dieselbe Erkenntnis, nur die Maßnahmen,. die aus dieser Erkenntnis fließen verschieden nach der Verschiedenheit der Einstellung der beiden und der Verschiedenheit der Ziele, die beide vrfolgen. Der Is r aeilt das ernste Bestreben des neuen Gemeinderabbiners, um den gesetzestreuen Interessen Geltung in der größten Gemeinde des Landes zu ver- <trt bert itjm jio^ barbieiertben Sc^rvierigteiten imD vor allem cm D^m nihilistischen Trotze seiner Kollegen im Nabbinate nicht scheitern sollen und daß es ihm gelingen möge, aus den noch echtjüdisch gesinnten Kreisen in seiner Gemeinde einen Kreis echter omT heranzubilden, die nur der in der Austrittsfräge eingenommene Standpunkt von den autonom organisierten orthodoxen Brüdern trennt, — also trotzalledem können wir die volle EntfaltungEöglichkeit des gesetzestreuen Judentums nur in seiner vollkommen unabhängigen autonomen Organisation erblicken. Die autonome orthodoxe O r g anisation bleibt die uneinnehmbare Felsenburg des gesetzestreuen Judentums. Aber ferne sei es von uns, geringschätzend, oder gar mit Verachtung auf solche und ähnliche Bestrebungen im anderen Lager hinabzublicken. Rein! Mit hoffendem Gemüte wollen wir jegliche Spur eines Erwachens zum wahren ,echtjüdischen Leben wahrnehmen, und zum Lenker der Geschichte heiß und innig flehen, daß er gar bald das in Parteien zerklüftete Haus Jakob auf der Grundlage von min und nxT vereinen.soll. Denjenigen aber, die in hingebungsvoller Arbeit für die Näherbringung hswlichsn WlSZ ÜWlÜH MV UH[iV4 Anerkennung nicht versagen. Wochenrundschau. Franz Oppenheimer über Palästina. Franz Oppenheimer, der von der Zionistischen, Organisation zu einer Studienreise nach Erez Jsroel und Erstattung eines Gutachtens über die Wirtschaftslage veranlaßt worden ist, hat seine Eindrücke wirtschaftlicher Natur in einem in Wien gehaltenen Vortrage nun auch der Oeffentlichkeit unterbreitet. Wenn man aus den gefärbten Berichten der antizionistischen (Wiener „Wahrheit") und der zionistischen Presse ein Durchschnittsbild dessen zu rekonstruieren versucht, mas ber berühmte Statiortcttöforiom ruirfjicfj jagt hat, jo kommt man zu jolgendem Ergebnis: Die Araberfrage hält Oppenheimer so lange nicht für akut, wie die derzeitige versöhnliche, eine Majorisierung der Araber durch die Juden verhin- 'yvvv '3T»a> Schimi war her Mann, der den traurigen Mut aufbrachte, den König David zu schmähen und nach ihm mit Steinen zu werfen. Aber es war immerhin eine mutige Tat und zeugte auch von Selbstbewußtsein, das auch vor Königs Thronen standhielt. Diesen Mut, dieses Selbstbewußtsein, diesen Stolz vor Königs Thronen erbte sein Enkel Mordechai, von dem es heißt: 'aiivi nin/ip» «Vi yia' xS Die seelischen Eigenschaften waren bei Schimi und Mordechai die gleichen, nur ihre Anwendung eine verschiedene. Unsere Weisen lassen uns einen Blick in das geheimnisvolle Walten Gottes zu tun und wir bewundern die unendliche Weisheit der „Einzigen der Welt", der auch in dem Bösewicht und in dem Unreinen den reinen Funken der göttlichen Seele entdeckt und aus ihm eine reine Flamme gewinnt, die seine Wege erleuchtet, seine Ziele fördert. 'Kleines Feuilleton. Jüdisches auf der Polizeiausstellung. Die große Berliner Polizeiausstellung 1926 enthält auch eine kleine Sonderausstellung .Polizei und Judentum". Polizeipräsidium und Staatsarchiv von Frankfurt a. M. stellen Urkunden aus über das Leben der Juden in Frankfurt im Mittelalter. Man findet z. B. eine Beschwerde des Papstes über das Wohnen der Juden in der Nähe der St. Bartholomäuskirche zu Frankfurt im Jahre 1462. Also lesen wir: „ . . so konnten sie und können sie fortgesetzt beschauen dernde englische Politik fortgesetzt wird, also Ablehnung der Jabotinski'schen tollkühnen Phantasien. Ueber Tel-Awiw fällt Oppenheimer ein vernicfjienbes Urteil; es Jet ber kapitalistische Schctnb- JtecT Palästinas mit seinem Bodcnwuchcr und seiner innerlich hohlen