Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 40 (5.10.1926)
- Date
- 1926-10-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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4 Dfr» 4P L OßtODer 1838 2T C r Spur eines Ritualmordes vorliegt. Dieser Befund wurde veröffentlicht. Anerfreuliches aus Posen. Posen, 12 .Sept. Ein Beispiel für die Verkümmerung des jüdischen Lebens in der Provinz Posen als Folge des polnischen Antisemitismus bietet die Stadt Rawicz. Die jüdische Gemeinde dieser Stadt zählt zu den ältesten der Provinz Posen. Die im Jahre 1892 mit großem Kostenaufwand erbaute Prachtsynagoge befindet sich im Zentrum der Stadt. Außerdem besaß die Gemeinde ein nach den Prinzipien modernster Hygiene erbautes rituelles Bad, ein zweistöckiges Wohnhaus für die Beamten der Gemeinde nebst Versammlungssaal und Bibliothek, ein Krankenhaus, ein Altersheim und viele andere Institutionen. Seitdem die Provinz Posen an Polen fiel und der polnische Antisemitismus zur Blüte gelangte, setzte auch in Rawicz eine starke Abwanderung des jüdischen Elements ein. Von den früher hier lebenden mehreren Hunderten jüdischen Familien B&rhl«faan Iwt ganzen gtoöl^ gamilten mit 35 Seelen. Unter dem Vorwand der Mchtexiflenz einer Mischen Gemeinde beschlagnahmte der Bürgermeister von Rawicz noch Ende 1923 das gesamte Vermögen der jüdischen Gemeinde, Synagoge, Bibliothek, Bad, Wohnhäuser usw. als Staatseigentum. Die jüdischen Gemeindemitglieder konnten in der Nacht vor der Beschlagnahme die Thorarollen retten. Das rituelle Bad wurde in eine städtische Badeanstalt umgewandelt, der große Sitzungssaal der Gemeinde wurde den antisemitischen Jugendbünden zur Benutzung übergeben, die Greise und Greisinnen wurden aus dem.Altersheim vertrieben und in ein enges Zimmer gepfercht. Der Schlüssel zur Synagoge befindet sich beim Magistrat. An den jüdischen Feiertagen schließt ein Magistratsbeamter die Synagoge auf, um die Andächtigen einzulassen. Am Tage des letzten Schwuausfestes erschien während der Andacht ein höherer Magistratsbeamter in der Synagoge, konstatierte, daß zu wenig Andächtige vorhanden seien und zwang die Anwesenden, das Bethaus zu verlassen. Unter dem Gespött der Einwohner entfernten sich die Andächtigen, die Thorarollen und Gebetutensilien mit sich tragend, um in einem Privathause die Andachtsübung zu beendigen. Zuletzt hatte der Magistrat zwei Beamte der jüdischen Gemeinde, Lnbelski und Engel, samt Familien aus dem Beamtenhause der Gemeinde exmittiert, weil sie sich unter Hinhweis auf tyrm mrm mit M WMs» (Bimimk hrnt>en, bem Magistrat Mietzins gu zahlen. Das sind nur einige Daten aus der Geschichte der Leiden der Juden in Rawicz. Die Vertreter der jüdischen Bevölkerung mit Herrn Rabbiner Dr. Freiman aus Posen an der Spitze haben bei der Warschauer Regierung interveniert und den Bescheid ehalten, der Magistrat von Rawicz werde angewiesen werden, das der jüdischen Gemeinde entzogene bewegliche und unbewegliche Vermögen dieser zurückzuerstatten. Bis heute jedoch ist diese Angelegenheit nicht erledigt. Herr Nissim Tager ist während seines kürzlichen Besuchs in Zentral-Arabien mit den Führern des Stammes zusammengekommen. Der Stamm zählt 60.000 Angehörige, von denen etwa 30.000 Waffen tragen. Der Stamm hat mit den kriegerischen Wahabiten einen Vertrag über