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Der Israelit · 1926-10-08 · Heft 41 (8.10.1926) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 41 (8.10.1926)
Date
1926-10-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Sette 4 Nr. 41 8. Oktober 1926 Im ÜbErgsrr dichtst sich bar Aufsatz, rote <ms bem 3BMÜAUi H4i mi)lr gegen kU -jükt|<^e M e { j g j - onsg«m*in|4<tfi, sondern „gegen die jüdische Rasse"; eine Beschimpfung nach dieser Richtung ist daher nicht als Religionsvergehen, sondern allenfalls als Beleidigung zu würdigen. Die Verfolgung einer solchen kann im Wege der Prwatklage erfolgen. Das Verfahren wegen Religionsvergehen war daher einzustellen. gez. Unterschrift." Wenn man einer Gemeinschaft nachsagen darf, daß sie von Religionswegen unaussprechliche Schandtaten begehen darf und begeht, so sollte doch der Herr Erste Staatsanwalt zu Bamberg sagen, was eigentlich Massenverleumdung sei. Wissenschaft und Mitleid. In der „Jüdischen Rundschau" und anderen jüdischen Zeitungen ist eine u. a. auch von Moses Auerbach, I. Wohlgemuth, M. Wiener (neben Dubnow, Elbogen, Soloweitschik) Unterzeichnete Erklärung veröffentlicht, die sich gegen eine Kritik von Lazarus Goldschmidt richtet, welche dieser dem vor sieben Jahren ^erschienenen Haskala- Vnch von ®r. Sofe| 9K e1 {i in einer der letzten Nummern der „Jüdisch-Liberalen Zeitung" zuteil werden ließ. In der Erklärung wird „im Interesse der Reinheit oer literarischen Sitten" gegen den Ton der Kritik mit aller Entschiedenheit Einspruch erhoben. Es verstoße gegen die Würde der Wissenschaft, wenn „Jrrtümer eines Autors in dieser Weise zur Herabsetzung seiner ganzen Gelehrtenarbeit benutzt werde." Der Sachverhalt ist kurz folgender: Herr Joses Meist schrieb ein Buch unter dem Titel „Haskala, eine Geschichte der Aufklärungsbewegung der Juden in Rußland". Das Buch fand eine gute Presse. Verschiedene jüdische Zeitungen, auch solche, die auf Niveau halten und es mit der Würde der Wissenschaft ernst nehmen, wie das „Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur", die „Monatsschrift der K. C.-Eorporationen", „Der Jude" u. a. m. brachten günstige, empfehlende, zum Teil sogar begeisterte Rezensionen. Einzig die bekannte hebräische Monatsschrift „Hatekufah" schien sich die Zeit und Muße genommen zu haben, sich den Casus näher anzusehen und der Nszsnssnt, rvohl sin 35eru|ener und Zuständiger, fpmmi gu einem geradezu vernichtenden Resultat. Es wird Meist nachgewiesen, daß er all seine Kenntnisse der Dinge nicht aus der Quellenliteratur geschöpft und nicht aus erster Hand bezogen, sondern sich seine „literaturgeschichtlichen" Abhandlungen nach Notizen aus Abschriften und Uebersetzungen und verschiedenen Zitaten in hebräischen Büchern, die er im Original kaum lesen kann, zusammengeschustert hat. Von „Jrrtümern" wähnen, datz heute nur mehr 41 aus Papier und 10 aus Pergament gedruckte Exemplare erhalten sind. Von den letzteren sind in Berlin (Staatsbibliothek), Göttingen (Universitätsbibliothek), Rom (Vatikanische Bibliothek), Paris (Nationalbibliothek) und London (British Museum) je ein Exemplar, in Leipzig (Universitätsbibliothek und Buchmuseum) zwei Exemplare und in Amerika schon drei, die Dr. Bollbehr, Huntington und Morgan gehören. Die europäischen Exemplare sind ausnahmslos staatlicher Besitz. Die meistens in zwei (das St. Pauler in drei) Foliobänden gebundene Bibel hat 641 Blätter zu durchschnittlich 42 Zeilen. Das Werk hat keinen Druckvermerk, ist also ohne Angabe des Ortes, der Zeit und dss Druckersdie uns nur aus Dssmsükstt und Untersuchungen bekannt sind. Wir wissen mit Sicherheit, datz die Bibel in den Jahren 1453 bis 1466 von Gutenberg in Mainz gedruckt wurde. Sie hat mit Absicht das Gepräge mittelalterlicher Handschriften, Jnitialien und Ueberschristen sind mit der Hand eingemalt. G. W. Zapf, einer der ersten, die das St. Pauler Exemplar beschreiben, meint, „sie möchte eine von denjenigen Bibeln seyn, die Faust noch als