Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1926-10-14 · Heft 42 (14.10.1926) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 42 (14.10.1926)
Date
1926-10-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2450388-2450430--73522-2530938
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4 Nr. 42 D«rZ GkMsstN» Wochen hindurch tagte in Wien ein P a neuropäischer Kongreß, beschickt von allen pazifistischen Vereinen und Ligen, denen die Befriedung Europas ein Ziel, fehnlichst zu erwünfchen ist. Die Beratungen und Verhandlungen verdichten sich in einem Manifest, das folgenden Wortlaut hat: „Europäer! Das europäische Gewissen ist erwacht! Der erste paneuropäische Kongreß hat den Willen unseres Erdteiles offenbart, sich zu einigen und zu behaupten. Wir haben uns vereinigt, um den europäischen Bruderzwist zu beenden; um den politischen, wirtschaftlichen und nationalen Haß der Völker Europas zu begraben und an dessen Stelle die friedliche Zusammenarbeit freier Nationen zu setzen ... Vor dieser einen großen Lebensfrage Europas verschwinden alle Gegensätze der Partei, Nation, Konfession." Zum Schluffe werden alle Europäer, alle europäischen Regierungen, der Völkerbund und die Frauen Europas, sowie dis Jugend aujgerüfeüj. sich gn einige MitgUwirWN! llM Allft hau eines geeinigten und einig bleibenden Europa. Daß wir allen diesen Bestrebungen schon aus religiösem Fühlen und Denken unsere vollste Sympathie schenken, bedarf kaum der Erwähnung. Hoffen wir nur, daß diese Beschlüsse, die zwar nicht von den Offiziellen ausgehen, denen aber nichtsdestoweniger unsere besten und erlesenen Geister Pate gestanden haben und die verwandte Saiten in der Brust Ungezählter auf dem Erdenrund anschlagen und hell erklingen lassen, keine frommen Wünsche bleiben. Mög^ der Völkerbund, in dem jetzt auch Deutschland Sitz und mitentscheidende Stimme hat, in diesem Paneuropäischen Kongreß und seinen Beschlüssen seinen stärksten Rückhalt sehen. Daß wir die Freiheit nicht im Sinne einer Assimilation und Amalgamierung auffassen und nicht auf Kosten der bunten Mannigfaltigkeit im Völkerleben, vor allem nicht als eine gler-^rnä^r^e in Arngkn Ws Glaubens und Denkens begreifen wollen, bedarf ebenso wenig der weiteren Erörterung. Einige Bemerkungen zur Methodik der D’W’tf für junge Kaufleute. Von Aernhard S. Aacoöson in Kamvurg. Mit Freude stellt man immer wieder fest, daß nach dem Kriege der Lerneifer unserer Jugend, ihre Begeisterung für die min' zugenommen haben. Lernvereine versenden ihren Stun- '_Der Bit «il 11, denplan, Zeitungsberichte geben Kenntnis van öinsr Wllö VM DsVLllstältnnßen. Nn^vch liegt kein Grund vor, für die Zukunft beruhigt zu sein. Än der Methodik der ä’Tiw muß manches falsch sein, wenn oft trotz jahrelanger, ja, jahrzehntelanger Anstrengung weder Selbständigkeit, noch die Gewinnung echter geistiger Freude durch das Lernen erreicht werden können. Mit vollstem Recht sieht man die Heilung des Schadens im Besuch der na'V'. Aber es kann nicht jeder Vater sein Kind diesen Königsweg jüdischer Bildung gehen lassen. Für den jungen Kaufmann bleibt weiter der .ny'wtm Lernverein nach der Geschäftszeit und am .raty und Sonntag die einzige Möglichkeit, sich im Jüdischen weiterzubilden. Der gute Wille ist bei vielen jungen Menschen da, aber es werden bei den meisten Vereins-arnsnc' Me Teilnehmer nicht genügend zur Mitarbeit herangezogen, sie bleiben Hörer des Vortragenden Lehrers. Nur rezeptive Arbeit wird vom Teilnehmer geleistet, er fjöri gw unb tauft VgM WWkstZ rmchsiMn, Wir wollen vurch Mofa Zöllen Lsitsl' von Lernveremen und die Lernenden selbst auf einige methodische Aenderungen aufmerksam machen, die vielleicht hier Abhilfe schaffen können. Statt des rezeptiven Verhaltens muß die produktive oder reproduktive geistige Tätigkeit der Lernenden gefördert werden. Statt aller theoretischen Erörterung praktische Beispiele. Auch beim yistw muß abgefragt werden. Kein Blatt mm> keine nnr?»