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Der Israelit · 1926-10-08 · Heft 41 (8.10.1926) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 41 (8.10.1926)
Date
1926-10-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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./ J) e B eil *3C zum n Israeli r C.D-Ci. Organ des Hundes grseyrstreuer jüdischer Kehrer Deutschlands. Aufbau des jüdifcheu Unterrichts und das Lernen in der Schule. Ein Vortrag von Lehrer Schuster in Großkrotzenburg. II. (Fortsetzung). VMrrrst ist Uv Mi^äsch- KU 944 Frau zur Sünbe verführt werben JoiUe unb er ben Lockungen beinahe erlag, erscheint ihm das Bild seines Vaters, und er ist gerettet. Nach Jahren findet er seine Brüder undmöchte seinen Vater veranlassen, zu ihm nach Aegypten zu kommen. Dem Vater bangt. Wie werde ich Josef finden? Ist er noch der treue Sohn des väterlichen Glaubens? Joses räumt diese Zweifel hinweg. Er läßt seinen Vater wissen, daß er sich augenblicklich mit demselben Traktat beschäftige, den er kurz vor seinem Verkauf bei ihm gelernt habe. Ein Bild und gedankliche Einflüsse erretten eine Seele. Wenn ein Kamps zwischen Reinheit und Unreinheit auszukämpfen ist, wenn wir in gefahrvoller Enge uns entscheiden müssen, dann muß ein Wort, ein Bild, ein Gedanke eintreten, um die guten Beweggründe zu stärken. Wenn dann aus dem Innern ein Wort herauskommt wie: Ich soll — oder: Es muß — oder: Ich darf nicht! — oder: Ich will oder will nicht! dann gibt das eine Stärkung von ungeahnter Höhe. So kommt es also darauf an, geistige Bilder und Gedanken der Seele mitzugeben, die gegebenenfalls wirksam werden. Sie bilden religiöse Beweggründe, die im Kampfe der Motive um das Ich von Bedeutung werden können. Solche Kräfte bilden das beste erreichbare religiöse Besitztum in der Seele. Darum werden wir, auf dem Boden kühler, wirklichkeitstreuer Erwägungen, glücklich fein, wenn wir religiöse Gedanken geben kön- NM. M imm alfß toauf mr MMUlM MtzuuM durch gebanklrche Arbeit zu befeftig-en und zu erweitern. Denn nur die Stimmungen, die sich mit dem harten Metall von Gedanken verbinden, werden widerstandsfähig und stark. Sind wir nun reine Intellektualisten?! Nein, durchaus nicht! Wir haben ja in unsever Seele die kostbare Einrichtung, daß sie zugeführte und regelmäßig betätigte Gedanken in gefühlsartige Gebilde umwandeln kann. Gedanken werden zu Gefühlen, zu Dispositionen und Neigungen, die jederzeit wieder Gegenstand des Wissens und Nachdenkens werden können. So tritt also in den Dienst der Glaubens- und Gewissensbildung die Bildung des Denkens und die Bereicherung des Gedächtnisses. Nur durch Erfüllung mit einem Inhalte findet das leere Gefäß feine Bestimmung. Es kann dem Ich nicht genügen, daß es einen unbekannten, unbewußten Sinn haben soll. Mit einem religiösen Inhalt, mit religiösen Gedanken muß -es erfüllt werden zum Zwecke des späteren religiösen Lebens, zu dem wir erziehen wollen. Gefühl, Erkennen und Wollen stehen in engster Verbindung, so daß kein Augenblick des Seelenlebens ohne Beteiligung aller verläuft. Jeder dieser Seiten hat einmal und immer wieder das Geschick, daß sie übermäßig betont und darum auch einmal einseitig zurückgestellt wird. Und solche verschmähte Dinge sind heutigen Tages in der Pädagogik Erkennen und Wissen.. Und trotz allem Irrationalismus muß Wissen und Erkennen auf religitöfem Vod-sn gepflegt werden. Solches Wissen und Er- >«"'«!