gegenseitige kriegerische Hilfe geschlossen. Zahlreiche Stammesangehörige haben an der Seite der Wahabiten gekämpft und große Erfolge errungen. In Zentral-Arabien ist der jüdische Beduinenstamm als der „Haiber-Stamm" bekannt. Die Angehörigen ernähren sich von Viehzucht. Einige der obersten Adjutanten des Wahabiten-Sultans Jbn Saud sind Haibars. Auch der Schatzmeister Jbn Sauds ist Jude und heißt Mordechai ^err Mssim TKger erzählte von dein Familien- und dem religiösen Leben der Haibars. Sie beobachten streng Sabbatruhe, feiern das Jom-Kippur-Fest und üben das Ritual der Befchneidung. Der Stamm besitzt eine uralte Thora-Rolle. Das Ideal der Stammesangehörigen ist es, nach Palästina zu kommen und dort in einer jüdischen Armee Dienst zu tmh (Die Ausgrabungen der dritten Mauer von Jerusalem.) Unter der Leitung von Dr. Mayer, Beamter des Antiquitätendepartements der Regierung, und von E. L. Sukenik, Vertreter der Jewish Exploration Society, wurde ein vollständig erhaltener Teil des Fundaments der dritten Mauer (Agrippa-Mauer) von Jerusalem in der Breite von 4 Metern zugleich mit den Ruinen eines großartigen Baues aus der byzantinischen Periode ausgegraben. Die ersten Spuren dieser Mauer wurden bemirnffi© llil NlMsl ooriflsn mm untDotff. NM st muht sich setzt darum, die Aerbindung Mischen W dritten und der zweiten Mauer ausfindig zu machen. Diese Ausgrabungen ermöglichen eine Rekonstruktion Ausschreitungen gegen Juden. in dem jetzt polnischen P om ereile »häufen sich. Besonders krasse Fälle werden aus Bromberg gemeldet, wo jüdische Passanten in den Straßen fortwährend Insulten seitens einiger Huligans ausgesetzt sind, ohne daß die Polizei sich veranlaßt steht, einzuschreiten. Es kam ein Fall vor, da ein von Huligans belästigtes jüdisches Ehepaar die Hilfe der Polizei anrief, die Polizisten brachten beide Parteien in die politische Abteilung. Dort mißhandelten die Huligans das jüdische Ehepaar in der grausamsten Wiese, wobei die Polizisten auf Kosten der Mißhandelten Witze machten. Wie jetzt aus Rawicz gemeldet wird, wurde die dortige Synagoge während der letzten Roschhafchono-Tage zur Andacht nicht freigegeben. Die jüdische Einwohnerschaft, auch 16/ jüdische Soldaten, verfügten über keine Andachtsstätte. Vor der Wiederaufrichtung der jüdischen kutturautonomie in Litauen. K o w n o , 16. Sept. Der Vorsitzende der jüdischen Fraktion im Litauischen Sejm, Herr Dr. I. Robinson, hielt eine Besprechung mit dem Ministerpräsidenten Litauens über jüdische Angelegenheiten ab. Der Ministerpräsident versprach, der Herbstsession des litauischen Sejm eine Vorlage betreffs Aenderung des Gesetzes über die Zwangssonntagsruhe, sowie über die Verwirklichung der jüdischen Autonomie zu unterbreiten. Innerhalb der Fraktion der jüdischen Sejmdeputierten 'werden gegenwärtig Beratungen über die Form der Autonomie gepflogen. (ITA.) Gestrandete jüdische Emigranten. L o n d o n, 15. Sept. Auf der Generalversammlung des Vereins für Beschaffung von Zufluchtsstätten für verfolgte Juden (Jews' Temporary Shelter) berichtete der Präsident Otto Schiff, daß der Innenminister Sir Williams Joynson- Hicks den 200 wegen der Einwanderungseinschränkung in Amerika im Hafen von Eastleigh bei Southampton sitzen gebliebenen Emigranten die Erlaubnis erteilt hat, ihren Aufenthaltsort, das