Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1926-09-21 · Heft 39 (21.9.1926) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 39 (21.9.1926)
Date
1926-09-21
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2450388-2450427--73489-2530901
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

W^WWWWWWW Seite 18 Nr. 39 r a e l i t 21. September 1926 an ihrer Feier Anteil nahm. Und wenn der Geist der Versöhnung von dieser Feier gegangen ist, so ist das wohl der höchste und schönste Gewinn." Am Freitag Abend fand zum ersten Male Sabbatgottesdienst in der neuen Synagoge statt. Die Räume waren bis zum letzten Platze gefüllt, und eine tiefe rühmte Ortuu,,..: ikof. Sulzer, der in Wien amtierte und dessen Bild, in Stein gehauen, sich im Ausgang zur Synagoge befindet. Das agudistifche Lehrgut »Hirfchhof* (Hauptgebäude.) Rührung und andächtige Weihe und wirkliche Festesstimmung erfüllte die große Schar der andächtigen Beter. Vorzüglich bewährte sich der von Herrn Lehrer Feld aus äußerst bescheidenen Stimmmitteln zusammengegefchmertzte . IStjnagoQ&rtdjor. i&er Sch<l«h<rrrsgottesd!enft ttfiljm mti!>em ckhorgefnn^: ,,üKa foron^ jeinen Sin^ang und gestaltete sich ebenso skierllch. Herr Dr. H i r s ch f e l d hielt wieder eein meisterhafte Predigt. — Am Sonntag den 22. ds. Mts. war die neue Synagoge auf einige Stunden für die breitere Masse geöffnet und wurde von ca. 2000 Personen besucht. Die Perle von Aegypten. Oie wundersame Geschichte einer jüdischen Tochter. Von S. Jzchaki. (Fortsetzung). XXIV. Am folgenden Morgen hatte Reisele gerötete müde Augen. Der erste Ausgang, so flüsterte sich die Dienerschaft zu, hatte ihr nicht gut getan. Sie war zu fein besaitet, zu unirdisch, um mit den harten Dingen, und gar dem blutigen Elend dieser Welt in Berührung gebracht zu werden. Auch gegen ihre Freundinnen und Hofdamen war sie wortkarg, und die frischen scherzhaften Bemerkungen Milkas verschlugen dieses Mal nicht. Zögernd, wie aus angsterfüllter Seele bat sie Milka^ sie möchte doch Näheres über den sinfäiiien Iranllen öof&aiert tm eruiert ^tntmer Ües Hohenems. Mit Bild. Anläßlich einer Fußtour nach Vorarlberg führte mich mein Weg nach Hohenems bei Feldkirch. Hohenems ist die einzige jüdische Gemeinde Vorarlbergs. Einst eine blühende jüdische Gemeinde von etwa 100 Familien zählt sie jetzt nur noch 28 Seelen. Es befindet sich dort eine herrliche Synagoge, im Jahre 1773 erbaut; der Gottesdienst selbst wird in einem Nebenraum verrichtet, da es nur am Neujahr und Jom Kippur noch Minjan gibt. Während der Woche findet nur Freitag abend Gottesdienst statt, den der seit 45 Jahren dort befindliche Kaufmann Jacob Weil abhält. Früher Sitz eines Rabbinats — der letzte Rabbiner Hauser ist nach Judsnburg bei Söi^H - uni einer orlijokofen 8«hule — der lohte Se^rer jedermann starb vor sieben Jahren — ist der Nest dieser Gemeinde leider nicht mehr in der Lage, sich emporzuschwingen, und die schwierigen Lebensverhältnisse lassen keine Aussicht zu, daß diese Gemeinde wieder größer wird. Die hier ansässig gewesenen Juden Die Synagoge von Hohenems. stammen bezw. stammten seinerzeit aus dem nahen Sulz; da der Friedhof bereits im Jahre 1617 erwähnt wurde, ist diese Gemeinde sehr alt. Ihr entstammt auch der be- Da» agudistifche Lehrgur „Hirschhof". (Bor ven Ställen.)