Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 43 (21.10.1926)
- Date
- 1926-10-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 43__' Lande war kein Raum für die Gründung der sogenannten Gemeindeorthodoxie, denn die hierfür in Betracht kommenden konservativen Elemente schlossen sich einfach den an den betreffenden Orten sich konstituierenden orthodoxen Gemein- Den an. Die Budapester große Kongreßgemeinde bildet aber diesbezüglich eine Ausnahme. Sie beherbergt seit jeher die zur Gründung einer bewußten Gemeindeorthodoxie nötigen konservativen Elemente. Denn noch vor der Gründung der dortigen autonomen orthodoxen Gemeinde, die heute eine dkit» ist, hatten es die Führer der Großgemeinde verstanden, große gutjüdische Kreise, viele mtp "iviw zu täuschen, indem sie die große und schöne Synagoge in der Rombachgasse mit n»*3 erbauen ließen und den verstorbenen, als gesetzestreu geltenden Rabbiner Eleasar Pollak aus Jnowrazlaw als Rabbiner dieser Synagoge berufen haben. Es bleibt ewig zu bedauern, daß jene konservativen Kreise der Rombachschule nicht wie diejenigen in anderen großen Städten des Landes sich der neu konstituierten autonomen orthodoxen Gemeinde angeschlossen haben, so daß in dem Verbände der großen Gemeinde nur die waschechten Neologen verblieben wären. Aber leider besteht einmal die Tatsache, daß es viele Hunderte jüdische Familien im Verbände der Kongreßgemeinde zu Budapest gibt, die noch echt uw zu leben wünschen t unD vor einem ( Droeltempel t und Orgelrabbmer einfach einen moralischen Widerwillen empfinden. Aber zu einer bewußten Gemeindeorthodoxie in Budapest kam es dennoch nicht. Denn die neologe Gemeindeführung bot alles mögliche auf, um den konservativen Charakter der Rombachschul zu einer innerlich hohlen Form verflüchtigen zu lassen. Da der selige Rabbiner Pollak die ungarische Sprache nicht beherrschte, so hatte man Jahre hindurch einen Hilssprediger der Orgelsynagoge in der Tabaksgasse abwechselnd zum Predigen in die Rombachschul gesandt. Und auch als man nach dem Wahlkampfe — denn ein großer Teil der Gemeinde wollte den verstorbenen Orgelrabbiner zu Stuhlweißenburg zum Rabbiner der für die Konservativen bestimmten Rombachschul wählen — also auch als man nach dem Hinscheiden des Rabbiner Pollak den vor zwei Jahren in seinem schönsten Mannesalter dahingeschiedenen Dr. Elias Adler zum Nachfolger desselben wählte, war die Persönlichkeit und Wirksamkeit desselben nicht geeignet, das konservative Bewußtsein der gll sM? ten. Denn wohl war er ein ehemaliger Zögling der Preßburger ns'V'- aber sein Kon- //.U~ Zu „Tohuwabohu". Don Dr. Weier Wunk in Berlin. Aus etymologische Ableitungen kann ich mich aus Mangel an Vorkenntnissen nicht einlassen, nur möchte ich aus Nachmanides zur Stelle Hinweisen, wonach inI — xin 12 ist, eine Erklärung, die weit älteren Schriften entnommen ist. Zur sachlichen Erklärung weise ich aus Chagiga 12 a, ferner aus die Kommentatoren rrs") und unso hin. — Der logische Aufbau der Schöpfung aus dem „giicots“ DQflanatQmiaQgtattBRSR. M m? stH LMk betrachtet nicht vorstellbar sind. Wir können in unserer Vorstellung Stoff und Form nicht voneinander trennen. Wenn wir daher „Ursloff" sagen, so ist dies keine sinnlich wahrnehmbare Materie, oder wir setzen voraus, daß auch dieser eine Form hat, dann aber müßte sich diese geformte Masse schon von dem umgebenden Stoff unterscheiden. Jede Form setzt einen Raum voraus, in dem sich die Formen unterscheiden. Die Entstehung des Raumes setzt — übrigens übereinstimmend mit „Kant-Cohen" —, das Nacheinander der Zeit als vorhanden voraus. Dieses Nacheinander der Zeit muß wiederum vom Schöpfer „gedacht" werden. Das Nacheinander der Zeit wird D e r 4 » r a t * » i fervativismus hinderte ihn nicht daran, auch im O r g e l tempel in der Tabakstraße religiöse Funktionen vorzunehmen! Ueber eine