- kein -ppv und gewiß kein Kapitel "pn dürfen als durchgelernt betrachtet werden, wenn sie nicht in dem Maße geistiges Eigentum des Lernenden geworden? sind, daß er sich auswendig darüber unterhalten kann. Man kann bei jungen Menschen es leicht erreichen, daß sie alle falsche Scham bei Seite lassen und sich in vollster Freiheit bereit erklären, sich abfragen zu lassen. Mindestens vor Beginn einer neuen nawvoder eines größeren Abschnittes in der mix| der alte üMKkllöig MMMll werben. Man kann Dabei auf Nomen der Gesetzeslehrer,, Genauigkeit in der Wiedergabe von Schriftv.erfen> verzichten. Frage, Schwierigkeit, Antwort, Einwand müssen aber klar herausgearbeitet werden. Will man abfragen können, dann wird der Lernende sich im Hause vorbereiten wollen. Dazu müssen ihm Hilfen gegeben werden. Diese Hilfen für die häusliche Wiederholung müssen formaler und inhaltlicher Art sein. Der Lernende soll sich die ihm fremden Worte aufschreiben, bei aramäischen Worten möglichst das hebräische Aequivalent hinuzfügen; fürs x->»a-Lernen lege man sich eine Liste schwerer Redewendungen und der talmudischen Fachausdrücke an. Eine große Wandtafel im Lehrraum, könnte da gute Dienste leisten. Die inhaltliche , 14. Oktober 1926 .fyilfe für einen gu WsWU M steht darin, daß der Lehrer etwa SttZrbt:: Zur Behauptung werden von der 3 Beweise gebracht, 5.Mal wird versucht diese Beweise zu widerlegen, 8 Mal gelingt dieser Versuch. Ein solches Schema kann dem Lernenden schon Helsen sich zu Hause wieder die Gedankenkette talmudischer Diskussion zusammen, zu reihen. Noch besser als die-mündliche Wiederholung, sie ergänzend und vertiefend, wirkt die schriftliche Ausarbeitung. Ein verregneter Sönntagnachmittag wird dazu benutzt, auswendig den Gedankengang der mm niederzuschreiben . Wichtiger noch' als bei inan scheint uns das Abfragen bei ni'M und D'in. Hier ist es auch leichter durchzuführen. Sollten Schwierigkeiten entstehen, (Teilnehmer wollen fortbleiben, weil sie nicht genug zu wissen glauben, um sich Fragen auszusetzen), so kann der Weg der schriftlichen Fragenarbeit gewählt werden. Rach Beendigung einer rnwv» ober eines j?lQ DDH M 8M: MH« Zill 0UU g. B. fvgVn «SM Lurchgelernt worden ist, diktiert der Lehrer 15 bis 20 Fragen. Die Lernenden schreiben gleich, die Antwort nieder. Dann wird die Arbeit besprochen und von den jungen Leuten selbst verbessert. Niemand braucht so die Zahl der Fehlantworten zu erfahren. Die Selbsttätigkeit der Lernenden kann noch in anderer Weise angeregt werden. Man trifft oft junge Leute, die mit Hilfe des Wörterbuches einigermaßen selbständig nrw» und ]H^>w ni2p jns; lernen können. Reizvoll ist es, solchen jungen Menschen eine Reihe halachischer Fragen -vorzulegen und von ihnen zu verlangen, ir nrw»- und im jnViw nxp die Beantwortung zu finden. Keineswegs soll einem laienmäßigen Entscheiden halachischer Fragen damit das Wort geredet werden. Vertrautheit mit den Halachischen Quellen, ein Minimum von urpn jedoch dürfte so leichter als bisher erzielt werden. 5W fieser DttttS ffllCDO ÜlFlJßÜEH gu korrigieren. Der iisTr. soll zu selbständiger Arbeit anregen. In bescheidenen Grenzen soll daher auch das Referat des Lernenden seinen^ Platz haben. Wird beispielsweise von den Zufluchtsstätten, vbpv ny, gesprochen, dann sollte ein Hörer auf Grund des a"2»i ein Referat über diesen! Gegenstand halten. Wird nvs gelernt, so kann zusammenhängend über nos fmp irabn referiert werden. Das Büchlein vVN nix» von Baruch Bentscher enthält zu allen Geboten und Verboten der nnin die entsprechenden Hinweise auf den v"2»> Manchmal bringen junge Kaufleute von der Schule her historische Interessen mit. Auch diese können und sollten in> den, Dienst des ww stehen. Uber einen tun -xm»« oder pois wird ein kurzes Referent gehalten. Mit Wertheimer beim Frankfurter Baron inUngnadi gefallen war. Wertheimer selber berichtete darüber „Es war in den 50er Jahren, zu Anfang meiner Amtstätigkeit als Rabbiner in Gens da kam Baron Willi v. Rothschild aus Frankfurt a. M. nach Gens zu seinem Bruder Adolf aus- Schloß Pregny zu Besuch. Wie gewohnt, führt« der fKeng geMMM MM WM Ms« Wöalfchochet und Nluellen Koch mit sich auf Do geschah es. daß der Schochet Rothschilds, ohne dü Erlaubnis des Genfer Rabbinats einzuholen, dei bestehenden gesetzlichen Vorschrift entgegen, im