europäischen Talmi-Zivilisation. Ebenso sinnlos sind die Uebertreibungen und in die Luft fechtenden Tendenzen des Gewerkschaftssozialismus in Palästina. Am. wichtigsten scheint uns das Urteil Oppenheimers über die landwirtschaftlichen Siedlungen zu fein. Oppenheimer hält einen großen Teil der bisherigen Siedlungsexperimente für gescheitert; über die „großen Kwuzos" (im Gegensatz zur „kleinen Kwuzo" und dem einzelwirtschaftlichen „Moschaw") zitiert die „Wahrheit" anscheinend wörtlich folgende Aeußerungen: „Es sind Zerrbilder von Siedlungsgenossenschaften. Hier hat sich eine bunte Gesellschaft junger Burschen und Mädchen auf kommunistischer Basis organisiert, auf Gütern von Riesenausdehnungen wird derart gewirtschaftet, daß nicht einmal dreißig Prozent der Normalleistungen geschaffen werden. Es ist furchtbar, was hier geschieht, entsetzlich, wie gearbeitet wird. Das System muß aufhören. Es sind durchwegs Kinder, die die Freiheit falsch tperJtefjertj unb roenn mit eijerrter Vremgejahrev wird, ist es mit ver zionistischen Bewegung zu Ende. Keine einzige dieser vielen riesigen Gemeinschaftssiedlungen kann bestehen." Professor Oppenheimer kam zu folgenden Schlüssen: „Vielleicht gelingt es durch einen religiösen Bund, vielleicht können wir dann neue Fundamente für den Aufbau Palästinas legen. Wenn nicht, dann ist alles verloren." Die scharfe Stellungnahme Oppenheimers im Zusammenhang mit anderen in die Tagespresse und in die Revuen („Weltbühne") gedrungenen Berichten über die furchtbare Wirtschaftskrise in Erez Jsroel wird natürlich von den Gegnern der Palästina-Siedlung mit Wonne aufgegriffen und von der offiziellen zionistischen Presse vertuscht. Wir sehen dazu keine Veranlassung. Auf die Dauer wird man für die aktive und opfervolle Mitarbeit an dem Aufbau Erez Israels doch nur diejenigen gewinnen können, die sich der ungeheuren, die Leistungsfähigkeit von ein oder zwei Generationen weit übersteigenden Schwierigkeiten £?§ stm, lsntzKirrjchaftlichö Kolonisatiün in Pajästi - na wird aus dem Stadium des kostspieligen Experimentiere ns noch lange nicht herausgekommen sein. die Gebräuche der christlichen Religion, wie sie geübt werden bei der Bestattung der Toten, bei der Zurschaustellung der Monstranz bei der Messe, bei der Verehrung der Reliquien und bei dem Weihwasser Auch hören sie die Messe singen, die in dieser Kirche mehrmals gefeiert wird. Dies bringt unserer Religion und Gottesverehrung Schimpf und Schande, gibt ein verderbliches Beispiel und ist dem christgläubigen Volke ein Aergernis . . .* Das Museum jüdischer Altertümer zu Frankfurt steuert einen Reisepaß des Dichters Ludwig Börne aus dem Jahre 1833 bei. Das Stadtarchiv stellt einen Senatsbeschlutz aus, der den kaiserlichen Befehl zur Verfolgung und Bestrafung der Ausrührer, die die Judengasse geplündert haben, bekannt gibt (anno 1614). Die Sammlung Stiebe! zeigt eine alte, zuletzt im Jahre 1604 erneuerte Verordnung, wonach sich die Juden durch ein besonderes Zeichen, den Judenfleck, kenntlich machen mutzten. MN mtraanteg ©oRumtnt trt ein „SMauj ver Juvenjchast DutcD Kaiser Karl im Jahre 1363. Es heißt da: „. . . . Wir haben die bemerkenswerten großen Schäden an der Brücke, die zwischen Frankfurt und Sachsenhausen über den Main führt, wahrgenommen. und haben daher zu öffentlichem Nutzen nach reiflicher Ueberlegung und' aus kaiserlicher Machtvollkommenheit den Bürgermeistern, dem Rate und der Stadt zu Frankfurt die Gnade erwiesen und die Vollmacht gegeben. Juden, männliche und weibliche, in die Stadt zu ziehen, und sich mit ihnen über einen jährlichen Zins zu einigen. Der Ueberschutz aus dem Zinsertrag soll zur Halste in unsere kaiserliche Kammer fließen, zur anderen Hälfte zum Nutzen der Frankfurter Brücke verwendet werden.. Ein ausführlicher, durch acht Bilder illustrierter Bericht gilt dem folgenden Geschehnis: NachdemFrank-

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