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Der Israelit · 1926-10-05 · Heft 40 (5.10.1926) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 40 (5.10.1926)
Date
1926-10-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit Nr. 40 Seite 3 5. Oktober 1936 Die Berliner Berüfsberatungsstelle hätte 1925 eine sehr große Zahl von Bewerbern dem Handwerk zugesührt. Ob es jedoch im Handwerk nicht nahezu ebenso schwierig ist, bezahlte Gehilsenstellen zu finden, die die Beobachtung des Sabbats gestatten wie in der Landwirtschaft, darüber schweigt der Bericht. Eine bloße Lehrlingsausbildung mit vorzeitigem Zwang zur Selbständigkeit aber führt sehr leicht zum Pfuschertum, das dann auch naturgemäß keine Voraus-' fetzung für wirtschaftlichen Erfolg bietet. In der ihm eigenen temperamentvollen Art un^> sprach Herr Dr. 0 e 11 g Haber über diejüdischeBevölkerungsfrage in Deutschland; es war ein farbenprächtiges, von starken Licht- und Schattenkontrasten durchwirktes Bild, das er entrollte. Auf der einen Seite die Ostjuden, die sich innerhalb von hundert Jahren von einer Million auf sechs Millionen vermehrten, die infolge, dieser Bölksvermehrung allerdings auch Krüppel und Schwächlinge mit in den Kauf nehmen müssen, auf der andern Seite der Rückgang und die Stagnation der deutschen Juden im gleichen Zeitraum, die Auflösung zahlloser Gemeinden und die immer tiefer eindringende bewußte Geburtenbeschränkung, die wirtschaftlichen Erscheinungen der Nachkriegszeit, Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot, Unsicherheit der Existenz, .Kapitalmangel usw.; demgegenüber wieder eine den Rekord in Europa schlagende Einschränkung der Säuglingssterblichkeit unter den deutschen Juden, die Selbstmordepidemie, das iyMkMstsßrn fn beTT wevbskampf, dis Ehelosigkeit unv ver Versuch, durch Sport und Muskelpflege dem Versagen der Nerven entgegenzuwirken. Während sich aus dem Theilhaber'fchen Referat praktische Vorschläge nur in geringem Maße ergaben, trugen die Referate, die sich mit derjüdischenJugendnotund Jugendhilfe befaßten (Obermagistratsrat Ollendorff, Hilde Ottenheimer und Georg Savady) einen durchaus praktisch gerichteten Charakter. Die schmachvolle Tatsache, daß immer noch eine große Menge jüdischer Kinder in nichtjüdischen Familienpflegestellen aufwachsen, wurde wieder einmal stark unterstrichen, gar nicht dagegen der für uns natürlich ebenso bedrückende Umstand, daß auf eine wahrhaft religiöse Erziehung dieser Pflegebefohlenen häufig zu wenig Rücksicht genommen wird, oder genommen werden kann. Verlangt wurde eine besondere Abteilung für D 8 r ll r y n f r kki tftm MWm WWWNssamt. Die Aufgabe dieser Abteilung wäre, Mutterschutz und Säuglingsüberwachung (Theilhaber verlangt mit Recht die obligatorische Ausbildung jedes jüdischen Mädchens in der Säuglingspflege), Lebens. Damit erklärte sich vielleicht auch das Schwierigkeit bietende i in psnv das teils mit „und" teils mit „aber" wiedergegeben wird. Man hätte sich den Satz elliptisch zu denken: Der Himmel und ebenso die Erde, beide waren noch vollkommen erstorben; es war dieser erste Tag in tiefstem Sinne, in dieser und in jener Welt, der Tag des „Cchod,,, des Einen, des Einzigen, dessen Wesen nichts gewann mit seiner WeltschöpfuttH und auch mit dem Schwinden alles von Ihm geschaffenen nichts verlöre, des Urquells alles Lebens, des -n rrr, des einzigen Lebens aller Zeiten. (Israels Gebete von S. R. Hirsch aV,y s-nrr und nvrw -p-n' Nachtrag: Ein Einwand wäre noch gegen meinen Versuch zu erheben. Da ich „tohu" mit „nefesch chajoh" und „bohu" mit „desche" in grammatischen und logischen Zusammenhang bringe, sollte man füglich nicht „tohuwabohu", sondern „bohu-watohu" erwarten, da ja die Pflanzen am 3., die tierischen Wesen erst am 3. und 6. Tage erschaffen wurden. Nun sind aber doch vor den Pflanzen bereits beseelte Wesen durch Gottes Wort hervorgerufen worden, nämlich am 2. Tage die Engelscharen. Die Stellung „tohu-wabohu" paßt also recht gut auch zu meiner Darstellung und rundet dieselbe sogar bestens ab. Kleines Feuilleton. Das Kalenderjahr 5687. Im Anschluß an die Ausführungen