Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1926)
- Date
- 1926-09-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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16 JepHmM 1W6 hattt''dieGüte, mir während einer längeren Unlki^s^Wg/. Ms M sveundlic^sten Werse geMhrtö, einiges üöer oen Zweck UND Vas Ziel seiner Ämerrkareise Und den' Erfolg derselben mitzüteilen. Es war bereits im vorigen Jahre seitens des Rabbinerverbandes in Amerika an Herrn Rabbiner LiebsHütz wiederholt die Einladung zur Teilnahme an der dortigen allgemeinen Iahreskonferenz ergangen, ohne daß Herr Rabbiner Liebschütz derselben entsprochen hätte. Als jedoch der genannte Rabbinerverband dieses Jahr neuerdings an ihn mit der Bitte herantrat, an der allgemeinen Jahresversammlung, die für den Monat Jjar in Rewyork anberaumt war, teilzunehmen, entschloß er sich trotz seines Alters und seiner geschwächten Gesundheit, die großen Reisestrapazen auf sich zu nehmen und der betreffenden Einladung Folge zu leisten. Folgende Ziele schwebten hierbei Herrn Rabbiner Liebschütz vor: .1. Die Schaffung von geeigneten Einrichtungen und die Ergreifung von zweckentsprechenden Maßnahmen zu Gunsten der Aermsten der Armen: der A g u n o t h. 2. Die Erwirkung einer höheren Unterstützungssumme bei den amerikanischen Hilfsinstitutionen a) für die in furchtbare wirtschaftliche Not und Bedrängnis geratene Judenheit TTT? allgemeinen iin& (LAliHiii Thora-Schulen (jüdische Elementarschulen) im besonderen. Das Agunoth-Problem ist doppelgestaltig und setzt sich aus zweierlei Arten zusammen: 1. Die Kriegs-Agunoth, Frauen, deren Männer im Kriege, bzw. infolge der Kriegswirren verschollen sind. 2. Gewöhnliche Agunoth, Frauen, die in Europa, meistenteils Osteuropa leben und von' ihren irgendwo in den Vereinigten Staaten sich aufhaltenden Ehegatten im Stiche gelassen wurden. Die Lösung dieses Problems, bzw. der Versuch, diesen Frauen irgendwie zu helfen, er- MMl vkllMllW auch OomMto MlMMMlü von betten Me folgenden Herrn Rabbiner Li^bschütz als die wirksamsten und zweckentsprechendsten erschienen sind: 1. Die Gründung eines besonderen unter der Leitung des Rabbinerverbandes in Rewyork stehenden Amtes, an das sich all diejenigen unglücklichen Frauen aus Europa, die von ihren in Amerika lebenden Männern verlassen wurden, zu wenden hätten. Das betreffende Amt würde dann die Aufgabe haben, in jedem einzelnen Der Israelit Falle die geeignetem Recherchen zur Ausfindig- 'macfjmtg des treulosen Gatten einznleiten^ bztv. ihn nach feiner Äuffinöung mit «üen möglichen Mitteln zu beeinflußen, seine verlassene Frau aus ihrem trostlosen Zustande zu erlösen. 2. Die Schaffung eines Fonds zwecks Ermöglichung der Gründung einer Zentralschutzstelle für Kriegs-Agunoth in Warschau mit. mehreren Filialen in den verschiedenen ehemaligen Kriegsländern. Diese Zentralschutzstelle würdedie Aufgabe haben, mit Hilfe und Vermittlung der verschiedenen Zweigstellen die Spuren, derjenigen verheirateten Männer zu verfolgen, die während des Weltkrieges verschöllen sind und seit damals" als unauffindbar gelten. Mit aller Entschiedenheit bestreitet Herr Rabbiner Liebschütz irgendwelchen Zusammenhang zwischen seiner Aktion und den Bestrebungen von bestimmter liberal-rabbinischer Seite, die dahingehen, das Agunoth-Problem durch eine nachträgliche Nichtigkeitserklärung der Kiduschin 'nra ] wnp'jnpsi^ 31t lösen. Jeder orthodoxe Rabbiner muß vielmehr diesen Versuch der willkürlichen Aufhebung einer Eheverbindlichkeit, der im diametralen Gegensätze zu den Vorschriften von p";vm steht, aufs schärfste bekämpfen und ablehnen. Nach den bekannten talmudischen Gesetzesvorschriften gibt es absolut keine andere Möglichkeit, die bedauernswerten fjrauen Der im Kriege LersöMmm und äöir Mlßtett von Leb Fösselb Uv Chebindung zu befreien und ihnen die Wiederverheiratung zu gestatten, als der genügend erbrachte Beweis von dem effektiv erfolgten Tode der betreffenden Ehemänner. Die vom Newyorker „Tag" konstruierte Identifizierung der Aktion des Herrn Rabbiner Liebschütz mit den erwähnten