solche Art Konservativismus wollen wir aus Rücksicht auf den vor der Zeit Dahingegangenen in diesem Zusammenhänge nicht ssir-schsn. Aber daß eine solche Art der Vertretung der konservativen Interessen nur dazu geeignet war, die konservativen Elemente in ihrem Interesse für das traditionelle Judentum allmählich zu schwächen, muß auch der Blinde einsehen. Nach dem vor zwei Jahren unerwartet erfolgten Hinscheiden des Dr. Adler setzte wieder die alte, neologe Machenschaft ein, um den Konservativen in der Gemeinde womöglich irgend einen aus dem neologen Rabbinerseminar hervorgegangenen, zu allem Ja und Amen sagenden Orgelprediger als geistigen Führer auszuzwingen. Denn wie weit ab steht noch die Budapester neologe Großgemeinde von der Praxis nicht nur der Frankfurter Reformgemeinde, die wohl oder übel die religiösen Bedürfnisse ihrer gesetzestreuen Mitglieder in einwandfreiester Weise zu befriedigen sich bestrebt, sondern sogar von der Praxis der Berliner neologen Großgemeinde, die trotz der verschwindend kleinen Zahl der in Gemeinschaft mit ihr verbliebenen Konservativen, es dennoch als ihre Pflicht und Schuldigkeit betrachtet, auf die religiösen Bedürfnisse dieser Kreise mit der Anstellung von gesetzestreuen Rabbinen wie z. -o. Drfl, fl, NMsW QU nehMM, Oll Der Budapester Grotzgemeinve hingegen waren auch gelegentlich der letzthin erfolgten Rabbinerwahl gewaltige Faktoren an der Arbeit, um weiten Kreisen der Gemeinde, denen das ganze Pester neologe Rabbinerseminar, Professoren samt Zöglingen einfach eine rmin ist, um nun diesen Kreisen einen aus dem Seminar hervorgegangenen Rabbiner aufzuoktroyieren! Und nur das entschiedene Austreten eines kleinen Häufleins wackerer Männer, die unumwunden erklärten, daß sie lieber aus der Gemeinde ausscheiden, als die Wahl eines der nyni D^p zu ihrem Rabbiner dulden werden, ermöglichte den Wahlsieg des neuinstallierten Rabbiners. Nun aber ist es Tatsache, daß der neuinstallierte Rabbiner noch vor seiner Wahl sich ausbedungen hat, daß er in der Orgelsynagoge der Gemeinde nicht zu funktionieren, wie daß er auch das von den neologen Rabbinern in Ungarn beliebte und demjenigen der katholischen Geistlichkeit nachgeahmte Ornat nicht anzulegen braucht. Des ferneren soll er sich eine entscheidende Bekrnstnssnng rriniiUS^nMMionkn Der Gemeinde erdeten haben. Aber noch mehr als all dieses besagt für den entweder an räumlichen Veränderungen (des Uhrzeigers oder an Lichtunterschieden) gemessen, wo dies wie in tief dunkler Nacht oder im Kerker nicht möglich ist, können allenfalls noch die dem Licht verwandten Wärmereize an den Zeitoerlauf erinnern Jedenfalls ist eine Energieform als deren erstes wir die Lichtenergie setzen, notwendig. Beim Beginn einer Sache ist sie konkret noch nicht da. Mit Rücksicht auf das Resultat nennen wir das noch nicht begonnene Gebäude schon „Haus", ähnlich wie die Null ein Zahlwort heißt und die Zahlenreihe beginnt, ohne selbst m zählen. Ebenso war die Erde beim Beginn der Schöpfung noch ein leerer Schall, bar iedes Stoffes oder tohu. bar jeder Form oder bohu, bar der Lichtenergie und bar jeder Vorstellung tnnn, aber Elok. wollte nii Energie, wollte Form und Raum nsm» und wollte Masse tra- Denn tra ist die Bezeichnung der Urmasse, im Gegensatz zu „Stein", das mehr die Form und „Lust", das weder Maste noch Form erkennen läßt. sin* m IW ilkll mmMWilMer etwa folgendermaßen zu übersetzen: Am Beginn der Schöpfung (bezw. als schuf Gott), des Himmels und der Erde, wo die Erde noch bar war jeden Stoffes, jeder Form, jeder Energie, jeder Vorstellung, aber (im Himmel) Gott, Energie, Raum, Maste wollte, sprach Gott.: „Es werdeLichtemrgie" und es ward Licht. v 21.OKtober.192b Eingeweihten der Programmartikel, den' der neüe Rabbiner unmittelbar nach seiner Wahl veröffentlichte, und in welchem er klipp und klar erklärte, daß er als treuer