des Herrn C. in Nr. 39 des „Israelit" bemerke ich ergänzend, daß nach der Tabelle des vm na bis zum Jahre 6000 bk a"nn nrnp Einrichtung von Sammelvormundschaften, Schaffung und Ueberwachung von Pflegestellen, Belebung der Jugendvereine und Einrichtung von Jugendberatungsstellen und Jugendheimen. Damit kommen wir zu dem Vortrag Georg Lutz i n sk y s über die soziale Betätigung der j üd i s ch e n I u g e n d. Lubinsky weist auf die interessante Tatsache hin, daß in der deutschen Jugendbewegung, während es noch 1913 auf dem Hohen Meißner schürf abgelehnürvorden war, sich auf irgendwelche praktische Zielsetzung sestzulegen, heute die soziale Arbeit als subjektiv und obje£iix> r»erir>oIIer Gegenstand her jLigendlrchsn Betätigung ' unertaunt wird. Wir möchten .glauben, daß auch innerhalb der Agudas Jisroel-Jugendorganisation in Anlehnung an die von Hemprich in den Merseburger Blättern gegebenen Anregungen in der sozialen Arbeit ein wichtiges Betätigungsfeld vorhanden wäre, dessen Inangriffnahme zugleich auch zu einer gewissen Arbeitsteilung zwischen Jugendorganisation und Esra führen müßte. Das Referat von Georg Savady über jugendliche Psychopathen legte den Finger aus eine besonders schmerzliche Wunde: das Fehlen eines unter den Juden mit ihrem labilen Nervensystem besonders dringend notwendigen, fachmännisch geleiteten Heimes für psychopathische Kinder. Diese Kinder gehören weder in Anstalten für Schwachsinnige, noch gar in Irrenanstalten. Sie können bei fachgemäßer Behandlung zu nützlichen Gliedern der jüdischen Gemeinschaft erzogen werden. Was in der Fürsorge für Gefangene und Strafentlassene npö) lllMMsllwMD unv MlMW zu MM iTL führte in eindrucksvollen Worten Fräulein Paula Ollendorff aus Breslau aus, während die in der Entwicklung begriffene systematische Bekämpfung der Tuberkulose sich in Referaten von Dr. med. I. Samson, Berlin und Frieda W e i n r e i ch, Berlin, spiegelte. Es würde in diesem Zusammenhang zu weit führen, auf die Fülle der Einzelheiten einzugehen, die hier zusammengetragen worden sind. Die Zentralwohlfahrtsstelle hat sich durch die zufammensassende Ausrollung der weiten Gebiete der jüdischen Fürsorge und durch die auf diese Weise klar in die Erscheinung tretenden speziellen Aufgaben zweifellos ein Verdienst erworben. So viel oder so wenig auch von diesen speziellen Aufgaben auch in der nächsten Zeit angesichts der überall herrschenden wirtschaftlichen Krise gelöst werden fcmrt. Untere jjctni wäre es jiir bte öe||erri:£tc^feti, etwas Näheres darüber zu erfahren, aus welchen Gründen der Jüdische Frauenbund kurz nach der Düsseldorfer Tagung aus der Zentralwohlfahrtsstelle ausgeschieden ist. bei nachfolgenden Jahren vorkommt: 5714, 5741, 5765, 5768, 5812, 5839, 5863, 5890, 5917,5961, 5988. Nach den von mir vorgenommenen Berechnungen ist diese iiynp nur für das Jahr 5765 durch diev"sxm iva n»m bedingt; der Mauled Tifchri des Jahres 5766 fällt nämlich auf isvv 7"v '2 d. h. Montag früh 10 Uhr 48 12ji8. In den anderen Jahren fällt der darauffolgende Mauled Tifchri zwischen Montag Mittag 13 Uhr und Dienstag Mittag 12 Uhr. Da der Ueberfchuß eines Gemein- und eines Schaltjahres gegeben ist, erfordert es keiner großen mathematischen Kenntnisse, noch viel weniger Kopfzerbrechen wie der Artikelschreiber C. voraussetzt, um diese Berechnung vorzunehmen. I. S. Wolfratshausen. Der im Juni verstorbene, bekannte Begründer des Kinderheimes in Wolfratshausen und auf allen Gebieten des Wohltuns hochverdiente Geheime Sanitätsrat Dr. Oppenheimer veröffentlichte kurz vor feinem Ableben in der „Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung" eine längere Abhandlung über das jüdische Kinderheim in Wolfratshausen, in der es zum Schluffe heißt: Sehr erfreuliche Erfolge erzielen wir, wie schon kurz erwähnt, in den Wintermonaten- Die kräftige, reine beseht fmk unk ihre sportliche SBeiäjjitjnncj sink ossenkor im Stande, den Stoffwechsel bedeutend gu erhöhen. Im Hinblick aus diese besonders günstigen Erfahrungen hat das Kuratorium -eine Zentralheizung einrichten lassen, um einen großen Winterbetrieb zu ermöglichen. Es ist zu