öffentlichen Schlachthause Genfs ohne weiteres zu fchächteri sich erlaubt! Ich als junger, eifriger, auf meine Rabbinerautorität und Machtbefugnis damals noch eifrig stolzer Anfänger ließ sofort ein polizeiliches Verbot mit Polizeistrafe erwirken. Dieses Vorgehen empörte den in feiner Macht beeinträchtigten Baron. Er zahlte die verhältnismätzig kleine Polizeibutze, und um sich für die ihm zugefügte „Majestätsbeleidigung" zu revanchieren, Uetz der Baron, jede Polizeiverordnung mitzachtend, seinen Schochet wiederum im ' Genfer Schlachthaus fchächten! Eine neue Butze befürchtete er wenig. Ich jedoch, erzählte Wertheimer weiter, fühlte mich in meiner Amtsbesugnis als Rabbiner beeinträchtigt, und als junger, heißblütiger, unüberlegter Draufgänger, ging ich sofort zu meinem Freunde Camperio, dem damaligen Chef des Genfer Polizeidepärtements, um nochmals Klaae gegen Rothschilds Mißachtung der polizeilichen Vorschrift zu erheben. Ich hatte damals schon bei den Genfer Behörden als Grand- Rabbin einen schätzbaren, großen Einfluß. „Was wollen Sie, bemerkte Camperio, Sie sehen, daß bei dem reichen Rothschild eine Geldbuße keinerlei Wirkung ausjlbt und unbeachtet bleiben wird. Es gibt nur ein Mittel, das mir als Polizeioberster zur Verfügung steht; das wäre. Baron Willi von Rothschild wegen wiederholter Mißachtung und Uebertretung von Polizei Vorschriften aus dem Genfer Kanton sofort ausiveisen zu lassen. Sind Sie als Grand Rabbin mit dieser extremen Verfügung ein- Änben?“ ist LllSMMl. MtDiBlOnMlifiß? Wsist, gab als junger unerfahrener' Rabbiner zu dieser für mich folgenschweren Verordnung meine Beifallserklärung. Das war genug, um bei dem ganzen Hause Rothschild in Ungnade zu fallen, und von da an waren mir dort alle Türen verschlossen. Die Folgen hiervon bekam ich u. a. auch in Paris zu füblen, denn jedesmal, wenn für mich ein vakantes Rabbinat in Paris in Frage kam, trat mir die ungünstige Stimmung der Rothschilds entscheidend dazwischen. (Are Savvatriche vor Gericht). Wie an dieser Stelle vor einigen Wochen gemeldet, bat das Bezirksgericht Leopoldftadt eine Klage des Wiener Hausbesitzers Rabinowitz gegen eine Mieterin, die entgegen dem Mietverträge ihr Gefchäftslokal am Samstag und den jüdischen Feiertagen plötzlich geöffnet bat, mit der Begründung abgewiesen, die Vertragsklausel verstoße gegen die guten Sitten und sei daher ungültig. Wir haben an diesem sonderbaren Gerichtsurteil seinerzeit bereits die notwendige Kritik geübt. Inzwischen hat der Kläger Berufung eingelegt, sodatz die Angelegenheit nunmehr vor einem Senat des Zivillandsgerichtes zur Behandlung kam. Es wurde erneut sestgestellt, daß der Hausherr bei Vermietung des Lokals, entsprechend seinen religiösen Anschauungen, der Mieterin von vornherein die Verpflichtung äuferlegt hatte, ihr Geschäftslokal am Somefas 1mb an i>en Feiertagen geschloffen zu halten. Die Mieterin, die ebenfalls Jüdin ist, hat diese Bedingung 21 Jahre lang getreulich gebalten und erst im März dieses Jahres ihr Geschäft geöffnet. Sie erklärt, datz sie hierzu aus wirtschaftlichen Gründen genötigt sei. mflfrS” «“»frrfi-ti "1 *T [SMatm 10 8ÜW M M l-lleklcrgdn vkn Schaven meken. dm sie durch die Wahrung des Sabbats erleide.. Der Senat hob das Urteil des Bezirksgerichtes Leopoldstadt auf und ordnete die Durchführung eines neuerlichen Verfahrens an. In der Begründung führte der Vorsitzende aus. datz das Berufungsgericht nicht der Entscheidung beipflichten könne, das Klagebegehren verstoße gegen die guten Sitren. Dagegen sei das Gericht der Ansicht, daß der Erstrichter hätte prüfen müssen, ob der Schaden, der der Beklagten durch die Einhaltung des Vertrages erwachse, tatsächlich unerträglich sei. sodatz ihr die Einhaltung der Vertragsbestimmungen nicht mehr zugemutet werden könne. Vermutlich wird die Angelegenheit auch den Obersten Gerichtshof noch beschäftigen. Wochenkalender? vom 16. — 23. Oktober 1836. / vom 8. - 15. Marcheschwan 8887 Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag mm Olt. 16 8 c 17 9 & 18 10 19 11 20 12 21 13 22 14 ii 11 -st -st a"na paiav sin

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.