Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 39 (21.9.1926)
- Date
- 1926-09-21
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Ja 1 ) una ,£-»CDen llllustrierfe Ecilaqe zum.Osraelif \e.d\q Das Lehrgut „Hirschhof" der Palästina-Zentrale der Agudas Jlsroel. Mit 5 Bildern. In Nummer 17 der „Blätter" brachten wir eine eingehende Schilderung des agudistischen Lehrgutes in Deutschland. Zur Illustration seien heute einige Ausnahmen gezeigt, welche dem Leser die Anlage des Gutes und das auf diesem herrschende Leben veranschaulichen sollen. Aus dem ersten Bild erkennt man deutlich die überaus reizvolle Lage des etwa 200 Morgen umfassenden Gutshofes im Rahmen einer Odenwald-Landschaft. Das zweite MD stellt Vas Dllumgkvllllvk vlli) welches wie alle übrigen auf dem Gute befindlichen Baulichkeiten fast neu und für die Unterbringung der im dritten Bild aufgenümmenen Lehrlinge in hygienischer und räumlicher Hinsicht geradezu als mustergültig zu bezeichnen ist Auf dem vierten Bild finden wir die Eleven bei der Arbeit vor den Ställen. Letztere entsprechen nach Größe und Anlage allen Anforderungen eines neuzeitlichen landwirtschaftlichen Betriebes. Das fünfte Bild zeigt die Eleven draußen auf dem Felde während einer kurzen Mast. Dokumente über die tausendjährige chinesischjüdisch? Kolonie üau tftmg-Jöo. Mit 2 Bildern. In der ' Ausstellung der Newyorker Volksbibliothek sind jetzt zum ersten Male Dokumente der verloren gegangenen jüdischen Siedlung in China, Kai-Fung-Foo, öffentlich zu sehen. Die Kollation, die Eigentum der vereinigten jüdischen Hochschulen in Cincinnati ist, enchält Gebetbücher, Thora-Rollen, Manuskripte und Grabsteine aus Kai-Fung-Foo, dieser schon sagenhaft gewordenen jüdisch-chinesischen Siedlung, die etwa 950 v. d. ü. Ztr. entstanden sein soll. lieber den Ursprung dieser Siedlung weiß man nichts Genaues, allein aus dem Umstand, daß in den Schriften der Kai-Fung-Foo-Juden Elemente des Altpersischen vorhanden sind, schließt man, daß diese Juden über Persien und Turkestan nach China gekommen waren. Alte chinesische Schriften aus der vorchristlichen Zeit nehmen Bezug auf diese jüdische Siedlung. Die Dokumente der Kolonie wurden von der Londoner .Gesellschaft für Verbreitung des Christentums unter den Juden aus China gebracht. Im. Jahre 1850 fanden Mitglieder der Missionsgesellschaft in der Synagoge von Kai- Fung-Foo zwölf Thorarollen Und 63 Manuskripte, die jetzt Eigentum des Hebrew Union College sind. Das College erwarb auch die Holzlade, in der die Thorarollen in Kai- Fung-Foo ausbewahrt wurden. Gegenwärtig bestehen von dieser jüdischen Siedlung nichts mehr als einige Grabsteine. Die neue Synagoge in Butzbach. Mit 2 Bildern. Das, was fast jede jüdische Gemeinde mit einem gewissen Entwicklungsgang als eine selbstverständliche Einrichtung aufzuweisen hat, eine eigene Synagoge, das fehlte der Gemeinde Butzbach bisher, und alle Bemühungen in dieser Richtung hin schlugen bisher fehl. Erst der Zwang der Verhältnisse, verbunden allerdings mit einem für die heutige wirtschastlich .schwere Lage wirklich bemerkenswerten Opfersinn, führte, zur Erreichung des Ziels. Jetzt steht die neue Synagoge.da. — nicht wirkend durch Größe und Weite Dos iaums. fonDern „MD ruhige WlllwlM Wrmr j’ - Das agudisttsche Lehrgut „Hirschhak". (Gesamtansicht.) gebung, fast silhouettenhaft, umrahmt von großen Bäumen. — Am 20. August, nachmittags 2 Uhr, begann die nach jeder Beziehung würdig verlaufene Einweihungsfeier. Stark und herzlich war die Anteilnahme der Bevölkerung an dem seltenen Fest und massenhaft der Zustrom der auswärtigen Gäste. Um es vorweg zu sagen: die Veranstaltung bildete nach Form und Inhalt, in ihrer straffen Organisierung und in ihrem vornehmen und würdigen Verlauf und schließlich in ihrer eindrucksvollen Wirkung auf die Teilnehmer und Zuschauer einen wahren Kiddusch-Haschem! Das städtische Rathaus, in welchem