hoffen, daß man in Elternkreisen mehr als bisher die hervorragende Eignung unserer Anstalt als W i n t e r hei Ist ä t te würdige und uns nicht nur während der Sommerserien, sondern auch in der kalten Korrespondenzen « Nacblicdten. Rei«h. Die Schlesinger-Hetze geht weiter. .7 Berlin, 12. Sept. Die „Deutsche Zeitung" und andere antisemitische Blätter sahen, wie schon berichtet, in der Tatsache, daß brid«n Attentäter von Usrssrks 8<^lefrnHer heißt, einen willkommenen Anlaß zur Einleitung einer rücksichtslosen Hetze. Nachdem nun nachgewiesen ward, daß Schlesinger christlicher Konfession sei, behauptete die „Deutsche Zeitung", der junge Attentäter sei zwar evangelisch getauft worden .dessen Vater aber, der verstorbene Sänger Schlesinger, sei aber Jude gewesen und hätte sogar in einer Synagoge gesungen. Man hätte ihn wegen seines Aussehens „den kleinen Kohn" genannt. Demgegenüber stellt der Stuttgarter Vertreter des „Berliner Tageblatts" auf Grund von Recherchen fest: „Urgroßvater, Großvater und Vater des Otto Schlesinger sind streng gläubige Katholiken, aus Oesterreich stammend. Die Mutter, die Tochter des bekannten elfäfsifchen Naturwissenschaftlers Professor Buchecker, ist ebnsalls streng katholisch. In den Personalakten des ehemaligen württembergifchen Hoftheaters, jetzigen Landestheaters, ist Herr Schlesinger als Katholik eingetragen. Die gesamte Verwandtschaft Schlesingers ist katholisch. Der Vater des Otto Schlesinger hat in liberalen Synagogen ge- [ip m WSNllilMö fiff MMNM? E fff* T&enf° auch In pt-oiestanitschett unk kaihölischM Kjpchsn in Chvkgesängen mitgewirkt, mit vielen anderen protestantischen und katholischen Chorsängern, die ebenfalls in Synagogen, katholischen und protestantischen Kirchen gegen Honorar zu singen pflegen. Polen. Maßnahmen der polnischen Regierung gegen die Ritualmordhetze. Warschau, 15. Sept. Der Innenminister hat Anordnungen zur Eindämmung der in der Gegend.^on Dobczyn überhandnehmenden Ritualmordhetze getroffen. De-: Wojwode von Zamesze meldete dem Innenminister, daß nunmehr auch in Golub die Ruhe wiederhergestellt sei. Der Innenminister hat ferner angeordnet, daß die Zigeunerbande, die Anlaß zur Ritualmordhetze gegeben hat, in eine anbere ®egenb afagefdjo&en mtrfy. Zrnsi her Zigeuner, dis m dem Verdacht des Kindesmordes stehen» aber selbst gu den schlimmsten Ritualmordhetzern zählen, wurden verhaftet. Eine Obduktion des getöteten Kindes wurde von der Behörde angeordnet und ergab, daß nicht die geringste Jahreszeit viele schwächliche, erholungsbedürftige Kinder zusenden wird. Während bei Spielen, Spaziergängen und größeren Ausflügen die Kinder dem Atter entsprechend gruppiert werden, vereinigen sich alle zu den täglichen 5 Mahlzeiten im Speifefaal oder, sobald es das Wetter erlaubt, auf der glasgedeckten Veranda; fast alle bringen einen erfreulichen Appetit mit. Während zu Anfang seines Bestehens das Heim fast ausschließlich als Ferienaufenthalt für gesunde Kinder beansprucht wurde, hat es sich in den letzten Jahren außerhalb der Ferien als Kinderfanatovium immer bester eingeführt, so daß nunmehr die beiden Aufgaben, die der Anstalt bei ihrer Gründung gestellt wurden, der Erfüllung zustreben. u Die klimatischen Vorzüge von Wolfratshausen lassen —- wenn wir unsere Erfahrungen nur kurz rekapitulieren — den Aufenthalt für nervöse, blutarme, schwächliche Kinder für sehr aussichtsreich erscheinen; besonders segensreich wirkt das Beisammensein mit gleichaltrigen Kameraden auf einzige Kiyder. Natürlich wird vor allem das Prinzip gewahrt: die Gemeinschaft der Kinder vor Schaden zu behüten; deshalb kann kein Pflegling behalten werden der — fei es in körperlicher oder moralischer Beziehung — eine Gefcihr für seine Kcrrnernben b-rrstellt. (Ein jüdischer veduinensiamm in Zentral-Arabien.) Der Sekretär der Gesandtschaft des Wahabitenkönigs Jbn Saud in Syrien, Herr Nistim Tager, ein Sohn des Oberrabbiners von Damaskus, hat dieser Tage in Jerusalem in einem Vortrag über das ^.stehen eines kriegerischen jüdischen Beduinenstammes in Zentralarabien berichtet.

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