Flüchtlingslager in Eastleigh, zu verlassen und nach London zu ziehen, unter der Bedingung, daü sie das ihnen zugsrnisssns ülrfceiisge&iet nicht »er. MK auMfmhrm trag jetzt von britischen Arbeitskräften besorgt wird. Vor 3 Jahren, so teilte Herr Otto Schiss weiter mit, waren in Eastleigh 1200 gestrandete Emigranten: jetzt waren nur noch 200 verblieben. Die Schisfsgesellschaften, die gemäß den Verträgen für den Unterhalt der Emigranten zu sorgen hatten, wandten sich vor kurzem an den Innenminister mit dem Ersuchen, sie von dieser Pflicht zu befreien. Im Zusammenhanng damit intervenierte Herr Schiff beim Innenminister und erhielt die Zusicherung, daß den Emigranten erlaubt werden wird, in Engder dritten Mauer in der Länge von 500- Aard laufend vom Dominikaner-Kloster St. Stephen bis zum russischen Platz. Der gesamte nördliche Teil der Mauer ist jetzt freigelegt worden. (Aprilscherze im Tischri.) Eine Großgemeinde hat zum ersten Mal seit ihrem Bestehen eine Gemeinde-Sukkoh ausgestellt und teilt dieses frohe Ereignis ihren Mitglieder!^ wie folgt mit: „Die im Hofe der Synagoge neuerstellte Sukkoh steht den Mitgliedern und ihren. Angehörigen für dre in der Sukkoh zu verrichtenden Gebete zur Verfügung." Leider bat der, Vorstand t»ergetfen mttsnteiten, äüüt tzlrnchssl »erten | offen, jxr in anderen Tcme'tnhen die Sukkoh benützt wird, UM in ihr gU speisen. Der Gemeindeoorstand einer sich konservativ nennenden Gemeinde will für Rosch-Haschonoh einen Jugendgottesdienst mit Ansprache des Rabbiners einrichten. Bei der Beratung der maßgebenden Persönlichkeiten über die beim Jugendgottesdienst einzuführenden Gebetsordnung wird vorgeschlagen, von Borachu bis nach der Schachris- Sch'monesre und darauf Halle! zu beten. In der Religionsschule der gleichen Gemeinde werden die Kinder über die Anordnung der Selichoth aufgeklärt und es wird ihnen mitgeteilt, daß wenn Rosch-Haschonoh auf Donnerstag und Freitag fällt, die Selichoth am Sonntag vorher anzufangen. Wenn jedoch Rosch-Haschonoh auf Montag und Dienstag fällt, beginnen die Selichoth eine Woche früher und existieren daher mehr Selichothtage. Ein dritter, allerdings nur selten eintretender Fall sei, wenn Rosch-Haschonoh auf Mittwoch und Sonnentag J«aef «006,! ^enJ«W| M Z8MW M Selkctzysy angesangen weide und daher die kleinste Anzahl von Selichothtagen bestehe. m-', land zu verbleiben. Mit Vertretern des Iewish Board of Deputies und anderen jüdischen Körperschaften verhandelte Herr Schiff über Maßnahmen, diese 200 Emigranten in eine Lage zu versetzen, daß sie selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen können. Präsident Coolidge's Rosch Haschonoh-Gruß an die amerikanische Iudenheit. Ne w y o r k', 17. Sept. Der Präsident der Vereinigten Staaten, Herr Calvin Coolidge, hat auch in diesem Jahre aus Anlaß des jüdischen Neujahrsfestes eine Botschaft an die amerikanische Iudenheit gerichtet, in der er die hohen Verdienste der jüdischen Bevölkerung in Amerika um die sittliche und materielle Wohlfahrt des amerikanischen Landes und Volkes würdigt. Die jüdische Rasse, so schreibt er, war für die Entwicklung des amerikanischen Volkes von außerordentlichem Vorteil. Sie hat in wohltätiger Weise auf bis i^orm unferer Negierung emgemtrft. ©i-e bekundete einen Geist der sittlichen Höhe, der wohl wert war, von uns