Bestrebungen von liberal-rabbinischer Seite wurde seinerzeit durch Herrn Rabbiner Liebschütz im selben Organe aufs kategorischste dementiert. — Das von den gleichen liberal-rabbinifchen Kreisen ausgehende Bestreben, für die Zukunft die Einrichtung der 'Hin 'B?np (der bedingten religiösen Trauung) zu treffen, damit im Agunah- Falle die Ehe einseitig durch rabbinischen Spruch Oßföft dmDöh kann, fflirö van Dorm Mtömer Aebschütz selbstverständlich, gleichfalls als mit den talmudischen Gesetzen im Widerspruch stehend, aufs energischste abgelehnt. Bezüglich des Erfolges seiner Bemühungen in der Agunoth-Angelegenheit äußerte Herr Rabbiner Liebschütz seine vollste Zufriedenheit mit dem Erreichten. Es gelang ihm, die von ihm vorgeschlagene Gründung eines unter der Leitung des amerikanischen Rabbinerverbandes stehenden Amtes in Rewyork zur Vertretung der Nr. 38 Sette . 3 Interessen der Agunoth in Amerika in die Tat umzusetzen. Aach Me wn Hevrn Näbtzlu^L AUgestreble Schaffung eines entsprechenden Fonds zwecks Errichtung einer Zentralstelle zum Schutze der Agunoths in Warschau nebst Zweigstellen in den anderen Ländern kann als geglückt bezeichnet und dürfte schon in der allernächsten Zeit in die Wege geleitet werden. Zwecks Vermeidung von Mißverständnissen und Verhütung von Illusionen betonte Herr Rabbiner Liebschütz, daß in den Vereinigten Staaten gesetzliche Maßnahmen zur zwangsweisen-Nötigung eines Ehemanns, seiner von ihm verlassenen Frau Get zu geben, nicht möglich sind. Dies gilt selbst für den Fall, daß dem betreffenden Ehegatten in der einwandfreisten Weise Treulosigkeit seiner Frau gegenüber nachgewiesen werden kann. Daß die Frauen, die in Europa leben und keine Einreiseerlaubnis nach Amerika besitzen, in dieser Hinsicht noch schlechter daran sind und noch weniger auf behördliche Zwangsmaßnahmen zu ihren Gunsten rechnen können, ist selbstverständlich. Die auf Grund der Initiative und des tatkräftigen Bestrebens des Herrn Rabbiner Liebschütz gegründete neue Institution in Amerika zur Vertretung und Wahrnehmung der Agunoth- Jnteressen wird daher ebenfalls keine Handhabe gur Ausübung ttrgenb eines Z r» a n g e s besitzen. Ihre Machtvollkommenheit wird vielmehr nur rem moralischer Natur sein und ihre Tättzl keit wird sich nur auf die moralische Beeinflussung der betreffenden Ehemänner erstrecken können. Was den zweiten Punkt feines Rtzisezwecks, insbesondere die Unterstützung der Talmud Thora-Schulen anbetrifft, so führte hierüber Herr Rabbiner Liebschütz im Verlaufe der Unterredung ungefähr folgendes aus: Die Unterstützungsgelder des Zentralrelief- Fonds kommen hauptsächlich nur den Jeschiwos und höheren Lehranstalten zugute, während die Talmud Thora-Schulen lediglich auf den Unterhalt durch die Gemeinde selbst angewiesen sind. Vrrncks Me in {ejjier -0<?U eingelreiene bare Verarmung der jüdischen Massen in Polen sind nun die Gemeinden leider nicht in der Lage, die Elementarschulen auch nur annähernd in der bisherigen Weise zu unterhalten. Die Folge davon ist ein fortwährendes Eingehen von Talmud Thora-Schulen, bzw. die Einschränkung des Betriebs in denselben. Der Schaden, der hierdurch auf dem Gebiete der jüdisch-religiösen Erziehung der Jugend entsteht, ist ungeheuer und von sehr weittragender Bedeutung. Ein Teil der Jugend In Riga. In der Mitternacht zu Samstag verbreitete sich in Riga die Kunde von dem gegen elf Uhr nachts eingetretensn Tode des Rabbi und bald belagerte eine große Menschenmenge das Hotel Metropol, in dem der große Tote schlummerte. Am Sabbat in aller Frühe waren sämtliche Rabbinen und Thoragelehrten der Stadt Riga im genannten Hotel und hielten den ganzen Tag im Totenzimmer abwechselnd lernend und betend die Ehrenwache, indes draußen vor dem Hotel die wogende Menge nicht abebben wollte. Mach Sabbatausgang, gegen .10 Uhr, wurde die iBaljre trt isie grofje Schul überführt. SSlel« faxufertbe §Dftera|^en umrmglen btt« ,^o^rc zzrz£> ^ofgieti zxnter ThMmgebeten. Ganz Riga war auf den Beinen. Sonntag früh um halb neun Uhr begann die Ueberführung nach Dwinsk. Nach