Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 42 (14.10.1926)
- Date
- 1926-10-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2450388-2450430--73523-2530939- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
14. Oktober 1926 D e r 48 » r « e l t t Nr. 42 Seite 8 fi» Sieben Mk. 49 Pta Bedauern stellt man oft fest, daß.schon wenige Jahre nach Verlassen der Schulzeit die Kenntnisse aus der biblischen Geschichte verblassen und auf ein Minimum herabsinken. Auch hier empfehlen wir als Mittel zur Behebung die schriftliche oder mündliche Fragenarbeit. onsiö rwjj? riasn nmrv Emi schöner Eifer wird entstehen, am genauesten Bescheid zu wissen. Um diese Anregungen durchzufühen, wäre es allerdings notwendig, daß in den Lernlokalen unserer Vereine talmudische Lexika wie die von Levy und Tsalman und aramäische Grammatiken vorhanden wären. Auch der Versuch eines Vorbereitungsabends könnte mal unternommen werden. Ein Abend ist lernfrei in dem Sinne, &ctj^ f eirt ßerrtüoriräg stattsind st. Vis Beßrer sind aber anwesend und die Lernenden versuchen zu wiederholen oder ihre kleinen selbständigen Arbeiten auszusühren. Die Lehrer sind zur Auskunft bereit. Unsere Anregungen bedeuten nichts anderes als bewährte Schulmethoden auf den iwv zu übertragen. Manches ist schon mit einigem Erfolg versucht worden in die Praxis umzusetzen. Wir erhoffen, daß die Diskussion dieser Notizen eine weitere Klärung der schwierigen Frage bringt: wie kann es gelingen, den jüdischen jungen Kaufmann in öffentlichen Dmrw so zu fördern, daß er mit Freuden lernt und zur selbständigen Erfassung der Probleme gelangt? Selbstverständlich beruht die Hauptschwierigkeit nicht etwa in dem Mangel an geeigneten Lehrern, sondern es muß erst bei den Hörern der 'ä'TBPV' Verständnis geweckt werden für die geistige Freude^ die aus der Selbständigkeit erwäcljfi» 99 {(jnen d!«r werden, iev SBeg zur Selbständigkeit viel leichter zu beschreiten ist, als er von der Ferne aussteht. Ein innigeres Verhältnis geistiger Arbeitsgemeinschaft zwischen Lehrern und Lernenden wird sich anbahnen. Korrespondenzen « nacbricbten. V«»rts«tze» Reich. Severing zum Abschied. Berlin, 10. Okt. Das Organ des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten „Der Schild", widmete der Persönlichkeit des aus gesundheitlichen Gründen aus seinem Amte scheidenden -preuBtfcJjött Ministers dss Innern, Carl Severing, einen ArMcl, in welchem Me Verdienste Severings um Deutschland und Preußen gewürdigt werden. Zum Schluß heißt es: „Ist dies das Verdienst Severings, so ist es ein weiteres von ihm, daß er mit den Vorurteilen, keinen Juden zum Staatsbeamten zu machen, in Preußen gründlich aufgeräumt hat. Er hat in dieser Beziehung das Seinige getan, um die freie Bahn jedem Tüchtigen ohne Rücksicht aus sein Glaubensbekenntnis zu ebnen. Wenn es früher nicht möglich war, daß ein Jude den gewiß bescheidenen Posten eines Nachtwächters in Preußen betreuen konnte, so ist es ihm heute möglich, wenn er die notwendigen Kenntnisse und Eignung mit sich bringt, die Staatsbeamten-Lausbahn einzuschlagen. Wir sind überzeugt davon, daß auch Severings Nachfolger diesen einzig möglichen und zum Wohle des Landes führenden Weg gehen wird, ihm aber, dessen Leben durch Völkische so cft verbittert und bedroht wurde, wünschen wir, daß er nach völliger Gesundung wieder an maßgebender Stelle zum Segen unseres Vaterlandes wirken möge." — Wir schließen uns diesen Wünschen an, in erster Reihe auch deshalb, weil Severing auch für die gerechte Behandlung der Ostjuden in Preußen stets volles Verständzis mm W; liefern wir einen eleganten Kneifer mit Gläsern, Double ohne Fassung, der eigen» für Nase und G esichtsbildung üsrisnsiffitTrmli ü i« ■isSfs?Br s??fi **5i*r Kneifern vebellen, Me Angen dutlersb TeraaeblftniK^ jssf s“ *x<= leUten Ohne KaUfyerpflichtUng, Wir beraten Sie gut und bedienen Sie sehr preiswert Lieferung für alle Kassen. Orthozentrische Kneifeir-Gesells chaff, Opernplatz. Für die .Reise Feldstecher, Operngläser von 20.