! Oberstockes des jüdischen Spitals feststellen und I ihr berichten. Nun wußte Milka: Der Anblick dieses kranken Soldaten hatte es ihrer Herrin und Freundin angetan. Vielleicht weil er so allein und verlassen war, und sein Schicksal eigene Erlebnisse aus dem Untergründe der Seele aufwühlte. Mit der Gewandtheit und Findigkeit eines geschulten Detektivs hatte Milka nach einem halben Tage alles Wissenswerte über den fremden Soldaten heraus. Sein Name war Benko Altermann. Er stammte aus Litauen, war seines Zeichens Schneider und arbeitete als solcher mehrere Jahre in Amerika, von wo er vor einigen Monaten, von innerem Herzensdrang getrieben, nach Aegypten kam, um in die neugebildete „Jüdische Legion" einzutreten. Er zog mit ihr in Begleitung anderer englischer Formationen in die Schlacht und wurde bei Gaza schwer verwundet. Kopfschuß und auch Armverletzung. Nachdem er einige Zeit im Feldlazarett an der Front gelegen unkr ms Ms Mfs Mlmmm Ms, & gur besseren Pflege hierher transportiert und fand liebevolle Aufnahme im jüdischen Spital. Seine Verletzungen waren von schwerer Art, aber nicht so, daß ein Aufkommen ausgeschlossen wäre. In der letzten Nacht sei starkes Fieber eingetreten. Er spreche immer von einer, die er wieder gefunden und erwache aus den Fieberträumen mit den Worten: „Sie, sie war es, und keine andere!" Er sehe mit verzückten Augen, wie in Erwartung eines Wunders, einer höheren Erscheinung, nach der Türe, schließe die Augen und öffne sie wieder mit den gleichförmigen Worten: „Sie war es, sie war es!" Neipels jartf «u| ben iDiwan. „Gis, sie war es!" stöhnte Rätsele, und es war keine Wiederholung der gehörten Worte, sondern ein Schrei aus der Seele heraus, daß Milka erschrak. „Glaubst Du immer noch nicht an Wunder?" fragte Reisele nach einer Pause mit verschleierter Stimme, aber etwas ruhiger. „Nein, wenn wir nicht verschlungene Zufälle Wunder nennen wollen." „Dann nenne Du es wie Du willst. Ich habe nun in diesem Lande der ewigen Wunder ein neues, das größte Wunder erlebt. Ich habe ihn wieder. Er ist es und kein anderer. Was er im Fiebertraum sagt, ich kann es wachend bestätigen: Si e war es und er ist es . . ." „Wovon sprichst Du, Freundin?" Milka wurde unsicher und daher ernst, fast ängstlich. „Er war es und er hat mich erkannt." „Wer? Von wem sprichst Du?" „Vom fremden Soldaten, der aus Amerika oom Schicksal hierher geführt murbe^ bamti er mich, hi??in anb?r?s Tchickssl über andere Wege und Meere hergeschickt hat, antreffe." „Du kennst ihn?" „Wir gehörten zusammen, bis er nach Amerika auswanderte und ich im Städtchen blieb, um ein halbes Jahr später auf die Meere hinausgestoßen zu werden." „Ist es am Ende Dein Bruder, Berle, von dem Du oft sprachest," . fragte Milka unsicher, nicht ohne Ergriffenheit. „Nein, nicht Berle, aber er, V e n z e , der frühere Geselle, mein älterer Freund und Lehrer, der erste, aus dessen Mund ich von Perlen und Tränen hörte, als weissagte er mir unbewußt die Zukunft; er, der vom ewigen blauen Himmel des heiligen Landes schon aus dem Schneidertische träumte und davon sprach, so, als singe er Psalmen. m killt nun sein Dlni für seinen Anteil am Baden unter der ewigen Sonne hergegeben. Und ich?-" Sie stützte den Kopf in beide Hände und weinte, indem sie sich im Geiste eine lange Anklageschrift vorlas. Nur eine kurze Weile war Milka aus der Fassung geraten, nun war sie im Bilde, hatte sie die Situation bis auf den letzten Punkt erfaßt, und ihre Sprache wurde wieder klar, bestimmt und unbefangen: Hirschhof Dar agudistifche Lehrgut (Lehrlinge,) „Was sollen hier die selbstquälerischen Grübeleien und vielen Worte? Die Sachlage ist vollkommen geklärt. Er hatte Dich gern. Du ihn wohl auch, und Ihr kämet auseinander. Eine alte Ge- 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.