einem tief zu Herzen gehenden Hesped von Oberrabbmer Sack setzte sich der Zug in Bewegung. Der Bahre voran gingen zwei Greise mit brennenden Kerzen, dahinter der Oraun, getragen nur von Rabbinern. In den Straßen stauten sich die Menschen dermaßen, daß der Verkehr bis zum Bahnhof für lange Stunden vollkommen unterbrochen war. Auf dem ganzen Weg brannten sämtliche Straßenlaternen. Langsam tragen die Rabbinen die Bahre mit dem Doppelfarg in den Wagen, in dem Lichter brennen. I n D w i n s k. In Dwinsk ist Sonntag schon bei Morgengrauen alles auf den Beinen. Es sieht aus, als hätte in dieser Nacht keiner sein Bett ausgesucht. Um 4 Uhr mittags hallt es durch die Gassen: „Rabbi Mejir Simcho kommt!" . . . Weiter nichts. Als käme er von einer Reise und gälte es, ihn zu begrüßen, flutete der gewaltige Strom, Juden und Nichtjuden, dem Bahnhof zu. Ohne offizielle Verordnung, wie auf Kommando, sind Punkt 4 Uhr sämtliche Geschäfte in der Stadt, auch die christlichen, geschlossen. Alle Handwerker legen ihre Arbeit nieder. Von der Gemeinde fehlt keiner, Kinder aus den Wiegen werden geholt, daß ihr Auge noch einmal die. Bahre des Großen auf feiner letzten Fahrt streife. Langsam fährt der Zug ein. Die Beamten haben Mühe, sich durch die Menschenmauer Bahn zu brechen und die Türen zu öffnen. Der schwarzbedeckte Oraun wird sichtbar und lautes Schluchzen bricht aus tausend Kehlen und pflanzt sich von Straße zu Straße. Es steigen aus die Rigaer Rabbinen, viele Rabbinen und Dslegrskts aus dsv Pvoninz, hiö nus dein langen *<•>*»• rrpL»!.;««» :»» >«*► N7»»»»»«»»»..» «:»»• «rt;«»«»» waren. Ibas gange ajftg'eüe jüdische ßetWanb ist {ja. Langsam wird die Bahre von Dwinsker Rabbinern durch die Straßen, in denen wiederum die Laternen brennen, mitten in der wogenden Menschenmenge getragen. Alle Fenster und Balkone sind vollbesetzt. Ueber zehntausend Menschen sind in Bewegung. Mitten auf der Straße wird Halt gemacht und der Oberkantor Zipuk stimmt ein mm 1's an. Bei Nennung des Namens ist die ganze Stadt in ein Schluchzen aufgelöst. Der Rabbi wird noch einmal in seine bescheidene Mahnung getragen, für ein paar Minuten nur. Kinder und sonstige nahe Angehörige sind nicht da. Aber Rabbiner und Schüler vollziehen die Keriah, als ginge ihr Väter dahin. Der andere Gaon von Dwinsk, Rabbi Josef R 0 s i n, genannt der „Rogvtschower", ordnet an, daß ein Minjan thorakundrger Gemeindemitglieder während der sieben Trauertage im Hause zu weilen hätten, um zu trauern und Trost entgegenzunehmen. Er selbst wollte mit dabei sein. Dann wird die Bahre aus dem Hause in das Beth Hamidrasch getragen, wo er fast vierzig Jahre lang gelehrt und gebetet hatte. Der Oraun wird auf den erhöhten Rabbinersitz gestellt. Hundert Lichter beleuchten das Haus, neben den elektrischen auch hohe Wachskerzen wie am Kol Nidrs-Abend. Der Rigaer Rabbiner Sack hält wieder einen Hesped. Dann spricht der alte Schames, der fast vierzig Jahre seinem Rabbi in Treue gedient hatte. Die einfachen Worte wirken erschüttternd. Gegen acht Uhr abends beginnt der Zug nach dem Friedhof. Das Menschenmeer ist dermaßen angestiegen, daß man Anfang und Ende des Zuges, Bahre, Ehrendelegationen, Rabbiner und sonstige Teilnehmer nicht mehr auseinanderhalten kann. Bei jeder Synagoge und jedem Beth Hamidrasch wird Halt gemacht. FM §gpn kls Wk llMZ ist Skk gö8 88l SklN 8» DDT uTiQtiangt. WllMMM rnmtyim \m MlaiM. Hier geht es rasch. In einet halben Stunde ist alles vollbracht. Kadisch sagt ein Freund des Rabbi, der tagtägliH um ihn herum war, Rabbi Binjomin Lewinsohn. Die Fackeln sind ausgebrannt. Cd ist alles in Finsternis gehüllt. Gebeugten Hauptes zerstreut sich die Menge in die Nacht. Zu den »Zwei Fragen" in ll'vsiv '2- Von Rabbiner 2r. Felix Kanter in Zwktkau (Mähren). Was die erste der von mir in Nr, 33 des „Israelit" aufgeworfenen Zwei Fragen anbelangt, die Bemerkung Raschis zu dem Vers iv mp' betreffend, fo bemerken die Herren Rabbinats- Affeffor M. Glaser in Brünn, Emil Breslauer in Breslau, Max Blatt in Frankfurt am Main und Jacob Teßler in Nürnberg mit Recht, daß mit