gedruckt für ein Manuskript verkaufte". Heinrich Sander hingegen sagt in seiner Beschreibung einer Reise nach St. Blasien, wo die Bibel ursprünglich sich befand, „es scheinen schon litterae fusae zu seyn, weil Buchstaben und Zeilen gar gleich sind. Auch am Ende des letzten Theils ist gar keine Subskription«. Das St. Pauler Exemplar ist durch einen Glücksfall dem großen Brande des Klosters von St. Blasien 1768 entgangen. In den napoleonischen Kriegen wurde die Bibel von den Franzosen in Sicherheit gebracht und kam bald darauf in das Stift St. Paul in Kärnten. _Set IfiMltt fmin MW nW Die Rede sem, MIM er von einem Rstböi M M. Smrk „W a 1N?n" spricht weil er nicht weiß, daß der hebräische Ausdruck „Wossikin" eine Gruppe der '„Ganzfrommen" bezeichnet, denen der Rabbi angehörte: wenn er Üfe Namen der diversen hebräischen Schriftsteller des vorigen Jahrhunderts nicht so schreibt, wie sie sich selber in ihren hebräischen Büchern genannt haben, sondern wie sie in russischen oder deutschen Uebersetzungen bezeichnet werden, oder wenn er beispielsweise auf Seite 182 von 613 Glaubensartikeln spricht, die L i l i e n b l u m in einem Buche „Hearoth wetikunim", herausgegeben von der Gesellschaft „Mekize Nerdamim" erwähnt. 613 Glaubensartikel gibt es so wenig wie eine Schrift „Hearoth wetikunim" mit einem Lilienblum als Verfasser, und „Mekize nirdamim" weckt bekanntlich nur alte Schriften aus dem Schlafe und Staube der Bibliotheken und Archive zu Licht und Leben. Von „Jrrtümern" kann auch nicht die Rede sein, wenn Meisl in seinem Haskala-Buche Bücher nennt, die gar nicht existieren, zum Teile auf Bücher verweist ohne 'skMnsngaDk; Wer eine ütümaU nennt Die Die betreffenden Bücher gar nicht mehr besitzen. Es ist dies nur ein kleiner Bruchteil der Meist nachgewiesenen „Jrrtümer". Auch von Druckfehlern kann man nicht reden, wenn man nicht das ganze Buch als solchen sehen will . . . Allein, das ist nicht unsere Sache. Lazarus G o l d s ch m i d t hat das Buch nach der „Hatekufah" in der „Jüdisch-Liberalen Zeitung" einer vernichtenden! Kritik unterzogen, und sein Beweismaterial gegen Meisl und dessen Buch ist so lückenlos, daß das Werk wissenschaftlich als erledigt betrachtet werden darf. Ton und Form der Goldschmidt'- schen Artikel sind scharf, mit ätzender Ironie durchsetzt. Form ist eine Sache des Temperamentes und Geschmackes, über den sich nicht streiten läßt. Daß in der Sache Goldschmidt recht hat, kann keiner mehr bezweifeln. Um so befremdender mutet die obenerwähnte Erklärung an, die dem Autor „Jrrtümer" zu gute hält und von einer „Würde der Wissenschaft" spricht. Die Würde der Wissenschaft scheint uns in diesem Fall nicht der Kritiker verletzt zu haben, sondern der Autor, der in dilettantisch leichtfertiger Weise, ohne alle KmnMiZ Der Lmellenlimatur, ein Werk über eins knltM'gsschtchtltch bedeutsame Periobe bes vorigen Jahrhunderts zusammenträgt und dieses als „Wissenschaft" in die Welt setzt. Die Ehrenerklärung für Meist und die Beteiligung von Männern, die in der jüdischen Wissenschaft ein Wort mitzureden haben, scheint aus dem Gefühle des Mitleids geboren zu sein. Mitleid ist gut jüdisch, aber.hier dürfte doch die Wahrheit den Vorrang verdienen. (Der Jude). Unter dieser Ueberschrift berichtet „Die Seelsorge", eine katholische Zeitschrift folgenden empörenden Vorfall: „Sitzt da ein jüdischer Verlagsbuchhändler, "den ichrrgut kannte» in unserer schlimmsten Zeit zur Messe in Leipzig im Hotel. Da kommt ein barfüßiger Knabe und bietet Schnürsenkel an. Weil der Junge gar so elend aussah, läßt der Buchhändler ihm Essen geben. Der Knabe bittet, ob sein Bruder, der draußen wartet, wohl miteffen dürste. Der Mann bestellt auch diesem barfüßigen Jungen Essen. Aber die Gäste murren: sie dulden nicht, datz barfüßige Jungen im Gastzimmer essen. Der Direktor des Hotels muß den Verleger bitten, die. Jungen wegzuschicken, die Gäste wünsche» es. To vermeDen DeulM „öDriften“ Den Deutschen Juden aus dem Hotel, »eil er gut rvar>. Wochenkalender. vom 9.