— fi .k .e •£! •< ©| t SSI £ ct rt rt xxrto m xx ft oft «rls bienen. Wir können aber nicht warten, bis Erlebnisse von selber geboren werden, um sie dann mit Erkenntnissen zu umkleiden. Wir leben alle viel mehr als wir es zugestehen, von den Gedanken anderer. Das aber ist ja das einzige Mittel, um überhaupt etwas mit uns zu erreichen, was etwas wer tist. Durch Wissen und Erkennen kommt alles Fühlen und Wollen zur größten Höhe oder gar Vollendung. Jedes Erleben und Wollen bedarf der intellektuellen Bekleidung oder Begleitung, weil kein Augenblick des Seelenlebens rein gefühlsmäßig ohne jede, wenn auch nur dämmernde Erkenntnis sein kann. Zwar kann man Glauben und Vertrauen haben, ohne je zu wissen, wem und warum ich vertraue. Wir lehnen die Uebertreibung ab, die die Uebernahme der Gedanken anderer verbieten will. Es klingt zwar sehr ideal: erst Erlebnis, dann Lehre — aber es stimmt nicht mit der Erfahrung überein. Die selbständige Erzeugung «tgeiter (Bebet rtfen: <trtf (Brttrtb be<s (ErlÄbntffes ist ■etite zt>e( t^cerrtbe lle(>eir|:pcrrtrt«rtejoj^eiT^-ctr-i |!c^j nur irr dem Ehochem usw. Erst Wissen, dann Erlebnis. „Kann man überhaupt Erlebnisse in der Schule herbeisühren wollen?! Kann man Erlebnisse auch für andere machen? Sind sie nicht vielmehr eine Sache des Zufalls oder der Gnade? Wenn eine Stunde gerät, so daß die Schüler in „hörbarer Stelle" ergriffen dasitzen, dann ist es ein Geschenk; aber machen kann man das nicht. Erlebnisse im echten Sinne kommen eben nur im Leben mit seinen wirklichen, weil aus den Ich-Mittelpunkt des Menschen wirksamen Eindrücken und Einflüssen vor." Fortschritt und Bestand der Gesinnung ist und bleibt an die Pflege des Erkennens geknüpft. Ohne Spalier geht das schönste Obst zu Grunde. Man eiferte gegen Wissen und Erkennen bis niemand mehr etwas wußte und dachte. Staatspräsident Hellpach äußerte sich in einem Vortrage vor den deutschen Philologen in Heidelberg vor kurzem in ungefähr folgender Weise: „Das Uebermaß von Erlebnisunterricht oder Aktivismus muß gedämpft werden. Die Einwirkung auf die Jugend aber wird erschwert durch die in der abendländischen Kulturkrisis begründeten scharfen Ablehnung des Intellektualismus und durch die Einstellung der Jugend gegen den Wert des Wissens. In dem neuen Persönlichkeitsideal steckt viel Gesundes, aber es droht doch die Gefahr, daß der heutige Aktivismus sich ins Utopische verliert, wenn ihm die soliden Grundlagen des Wissens fehlen. Auf der ungeheuren Erweiterung des Wissens beruht doch unsere ganze mmmmimk FassM uvii* zusüMME fua? dtö RMjMak künmn wir das Spalier Herstellen, an dem sie wachsen, können wir das Geleise Herrichten, auf dem sie sich bewegen soll. Wir können Sinn und Verständnis erwecken durch Darbietung für das Empfinden und durch Darbietung von Inhalten für das Verständnis und Geständnis. Wer mit Hellem, wachem Geiste und tiefer Erkenntnis einen inneren Dräng der Gefühle verbindet, wer Schärfe des Verstandes mit Tiefe des Empfindens vereint, wer im inneren Drange sich seines Weges stets bewußt ist, der erlebt Höhen des reinen Lebens, der schaut Seligkeit und Wonne reichen Glücks, dem reifen Genüsse höchster Menschlichkeit schon hier auf Erden. Im stillen Wunsche nach solcher Größe verzehrt sick mancher mit heißem Bemühen. Er sieht das Herrliche mit flimmernden Augen unbezwingbar vor ihm fliehen. Aus ihm spricht des Dichters Wunsch: „Mich erglüht von Deiner Gnade, Mich zermalmt von Deiner Größe, Nimm und weih mich zum Gefäße — Fülle mich, ich lieg und lausche." III. Die Notwendigkeit des frühen Lernens ist unbestritlen. Wir können also über diesen Punkt jetzt zu der mehr praktisch-methodischen Seite übergehen. Ueber die Methode des jüdischen Lernunterrichts soll auch hier nicht gesprochen t»erb-ert -— es gilt für ihn tmc für jeb-ert Wnievrisfjt — ev fei ffychPlPFifch' Wfb difch richtig. Das Matz aller Methode ist das Kind. Die Methode unter Zugrundelegung der psychologischen Gesetze zu meistern und sie jeweils richtig zu gebrauchen, macht uns zu Lehrern und rechten Erziehern. Unsere Ausführungen seien daher nur eingestellt auf den einen Punkt: Wie baut sich der Stoff des jüdischen Unterrichts auf? Der Schule Aufgaben zuzuweisen, ist nichts Neues. Alle 2—3 Jahre ertönt eine neue Fanfare. Neues, noch nie Dagewesenes wird angepriesen. Mit größter Ueberredungskunst tritt man unter Anführung von Gründen und Scheingründen dafür ein. Als letztes Mittel, die neueste Entdeckung als Fach der Schule einzugliedern, wird dann die Modernität ins Treffen geführt. Wer ist dann nicht überzeugt?! Jeder will doch ein moderner Lehrer sein und gleichen Schritt halten mit der Zeit. So sprach und spricht man von „Kunst in der Schule", non fpielenbem, hrnmnfifrf) bnrücHcnb-cm Unterricht, oom 3ücr?