Schüler des seligen Rabbiners Dr. M. Hororviß, bestrebt fern rvsrde, innerhalb der großen jüdischen Hemeinök, in deren Dienst er trete, für die Interessen des traditionellen gesetzestreuen Judentums zu wirken. Dies habe er seinem erwähnten Lehrer beim Abschiede versprochen, und an diesem Versprechen werkle er bis ans Ende festhalten! Dies ist ein bedeutungsschweres Wort! Denn Dr. Horowitz - war bekannterweise der markanteste Vertreter, ja, geradezu der Begründer der sogenannten „Gemeindeorthodoxie", die im Gegensatz zu S. R. Hirsch und seinen Genossen in Deutschland und im Gegensatz zu allen cpVm in Ungarn, die in den von den neologen Gemeinden gänzlich losgelösten autonomen Gemeinschaften einzig und allein eine ungefährdete Entfaltungsmöglichkeit des gesetzestreuen Judentums erblickten und erblicken, auch in g e - meinschaftlichem Gemeindeverbande. mit den Neologen die volle Entfaltungsmöglichkeit eines gesetzestreuen Lebens erlangen zu können vermeint! Sollte nun das von unbezweifelbar ehrlichster Absicht geleitete Bestreben des neuen Pester Gemeinderabbiners von Erfolg gekrönt werden, so werden wir nunmehr auch in Ungarn, allerdings bloß In Pubapest, bas Exempel ber „G?- meindeorthodoxie" besitzen. Wir sagen „sollt e" denn — dies muß hier festgenagelt werden — der neue Gemeinderabbiner wird bei der ehrlichen Realisierung seines Vorhabens, so er sich mit dem bloßen Scheine nicht wird abspeisen lassen, auf gewaltige Schwierigkeiten stoßen. Wir wissen nicht, ob seitens der in Betracht kommenden Gemeindefaktoren seinem Streben dieselbe Förderung, zuteil werden wird, wie sie einst sein Lehrer Dr. M. Horowitz genossen hat, und die es ermöglichte, daß die rituellen Institutionen der Frankfurter Gemeindeorthodoxie in punkto Verläßlichkeit aufmiiw— s omanvonderprinzipiellen Seite absieht — vollkommen einwandfrei dastehen. Der neue Gemeinderabbiner wird mit Kollegen im Gemeinderabbinate zu ringen haben, denen lange Jahrzehnte hindurch ein Scheinni"uwgenug war und allem Anschein nach auch noch heute genug ist! Schon beeilte sich der Kanzleidirektor des Gemeinderabbinates in der imn -Festnummer des Egyenloseg, also in dsrfßlß&R mummir, löSrm Jnstasiastansprsbig^ des neuen Gemeinderabbiners Dr. Fischer abgedruckt ist, in der ein unentwegtes Festhalten an „Die Reinen von den Unreinen". Zu KV1 'S- Von Rabbiner Dr. Hermann Klein in Berlin. ■ovi» mrrv '’prn mnn nmas paa inrr «»vv mnu jrp ■>» -C-rn) d^is? bv rrrr „Wer läßt das Reine von dem Unreinen erstehen z. B. einen Abraham von Therach, einen Chiskijahu von Achas und Mordechai von Schimm; nicht Er, der Einzige der Welt?!" Es ist kein Zufall, daß unsere Weisen gerade diese drei Beispiele für das eigenartige Verhältnis der genannten Söhne zu ihren Vätern anführen. Diese Beispiele zeugen für die unendliche Weisheit Gottes und für den nur Gott möglichen Einblick in die tiefsten Geheimnisse der menschlichen Seele. Gott allein kennt die Triebfedern der menschlichen Handlugnen, die seelischen Dispositionen ,aus denen sich die Charaktereigenschaften der Menschen entwickeln und die sich von Vätern auf Söhne vererben. Das höchste und größte ypQi unseres NlMMvllMö Abraham war der schwere Gang zum Berge Morijah, wo er seine Treue zu Gott durch die schwerste Tat, die je einem Menschen zugemutet wurde, bekunden sollte. Auf dem Morijahgipfel gelangte auch Abraham zum Gipfel seiner Gotteserkenntnis und zur Höhe jüdischer Pflichtrfüllung. Dort bewies er, wie tief er von Gott durchdrungen ist und wie ihm für feine Ueberzeugung kein Opfer zu groß ist. Diese unbedingte Opferwilligkeit für seine Ueberzeugung hatte auch der Vater Abrahams, Therach. Der Götzendiener Therach, so erzählen die Weisen, klagte seinen Sohn Abraham vor Nimrod der Götteroerachtung und der Götterleugnung an, wiewohl er wußte, daß auf diese Sünden die Todesstrafe steht. Nur