sich seither der Betsaal der israelitischen Gemeinde befand, trug Flaggenschmuck. Ebenso war die Straße, durch welche sich der Festzug bewegte, reich beflaggt. Viele auswärtige israelitische Gemeinden hatten ihre Vertreter gesandt. Von seiten des Landesverbandes war Kommerzienrat Meyer aus Mainz erschienen. Ferner wohnten die Geistlichen der beiden anderen hiesigen Konfessionen, die Vertreter der Schulen (Oberrealschule, Volksschule usw.), der Kirchenvofttände und anderer Korporationen der Stadt der Feier bei. Herr Lehrer F u l d von der israelitischen Gemeinde eröffnete die Feier mit einer Abschiedsansprache vor dem alten Synagogenraum im Rathause. Er gab vor allem eine gedrängte, scharf umrissene Entstehungsgeschichte der neuen Synagoge und schilderte die verschiedenen Schwierigkeiten, die zu überwinden waren. Nach Absingen des Wahi-binsoa durch den hiesigen Synagogenchor erfolgte das Ausheben der Thorarollen und eine kurze Ansprache des Provinzialrabbiners Dr. H i r s ch s e l d - Gießen. — Herr Architekt Lippert - Butzbach, welcher den Bau der neuen Synagoge geleitet und auch den Entwurf gemacht hatte, überreichte dem Vorstände der israelitischen Gemeinde die Schlüssel zu dem Gotteshaufe. Nach Beendigung dieser kurzen Feier setzte sich der Festzug unter den Klängen des Liedes: „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" unter Vorantragen der Thorarollen nach der neuen Synagoge in Bewegung. Es waren feierliche, fast ergreifende Augenblicke, als der nicht alltägliche Zug, von zahlreichen Zuschauern umsäumt, durch die festlich beflaggte Straße dahinschritt. Vor dem Portal Der neuen ormagoge MglllW fierr LltllMMWr Ml Ianse n numen öder SlllM alle Festgäste aus nah und fern herzlich und beglückwünschte die israelitische Gemeinde zu ihrem neuen, schönen Gotteshaus auf das innitzste. Er lege Zeugnis ab von der Einigkeit und dem festen Willen, der in ihr herrsche. Frl. Ferna K a tz sprach in anmutiger Weise einen von Herrn Lehrer Fuld verfaßten schwungvollen Crösfnungsspruch und übergab die Schlüssel zum Gotteshaus an den Vertreter des Kreisamts, Herrn Regierungsrat Dr. Grein. Dieser übermittelte die besten Glückwünsche der Regierung und des Kreisamts zu der schönen Feier. Der Vorsteher der hiesigen israelitischen Gemeinde übernahm den Schlüssel und gab ihn mit kurzem Gelöbnis an den Provinzialrabbiner Dr. H i r s ch f e l d weiter. Mit Segensworten schloß dieser das Gotteshaus auf und übergab es seiner Bestimmung, und nun strömte die festliche Menge, soweit sie das Gotteshaus zu fassen vermochte, herein. Jeder war von der Schönheit des Innern der Synagoge überrascht. Beim Chorgesang: „Ma towu" erfolgte der Einzug der Thoraroiren, Die nun einigen alteren Mist gliedern der Gemeinde getragen wurden. Dabei setzte gleichzeitig ein Gesang von Knaben des Synagogenchors aus Frankfurt am Main unter - Leitung des Herrn Dr. Ehrenrekch ein. Es folgte nun das Anzünden der „ewigen Lampe" und das Oeffnen der heiligen Lade und endlich das Einheben der Thorarollen unter dem Chorgesang „Uwnuchau Jaumar". Der Vorstand der hiesigen Gemeinde, Herr I. Krämer, gab dann einen kurzen Rückblick auf den Vau der Synagoge, dankte den zahlreich erschienenen Vertretern der verschiedenen Korporationen und allen Teilnehmern. Herr Kommerzienrat Meyer aus Mainz überbrachte die Glückwünsche des Landesverbandes und der Schwestergemeinde Mainz. Herr Dr. Hirschfeld hielt nun eine großangelegte Festrede, die tiefen Eindruck hinterließ. Die Butzbacher Zeitung schreibt: „Der Verlauf der Feier war erhebend und der großen Sache würdig. Ein Volk, das feine Religion hält und ehrt, achtet sich damit selbst am meisten. Auch wir wünschen der israelitischen Gemeinde viel Glück bei der Einweihung ihres herrlichen Gotteshauses, das ein wahres Schmuckswck geworden ist und unserer Stadt zur Ehre gereicht. Sie hat gestern gesehen, daß die ganze Bürgerschaft