nachgeeifert zu werden." Mein Wunsch ist es", so schließt die Botschaft, „daß das jüdische Volk im kommenden Jahre zu unserer sittlichen und materiellen Wohlfahrt in gleicher Weise beitragen möge, wie im abgelausenen Jahr." Ritual-Weinhandlungen in Amerika geschlossen. Newyork, 8. Sept. Der Direktor der Prohibition, Chaster Mills, verfügte die Schließung von 250 Weinhandlungen ,die eigens^ zu dem Zweck eingerichtet waren, die religiös gesinnten jüdischen Familien unter der Aufsicht der Rabbiner mit Ritualwein zu versorgen. Die Rabbiner wurden angewiesen, den Ritualwein in ihren eigenen Wohnungen oder in den Synagogen zur Verteilung zu bringen. Ursache dieser Maßnahme ist, daß eine Anzahl dieser Weinhandlungen mit Alkoholschmugglern in Verbindung gestanden haben soll. Jede jüdische Familie hat Anspruch auf jährlich 5 Liter Ritualwein. Die Rabbiner Newyorks beauftragten den Advokaten Samuel Joseph, gegen die summarische Verfügung Chaster Mills Einspruch zu erheben. Die Zeitungen stellen fest, daß die antijüdische und antikatholische Geheimorganisation Ku Klux Klan einen Prozeß der Zersetzung durchmacht und dem Unterllllllsi gölllölhk ist. ID-It? |ii|Wr ffiüans Hai gang i>e« $*nfiujj auf die Massen verloren. (ITA.) palastt««. Palästinensische Bürgerschaft für jüdische Exsoldaten gebührenfrei. Jerusalem, 9. Sept. Es verlautet, daß der Oberkommissar demnächst den Naturalisationsbeamten die Instruktion erteilen wird, daß Juden, die früher in der britischen Armee gedient oder einem der jüdischen Bataillone (38., 39. und 40. Bataillon der Königlichen Füsiliere) angehört haben und jetzt in Palästina leben, die paläistnensische Bürgerschaft unten Befreiung von allen Gebühren erwerben können. Personalien. Mederaula, 19. Sept. Dicht gedrängt strömten dieser Tage feierlich gekleidete Mäner und Frauen der hiesigen Synagoge zu. Angehörige aller Konfessionen, Vertreter der Staats- und Schulbehörden, Geistliche, zahlreiche Lehrer, viele Freunde und ehemalige Schüler des Lehrers Jakob Wans nerfammetien sich su dessen 40iä{>riHein Jubil*".h flft 05 i ' ' > » ö II“1 Mi*ISilH £iußiiaum uni. feö. — eine stattliche Versammlung, die bewies, welch hoher Wertschätzung der Jubilar sich allgemein erfreut. Feierlicher Chorgesang fettete stimmungsvoll die Feier ein. Die jüdische Gemeinde dankte durch den Gemeinde-Aeltesten, Herrn Levi, ihrem Lehrer Ar seine 40jährige erfolgreiche Tätigkeit in der hiesigen Schule und Gemeinde, für seinen klugen Rat und seine Hilfe, besonders in den harten Kriegsjahren. In weihevoller Festpredigt sprach Herr Provinzialrabbiner Dr. Cahn-Fulda von der hohen Bedeutung des israelitichen Lehrers als Kultusbeamten und würdigte die Verdienste des Jubilars und dessen' Vorbild für die sittliche Lebensführung in der jüdischen Gemeinde. Für 40jährige erfolgreiche und oft von der Behörde anerkannte Lehrertätigkeit dankte Schulrat Wendling-Hersseld; Landrat Kirschbaum-Hersfeld brachte zum Ausdruck, daß er sich! von der vielseiigen Arbeit und hohen kulturellen Bedeutung des Lehrers in seiner Gemeinde habe überzeugen können. Einen 8MM m M WMW Vieser msieherpersönliHkeit aus Sie Generationen fänden die ehemaligen Schüler durch die Worte des Lehrers Levi- Groß-Krotzenburg und durch die Gründung einer Jakob Gans-Stiftung für arme, erholungsbedürstige. israelitische