— Mk. an._Schutzbrijlen und Kneifer in allen Farben Sofort nach' Einbringung eines das Schächten gefährdenden Antrages im hessischen Landtag, wurde von unserem Verbände durch eine Eingabe an die Regierung und. durch persönliche Besprechungen mit derselben und den einzelnen Parteien der Kampf gegen die Schächtgegner ausgenommen. Mit der Ablehnung des antisemitischen Antrags im Landtag konnte ein erfreulicher Erfolg verbucht werden. Aus der Sitzung der Repräsenlanten-Versammlung. Berlin, 12. Okt. Trotz der zurzeit noch vor den Staatsbehörden schwebenden Proteste gegen die Gültigkeit der Berliner Gemeindewahlen trat gestern die alte Repräsentanten-Versammlung zur Erledigung dringender Finanzvorlagen zusammen. Für die Jüdische Volkspartei wurde von Prof. Heinrich Loewe eine Erklärung abgegeben, daß die Jüdische Volkspartei lediglich die am 16. Mai gewählte Repräsentantenversammlung für die gesetzmäßige Vertretung der Gemeinde ansieht und den Wahlprotest der Staatsbehörde für unzulässig erklärt, weil sie mit der im Artikel 137 ^ervü^rkei^teten 3tirtonomie i>er ©PinBinDß im WllMWuT mm. Die NIMIWM Viowm Hütten die Einberufung der Repräsentantenversammlung nicht verhindern dürfen. Trotz dieses grundsätzlichen Standpunktes will sich die Fraktion der Jüdischen Bolkspr.rtel der Beratung und der Beschlußfassung über die beiden für die heutige Sitzung der alten Repräsentantenversammlung. eingereichten Finanzvorlagen nicht widersetzen. damit eine ordnungsmäßige Beratungsführung in der Gemeinde gewährleistet hat. Nachdem von liberaler Seite Herr Prof. Türk dieser Erklärung der Volkspartei scharf entgegentrat, unterstrich der Fraktionsvorsitzende der Volkspartei, Herr Dr. Klee, noch einmal den Standpunkt seiner Partei, daß die Sitzung zweifellos ungesetzlich sei, die Volkspartei aber im Interesse der Gemeinde aus dieser Ungesetzlichkeit Folgerungen nicht herleiten wolle. Die vom Finanzreferenten des Gemeindevorstandes, Dir. Kareski, vorgelegten Finänzprojekte wurden einstimmig angenommen. Es handelt sich um die Steuerquote, W auf 13 MWM W8kW MM «M «MWlM aus jö$taUn Gesichtspunkten entspringende Steuerbefreiungen der unteren Stufen, die weit über die Freigrenze der staatlichen Besteuerung hinausgehen, vom Finanzreferenten beantragt wurden. Weiter wurde, eine Anleihe von 3 Millionen Mark beschlossen. Die Vertreter aller Parteien sahen sich insbesondere durch das für die Gemeinde besonders günstige Anleihe- Programm veranlaßt, dem Finanzreferenten die Anerkenung auszusprechen. Hessischer Landesverband gesehestreuer Synagogengemeinden. Darmstadt, 16. Sept. Der junge Verband hielt Ende Juni in Frankfurt a. M. eine Vorstandssitzung ab, zu der 16 Mitglieder, darunter auch Vertreter des Bundes gefetzestreuer jüdischer Gemeinden Sitz Halberstadt, erschienen waren. Auf Grund der Vorstandsbeschlüsse konnte bereits die Subventionstätigkeit beginnen. Es wurden bisher an Zuschüssen zu den Einkommen von Lehrern und Kultus- (^z)rtacfocfen£><iiitert (Heno* beamten 900-— mr Vierungen Mk. 270.— für Anstellung von Vorbetern für die Feiertage Mk. 70.—, insgesamt Mk. 1240.— verteilt. Da ein fester Beitrag auf Grund der Satzung nur von der Verbandsversammlung festgesetzt werden kann, wurden die Mitglieder gebeten, die Beiträge freiwillig in einer der Größe der Aufgaben entsprechenden Höhe festzusetzen und zu überweisen. Beschlossen wurde, eine eigene Zeitung nicht herauszugeben, um nicht durch die daraus entstehenden Kosten die Subventionstätigkeit des Verbandes zu schmälern. Dagegen sollen von Zeit zu Zeit Mitteilungen über die Verbandstätigkeit an die Mitglieder ergehen. Bei der am 29. August in Fulda stattgehabten Tagung des gesetzestreuen Reichsbundes, dem der hessische Verband angeschlossen ist, war dieser ebenfalls vertreten. In der Vorstandssitzung vom 27. Juni wurde beschlossen, im Falle der Mainzer Verband an uns herantreten würde, Verhandlungen auf der Grundlage der Selbständigkeit beider Verbände über die Zusammenarbeit der beiden Verbände in einzelnen Fragen zu begrüßen. Nach einem Schriftwechsel mit einem Bevollmächtigten des Mainzer Verbandes wurden von diesem Verhandlungen, solange sie von der genannten Grundlage aus- 011811 0B08MJ1 Lehrplan für den geseheskreuen Religionsunterricht an höheren. Lehranstalten. Halberstadt, 11. Okt. Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat den vom Preußischen Landesverband gesetzestreuer Synagogen-Geffi41«128 zinzmiMn LshkVlün lük MMM, unterricht UN höheren Leyr«nstalten den ProviNtzl«^- Schülkollegien bekannt gegeben. Entsprechend seinem Erlaß vom 21. April 1926 sind diese Richtlinien dem Lehrplan einzelner Anstalten da zugrunde zu legen, wo die bekenntnismäßigen Bedürfnisse der betreffenden Synagogengemeinden dies erforderlich machen. Die deutsche Friedensgesellschast im Kampfe gegen den Antisemitismus. Heidelberg, 12. Oktober. Die Generalversammlung der Deutschen Friedens-Gesellschaft, die sich an den Heidelberger Pazifisten-Kongreß anschloß, nahm eine Entschließung an, die es allen Ortsgruppen der Friedensgesellschaft zur Pflicht macht, den Antisemitismus auf das Schärfste zu bekämpfen, da er eine schwere Gefahr für den inneren und äußeren Frieden darstellt. DßfflBfSflflQT Duisburg, 11. Oktober. Seit einer Reihe von Jahren werden immer wieder neue Versuche gemacht, die ausländischen Juden, die oft schon mehrere Generationen hindurch deutschen jüdischen Gemeinden angehören, mehr oder weniger stark im Gemeindeleben zu entrechten. Es sind gerade diejenigen Kreise im deutschen Judentum, die in allgemeinen Dingen den demokratischen Gedanken besonders betonen, die aber in ihren eigenen jüdischen Angelegenheiten eben die gleichen demokratischen Grundsätze zu vergessen scheinen und damit auch jeglicher echten liberalen Gesinnung entgegenwirken. Abgesehen von der eigentlich selbstverständlichen Einheit und Gleichheit aller Juden in jüdischen Dingen bedenken diese liberalen Kreise nicht, daß nur durch die Zuwanderung ostjüdischer Menschen das deutsche Judentum in den letzten hundert Jahren dem Untergang entrissen wurde, gibt es doch nur wenige jüdische Familien, die in den letzten Generationen keine ostjüdischen Vorfahren hatten. Nicht einmal die Tatsache konnte in Wirklichkeit reaktionäre Juden zu einer gerechten (und gleichzeitig von jüdischem Geist getragenen) Stellung- MM MMM BSH BIQ8BIM1 fililBEfil «MM» daß bie christliche Regierung der beutschen Staaten niemals einen Unterschied zwischen in- und ausländischen Juden mache (wie es auch in den christlichen Kirchen der Fall ist). Alle Versuche zur Entrechtung der Ostjuden im Gemeindeleben scheiterten daher am Widerstand der Staatsbehörden. Durch Erlaß des preußischen Ministers des Innern vom 4. Mai 1914 wurde jeglicher Unterschied in der Behandlung von Juden in der jüdischen Gemeinde als ungesetzlich bezeichnet. War die Rechtslage auf diese Weise völlig geklärt, so versuchte man im Krieg und Frieden durch Schmähungen usw. den Kampf gegen die Ostjuden, die als Träger von Jüdischkeit nicht gerade beliebt waren, durchzufechten. Auch die Gründung des preußischen Landesverbandes im Jahre 1922 konnte daran nichts ändern, obgleich in seiner Verfassung wie in seinen Resolutionen und Beschlüssen völlige Gleichheit aller Juden, insbesondere in Wahlrechtsdingen eingeführt wurde. Weil das breite Licht der Oeffentlichkeit von diesen Kämpfern gegen alles stark Jüdische gescheut wurde, mußte man schon beim Landesverband die Prinzipien der Demokratie und Gleichheit wohl oder übel beibehalten. Dafür blühte nun um so stärker das vorsichtige Intigrieren. Geflüster und Gebeiwsiirungstve\enr um oer{ja|len unlkrguöbrvmmkn.