—16. Oktober 1926. / vom 1. — 8. Marcheschwan 6687 fl Samstag Okt. 9 1 r »in snm '2 m Sonntag 10 2 Montag 11 3 Dienstag 12 4 Mittwoch 13 5 Donnerstag 14 6 Freitag 15 7 Samstag 11 8 Agudas Jisroel; ' / vor dem Völkerbund. Referat ü o n F r a uA. Mckfell, erstattet der Permanenten Mandat-Eommissiom in ihrer Sitzung vom 23. Juni 1926. (Wörtliche Uebersetzung.) „Das von der Agudas Jisroel dem Präsidenten und den Mitgliedern der Permanenten Mandat-Commission unterbreitete Schriftstück vom 11. Oktober 1925 ist keine Petition im eigentlichen. Sinne des Wortes. Es ist ein Memorandum zur Unterstützung einer Petition, die von der jüdisch-aschkenasischen Gemeinde in Palästina, dem Waad Hair Aschkenasi, eingereicht worden ist,, über welche die Commission in den Berichten über ihre 7. Session sich bereits äußerte. , Die Agudas Jisroel wurde gegründet, um ein Gegengewicht gegen den Zionismus zu schaffen und um in einer allgemeinen Organisation alle' ihrer MMsen LraDUwn treu nnhnngMDm 3ns Den Zusammsnzusüsseu, gegenüber einer Organisation, die die Tendenz hat, alle Juden aus rein politischer Grundlage zu organisieren. Agudas Jisroel glaubt, daß die Gemeinschaft orthodoxer Juden in Palästina, der Waad Hair Aschkenasi, seine Gewissensfreiheit und fein Recht auf freien Kultus verloren hat, dadurch, daß er gezwungen ist, dem Nationalrat (Waad Leumi) einverleibt: zu bleiben, in dem politische und religiöse Kompetenzen unlösbar miteinander verquickt sind, und wo demgemäß das religiöse Prinzip rein politischen Faktoren untergeordnet werden kann. Agudas Jisroel macht sich die Klage des Waad Hair Aschkenasi zu eigen, sowohl hinsichtlich der gegenwärtigen Lage der orthodoxen Gruppe in ihrer Beziehung zum bestehenden Waad Leumi als auch hinsichtlich des Gesetzentwurfes über die Bildung einer jüdischen Gemeinschaft. Mit Bezug auf die gegenwärtige Lage behauptet sie, daß vor der Bildung des Waad Leumi der Waad Hair Aschkenasi im unbestrittenen Besitz der Freiheiten war, deren er später beraubt wurde, und mit Bezug auf die Schaffung einer allgemeinen pa- WinensiWftllDisHen Gemeinsam fieanfpruc&t sie für Den Waad Hmr Aschkermst bas Recht, eiu^ absolut unabhängige religiöse Gemeinschaft zu bilden. Die Mandatarmacht hat zu dem Memorandum der Agudas Jisroel Erklärungen abgegeben. Gemäß den in diesen« Erklärungen gegebenen Informationen und nach den Angaben der interessierten Gemeinde selbst kann die Gruppe des Waad Hair Aschkenasi auf eine Zahl von nicht über sechstausend Personen ungefähr angegeben werden, während die gesamte jüdische Bevölkerung Palästinas ungefähr hundertvierzigtausend ist. Unter der ottomanischen Herrschaft waren weder der Waad Hair Aschkenasi noch irgend eine andere Gruppe der aschkenasischen Juden offiziell anerkannt. Er war vielmehr als Gesellschaft unter dem ottomanischen Gesellschafts-Gesetz registriert, und unter der britischen Militärverwaltung wurde er — und wird tatsächlich auch heute — unbegrenzt als solche anerkannt. Er hatte unter der ottomanischen Herrschaft kein eigenes religiöses XriDunot unD Dll llllf (ShihD Der ^»crlafUnenfifchen Order of Council Art. 51 nur diejenigen religiösen Gemeinschaften anerkannt werden konnten, die v o r h e r gebildet waren und Gericht sbarkeit ausübten, so wurde kein gesondertes religiöses Tribunal dieser Gruppe von der bürgerlichen Regierung anerkannt. Nach der Errichtung der bürgerlichen Regierung ging die jüdische Bevölkerung Palästinas im Jahre 1921 dazu über, sich zu organisieren, sowohl in religiösen als in profanen Angelegenheiten. Sie schuf einen Rabbinischen Rat, bestehend aus einem sephardischen und aschkenasischen Oberrabbinat und drei Rabbinen jeder Gruppe. Sie konstituierten auch eine gewählte Versammlung, die durch geheime Abstimmung der mündigen Juden geschaffen wurde. Diese Versammlung ernennt ein Exekutiv-Committee unter dem Namen Waad

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