-r Slrbetls-, ^iaaisbilrgerltc^ert Unterrichts iO unb 60 Minutenturnen, Wundern, Anweisung zur Obstpslege usw. „Wer zählt die Völker, nennt die Namen, die gastlich hier Zusammen kamen." Nun soll der jüdischen Schule auch noch das „Lernen" aufgepackt werden, soll das jüdische Kind hineingeführt werden in das' große Meer des rabbinischen Schrifttums. Schrecken wir jedoch vor der Größe der Ausgabe nicht zurück. Nicht hindurchführen, nur hineinführen sollen wir das Kind, sollen Wegbereiter sein dem Kinde. in» biv2v wm -pi us ibv ibo- „Führet aufwärts, führet aufwärts, bahnet den Weg, hebt hinweg das Strauchelwerk aus dem Wege meines Volkes!" Es muß geschehen! Ein jeder muß sich mit der Tatsache, trotz der wenigen Stunden, die uns lehrplanmäßig zur Verfügung stehen, abfinden. — Vor dem Kriege standen der Einführung des Lernens unendliche Schwierigkeiten von Seiten der aufsichtsführenden Behörde entgegen. und n^sn-Uebersetzen wurden unter der Bezeichnung „Religion", worunter man eigentlich systematischen Religionsunterricht verstand, gelehrt. Daher entstanden in Anlehnung an das Wort nach Abschaffung der Allgemeinen Bestimmungen so viele Religionsbücher mit dem bekannten, reizvollen Frage- und Antwortspiel. Uebersetzen galt als fremdsprachlicher Unterricht. Die höhere Schule wachte eifrig über ihre Domäne. Es war eine Versündigung gegen den Geist, Sprachunterricht in der Volksschule zu erteilen. Der Klassenstäat verlangte eine strikte Trennung zwischen oben MS MM, MWkll WkM MS MÜkM MMN: 6ll WigSk Mt srstksöt man Hin Amd-jn-NandatHMsn dsk beiden Arten von Schulen. Man spricht von Einheitsschule, Aufbauschule usw. Heute, wo der Religionsunterricht mehr der privaten Initiative überantwortet ist, ist es uns freigestellt, wie wir die fünf Stunden ausnützen wollen. Lasset sie uns nützen d’bw arS Wenn das Kind geläufig deutsch zu lesen vermag, ist es bei seiner Gedächtniskraft ein Leichtes, in einem Vierteljahre einigermaßen hebräisch lesen zu lernen. Das Kind verlangt hierbei gar keine weitschweifige Einführung. Aus Interesse und Lustgefühl arbeitet es sich fast selbständig durch die hebräische Lesefibel. Sprach- und Sprechschwierigkeiten müssen erklärt und behoben werden. Immerhin überlasse man die Kleinen nicht den älteren Schülern. Es wird wenig erreicht und viel verdorben. Es zeugt von Unkenntnis der einfachsten psychologischen und methodischen Grundsätze, wenn man das sechsjährige Kind Stümpern überläßt. Nur der Lehrer, der Seelenkenner, darf sich an das zarte Kind heranwagen. Grundlagen müssen und sollen geschaffen werden für alles Hohe, Wertvolle. Es gilt, die Seele des Kindes nicht zu töten, sondern sie zu beleben. Treu sei der Unterbau. nicht wankend und schwankend. Darum richte selbst den Grund, Bauherr und Baukünstler. Es ist dem Kinde eine liebe Beschäftigung, die der hebräischen Lesefibel angefügten jüdisch-deutschen Buchstaben und Worte zu entziffern. Ich lasse es mir Zeit kosten, die einzelnen Puchstaben klar erkennen zu lassen, Sie sind die besten greller pr tmr Let un|ci-m Ipaieren Lernen fp dringend benötigen. Im zweiten Schuljahre wird das Kind in das Uebersetzen eingeföhrt, vielleicht mit Hilfe des Buches von Levi, Herzberg oder Abraham, die recht gute Dienste leisten können. Im Hinblick auf das uns gesteckte Ziel werden die den Kindern bekannten Worte in Druckschrift ohne Vokale angeschrieben und längere Zeit zwecks Wiederholung stehen gelassen. Es fällt den Kindern nicht allzuschwer, das Bekannte zu erkennen und zu lesen.

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